Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, bei dem jede Minute zählt. Umso wichtiger ist es, die Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und schnell zu handeln. Dieser Artikel gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über Schlaganfälle, ihre Symptome, Risikofaktoren und die Bedeutung des FAST-Tests.
Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall, auch Hirnschlag oder Hirninfarkt genannt, tritt auf, wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird. Dies kann entweder durch ein verstopftes Blutgefäß (ischämischer Schlaganfall) oder durch eine Blutung im Gehirn (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht werden. In beiden Fällen erhalten die Gehirnzellen nicht genügend Sauerstoff und Nährstoffe, was zu Schädigungen und zum Absterben von Hirngewebe führen kann.
Laut der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erleiden jährlich rund 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Er ist die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter und die dritthäufigste Todesursache in Deutschland.
Ursachen und Risikofaktoren
Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen können. Einige davon sind nicht beeinflussbar, während andere durch einen gesunden Lebensstil reduziert werden können.
Nicht beeinflussbare Risikofaktoren:
- Alter: Das Schlaganfallrisiko steigt mit zunehmendem Alter. Ungefähr die Hälfte der Schlaganfälle ereignen sich bei über 75-Jährigen, aber auch jüngere Menschen können betroffen sein. 15 Prozent der Schlaganfall-Patienten sind unter 45 Jahre alt.
- Genetische Veranlagung: Wenn in Ihrer Familie bereits Schlaganfälle aufgetreten sind, könnte Ihr Risiko erhöht sein.
Beeinflussbare Risikofaktoren:
- Bluthochdruck: Je höher der Blutdruck, desto höher das Schlaganfallrisiko. Bluthochdruck schädigt die Gefäßwände und begünstigt die Entwicklung von Arteriosklerose.
- Cholesterinspiegel: Fettstoffwechselstörungen oder ein erhöhter Cholesterinspiegel verdoppeln das Schlaganfallrisiko.
- Gefäßgesundheit: Ursache für Schlaganfälle ist häufig eine Gefäßverkalkung, die sogenannte Arteriosklerose. Dabei bilden sich Ablagerungen in der elastischen Gefäßwand, die dadurch immer enger wird.
- Diabetes: Diabetes mellitus, auch Zuckerkrankheit genannt, erhöht für Diabetiker das Schlaganfallrisiko um das Zwei- bis Dreifache.
- Rauchen: Rauchen verdoppelt das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.
- Übergewicht: Übergewicht kann zu erhöhtem Blutdruck oder Diabetes führen.
- Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholkonsum erhöht das Schlaganfallrisiko. Ein moderater Konsum von Rotwein kann möglicherweise den Cholesterinspiegel senken, sollte aber nicht überschritten werden.
- Bewegungsmangel: Wenig körperliche Bewegung begünstigt das Schlaganfallrisiko. Sport hält die Gefäße elastisch und reguliert Blutdruck, Cholesterinwerte und Zuckerstoffwechsel.
Warnzeichen und Symptome eines Schlaganfalls
Es ist wichtig, die Warnzeichen eines Schlaganfalls zu kennen, um schnell handeln zu können. Die Symptome können plötzlich auftreten und unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Nicht immer treten alle Symptome gleichzeitig auf. Es kann sein, dass nur ein oder zwei Symptome bemerkbar sind. Auch wenn die Symptome nur kurz andauern, sollten sie ernst genommen und sofort von einem Arzt abgeklärt werden.
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Typische Schlaganfall-Symptome sind:
- Plötzliche Lähmung, insbesondere im Arm
- Einseitiges Taubheitsgefühl in Arm, Bein, Gesicht, Zunge oder Mundraum
- Einseitig herabhängender Mundwinkel
- Sehstörungen bis hin zur vorübergehenden Erblindung
- Sprachstörungen bis hin zum Verlust des Sprachvermögens
- Verminderte Ausdrucksfähigkeit
- Verständnisstörungen
- Verwirrtheit
- Hörverlust
- Gleichgewichtsstörungen und Schwindel
- Übelkeit und Erbrechen
- Bewusstlosigkeit
Der FAST-Test: Schlaganfall schnell erkennen
Der FAST-Test ist eine einfache und schnelle Methode, um einen Schlaganfall zu erkennen. Die Abkürzung FAST steht für:
- Face (Gesicht): Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln. Achten Sie darauf, ob ein Mundwinkel herabhängt.
- Arms (Arme): Bitten Sie die betroffene Person, beide Arme gleichzeitig nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Achten Sie darauf, ob ein Arm absinkt oder sich dreht.
- Speech (Sprache): Bitten Sie die betroffene Person, einen einfachen Satz nachzusprechen, z.B. "Ich trinke jetzt einen Kaffee." Achten Sie darauf, ob die Sprache verwaschen, undeutlich oder unverständlich ist.
- Time (Zeit): Wenn eines dieser Symptome auftritt, wählen Sie sofort den Notruf 112. Jede Minute zählt!
Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hat die kostenlose App „FAST-Test“ entwickelt, die bei der Überprüfung eines Schlaganfall-Verdachts hilft und den Notruf auslösen kann.
Was tun bis die Rettungskräfte eintreffen?
Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte sollten Sie folgende Maßnahmen ergreifen:
- Beruhigen Sie die betroffene Person und bleiben Sie bei ihr.
- Geben Sie der Person nichts zu essen oder zu trinken, da Schluckbeschwerden auftreten können.
- Lockern Sie beengende Kleidung und sorgen Sie für eine erhöhte Position des Oberkörpers, z.B. mit einem Kissen im Rücken.
- Wenn die Person erbricht oder bewusstlos wird, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage.
- Sollte kein Puls oder keine Atmung mehr feststellbar sein, beginnen Sie unverzüglich mit Wiederbelebungsmaßnahmen.
- Informieren Sie den Notarzt über die aufgetretenen Symptome, die eingenommenen Medikamente und den genauen Zeitpunkt des Auftretens der ersten Symptome.
Behandlungsmöglichkeiten
Je schneller ein Schlaganfall erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen auf eine vollständige Genesung.
- Thrombolyse: Innerhalb der ersten vier Stunden nach dem Schlaganfall können Ärzte versuchen, das verstopfte Blutgefäß durch die Verabreichung von Medikamenten (Thrombolyse) wieder zu öffnen.
- Thrombektomie: Bei einem Verschluss einer großen Hirnarterie kann eine Thrombektomie durchgeführt werden, bei der das Blutgerinnsel mit einem Katheter entfernt wird.
- Notfallversorgung: Die Überwachung der Vitalparameter und die Behandlung von Grunderkrankungen stehen im Vordergrund.
- Rehabilitation: Nach der Akutbehandlung ist eine Rehabilitation wichtig, um verloren gegangene Fähigkeiten wiederzuerlangen und die Lebensqualität zu verbessern.
Schlaganfall bei Kindern
Auch Kinder können einen Schlaganfall erleiden, obwohl dies seltener vorkommt als bei Erwachsenen. Ursachen und Symptome können sich von denen bei Erwachsenen unterscheiden. Während ein Schlaganfall bei Erwachsenen häufig durch Zivilisationskrankheiten verursacht wird, müssen bei einem Kind mehrere Faktoren zusammenkommen, damit es einen Schlaganfall erleidet. Die Diagnose und Behandlung eines Schlaganfalls bei Kindern erfordert spezialisierte Kenntnisse und Erfahrung.
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Welt-Schlaganfalltag
Am 29. Oktober findet jährlich der Welt-Schlaganfalltag statt. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe stellt ihn unter das Motto „Jeder Schlaganfall ist ein Notfall - 112“. Ziel ist es, die Bevölkerung über Schlaganfälle aufzuklären und das Bewusstsein für die Bedeutung eines schnellen Handelns zu schärfen.
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