Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, sind eine weit verbreitete und oft stark beeinträchtigende Schmerzerkrankung. Sie können nach einem Sturz auftreten und sich durch stechende, kribbelnde oder brennende Schmerzen äußern, die in Rücken oder Beinen lokalisiert sein können. Neben Rückenschmerzen und Kopfschmerzen zählen Neuralgien zu den häufigsten Ursachen für chronische Schmerzen.
Ursachen von Nervenschmerzen nach einem Sturz
Nervenschmerzen entstehen durch eine Schädigung im Nervengewebe, die durch verschiedene Faktoren verursacht werden kann. Nach einem Sturz können folgende Ursachen für Nervenschmerzen in Frage kommen:
Direkte Nervenverletzungen: Bei einem Sturz können Nerven gequetscht, gedehnt oder sogar durchtrennt werden. Dies kann zu einer direkten Schädigung der Nervenfasern führen und neuropathische Schmerzen auslösen. Nerven können beispielsweise bei Autounfällen geschädigt oder sogar durchtrennt werden. Im letzten Fall hat der Chirurg die Möglichkeit, die beiden Nervenenden mit einer End-zu-End-Naht wieder zu verbinden. Voraussetzung hierfür ist, dass nicht zu lange gewartet wird. Denn schon nach wenigen Wochen bilden sich die beiden Enden soweit zurück, dass keine direkte Naht mehr möglich ist. Eine therapeutische Option ist in einem solchen Fall eine Nerventransplantation. Der Chirurg benutzt hierfür körpereigenes Nervengewebe des Patienten (meist aus der Wade). Für das Einnähen verwendet er feinste, mit bloßem Auge kaum sichtbare Nähte.
Bandscheibenvorfall: Ein Sturz kann einen Bandscheibenvorfall verursachen oder verschlimmern. Tritt der gallertartige Kern aus der Hülle der Bandscheibe und drückt auf Spinalnerven, klagen Betroffene über heftige Schmerzen im Rücken, die bis in die Beine ausstrahlen können. Der Mediziner muss dann unter Umständen einen Teil oder die komplette Bandscheibe entfernen. Die Bandscheibe drückt auf einen Nerv und reizt ihn. Besonders der Ischias ist oft betroffen. Die Schmerzen können bis in Gesäß und Bein ausstrahlen.
Verengung des Spinalkanals (Spinalkanalstenose): Durch degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, wie z. B. Arthrose, können sich Knochensporne bilden, die auf die Nervenwurzeln drücken und diese reizen.
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Entzündungen: Entzündungen im Bereich der Wirbelsäule können ebenfalls Nervenschmerzen verursachen.
Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS): In seltenen Fällen kann ein Sturz ein CRPS auslösen, eine chronische Schmerzerkrankung, die durch eine übermäßige Reaktion des Körpers auf eine Verletzung gekennzeichnet ist. Das Komplex Regionale Schmerzsyndrom (engl. CRPS - Complex Regional Pain Syndrome und früher auch Morbus Sudeck oder Sympathische Reflexdystrophie genannt) ist eine Schmerzerkrankung, die noch nicht vollständig verstanden ist. Sie kann in Folge einer Körperschädigung (z.B nach einem Knochenbruch) auftreten und zeigt sich als eine Konstellation von Schmerzen, entzündlichen Symptomen, reduzierter Beweglichkeit und reduzierter Kraft, sowie Störungen der Sensibilität.
Schleudertrauma: Ein Schleudertrauma entsteht, wenn plötzlich und unerwartet aufgezwungene Beschleunigungskräfte auf Kopf und Hals einwirken. Ein Schleudertrauma kann aber auch durch einen Sturz beziehungsweise eine seitliche Kollision entstehen, zum Beispiel beim Fahrrad- oder Skifahren oder auf der Kirmes im Autoscooter.
Symptome von Nervenschmerzen nach einem Sturz
Die Symptome von Nervenschmerzen können vielfältig sein und hängen von der Ursache und dem betroffenen Nerv ab. Typische Symptome sind:
Schmerzen: Die Schmerzen werden oft als brennend, stechend, elektrisierend oder einschießend beschrieben. Sie können konstant oder intermittierend auftreten und sich bei bestimmten Bewegungen oder Belastungen verstärken.
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Missempfindungen: Betroffene können Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheit oder ein Gefühl von "Ameisenlaufen" in dem von dem betroffenen Nerv versorgten Gebiet verspüren. Schon harmlose Reize wie leichte Berührung, Wärme, Kälte oder Druck auf der Haut können bei Betroffenen Schmerzen auslösen (Allodynie).
Kraftverlust: In einigen Fällen kann es zu einem Kraftverlust oder Lähmungen in den von dem betroffenen Nerv versorgten Muskeln kommen.
Eingeschränkte Beweglichkeit: Die Schmerzen können zu einer eingeschränkten Beweglichkeit der betroffenen Körperregion führen.
Diagnose von Nervenschmerzen nach einem Sturz
Die Diagnose von Nervenschmerzen basiert in der Regel auf einer ausführlichen Anamnese, einer körperlichen Untersuchung und bildgebenden Verfahren.
Anamnese: Der Arzt wird den Patienten nach der Art der Schmerzen, deren Lokalisation, Auslösern und Begleitsymptomen fragen.
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Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird die Reflexe, die Sensibilität und die Muskelkraft des Patienten überprüfen, um die Lokalisation der Nervenschädigung festzustellen.
Bildgebende Verfahren: Um die Ursache der Nervenschmerzen zu ermitteln, können bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden.
Behandlung von Nervenschmerzen nach einem Sturz
Die Behandlung von Nervenschmerzen zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Funktion wiederherzustellen und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die Behandlung kann konservative und operative Maßnahmen umfassen. Nicht immer muss ein Patient, bei dem eine Nervenschädigung vorliegt, zwingend mit starken Schmerzmitteln behandelt werden oder sich gar einer Operation unterziehen. Fall der Neurochirurg. Erkrankungen in ihrer Komplexität berücksichtigen.
Konservative Behandlung
Schmerzmittel: Zur Schmerzlinderung können verschiedene Schmerzmittel eingesetzt werden, darunter nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac, Opioide, Antidepressiva und Antiepileptika. Die Therapie von Nervenschmerzen ist oft schwierig, denn rezeptfreie Schmerzmittel wirken in der Regel nicht bei den Patienten. Diese Medikamente modulieren die Nervenaktivität und blockieren Schmerzsignale. Ob die medikamentöse Schmerztherapie hilft und die Intensität der Schmerzen nachlässt, zeigt sich meist erst nach zwei bis vier Wochen.
- Stufe 1: Dazu gehören beispielsweise die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure oder Paracetamol. Sie zählen zu den schwächeren Schmerzmitteln und sind meist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.
- Stufe 2: Stufe 2 sieht den Gebrauch mittelstarker Opioide (synthetisch hergestellte Arzneimittel aus Opium) vor. Substanzen dieser Schmerzklasse verschreibt der Arzt, wenn Schmerzmittel der Stufe 1 nicht mehr ausreichen.
- Stufe 3: Stufe 3 beinhaltet den Einsatz starker Opioide. Beim Einsatz dieser Schmerzmittel ist eine ärztliche Überwachung der Therapie wichtig. Schmerzmittel sind in Form von Tabletten, Spritzen, Gels oder Wirkstoffpflastern erhältlich.
- Antiepileptika: Ursprünglich zur Therapie epileptischer Anfälle entwickelt, werden die Präparate mittlerweile häufig auch bei Nervenschmerzen angewandt. Sie hemmen übererregte Nervenzellen und verhindern dadurch, dass diese ständige Schmerzsignale aussenden.
- Antidepressiva: Die zur Behandlung von Depression zugelassenen Arzneimittel wirken nicht nur stimmungsaufhellend, sondern auch schmerzlindern und eignen sich deshalb auch bei neuropathischen Schmerzen. Das gilt insbesondere für trizyklische Antidepressiva, deren Namen sich auf ihre chemisch dreifache Ringstruktur bezieht und die am längsten auf dem Markt sind.
- Capsaicin: Der natürlich in Chilischoten vorkommende Wirkstoff hat sich ebenfalls bei Nervenschmerzen bewährt. Er deaktiviert hyperaktive Rezeptoren, die Schmerz wahrnehmen, und hemmt somit die Schmerzwahrnehmung. Der Arzt verordnet in vielen Fällen eine Kombination aus zwei oder mehreren Wirkstoffen.
Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern, die Muskeln zu stärken und die Schmerzen zu lindern. Krankengymnastik dehnt und stärkt die Muskulatur und lindert dadurch die Schmerzen.
Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit den Schmerzen umzugehen, Stress abzubauen und die Lebensqualität zu verbessern. Nervenschmerzen können eine starke psychische Belastung sein. Um Depressionen oder Angststörungen vorzubeugen, kann daher eine psychologische Behandlung sinnvoll sein.
Alternative Behandlungsmethoden: Einige alternative Behandlungsmethoden, wie z. B. Akupunktur, Massagen oder Homöopathie, können ebenfalls zur Schmerzlinderung beitragen. Akupunktur: Die Methode aus der traditionellen chinesischen Medizin setzt auf das Einbringen von Nadeln in die Haut an bestimmten Energiepunkten und eine ganzheitliche Sichtweise zur Linderung der Beschwerden. Bisher gibt es jedoch nicht ausreichende Nachweise, die eine Wirkung gegen Nervenschmerzen belegen. Massagen: Sie fördern die Durchblutung und lockern das Bindegewebe. Massagen werden daher in einigen Fällen als wohltuend empfunden. Homöopathie: Wissenschaftlich gilt die Homöopathie als nicht ausreichend wirksam, dennoch vertrauen viele Menschen auf die „sanfte Behandlungsmöglichkeit“. Auch hier richtet sich die Wahl der Mittel nach der zugrundeliegenden Ursache.
Elektrotherapie: Eine alternative Behandlungsmethode ist die Elektrotherapie, bei der elektrische Impulse zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Die häufigste Methode ist die sogenannte epidurale Rückenmarkstimulation (englisch „spinal cord stimulation“, = SCS), bei der durch ein operatives Verfahren mehre Elektroden in den Rücken implantiert werden. Diese stimulieren die hinteren Abschnitte des Rückenmarks. Keine Implantation erfordert hingegen die Transkutane Elektrische Nerven-Stimulation, kurz TENS. Die Elektroden werden direkt an den schmerzhaften Hautregionen angeklebt und sind mit einem kleinen tragbaren Gerät verbunden. Per Knopfdruck lassen sich sanfte elektrische Impulse erzeugen, welche die Schmerzen hemmen sollen.
Hausmittel: Hausmittel können Nervenschmerzen nicht beseitigen, aber tun bisweilen gut. Dazu zählen kühle Kompressen, warme Auflagen oder Bäder. Wärme- und Kältebehandlungen: Diese lassen sich sehr leicht in den Alltag integrieren und zu Hause durchführen. Während bei Entzündungen vor allem Kälte (zum Beispiel in Form kalter Kompressen) angewandt werden kann, kann in einigen Fällen auch eine Wärmflasche oder ein warmes Bad als wohltuend empfunden werden. Bei Empfindungsstörungen müssen Sie jedoch sehr vorsichtig sein, um Verbrennungen oder Erfrierungen zu vermeiden.
Operative Behandlung
In einigen Fällen, in denen die konservative Behandlung nicht ausreichend wirksam ist, kann eine Operation erforderlich sein. Operative Eingriffe können beispielsweise bei einem Bandscheibenvorfall, einer Spinalkanalstenose oder einer Nervenverletzung in Frage kommen.
Karpaltunnelsyndrom: Durch die Einklemmung des Mittelnervs im Handgelenk entstehen Schmerzen, Taubheitsgefühle oder ein Kribbeln in den Fingern. Meist wird zunächst versucht, die Beschwerden konservativ (beispielsweise mittels Ruhigstellung oder Kühlung) zu behandeln. Stellt sich keine Besserung ein, kann eine operative Freilegung des Nervs zu einer Entlastung führen.
Bandscheibenvorfall: Tritt der gallertartige Kern aus der Hülle der Bandscheibe und drückt auf Spinalnerven, klagen Betroffene über heftige Schmerzen im Rücken, die bis in die Beine ausstrahlen können. Der Mediziner muss dann unter Umständen einen Teil oder die komplette Bandscheibe entfernen.
Nervenverletzungen: Nerven können beispielsweise bei Autounfällen geschädigt oder sogar durchtrennt werden. Im letzten Fall hat der Chirurg die Möglichkeit, die beiden Nervenenden mit einer End-zu-End-Naht wieder zu verbinden. Voraussetzung hierfür ist, dass nicht zu lange gewartet wird. Denn schon nach wenigen Wochen bilden sich die beiden Enden soweit zurück, dass keine direkte Naht mehr möglich ist. Eine therapeutische Option ist in einem solchen Fall eine Nerventransplantation. Der Chirurg benutzt hierfür körpereigenes Nervengewebe des Patienten (meist aus der Wade). Für das Einnähen verwendet er feinste, mit bloßem Auge kaum sichtbare Nähte.
Neurodestruktion: In sehr seltenen Fällen und bei sehr starken Schmerzen (zum Beispiel Tumorschmerzen) ist auch eine Neurodestruktion möglich. Bei einem solchen Eingriff werden Nerven beziehungsweise Nervengeflechte durch chemische oder thermische Verfahren zerstört. Zudem ist eine chirurgische Durchtrennung möglich. Dadurch wird die Funktion der Nerven temporär oder langfristig ausgeschalten. Der Eingriff gilt als risikoreich und wird daher nur als letzte Option in Betracht gezogen.
Weitere wichtige Aspekte
Frühzeitige Behandlung: Betroffene sollten mit der Behandlung der Schmerzen möglichst frühzeitig beginnen, da das Nervensystem ansonsten für den Schmerz geradezu sensibilisiert wird. Es kann sich ein Schmerzgedächtnis entwickeln und die Gefahr einer Chronifizierung besteht.
Individuelle Therapie: Die Behandlung von Nervenschmerzen sollte immer individuell auf den Patienten und die Ursache der Schmerzen abgestimmt sein.
Multimodaler Ansatz: Oft ist ein multimodaler Ansatz erforderlich, der verschiedene Behandlungsansätze kombiniert. In der Schmerztherapie werden häufig Medikamente mit Physiotherapie oder Psychotherapie kombiniert. Weitere Ansätze für die Therapie sind Nervenblockaden, Infiltrationen, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) und Entspannungstechniken.
Psychische Unterstützung: Nervenschmerzen können eine erhebliche psychische Belastung darstellen. Eine psychische Unterstützung kann helfen, mit den Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
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