Nervenschmerzen und Migränebehandlung: Ein umfassender Überblick

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Anders als bei Spannungskopfschmerzen sind die Symptome vielfältig, betreffen den ganzen Körper und schränken die Betroffenen oft stark ein. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Nervenschmerzen im Zusammenhang mit Migräne, ihre Behandlungsmöglichkeiten und präventive Maßnahmen.

Symptome der Migräne

Die Symptome einer Migräne sind vielfältig und können von Person zu Person variieren. Zu den häufigsten Begleitsymptomen gehören:

  • Übelkeit und Erbrechen: Fast alle Migräniker berichten über Übelkeit während und oft schon vor Migräneattacken. Viele Betroffene übergeben sich auch. Hinzu kommt oft auch völlige Appetitlosigkeit.
  • Hypersensibilität: Verschiedene Formen von Hypersensibilität sind nicht selten. Ob Licht, laute Geräusche oder sogar Gerüche - im Zusammenhang mit Migräne sind Erkrankte oft besonders empfindlich gegenüber solchen Reizen. Daraus resultiert meist das Bedürfnis, sich in einen dunklen, stillen Raum zurückzuziehen.
  • Kopfschmerzen: Die Kopfschmerzen selbst sind bei der Migräne ebenfalls sehr charakteristisch. In den meisten Fällen beginnt der Schmerz im Nacken und wandert von dort über die Schläfen bis zu den Augen. Häufig ist dieses Areal nur auf einer Seite betroffen, aber auch bilaterale Migräne kann auftreten. Dabei fühlen sich die Schmerzen pulsierend, hämmernd oder pochend an. Ebenfalls typisch ist, dass schon geringe körperliche Aktivität die Schmerzen verschlimmert.

Die Aura als Vorbote der Migräne

Etwa 10 bis 15 % der Betroffenen merken durch eine sogenannte Aura bereits im Voraus, dass sich eine Migräneattacke ankündigt. Auch hier gibt es eine Reihe von Symptomen, die klassisch für eine solche Migräneaura sind. Obwohl es Migränekranken nicht immer klar ist, läuft eine Migräne mit Aura meist in fünf Phasen ab:

  1. Vorbotenphase: Stunden oder sogar Tage vor der Attacke tritt Müdigkeit und manchmal Blässe ein. Gepaart sind diese Symptome teils mit Heißhunger, Übelkeit und Konzentrationsstörungen.
  2. Auraphase: Kurz vor Beginn der Kopfschmerzen kommen die bewusst wahrgenommenen Aura-Symptome hinzu: Sehstörungen (meist in Form eines Flimmerns, verschwommenen Sehens, Lichtblitzen, Zickzacklinien oder Gesichtsfeldeinschränkungen), Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheit in Armen und Beinen, seltener Sprachstörungen.
  3. Kopfschmerzphase: Die Kopfschmerzphase ist der Teil der Migräneattacke, die auch Betroffene ohne Aura durchleiden.
  4. Auflösungsphase: Nach den Kopfschmerzen folgt die Auflösungsphase, in der sich oft Symptome zeigen, die der Anfangsphase konträr gegenüberstehen. Während die Kopfschmerzen abnehmen, setzt beispielsweise völlige Appetitlosigkeit ein.
  5. Erholungsphase: Zuletzt kommt die Erholungsphase, in der keine Symptome mehr vorhanden sind, die Betroffenen aber brauchen, um sich von der Erschöpfung der Attacke zu regenerieren.

Dauer und Häufigkeit von Migräne

Die Einteilung in verschiedene Phasen gibt auch Aufschluss darüber, wie lange Migräne anhält. Während die ersten Vorbotensymptome bereits Tage vor der Attacke auftreten können, dauert die bewusste Aura der Migräne mit Symptomen an den Augen etwa fünf bis 30 Minuten, in Ausnahmefällen bis zu einer Stunde.

Die Migräne-Dauer, also die alles entscheidende Schmerzphase, kann deutlich länger sein und variiert stark. Ohne Behandlung halten die heftigen Kopfschmerzen für mindestens vier Stunden an und können sogar für bis zu drei Tage andauern. Da Migräniker in dieser Zeit meist nicht am Alltag teilnehmen können, stellt die Erkrankung eine große Einschränkung für das Leben Betroffener dar.

Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen

Auch die folgenden zwei Tage können noch an die Migräne „verloren gehen“ - denn so lange dauert mitunter die Erholungsphase der Erkrankten. Die Dauer eines Migräneanfalls liegt also insgesamt bei maximal einer Woche - wobei nur drei Tage davon mit Schmerzen einhergehen.

In den allermeisten Fällen haben Betroffene mehr schmerzfreie Tage als Tage mit Migräne. Wie oft im Monat Migräne auftritt, ist von Person zu Person verschieden, eine tatsächliche Dauer-Migräne gibt es aber nicht. In vereinzelten Fällen kann die Erkrankung allerdings chronisch werden - die Erkrankten haben dann für mindestens zwei Wochen pro Monat Schmerzen, und zwar über mehrere Monate hinweg.

Behandlungsmöglichkeiten von Migräne

Auch wenn Migränekopfschmerzen nur sporadisch auftreten, sind die heftigen Schmerzen, die Begleitsymptome und die lange Ausfalldauer für Betroffene extrem belastend. Leider ist eine Migräne - auch aufgrund der unklaren Entstehungsmechanismen - aktuell nicht heilbar. Zum Glück lassen sich aber immerhin die Symptome gut behandeln.

Bei Verdacht auf eine Migräne, beziehungsweise auch nach Sicherung der Diagnose, sollten Sie sich zunächst in einer ärztlichen Praxis beraten lassen. Die Therapiemethoden sind vielfältig und für verschiedene Menschen eignen sich oft unterschiedliche Ansätze - von Medikation über Prävention bis hin zu Hausmitteln hilft bei Migräne vieles.

Medikamentöse Behandlung

Grundsätzlich unterscheidet sich die Behandlung der Kopfschmerzen als Hauptsymptom der Migräne nicht unbedingt von anderen Kopfschmerzarten wie Cluster-Kopfschmerzen. Auch hier eignen sich daher Schmerzmittel wie die Aspirin®-Produkte mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS). Als passende Dosis gelten 900 bis 1000 mg, also zwei Tabletten à 500 mg.

Lesen Sie auch: Nervenschaden nach Zahnbehandlung: Symptome und Therapie

Ebenso ratsam sind Präparate, in denen neben schmerzstillenden Wirkstoffen auch Koffein enthalten ist. Die Substanz hat selbst eine schmerzlindernde Wirkung und sorgt dafür, dass der Wirkstoff ASS schneller wirken kann. Aspirin® Coffein kombiniert beide Wirkstoffe und sorgt bei Migräne für akute Hilfe.

Da Migräniker oft nicht nur unter den Kopfschmerzen selbst leiden, sondern vor allem auch die Übelkeit schwer erträglich ist, können auch Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen zum Einsatz kommen.

Bei besonders heftigen Migräneattacken sind einfache Schmerzmittel nicht immer ausreichend wirksam. Dann können sogenannte Triptane Abhilfe schaffen. Auch diese Medikamente wirken als Akutbehandlung der Kopfschmerzen bei Migräneanfällen schmerzlindernd und können, wenn nötig, mit anderen Arzneimitteln zusammen eingenommen werden. Notwendig ist eine Behandlung mit Triptanen vor allem dann, wenn andere Schmerzmittel keine Wirkung zeigen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sie an höchstens zehn Tagen im Monat eingenommen werden dürfen, da sie sonst Kopfschmerzen durch Schmerzmittel-Übergebrauch verursachen können.

Spezielle Migränemedikamente sind die Triptane. Sie zeigen eine sehr gute Verträglichkeit und sind spezifisch entwickelt worden, um die Verträglichkeit und Sicherheit in der Migräneakuttherapie sowie die Effektivität der Akuttherapie zu verbessern.

Triptane (Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan, Zolmitriptan) sind die am besten untersuchten Wirkstoffe bei der Akut-Therapie der Migräne, sie wirken auch gegen Übelkeit und Erbrechen. Triptane wirken gegen den Kopfschmerz. Die Medikamente imitieren die Eigenschaften des körpereigenen Botenstoffes Serotonin, mit dessen Hilfe die Weite der Blutgefäße reguliert wird. Sie werden daher auch als Serotonin-Agonisten bezeichnet. Triptane besetzen die Bindungsstellen von Serotonin auf den Gefäßen, was u.a. eine Verengung der Blutgefäße in den Hirnhäuten bewirkt, und den Migräneanfall unterbricht. Weiter hemmen sie die Freisetzung entzündlicher Eiweißstoffe im Gehirn (Neuropeptide) sowie die Fortleitung von Schmerzimpulsen.

Lesen Sie auch: Medikamentenfreie Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen

Triptane sollten nach der Aura, zu Beginn der Kopfschmerzphase eingenommen werden. Sie können aber auch noch während einer Migräneattacke erfolgreich angewendet werden. Triptane haben allerdings eine begrenzte Wirkdauer. Bei längeren Migräneattacken kann es deshalb nach einer beschwerdefreien Zwischenzeit erneut zu Kopfschmerzen und anderen Symptomen kommen. Tritt nach Einnahme von einem Triptan eine Besserung der Beschwerden ein und nehmen die Beschwerden später wieder zu, so ist in der Regel die Einnahme einer zweiten Tablette möglich. Triptane sollten auf keinen Fall an mehr als 10 Tagen im Monat verabreicht werden. Triptan-Präparate sind als Tabletten, Zäpfchen, Nasensprays oder Spritzen zur Selbstinjektion im Handel.

Mutterkornalkaloide (Ergotamine) und Triptane dürfen nicht zusammen oder kurz hintereinander eingenommen werden. Die Mutterkornalkaloide galten früher als Mittel der Wahl zur Behandlung einer Migräne. Ergotamine (Ergotamintartrat, Dihydroergotamin) sind ursprünglich aus dem Mutterkorn-Pilz gewonnene Substanzen mit einer großen Wirkungspalette. Die Wirksamkeit von Ergotaminen bei einer Migräne konnte in Studien bisher allerdings nicht eindeutig belegt werden. Außerdem zeigen Mutterkornalkaloide keine Wirkung gegen die Begleiterscheinungen einer Migräne wie Übelkeit und Erbrechen, im Gegenteil sie können diese sogar als Nebenwirkung auslösen. Daher werden heutzutage Triptane bei der Migräne-Therapie bevorzugt. Migräne-Patienten, die mit Mutterkornalkaloiden zufrieden sind, brauchen das Medikament natürlich nicht zu wechseln. Ergotamin-Präparate sind als Tabletten im Handel. Sie sollten nicht häufiger als 10 Tage im Monat zur Behandlung der Migräne eingesetzt werden.

Migränemittel können nach Absprache mit dem Facharzt mit Mitteln gegen Übelkeit (Wirkstoffe: Metoclopramid oder Domperidon) und/oder mit Schmerzmitteln (u.a. mit Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen, Metamizol oder Paracetamol) kombiniert werden. Zuerst sollte bei Bedarf immer das Medikament gegen Übelkeit eingenommen werden, dies kann bereits während der Aura erfolgen. Diese so genannten Anitemetika schaffen nicht nur die Voraussetzung dafür, dass das Migräne- bzw. Schmerzmittel im Körper bleibt, sie regen auch die Magen-Darm-Tätigkeit an.

Migräne vorbeugen

Ähnlich wie bei vielen anderen Schmerzerkrankungen ist auch bei der Migräne Prävention möglich. Mit den richtigen Gewohnheiten oder der Einnahme von Medikamenten können Sie also aktiv dazu beitragen, seltener Migräneattacken zu bekommen.

Welche Maßnahmen helfen können, hängt vor allem von den Migräne-Ursachen ab, die - wie beschrieben - sehr individuell sein können. So können Sie schwere Attacken reduzieren:

  • Auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus achten
  • Stress, Alkohol und Flüssigkeitsmangel möglichst vermeiden
  • Regelmäßig essen
  • Auf schnelle Wechsel von An- zu Entspannung verzichten
  • Bewusste Pausen einplanen

Insbesondere bei chronischen Beschwerden mit mehr als drei Migräneanfällen pro Monat ist es auch möglich, präventive Medikamente einzunehmen. Häufig angewendete Mittel sind hierbei Betablocker oder bestimmte Antidepressiva. Eine solche medikamentöse Vorbeugung müssen Sie unbedingt bei einem Besuch in einer ärztlichen Praxis besprechen und begleiten lassen. Ebenfalls gut zu wissen: Die Prophylaxe wirkt nur bei regelmäßiger Einnahme und braucht etwa zwei Monate, bis sie anschlägt.

Zur medikamentösen Vorbeugung stehen verschiedenste Möglichkeiten zur Verfügung. Man setzt Medikamente ein, wenn an mehr als sieben Tagen pro Monat Kopfschmerzattacken auftreten. Die Migräne tritt in einem großen Spektrum auf. Es gibt Menschen, die nur wenige und leichte Attacken haben. Bedauerlicherweise gibt es jedoch auch viele Betroffene, bei denen die Attacken besonders schwer sind, besonders lang anhalten und besonders häufig auftreten. Gerade im letzteren Fall ist es wichtig, eine spezialisierte Sprechstunde aufzusuchen, um das spezialisierte zeitgemäße Wissen verfügbar zu machen.

Bestimmte Arzneimittel können die Anzahl und die Schwere von Migräneattacken langfristig verringern. Es gibt unterschiedliche Darreichungsformen der Medikamente, zum Beispiel als Tablette, Fertigspritze oder Fertigpen. Sie alle haben gemeinsam, dass sie regelmäßig eingenommen oder verabreicht werden müssen. Es gibt jedoch Unterschiede, inwiefern Patientinnen und Patienten die Einnahme oder Verabreichung selbst durchführen können oder hierfür auf medizinisches Personal angewiesen sind. Einige der Substanzen sollten nicht von Frauen in der Schwangerschaft oder mit Kinderwunsch verwendet werden. Bei Fragen zu den unten genannten Therapiemöglichkeiten wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Die Auflistung der Medikamente erfolgt alphabetisch und in keinem Zusammenhang mit der Wirkung.

Antiepileptika / Antikonvulsiva

Antiepileptika sind krampflösende Wirkstoffe und finden eigentlich Anwendung in der Therapie von Epilepsie, werden aber auch in der Migränebehandlung eingesetzt. Mögliche Nebenwirkungen von Antiepileptika als Prophylaktika bei Migräne sind z.B. Müdigkeit, Hautausschläge oder Missempfindungen wie Kribbeln der Haut und Schwindel.

Blutdrucksenker

Bestimmte Blutdrucksenker werden zur Vorbeugung von Migräneattacken angewendet. Sie beruhigen das Nervensystem, verlangsamen den Herzschlag und senken den Blutdruck. Es können sowohl Betablocker als auch ACE-Hemmer oder Sartane zum Einsatz kommen. Zu den Nebenwirkungen von Betablockern gehören z.B. Müdigkeit, Schwindel, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Magen-Darm-Beschwerden.

Calciumantagonisten

Der Kalziumkanal-Blocker Flunarizin wird vorwiegend zur Behandlung von Schwindel eingesetzt, diese zeigt auch Effekte in der Migräneprophylaxe. Die Wirkweise ist noch nicht gänzlich geklärt. Sie basiert vermutlich auf der Blockade des Calciumstroms in die Muskelzellen, welcher fürs Zusammenziehen und Anspannen von Muskeln sorgt. Allerdings kommt es unter der Einnahme vermehrt zu Nebenwirkungen wie z.B. Depressionen und Gewichtzunahme.

Gegen CGRP und seinen Rezeptor gerichtete Wirkstoffe

Der Botenstoff CGRP (Calcitonin-Gene-Related-Peptide) wirkt gefäßerweiternd. CGRP wird eine wichtige Rolle in der Pathophysiologie der Migräne zugeschrieben. Es gibt so genannte monoklonale Antikörper, die unter die Haut gespritzt oder als Infusion gegeben werden. Als Nebenwirkungen können z.B. Rötungen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Verstopfung oder Schwindel auftreten. Es gibt auch Gepante, die oral gegeben werden. Als Nebenwirkungen können z.B. Übelkeit, Verstopfungen, Müdigkeit oder Schläfrigkeit, verminderter Appetit oder Gewichtsabnahme auftreten.

Neuromodulatoren

Die Zahl der Migräneanfälle kann durch Injektionen eines sogenannten Neuromodulators verringert werden. Der Wirkstoff kann hilfreich in der Medizin eingesetzt werden, indem er z. B. die Ausschüttung des Botenstoffs Acetylcholin an der Verbindung von Nerven und Muskeln hemmt. Zudem wird vermutet, dass der Wirkstoff die an der Migräneentstehung beteiligte Neuropeptiden wie CGRP beeinflusst. Nebenwirkungen können z.B. muskelkaterähnliche Beschwerden, hängende Augenlider oder Schmerzen an der Injektionsstelle sein.

Trizyklische Antidepressiva

Unter den Antidepressiva, die normalerweise zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden, wird nur ein Medikament zur Vorbeugung einer Migräne empfohlen: der nicht selektive Monoamin-Rückaufnahme-Hemmer Amitriptylin. Möglich Nebenwirkungen sind z.B. Verstopfung oder Kreislaufschwäche.

Akute Migräne - was tun?

Manchmal ist es trotz gesundem Lebensstil und vorbeugenden Maßnahmen zu spät und der Anfall ist da. Was hilft bei akuter Migräne? Diese Tipps sind häufig eine Hilfe bei Migräne:

  • Ruhe und Dunkelheit: Migränebetroffene leiden während eines Anfalls oft unter Überempfindlichkeit. Vielen hilft es, sich dann in einen abgedunkelten, stillen Raum zurückzuziehen.
  • Kühlung: Wie auch bei anderen Kopfschmerzarten ist ein feuchtes Tuch oder eine kühle Auflage häufig eine akute Hilfe bei Migräne.
  • Stimulation des Nervus trigeminus: Mithilfe eines speziellen Geräts, das auf die Stirn geklebt wird, kann der für Schmerz verantwortliche Nerv des Gesichts stimuliert werden, was die Schmerzen lindert.

Die schnellste Linderung von Migränekopfschmerzen ist allerdings durch die gezielte Einnahme von Schmerzmedikamenten zu erreichen. Die oben genannten Tipps können zusätzlich für Besserung sorgen.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Ihr Arzt kann Ihnen helfen, die besten Strategien gegen Kopfschmerzen und Migräne-Anfälle zu finden. Die Behandlung der Chronischen Migräne sollte dabei nicht nur Medikamente umfassen. Auch begleitende Maßnahmen, also nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten, können viel bewirken. Dazu gehören z. B.:

  • Sport- und Physiotherapie
  • Psychologische Beratung
  • Entspannungsverfahren
  • Akupunktur
  • Neurostimulation
  • Biofeedback-Therapie

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Behandlungsmöglichkeit individuell für Ihre chronische Migräne geeignet ist.

Okzipitale Nervenstimulation (ONS)

Die Okzipitale Nervenstimulation (ONS) ist eine neuromodulatorische Therapie, die vor allem zur Behandlung von chronischen Kopfschmerzen, insbesondere von Clusterkopfschmerzen und Migräne, eingesetzt wird. Sie basiert auf der Stimulation der Nerven im Bereich des Nackens, insbesondere des okzipitalen Nervs, um die Schmerzwahrnehmung zu modulieren und die Schmerzintensität zu reduzieren. Die ONS hat sich als vielversprechend bei Patienten erwiesen, die auf andere Behandlungsansätze wie Medikamente oder Verhaltensmaßnahmen nicht ausreichend ansprechen.

Funktionsweise

Die okzipitalen Nerven sind die Nerven, die an der Hinterseite des Kopfes (im Bereich des Nackens) verlaufen und Informationen über Schmerzempfindungen aus dem Kopf- und Nackenbereich an das Gehirn weiterleiten. Eine okzipitale Nervenstimulation erfolgt durch die Implantation von Elektroden in der Nähe dieser Nerven. Die Elektroden sind mit einem Implantat (Stimulator) verbunden, der elektrische Impulse abgibt, um die Aktivität der Nerven zu modulieren.

Ziel der Stimulation ist es, die Schmerzsignale, die von den okzipitalen Nerven in das Gehirn gesendet werden, zu blockieren oder zu verändern. Dies kann zu einer Schmerzlinderung oder einer Reduktion der Schmerzintensität führen. Es wird vermutet, dass die Stimulation neurochemische Veränderungen im Gehirn und im Schmerzverarbeitungssystem hervorruft, was die Schmerzwahrnehmung hemmt.

Indikationen

ONS wird in der Regel bei Patienten mit chronischen Kopfschmerzen eingesetzt, die auf andere Behandlungen wie Medikamente oder physikalische Therapien nicht ansprechen. Clusterkopfschmerzen sind sehr schmerzhafte, wiederkehrende Kopfschmerzattacken, die häufig hinter einem oder beiden Augen auftreten. Sie sind oft mit autonomischen Symptomen wie tränenden Augen und verstopften Nasenlöchern verbunden.

Ablauf der Behandlung

Wie bei vielen neuromodulatorischen Verfahren wird auch bei der okzipitalen Nervenstimulation zunächst eine Testphase durchgeführt. Dabei werden temporäre Elektroden auf die Haut im Bereich des Nackens aufgebracht, um die Reaktion des Patienten auf die Stimulation zu testen.

Während dieser Phase kann der Patient den Stimulator für einige Tage tragen und die Stimulationseinstellungen (Intensität, Frequenz, Dauer) anpassen. Wenn die Testphase erfolgreich ist und eine signifikante Schmerzlinderung erzielt wird, wird das permanente Stimulationssystem implantiert.

Dies erfolgt in einem minimalinvasiven chirurgischen Eingriff. Dabei werden Elektroden in der Nähe der okzipitalen Nerven im Nackenbereich platziert. Nach der Implantation des Stimulators müssen regelmäßige Kontrollen und Anpassungen der Stimulationsparameter vorgenommen werden, um die optimale Schmerzlinderung zu erreichen.

Der Patient kann den Stimulator selbst steuern, indem er ein externes Programmiergerät verwendet, mit dem er die Intensität der Stimulation nach Bedarf anpassen kann.

Vorteile

  • Langfristige Schmerzlinderung: Viele Patienten berichten von einer langfristigen Schmerzlinderung oder zumindest einer Reduktion der Schmerzintensität, was zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensqualität führt.
  • Minimale Invasivität: Der Eingriff zur Implantation des Stimulators ist in der Regel relativ minimalinvasiv und erfordert keine umfangreiche Operation.
  • Reduzierung des Medikamentenverbrauchs: Die okzipitale Nervenstimulation kann den Bedarf an Schmerzmitteln, insbesondere an Opioiden, verringern, was nicht nur die Lebensqualität steigert, sondern auch das Risiko von Nebenwirkungen und Suchtpotenzial reduziert.
  • Anpassungsfähigkeit: Der Patient kann die Stimulation bei Bedarf anpassen, um auf Veränderungen der Schmerzintensität oder der Symptome zu reagieren.

Langfristige Perspektiven

Die okzipitale Nervenstimulation hat sich in vielen klinischen Studien und bei zahlreichen Patienten als eine effektive Methode zur Behandlung von chronischen Kopfschmerzen, insbesondere Clusterkopfschmerzen und Migräne, etabliert. In den meisten Fällen bietet die Therapie eine langfristige Schmerzlinderung, die mit einer Verbesserung der Lebensqualität einhergeht. Sie kann eine wirksame Alternative zu Medikamenten sein, insbesondere bei Patienten, die unter den Nebenwirkungen oder der Unwirksamkeit von Schmerzmitteln leiden.

Allerdings ist nicht jeder Patient ein geeigneter Kandidat für diese Therapie, und der Erfolg der Behandlung kann variieren. Es ist wichtig, dass eine umfassende medizinische Abklärung und eine gründliche Auswahl der Patienten erfolgen.

Spezialisierte Zentren und Anlaufstellen

Mittlerweile gibt es in Deutschland das bundesweite Kopfschmerzbehandlungsnetz. Rund 450 Ärzte, die sich für die Migränebehandlung spezialisiert haben, können vor Ort eine spezielle Kopfschmerzdiagnose erarbeiten und einen Behandlungsplan aufstellen sowie die Therapie koordinieren. Bei besonders schweren Verläufen ist es möglich, dass die Patienten in das Migräne- und Kopfschmerzzentrum der Schmerzklinik Kiel aufgenommen und hochintensiviert stationär behandelt werden. Anschließend können die Patienten wieder regional vor Ort durch den Schmerzspezialisten weiterbetreut werden und es erfolgt eine Therapie- und Verlaufskontrolle mit Behandlungsanpassung.

Migräne und psychische Gesundheit

Migräne tritt häufig gemeinsam mit psychischen Begleiterkrankungen auf.

  • Depression: Besonders bei Migräne mit Aura ist das Risiko für Depressionen erhöht.
  • Angststörungen: Häufiges Screening wird empfohlen.

Neuere Studien zeigen zudem, dass biologische Prophylaxen (z. B. CGRP-Antikörper) auch bei komorbiden Depressionen wirksam sind.

tags: #nervenschmerzen #tropfen #migrane