Schulterschmerzen können eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität darstellen. Sie können plötzlich nach einem Unfall auftreten oder sich langsam über einen längeren Zeitraum entwickeln. Die Ursachen für Schulterschmerzen sind vielfältig und reichen von harmlosen Muskelverspannungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen, Symptome, Diagnosemethoden und Behandlungsmöglichkeiten von Nervenschmerzen in der Schulter nach einem Unfall.
Das Wichtigste in Kürze
Schulterschmerzen entstehen häufig durch Überlastung, Verspannung, Entzündung oder Abnutzung. Typische Symptome sind Bewegungseinschränkung, Schmerz bei Belastung und nächtliche Beschwerden. Ursachen reichen von harmlosen Muskelproblemen bis zu Erkrankungen wie Arthrose oder einer „Frozen Shoulder“. Die Diagnose erfolgt durch körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren (z. B. Ultraschall oder MRT). Therapiemöglichkeiten sind u. a. Schmerzmittel, Physiotherapie, Infiltrationen und in manchen Fällen Operationen. Frühzeitige Behandlung verhindert eine Chronifizierung der Beschwerden.
Erste Hilfe bei Schulterschmerzen
Bei akuten Schulterschmerzen können folgende Maßnahmen zur Linderung beitragen:
- Kühlen: Ein gefrorenes Gel-Kühlpack in ein dünnes Tuch wickeln und auf die schmerzende Schulter legen, bis das Tuch Körpertemperatur angenommen hat. Das Kühlen kann 5-8 Mal am Tag (auch nachts) wiederholt werden.
- Wärme: Wärmepflaster aus der Apotheke können bei muskulären Ursachen wie Sportverletzungen helfen, die Muskulatur zu entkrampfen. Bei Entzündungen sollte jedoch keine Wärme angewendet werden.
- Einseitige Lasten vermeiden: Leichte Schulterschmerzen können ein Signal für einseitige Belastung der Schulter sein und zu höherem Verschleiß führen. Wechseln Sie daher öfter die Schulter beim Tragen, vor allem wenn bereits Schmerzen aufgetreten sind. In der Schmerzphase sollte die betroffene Schulter ganz entlastet werden. Langfristig verteilt ein Rucksack die Lasten gleichmäßiger über zwei Tragegurte.
- Heilpflanzen: Bei Schulterschmerzen aufgrund von Arthrose können Heilpflanzen den Schmerzen entgegenwirken. Umschläge mit Arnikablüten oder Einreibungen mit Arnika-Salbe oder -Gel eignen sich bei akuten schmerzhaften Gelenksentzündungen. Durchblutungsfördernde Bäder mit Heublumen oder Rosmarinöl in Kombination mit Eukalyptusöl können in Zeiten geringerer Beschwerden als wohltuende Wärmetherapie angewendet werden. Bei arthrosebedingten Schulterschmerzen empfiehlt sich zudem ein entzündungshemmender Tee aus Teufelskrallenwurzel.
- Medikamente: Vor der Anwendung von rezeptfreien Schmerzmitteln und entzündungshemmenden Medikamenten wie Ibuprofen sollte ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden, um hinsichtlich Auswahl, Dosierung und Anwendungsdauer eines geeigneten Präparates beraten zu werden.
Was sind Schulterschmerzen?
Das Kugelgelenk der Schulter ist das beweglichste Gelenk unseres Körpers, da es zum größten Teil von Sehnen und Muskeln stabilisiert wird und somit einen großen Bewegungsspielraum ermöglicht. Dies hat aber gleichzeitig zur Folge, dass die Schulter sehr anfällig für Verschleißerkrankungen und Verletzungen ist, die sich durch Schulterschmerzen äußern. Diese treten bei jedem Geschlecht und jeder Altersgruppe auf. Dabei kommt es nicht selten vor, dass die Schmerzen in Schulter, Nacken und den gesamten Arm bis hin zu den Fingern ausstrahlen. Sie können beim Sport oder beim Heben von schweren Gegenständen plötzlich auftreten. Durch Liegen auf dem Arm während der Nacht werden häufig akute Beschwerden ausgelöst. Dabei rühren 85 Prozent der Schulterschmerzen nicht vom Schultergelenk selbst her. Sie können durch krankheits- oder verletzungsbedingte Schäden an Sehnen, Muskeln, Gelenkkapsel und durch Gelenkverschleiß verursacht sein. Aber auch Erkrankungen der Leber, Galle oder ein Herzinfarkt können Schulterschmerzen hervorrufen.
Formen und Arten von Schulterschmerzen
Man unterscheidet bei Schulterschmerzen zwischen akuten und chronischen Schmerzen. Akute Schulterschmerzen treten nach einem Sturz oder Unfall plötzlich auf und können von einer ausgekugelten Schulter herrühren. Chronische Schulterschmerzen entwickeln sich über einen längeren Zeitraum und sind meistens sehr hartnäckig. In vielen Fällen ist Gelenkverschleiß oder Arthrose ursächlich.
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Ursachen von Schulterschmerzen nach einem Unfall
Akute oder chronische Schulterschmerzen können auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein:
- Muskelverspannungen: Muskelverspannungen der Nacken- und Schulterpartie führen häufig zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule und des Schultergelenks. Sie treten meistens bei Menschen auf, die beruflich einer sitzenden Tätigkeit nachgehen und sich in ihrer Freizeit zu wenig bewegen. Zudem können auch Probleme im Kauapparat zu Muskelverspannungen führen. Diese werden als craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) zusammengefasst, wozu bspw. Presser (Bruxismus) und Knirscher gehören.
- Schultergelenkarthrose/ Gelenkabnutzung: Bei Gelenkabnutzung, der sogenannten Schultergelenkarthrose, nimmt die Knorpelschicht an den Gelenkflächen stetig ab. In der Folge entstehen Schulterschmerzen und die Bewegungseinschränkung der Schulter nimmt zu.
- Impingement-Syndrom/ Engpass-Syndrom: Im Falle eines abfallenden Schulterdaches besteht grundsätzlich wenig Platz zwischen Schulterdach und -kugel. Verkalkungen sowie Veränderungen des Schultereck-Gelenkes und degenerative Schäden der Rotatorenmanschette können zu dauerhaften entzündlichen Veränderungen führen. Die Bursa subacromialis kann im Rahmen der Bursitis ein Auslöser für ein Impingement sein, muss aber nicht. Die Schmerzen entstehen jedoch durch die Einklemmung der Sehne des Musculus supraspinatus. Dies verursacht Schmerzen und eine Bewegungseinschränkung.
- Riss der Rotatorenmanschette: Reißt die Rotatorenmanschette als muskulärer Halteapparat der Schulterkugel akut, treten plötzliche Schulterschmerzen auf. Reißt die Bicepssehne, spricht man von einer Bicepssehnenruptur. Da diese Sehnenrisse nicht selbstheilend sind, wird heutzutage in beschwerdebehafteten Fällen eine Wiederherstellung der Sehnenhaube durch einen endoskopischen Eingriff beim Spezialisten angestrebt. Zu beachten ist, dass eine Nachbehandlungsdauer von einem viertel bis halben Jahr erforderlich ist und Sehnenrisse, welche durch Abnutzung entstanden sind, an gleicher oder anderen Stellen wieder auftreten können, dann aber selten Beschwerden machen.
- Schleimbeutelentzündung: Der subacromiale Schleimbeutel zwischen dem Oberarmkopf, unter dem Schulterdach, ist einer der größten Schleimbeutel im menschlichen Körper. Bei einer Schleimbeutelentzündung (Bursitis subacromialis) äußern sich die Schmerzen akut. In den meisten Fällen geht eine mechanische Überbelastung voraus z. B. durch Überkopfarbeiten. In der Folge kommt es zur Bildung von Mikroverletzungen und Ausfallen von Kristallen, die dann eine aseptische Entzündung auslösen können.
- Unfallfolgen/ Verletzung: Ein ausgekugeltes Schultergelenk (Schulterluxation) oder ein Oberarm-Bruch nah des Schulterbereiches oder des Schlüsselbeines gehen mit Schulterschmerzen einher. Oft sind Stürze oder Instabilität der Schultergelenke dafür verantwortlich. Im höheren Lebensalter genügen banale Traumen für eine Oberarmfraktur. Treten die Beschwerden infolge eines Sturzes oder Schlages auf, kann es sich um eine Gelenkeinblutung handeln. Menschen mit Blutgerinnungsstörung sind dabei besonders gefährdet.
- Kalkschulter: Man spricht von einer Kalkschulter, wenn sich Kalkkristalle an den Sehnenansätzen festsetzen. Es resultieren Schulterschmerzen.
- Frozen Shoulder Syndrom: Bei der sogenannten Frozen Shoulder ist die Schultergelenkkapsel erkrankt. Betroffene haben zunächst starke Schulterschmerzen, die dann allmählich nachlassen, während die Schulter gleichzeitig immer steifer wird.
- Mausarm-Syndrom: Beim sogenannten Mausarm (RSI-Syndrom) sind überweigend die Hand und der Arm, aber auch Schulter und Nacken betroffen. Die Ursache des Syndroms ist eine chronische Über- und Fehlbelastung. Typisch für einen Mausarm sind Missempfindungen, Muskelschwäche und vor allem Schmerzen.
- Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule: Ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule kann zu Nackenschmerzen, ausstrahlenden Schmerzen im Arm, Schulterschmerzen und Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Arm oder Hand führen.
- Weitere Erkrankungen: Die Borreliose, die von Zecken auf den Menschen übertragen wird, sowie die schmerzhafte Gürtelrose können Schmerzen in der Schulter verursachen. Ein Herzinfarkt oder auch eine Gallenkolik können von plötzlichen Schulterschmerzen angekündigt werden, ebenso wie ein Pancoast-Tumor (Lungentumor).
Es ist wichtig zu beachten, dass Veränderungen der langen Bizepssehne zu Schmerzen und schweren Schäden an der Sehnenhaube der Schulter führen können. Diese Erkrankungen sind zum Teil sehr schwierig zu erkennen. Bei Veränderungen im Bereich der Rotatorenmanschette bzw. der Bizepssehne sollten keine ruckartigen Belastungen und endgradigen Rotationsbewegungen durchgeführt werden, wie sie im Alltag, Beruf und beim Sport nicht selten sind.
Nach einem Unfall können auch Prellungen, Zerrungen, Frakturen des Oberarmkopfes oder Verletzungen des Schultereckgelenks zu Schulterschmerzen führen. Eine Schulterluxation, bei der der Oberarmkopf aus dem Gelenk ausgekugelt ist, ist ebenfalls eine häufige Folge von Unfällen oder Überdehnungen.
Symptome von Schulterschmerzen
Typische Symptome von Schulterschmerzen sind:
- Bewegungseinschränkungen
- Überkopftätigkeiten sind kaum möglich
- Instabilitätsgefühle in der Schulter
- Reibegeräusche im Schultergelenk
- Kraftverlust im Arm
- Kältegefühle, Kribbeln und Taubheitsgefühle in der Schulter
- Schwellungen, Prellungen und Verformungen im Schulterbereich
- Ausstrahlende Schmerzen im gesamten Oberarm, Unterarm und in der Hals- und Brustwirbelsäulenregion
- Schmerzen auch nachts im Schlaf
Diagnose von Schulterschmerzen
Die Diagnose bei Schulterschmerzen stellt in den meisten Fällen der Orthopäde.
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- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und die medizinische Familiengeschichte des Patienten. Die Dauer der Schmerzen, das erste Auftreten, der Verlauf und der genaue Schmerzort sind wesentlich für die Einschätzung. Die Antworten können erste Hinweise auf mögliche Ursachen oder vererbte Krankheiten wie die Arthrose geben.
- Orthopädische Untersuchung: Der Orthopäde lokalisiert den genauen Punkt des Schmerzes und ermittelt, wie beweglich die Schulter ist. Er führt zudem eine optische Diagnose durch. Die Funktion der Muskeln des Schultergelenkes prüft er mittels spezieller Untersuchungsmethoden und -griffe.
- Neurologische Untersuchung: Funktions- und Leitungszustand der Nervenbahnen werden geprüft, wenn ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule als Ursache in Frage kommt.
- Bluttests: Die Blutprobe des Patienten wird auf Antikörper gegen Krankheitserreger untersucht, wenn eine Neuroborreliose hinter den Schulterschmerzen stecken könnte. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt werden in der Blutprobe die Herzenzyme bestimmt. Gerinnungsstörungen als mögliche Ursache einer Gelenkeinblutung lassen sich ebenfalls über eine Blutanalyse feststellen.
- Ultraschall: Die Ultraschalluntersuchung funktioniert ohne Strahlenbelastung und erlaubt die dynamische Untersuchung von Sehnen und Weichteilen unter Bewegung. Auch Flüssigkeitseinlagerungen (etwa bei Bursitis) können mit Ultraschall gut beobachtet werden. So lassen sich bspw. Schultersteife, Bizepssehnenriss, Gallenblasenentzündung und Gallensteine schnell als Ursache von Schulterschmerzen identifizieren.
- Röntgen: In der Röntgenaufnahme lassen sich knöcherne Strukturen, Gelenkverschleiß, Verkalkungen oder tumoröse Veränderungen beobachten. Röntgenbilder werden angefertigt, wenn eine Kalkschulter oder eine Blutuntersuchung, wenn eine Polymyalgia rheumatica vermutet wird.
- Computertomografie (CT): Das CT stellt Röntgenbilder einzelner Schichten dar, so dass Knochen, Sehnen und Weichteile abgebildet werden. Zusätzlich kann die Verabreichung eines Kontrastmittels die Aussagekraft der CT-Bilder erhöhen. Auf diese Weise können Teilbereiche innerhalb der Knochen dargestellt werden. Eine CT-Untersuchung geht allerdings auch immer mit einer hohen Strahlenbelastung einher. Diese Untersuchungsmethode kommt zum Einsatz, wenn ein Lungentumor (Pancoast-Tumor), eine Lungenembolie, ein Schulter-Arm-Syndrom oder ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule mögliche Ursache der Schulterschmerzen darstellt.
- Magnetresonanztomographie (Kernspintomographie): Die MRT-Untersuchung (Kernspintomografie) zeigt schichtweise feingewebliche Zustände wie Flüssigkeitseinlagerung, Ödeme sowie die Beschaffenheit von Sehnen und Bändern. Damit können vor allem Weichteilveränderungen, Entzündungen und Wassereinlagerungen als Ursache der Schulterschmerzen abgebildet werden. Auch diese Untersuchungsmethode geht mit Strahlenbelastung einher. Eine Magnetresonanz- oder Kernspintomografie ist hilfreich, wenn die Schulterschmerzen möglicherweise durch ein Impingement-Syndrom der Schulter, Gelenkabnutzung, einen Riss der Rotatoren-Manschette oder ein Schultergürtel-Kompressionssyndrom ausgelöst werden.
- Gelenkpunktion: Bei dieser Untersuchung wird mithilfe einer Nadel Gewebsflüssigkeit aus Schleimbeuteln oder dem Gelenk selbst gezogen und untersucht. Farbe und Konsistenz der Flüssigkeit geben Hinweise auf Krankheitsprozesse. Die Flüssigkeit kann auch mikroskopisch auf Keime und Entzündungen geprüft werden. So können Ursachen wie z.B. Entzündungen, Synovitis und bakterielle Infektionen ermittelt werden. Vermutet man eine bakterielle Entzündung des Schultergelenks, wird der Arzt oder die Ärztin mit einer dünnen Nadel eine Probe der Gelenkflüssigkeit entnehmen (Gelenkpunktion), um eine Bakterienkultur anzulegen. Lassen sich aus der Gelenkflüssigkeit tatsächlich Bakterien anzüchten, bestätigt dies den ärztlichen Verdacht.
- Lumbalpunktion: Bei dieser Untersuchungsmethode wird mit einer dünnen Nadel, im Bereich der Lendenwirbelsäule, eine Probe der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) entnommen. Kommt eine Neuroborreliose als Ursache von Schulterschmerzen in Betracht, wird die Probe auf Borrelien untersucht. Kommt eine Neuroborreliose als Ursache von Schulterschmerzen in Betracht, wird im Bereich der Lendenwirbelsäule mit einer dünnen Nadel eine Liquor-Probe (Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit) entnommen. Im Labor wird die Probe auf Borrelien - die Erreger der Neuroborreliose - hin untersucht.
- Elektrokardiogramm (EKG): Eine Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität gibt Aufschluss darüber, ob ein Herzinfarkt die Schmerzen in der Schulter verursacht hat.
- Herzkatheteruntersuchung: Auch dieser Untersuchung geht der Verdacht auf einen Herzinfarkt voraus. Auch eine Untersuchung mittels Herzkatheter wird immer dann bei Schulterschmerzen durchgeführt, wenn ein Herzinfarkt der Auslöser für die Schmerzen sein könnte.
- Lungenspiegelung (Bronchoskopie): Eine kleine Kamera wird an der Spitze eines dünnen Schlauches oder eines Metallrohrs befestigt und über Mund oder Nase in die Luftröhre und ihre Hauptabzweigungen (Hauptbronchien) eingeführt. So kann der Arzt die Luftwege, zum Beispiel bei Verdacht auf einen Lungentumor, von innen begutachten. Bei dieser - auch Bronchoskopie genannten - Untersuchung wird eine kleine Kamera, befestigt an der Spitze eines dünnen Schlauches oder eines Metallrohrs, über Mund oder Nase in die Luftröhre und ihre Hauptabzweigungen (Hauptbronchien) eingeführt. So kann der Arzt die Luftwege von innen anschauen. Das macht man vor allem bei Verdacht auf einen Lungentumor.
Verlauf von Schulterschmerzen
Der Verlauf von Schmerzen in der Schulter ist von der jeweiligen Ursache abhängig. Dauerhafte Überlastung der Gelenke führt zu irreversiblem Verschleiß und chronischen Schulterschmerzen. Anhaltende Verspannungen können ebenfalls zu chronischen Schmerzen führen. Bei mäßiger Gelenkführung treten im höheren Lebensalter nahezu immer degenerative, schmerzhafte Veränderungen am Schultergelenk auf. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen lassen die Schmerzen unter dem Schulterdach innerhalb von sechs Monaten nach.
Therapie von Schulterschmerzen
Die Behandlung von Schulterschmerzen hängt von der Ursache ab und kann Folgendes umfassen:
Medikamente
Für die medikamentöse Behandlung von Schulterschmerzen werden vor allem entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente, sogenannte nichsteroidalen Antirheumatika (NSAR), verabreicht. Dazu gehören bspw. Diclofenac oder Ibuprofen. Bei höherer Dosierung oder langfristiger Anwendung sind allerdings Nebenwirkungen im Magen- Darmbereich möglich. Um den Nebenwirkungen zu entgehen, ist auch eine Anwendung als Sportsalbe direkt auf der erkrankten Schulter möglich oder eine gleichzeitige Therapie mit einem Magenschutz wie Pantoprazol. Die Injektion von Kortison bei entzündlichen Veränderungen der Schultersehnen oder der Gleitgewebe (Bursitis) ist weit verbreitet. Bei Dauertherapie können allerdings Nebenwirkungen in Weichteilgewebe, Sehnen und Bänder entstehen.
Konservative Therapie
- Physiotherapie und zellbiologische Regulationstherapie: Die Beweglichkeit des Schultergelenks sowie die Position des Oberarmkopfes unter dem Schulterdach sind vom Gleichgewicht der Muskeln und Sehnen rund um das Schultergelenk abhängig. Schulterschmerzen oder Stoffwechselprobleme der Weichteilgewebe lassen sich daher besonders gut mit Physiotherapie behandeln. Die Physiotherapie des Schultergelenks hat folgende Ziele:
- Verkrampfung der Muskulatur lösen
- Fehlhaltungen korrigieren
- Muskelgleichgewicht herstellen
- Balance der Muskeln in der Rotatorenmanschette herstellen
- Verbesserung des Stoffwechsels zur Beseitigung von Entzündungen (Frozen Shoulder) oder Verkalkung (Kalkschulter)
- Optimierung von Heilungsvorgängen nach Schulterverletzungen oder bei der Degeneration von Sehnen
- Stoßwellentherapie: Bei der Stoßwellentherapie sollen präzise ausgerichtete Druckwellen schmerzhafte Ablagerungen an den Gelenken zerstören. Bei langanhaltenden, erfolglos behandelten Schmerzen kann eine Stoßwellenbehandlung sinnvoll sein, ggf. ist eine Schulterendoskopie mit Entfernung des krankhaft eingelagerten Kalkes erforderlich.
- Weitere konservative Maßnahmen:
- Ruhe und Schonung der Schulter
- Vermeidung von Überlastung und repetitiven Bewegungen
- Aufrechterhaltung einer guten Körperhaltung
- Aufwärmen vor sportlichen Aktivitäten
- Kühlen der Schulter
- Schmerzmittel bei Bedarf (nicht länger als 1-2 Wochen)
Operative Therapie
Eine Operation ist in schweren Fällen notwendig, um Schäden zu reparieren. Bei langanhaltenden Beschwerden ist eine endoskopische Operation mit Erweiterung des Schultereckgelenkes oder des Raumes unter dem Schulterdach sinnvoll. Da Sehnenrisse nicht selbstheilend sind, wird heutzutage in beschwerdebehafteten Fällen eine Wiederherstellung der Sehnenhaube durch einen endoskopischen Eingriff beim Spezialisten angestrebt. Bei knöchernen Engpass-Syndromen ist eine minimalinvasive Beseitigung der zur Reizung führenden Knochenstellen erforderlich.
Eine Schulterendoskopie und sogenannte „Gelenktoilette“ können durchgeführt werden, bevor ein künstliches Schultergelenk eingesetzt wird. Hier werden zerstörte Knorpel-, Sehnen- und Bandteile aus dem Gelenk entfernt, damit diese keine weiteren Entzündungen hervorrufen, und die gereizte Schleimhaut wird verödet. Dieser Eingriff bringt jedoch keine Heilung sondern nur einen Aufschub bis zum notwendigen künstlichen Ersatz des Gelenkes. Dieser sollte möglichst bevor eine zu starke Funktionseinschränkung des Gelenkes aufgetreten ist erfolgen. Besteht schon eine starke Funktionseinschränkung, ist diese durch das künstliche Gelenk nicht mehr komplett rückgängig zu machen.
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Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist empfehlenswert, einen Arzt aufzusuchen, wenn die Schulterschmerzen stark sind, länger als ein paar Tage andauern oder mit anderen Symptomen wie Taubheit oder Schwäche im Arm einhergehen. Auch bei plötzlich auftretenden Schmerzen oder massiven Bewegungseinschränkungen sollte keine Zeit verloren werden. Wenn im Gelenk oder im Schulterbereich Entzündungen zu beobachten sind, ist dies auch ein Fall für den Arzt.
Prävention von Schulterschmerzen
Präventionsmaßnahmen können helfen, das Risiko von Schulterschmerzen zu verringern. Dazu gehören:
- Regelmäßige Übungen zur Stärkung der Schulter- und Rückenmuskulatur
- Vermeidung von Überlastung und repetitiven Bewegungen
- Aufrechterhaltung einer guten Körperhaltung
- Aufwärmen vor sportlichen Aktivitäten
Eine einfache Übung zur Verbesserung der Schulterbeweglichkeit ist die Wanddehnung:
- Stellen Sie sich vor eine Wand und legen Sie den betroffenen Arm gestreckt mit der Innenfläche horizontal an der Wand ab. Wichtig ist, dass Ihre Schulter dabei direkten Kontakt zur Wand hat.
- Drehen Sie sich von der Wand weg und rotieren Sie Ihren Oberkörper so weit wie möglich, ohne die Schulter von der Wand zu nehmen. In dieser Dehnung ca. 30 Sekunden lang bleiben.
- Drücken Sie den Ellenbogen und die Hand 10 Sekunden lang mit voller Kraft gegen die Wand, ehe Sie diese Anspannung lösen.
- Verlassen Sie nun Ihre Ausgangsposition und platzieren Sie den Arm etwas höher als zuvor, idealerweise in einem Winkel zwischen 10 und 15 Grad über der Horizontalen. Drehen Sie sich danach wieder von der Wand weg und versuchen Sie, bei jedem Ausatmen noch etwas tiefer in die Dehnung zu gelangen.
- Falls möglich, legen Sie den Arm noch etwas höher an der Wand ab (in einem 45-Grad-Winkel).
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