Schmerzen im Bereich des Schambeins und Steißbeins können vielfältige Ursachen haben und den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für Nervenschmerzen in diesen Regionen, die diagnostischen Verfahren und die verschiedenen Therapieansätze, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis ihrer Beschwerden zu ermöglichen.
Einführung
Nervenschmerzen im Schambein- und Steißbeinbereich können als ziehend, brennend oder stechend empfunden werden und in andere Bereiche wie Lenden, Hüfte, Anus, Beine, unterer Rücken oder Genitalbereich ausstrahlen. Die Schmerzen können akut oder chronisch auftreten und sich bei bestimmten Bewegungen, beim Sitzen oder Liegen verstärken. Da diese Schmerzen die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können, ist es wichtig, die Ursachen zu verstehen und geeignete Behandlungsstrategien zu entwickeln.
Anatomische Grundlagen
Um die Ursachen von Nervenschmerzen im Schambein- und Steißbeinbereich besser zu verstehen, ist es hilfreich, die anatomischen Strukturen in diesem Bereich zu betrachten:
- Schambein (Os pubis): Das Schambein bildet den vorderen Teil des knöchernen Beckens. Es ist über die Schambeinfuge (Symphyse) mit dem anderen Schambein verbunden. Die Symphyse ist eine faserknorpelige Verbindung, die den Beckenring zusammenhält und gleichzeitig eine geringe Verschieblichkeit der Schambeine gegeneinander ermöglicht.
- Steißbein (Os coccygis): Das Steißbein ist der unterste Abschnitt der Wirbelsäule und besteht aus drei bis fünf miteinander verschmolzenen Wirbeln. Es dient als Ansatzpunkt für verschiedene Muskeln und Bänder, die für die Stabilität des Beckens und die Beweglichkeit im Alltag wichtig sind. Das Steißbein grenzt kranial an das Kreuzbein. Bänder stabilisieren das Steißbein mit den Beckenknochen (z.B. Lig).
- Beckenboden: Der Beckenboden besteht aus Muskeln, Bändern und Bindegewebe, die das Becken nach unten abschließen und die Beckenorgane tragen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Lamina von Delbet - eine fasziale Schicht im kleinen Becken, die verschiedene Bänder miteinander verbindet (u. a. Lig. sacrouterinum, Lig. vesicouterinum und Lig. anococcygeum). Bei Frauen ist sie zusätzlich mit dem Ligamentum latum uteri (Breitband der Gebärmutter) verwachsen und zieht vorn bis zum Schambein.
- Nerven: Im Bereich des Schambeins und Steißbeins verlaufen verschiedene Nerven, die für die Schmerzempfindung und die Funktion der umliegenden Muskeln verantwortlich sind. Hierzu gehören der Nervus pudendus, der die Genitalregion und den Beckenboden versorgt, sowie Nerven, die aus dem Kreuzbein austreten und in die Beine ziehen.
Eine besondere anatomische Beziehung besteht über das Filum terminale - eine feine Bindegewebsstruktur, die das Steißbein mit der Rückenmarkshülle verbindet. Dadurch kann eine Spannung im Bereich des Steißbeins sich auf die Wirbelsäule oder sogar bis zum Kopf auswirken.
Ursachen von Nervenschmerzen im Schambein- und Steißbeinbereich
Die Ursachen für Nervenschmerzen im Schambein- und Steißbeinbereich sind vielfältig und können sowohl lokale als auch systemische Faktoren umfassen.
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Schambeinschmerzen (Schambeinentzündung, Osteitis Pubis)
Eine häufige Ursache für Schmerzen im Schambeinbereich ist die Schambeinentzündung (Osteitis pubis). Dabei handelt es sich um eine nicht-infektiöse Entzündung der Schambeinfuge (Symphyse), der Schambeinknochen und der umliegenden Strukturen.
Mögliche Ursachen für Schambeinentzündung:
- Überlastung: Wiederholte Mikrotraumata durch Fehl- oder Überbelastung, insbesondere bei Sportarten mit vielen Sprint- und Schusselementen oder schnellen Richtungswechseln (z.B. Fußball, American Football, Basketball, Tennis, Laufsportarten).
- Schwangerschaft und Geburt: Hormonelle Veränderungen und die Belastung durch die Schwangerschaft können die Symphyse lockern und Schmerzen verursachen.
- Operationen im Beckenbereich: In seltenen Fällen kann eine Schambeinentzündung als Komplikation nach Operationen im Beckenbereich auftreten (z.B. an der Prostata).
- Verletzungen: Ein Sturz oder eine direkte Gewalteinwirkung auf das Schambein kann zu einer Entzündung führen.
- Muskuläre Dysbalancen: Ein Ungleichgewicht der Muskulatur im Beckenbereich kann zu einer Überlastung der Symphyse führen.
Symptome der Schambeinentzündung:
- Schmerzen im Bereich des Schambeins, die sich bei Belastung (z.B. Gehen, Treppensteigen, Sport) verstärken.
- Druckschmerz über der Symphyse und den Schambeinästen.
- Eingeschränkte Beweglichkeit.
- Ausstrahlende Schmerzen in die Leiste, den Damm, die Oberschenkel oder den Rücken.
Steißbeinschmerzen (Kokzygodynie)
Steißbeinschmerzen, auch als Kokzygodynie bekannt, sind Schmerzen im Bereich des Steißbeins, die durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden können. Etwa 1 % der Bevölkerung sind betroffen. Frauen sind etwa 5-mal häufiger betroffen als Männer. Dies liegt zum einen daran, dass das weibliche Becken breiter und das Steißbein stärker nach hinten geneigt ist als bei Männern. Dadurch ist es anfälliger für Druckbelastungen, insbesondere beim Sitzen. Zum anderen sind Bänder und Gelenke rund um das Steißbein bei Frauen flexibler, was das Risiko für Instabilitäten und Schmerzen erhöht. Ein weiterer Grund sind Beckenbodenprobleme, von denen Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Muskelverspannungen im Beckenboden oder unteren Rücken können Zug auf das Steißbein ausüben und Schmerzen verursachen. Hinzu kommen hormonelle Schwankungen, z. B.
Mögliche Ursachen für Steißbeinschmerzen:
- Verletzungen: Ein Sturz auf das Gesäß ist eine der häufigsten Ursachen für Steißbeinschmerzen. Dabei kann das Steißbein geprellt, verschoben oder sogar gebrochen sein.
- Überlastung: Langes Sitzen, vor allem auf harten oder ungepolsterten Oberflächen, kann das Steißbein stark belasten.
- Schwangerschaft und Geburt: Schwangerschaft und Geburt beanspruchen die Strukturen rund um das Becken stark und können zu Steißbeinschmerzen führen. In der Frühschwangerschaft beginnt das Hormon Relaxin, die Bänder und Gelenke im Becken zu lockern, um mehr Flexibilität für das Wachstum des Babys zu schaffen. Diese Lockerung kann jedoch das Steißbein destabilisieren und Schmerzen auslösen.
- Menstruation: Steißbeinschmerzen während der Periode entstehen durch die Veränderungen im Beckenbereich, die während des Menstruationszyklus auftreten.
- Verschleißerscheinungen: Mit zunehmendem Alter kann es durch Verschleißerscheinungen an den Bändern, Gelenken oder Knorpelstrukturen rund um das Steißbein zu Schmerzen kommen.
- Entzündungen: Entzündungen im Bereich des Steißbeins, beispielsweise durch Infektionen oder eine Steißbeinfistel (Pilonidalsinus), können Schmerzen verursachen.
- Anatomische Veränderungen: Eine fehlende Krümmung oder eine Hypermobilität des Os coccygis können ursächlich sein.
- Tumoren: In seltenen Fällen können Tumoren im Bereich des Steißbeins oder des Kreuzbeins Schmerzen verursachen.
- Darmkrebs: Wenn ein Tumor im Enddarm (Rektum) wächst, drückt er möglicherweise auf das Steißbein, das Kreuzbein oder die umliegenden Nerven und löst Schmerzen aus. Zudem kann Darmkrebs sich in fortgeschrittenen Stadien auf die Knochen oder das Nervensystem ausbreiten und dort Schmerzen verursachen.
- Rheumatische Erkrankungen: Rheumatische Erkrankungen wie Morbus Bechterew sind weitere Risikofaktoren.
- Sitzende Haltung: Vorwiegend sitzende Haltung im Alltag sind weitere Risikofaktoren. Adipositas ist ein Risikofaktor, weil es dadurch zu einer Luxation des Steißbeins nach dorsal kommen kann.
Symptome von Steißbeinschmerzen:
- Schmerzen im Bereich des Steißbeins, die sich beim Sitzen, Aufstehen oder bei bestimmten Bewegungen verstärken.
- Druckempfindlichkeit des Steißbeins.
- Ausstrahlende Schmerzen in die Beine, den unteren Rücken oder den Genitalbereich.
- Schmerzen beim Stuhlgang.
Weitere mögliche Ursachen für Nervenschmerzen im Schambein- und Steißbeinbereich
Neben der Schambeinentzündung und der Kokzygodynie gibt es weitere mögliche Ursachen für Nervenschmerzen im Schambein- und Steißbeinbereich:
- Nervenkompression: Eine Kompression von Nerven im Beckenbereich, beispielsweise durch Muskelverspannungen, Narbengewebe oder Tumoren, kann zu Nervenschmerzen führen. Eine Pudendusneuralgie äußert sich typischerweise durch einen brennenden Beckenbodenschmerz, Fremdkörpergefühl und Dyspareunie. Die Schmerzen bessern sich im Liegen.
- Beckenbodenfunktionsstörungen: Verspannungen oder Schwäche der Beckenbodenmuskulatur können zu Schmerzen im Schambein- und Steißbeinbereich führen.
- Iliosakralgelenksdysfunktion: Eine Blockierung oder Fehlstellung des Iliosakralgelenks (ISG) kann zu Schmerzen im unteren Rücken, Gesäß und Oberschenkel führen, die auch in den Schambein- und Steißbeinbereich ausstrahlen können.
- Endometriose: Bei Frauen kann Endometriose, eine Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter wächst, zu chronischen Beckenschmerzen führen, die auch den Schambein- und Steißbeinbereich betreffen können.
- Interstitielle Zystitis/Blasenschmerzsyndrom: Hierbei handelt es sich um eine chronische Entzündung der Blase, die mit Schmerzen im Beckenbereich, häufigem Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen einhergeht.
- Pelvic-Congestion-Syndrom: Die betroffenen Frauen beschreiben dumpfe Schmerzen, vor allem bei längerem Stehen, oft auch eine „empfindliche Blase“, Dysmenorrhö und Dyspareunie. Dahinter steht als vermutete Ursache eine pelvine venöse Insuffizienz durch erweiterte parametrane Venen.
- Psychische Faktoren: Chronische Schmerzen können auch durch psychische Faktoren wie Stress, Angst oder Depressionen verstärkt werden.
Diagnose von Nervenschmerzen im Schambein- und Steißbeinbereich
Die Diagnose von Nervenschmerzen im Schambein- und Steißbeinbereich erfordert eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls bildgebende Verfahren.
Anamnese
Der Arzt wird zunächst ausführlich nach den Beschwerden fragen, um die Art, Lokalisation, Dauer und Auslöser der Schmerzen zu ermitteln. Mögliche Fragen sind:
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- Wo genau sitzen die Schmerzen?
- Wie lange dauern die Schmerzen in der Regel an?
- Treten die Schmerzen bei bestimmten Bewegungen oder Belastungen auf?
- Gibt es Vorerkrankungen oder Verletzungen?
- Nehmen Sie Medikamente ein?
- Sind Sie sportlich aktiv? Wenn ja, welche Sportarten üben Sie aus?
- Haben Sie Stress oder psychische Belastungen?
Bei Frauen wird der Arzt auch nach dem Menstruationszyklus, Schwangerschaften und Geburten fragen.
Körperliche Untersuchung
Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt den Schambein- und Steißbeinbereich abtasten, um Druckschmerzen oder andere Auffälligkeiten festzustellen. Er wird auch die Beweglichkeit des Beckens und der Wirbelsäule überprüfen und neurologische Tests durchführen, um Nervenkompressionen auszuschließen.
Beim sogenannten Symphysen-Klaff-Test übt der Arzt Druck auf bestimmte Sehnenansätze (Adduktorenansätze) aus. Bereitet dies Schmerzen, ist es ein Hinweis auf eine Schambeinentzündung.
Bei der klinischen Untersuchung der Coccygodynie soll das Os coccygis sowohl von außen als auch transrektal palpiert werden. Die Beweglichkeit des Knochens, der Muskeln und Bänder wird dabei sowohl in Entspannung als auch beim Kneifen und Pressen beurteilt.
Bildgebende Verfahren
In einigen Fällen sind bildgebende Verfahren erforderlich, um die Ursache der Schmerzen zu диагностицировать.
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- Röntgen: Röntgenaufnahmen können knöcherne Veränderungen wie Frakturen, Arthrose oder Fehlstellungen darstellen. Röntgenbilder des Sakrums sollen im Stehen und im Sitzen angefertigt werden, denn bei manchen Patienten kippt das Steißbein nur im Sitzen nach vorn.
- Ultraschall: Ultraschalluntersuchungen können Weichteilstrukturen wie Muskeln, Sehnen und Bänder darstellen und Entzündungen oder Flüssigkeitsansammlungen erkennen.
- Magnetresonanztomografie (MRT): MRT-Aufnahmen sind besonders gut geeignet, um Weichteile, Nerven und Knochenmark darzustellen. Sie können Entzündungen, Nervenkompressionen, Muskelverletzungen oder Tumoren erkennen. Im MRT ist eine Osteitis pubis bereits frühzeitig erkennbar, etwa an Flüssigkeitsansammlungen im Knochen (Knochenmarksödeme) in der Schambeinregion. Ebenso ein Einriss oder Abriss der knorpeligen Symphyse.
- Szintigrafie: Eine Szintigrafie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, die Entzündungen oder Knochenstoffwechselstörungen darstellen kann. Sie eignet sich bereits im Frühstadium und um die Schambeinentzündung von einer Knochenmarksentzündung abzugrenzen.
Weitere Untersuchungen
In einigen Fällen können weitere Untersuchungen erforderlich sein, um die Ursache der Schmerzen zu diagnostizieren:
- Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann Entzündungszeichen oder andere Erkrankungen ausschließen. Eine Blutuntersuchung ergibt bei einer Schambeinentzündung keine erhöhten Entzündungsparameter - ganz im Gegensatz zur seltenen septischen Entzündung der Symphyse, bei der die Entzündungswerte erhöht sind.
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Eine NLG kann Nervenkompressionen oder Nervenschäden диагностицировать.
- Gynäkologische Untersuchung: Bei Frauen kann eine gynäkologische Untersuchung erforderlich sein, um Erkrankungen der Gebärmutter, Eierstöcke oder des Beckenbodens auszuschließen.
- Urologische Untersuchung: Eine urologische Untersuchung kann Erkrankungen der Blase oder der Harnwege ausschließen.
- Koloskopie: Die Diagnostik sollte weiters eineKoloskopie umfassen, um entzündliche Prozesse und Tumoren auszuschließen.
Therapie von Nervenschmerzen im Schambein- und Steißbeinbereich
Die Therapie von Nervenschmerzen im Schambein- und Steißbeinbereich richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache. In den meisten Fällen kommen konservative Behandlungsmethoden zum Einsatz. In seltenen Fällen ist eine Operation erforderlich.
Konservative Therapie
- Schmerzlinderung: Gegen einen Therapieversuch mit Schmerzmitteln ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Hier kommen in der Regel Antiphlogistika wie z.B. Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac als Tablette oder Salbe bzw. Lokalanästhetika können eine Schmerzreduktion herbeiführen. Zu bedenken ist allerdings, dass hiermit nicht die Schmerzursache beseitigt wird.
- Schonung und Entlastung: Vermeiden Sie Aktivitäten, die die Schmerzen verstärken. Bei Steißbeinschmerzen kann ein Keil- oder Donutkissen helfen, den Druck auf das Steißbein zu reduzieren. Zur Entlastung der Schambeinfuge empfiehlt es sich, während dem Schlafen, ein Kissen zwischen die Beine zu legen. Zusätzlich sollte für ein bis drei Monate auf Sport verzichtet werden.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, Muskelverspannungen zu lösen, die Beckenbodenmuskulatur zu stärken und die Beweglichkeit des Beckens zu verbessern. Die Beckenbodenphysiotherapie stellt einen essenziellen Teil des multimodalen Therapieansatzes dar und sollte sich nicht nur auf den Levatorbereich beschränken, sondern den ganzen Beckenbereich behandeln.
- Manuelle Therapie: Manuelle Therapie kann Blockierungen im Beckenbereich lösen und die Körperhaltung verbessern. Mobilitätsstörungen des Iliosakralgelenks (zwischen Kreuzbein und Darmbein) lassen sich durch manualmedizinische Methoden wieder beheben.
- Osteopathie: In der Osteopathie wird das Steißbein nie isoliert betrachtet. Der Therapeut prüft, ob Beweglichkeit, Spannung oder Lage verändert sind. Dabei kann das Steißbein äußerlich über das Kreuzbein, aber auch intern (rektal oder bei Frauen vaginal) untersucht und behandelt werden. Sanfte Techniken helfen, die feine Balance im Becken wiederherzustellen, wodurch Schmerzen und funktionelle Beschwerden häufig deutlich nachlassen.
- Akupunktur: Die Akupunktur ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode und gehört zu den Verfahren der traditionellen chinesischen Medizin. Bei einer Schambeinentzündung werden Nadel am Schambein, aber auch viele Fernpunkte verwendet. Eine Sonderform die bei Lumedis eingesetzt wird ist die Triggerakupunktur.
- Stoßwellentherapie: Gerade bei einer chronischen Entzündung des Schambeinastes kann eine hochenergetische fokussierte Stoßwellentherapie (ESWT) helfen.
- Injektionen: In schweren Fällen können örtliche Betäubungsmittel oder Kortison direkt in den schmerzenden Bereich gespritzt werden, um die Schmerzen zu lindern. Bei chronischen Schmerzen ist die Nervenblockade eine Option. Besondere Bedeutung scheint die Infiltration des Ganglion impar, des letzten Ganglions des sympathischen Grenzstranges, zu haben.
- Psychologische Betreuung: Bei chronischen Schmerzen kann eine psychologische Betreuung helfen, die Schmerzen besser zu bewältigen und die Lebensqualität zu verbessern.
Operative Therapie
Die operative Therapie (Entfernung des Steißbeins) stellt die allerletzte Möglichkeit der Behandlung dar. In extremen Fällen, wenn konservative Maßnahmen nicht helfen, kann eine teilweise oder vollständige Entfernung des Steißbeins im Rahmen einer Operation (Kokzygektomie) erwogen werden. Diese Operation zeigt mit einer Schmerzlinderung von 80-90 % recht gute Ergebnisse.
Spezifische Therapien für bestimmte Ursachen
- Schambeinentzündung: Neben den oben genannten konservativen Maßnahmen kann bei einer Schambeinentzündung auch eine Kräftigung der Beckengürtelmuskulatur sowie der geschwächten Muskelgruppen und eine Verbesserung der neuromuskulären Koordination helfen.
- Steißbeinschmerzen: Bei Steißbeinschmerzen kann eine Manipulation des Steißbeins („einrichten“) zur Anwendung kommen.
- Pudendusneuralgie: Therapeutische Möglichkeiten sind zum einen Infiltrationen mit Lidocain oder Botulinumtoxin, zum anderen die operative Befreiung des Nervs: Im Alcock-Kanal ist er transgluteal erreichbar, intrapelvine Läsionen können laparoskopisch angegangen werden.
- Blasenschmerzsyndrom: Zur Schmerztherapie empfiehlt Veit-Rubin orale Analgetika und Antihistaminika sowie Pentosanpolysulfat und Chondroitinsulfat/Hyaluronsäure zur Reparatur der GAG-Schicht. Letztere können auch intravesikal appliziert werden, ebenso Dimethylsulfoxid (DMSO) und Heparin. Erweiterte Therapieoptionen sind die zystoskopische Hydrodistension, Botulinumtoxin-Injektionen in den Detrusor, Neuromodulation, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), Cyclosporin A und schließlich die radikale Chirurgie (Zystoplastie, Ureterdeviation).
- Pelvic-Congestion-Syndrom: Hormontherapie ist wenig erfolgreich, dagegen führt die Embolisation der betroffenen Venen in etwa 80% der Fälle zu einer Verbesserung der Symptome. Als Ultima Ratio ist die operative Venenligatur mit Hysterektomie und Ovarektomie zu betrachten.
Vorbeugung von Nervenschmerzen im Schambein- und Steißbeinbereich
Einige Maßnahmen können helfen, Nervenschmerzen im Schambein- und Steißbeinbereich vorzubeugen:
- Aufwärmen vor dem Sport: Wärmen Sie sich vor dem Sport ausreichend auf, um Muskelverletzungen vorzubeugen.
- Dehnen der Muskulatur: Dehnen Sie regelmäßig die Muskeln im Becken- und Oberschenkelbereich, um Verspannungen vorzubeugen.
- Kräftigung der Muskulatur: Kräftigen Sie die Rumpf- und Beckenbodenmuskulatur, um das Becken zu stabilisieren.
- Ergonomische Sitzhaltung: Achten Sie auf eine ergonomische Sitzhaltung, um das Steißbein zu entlasten.
- Vermeidung von Überlastung: Vermeiden Sie Überlastungen beim Sport und im Alltag.
- Gewichtsreduktion: Übergewicht kann das Becken zusätzlich belasten. Eine Gewichtsreduktion kann helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Einlagen: Eine Fehlstatik des Fußgewölbes lässt sich durch geeignete Einlagen anpassen.
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