Eine ständig laufende Nase, bei der eine klare, wässrige Flüssigkeit austritt, kann sehr unangenehm sein. Dieses Phänomen, bekannt als Fließschnupfen oder wässrige Rhinitis, ist jedoch meist harmlos und auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. In diesem Artikel werden die möglichen Ursachen, Begleitsymptome, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsmaßnahmen für eine laufende Nase mit klarer Flüssigkeit detailliert erläutert.
Was ist Fließschnupfen?
Fließschnupfen ist kein medizinischer Fachbegriff, sondern eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine Form des Schnupfens, bei dem dünnflüssiges, wässriges Sekret aus der Nase läuft. Im Fachjargon wird dies als Rhinitis bezeichnet. Die Nase läuft dabei wie Wasser, trotz regelmäßigen Naseputzens.
Ursachen für eine ständig laufende Nase
Die Ursachen für eine wässrige Rhinitis können vielfältig sein und lassen sich grob in folgende Kategorien einteilen:
Infektiöse Ursachen
- Virusinfektionen: Erkältungen (grippale Infekte) sind die häufigste Ursache für Fließschnupfen. Dabei handelt es sich um eine infektiös bedingte Erkrankung, die vor allem im Herbst und Winter auftritt. Auslöser sind meist Viren, die eine Entzündung der Nasenschleimhaut verursachen.
- Bakterielle Infektionen: In seltenen Fällen können auch Bakterien eine Rhinitis verursachen. Dies ist eher anzunehmen, wenn der Schleim zähflüssiger wird und sich gelb oder grünlich verfärbt.
Allergische Ursachen
- Allergische Rhinitis (Heuschnupfen): Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf bestimmte Stoffe (Allergene) wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare. Dies führt zu einer Entzündung der Nasenschleimhaut und einer vermehrten Produktion von Nasensekret.
Nicht-allergische Ursachen
- Nicht-allergische Rhinitis (NAR): Viele Menschen leiden unter einer laufenden Nase, die nicht durch eine klassische Allergie verursacht wird. Hierbei spielen keine Allergene eine Rolle. Eine frühere Bezeichnung war vasomotorische Rhinitis, die jedoch inzwischen nur als eine der Unterklassen der NAR zugeordnet wird.
- Vasomotorische Rhinitis: Diese Form der Rhinitis wird durch eine Überreaktion der Blutgefäße in der Nasenschleimhaut ausgelöst. Verschiedene Reize wie kalte Luft, scharfe Speisen, Duftstoffe, Stress oder hormonelle Veränderungen können die Symptome verstärken.
- Medikamenteninduzierte Rhinitis: Bestimmte Medikamente, wie z.B. Schmerzmittel oder Blutdrucksenker, können eine erhöhte Sekretbildung in der Nase verursachen. Auch übermäßiger Gebrauch von abschwellenden Nasensprays kann zu einer Rebound-Schwellung der Nasenschleimhaut und einer laufenden Nase führen (Rhinitis medicamentosa).
- Alterstropfnase (Senile Rhinorrhoe): Im Alter kann es aufgrund natürlicher Alterungsprozesse des Bindegewebes und der Knorpelstrukturen der Nase zu einer anhaltenden, chronischen, wässrigen Schnupfen kommen. Die Nasenschleimhaut wird trockener, worauf der Körper mit einer vermehrten Sekretproduktion reagiert.
- Hormonelle Veränderungen: Hormonelle Veränderungen, z. B. während der Schwangerschaft (Schwangerschaftsrhinitis) oder in der Pubertät, können ebenfalls zu Fließschnupfen führen.
- Umweltreize: Reizung der Schleimhaut durch Schadstoffe (z. B. Zigarettenrauch, Abgase, Chemikalien) oder trockene Luft kann ebenfalls eine laufende Nase verursachen.
- Schädelbasisdefekt: Nach Traumen, durch chronisch erhöhten Hirndruck, angeboren oder nach Operationen, können sich Defekte der Schädelbasis finden. Ist die Hirnhaut nicht intakt kommt es als mögliches Symptom zum Austritt von wasserklarer Flüssigkeit aus der Nase, typischer Weise beim Vorbeugen, meist einseitig.
Symptome und Begleiterscheinungen
Neben dem Hauptsymptom, dem wässrigen Ausfluss aus der Nase, können je nach Ursache weitere Symptome auftreten:
- Bei Erkältung: Niesreiz, Kribbeln in der Nase, Halsschmerzen, Heiserkeit, Kopfschmerzen, Husten, allgemeine Erschöpfung, leichtes Fieber.
- Bei Allergie: Juckreiz in der Nase, Niesattacken, gerötete und juckende Augen, tränende Augen.
- Bei vasomotorischer Rhinitis: Verstopfte Nase, besonders morgens, Gefühl einer einseitig laufenden Nase.
- Bei Alterstropfnase: Anhaltender, chronischer, wässriger Schnupfen, der sich durch äußere Einflüsse wie Temperaturunterschiede oder scharfe Speisen verstärken kann.
- Bei Schädelbasisdefekt: Austritt von wasserklarer Flüssigkeit aus der Nase, typischer Weise beim Vorbeugen, meist einseitig.
Diagnose
Um die genaue Ursache für den Fließschnupfen zu ermitteln, ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich. Dabei wird der Arzt folgende Schritte durchführen:
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- Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten ausführlich zu seinen Beschwerden, deren Dauer, möglichen Auslösern und Vorerkrankungen.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Nase und die Nasennebenhöhlen mit einem Nasenspiegel oder einer Stirnlampe.
- Allergietests: Bei Verdacht auf eine allergische Rhinitis werden Allergietests (Pricktest, nasale Provokation) durchgeführt, um die auslösenden Allergene zu identifizieren.
- Abstrich: Bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion kann ein Abstrich aus der Nase entnommen und im Labor untersucht werden.
- Bildgebende Verfahren: Bei Verdacht auf einen Schädelbasisdefekt oder andere strukturelle Veränderungen können MRT- oder CT-Aufnahmen der Nasennebenhöhlen angefertigt werden.
- Untersuchung des Nasensekrets: Bei Verdacht auf einen Schädelbasisdefekt kann das Nasensekret gesammelt und untersucht werden, um festzustellen, ob es sich um Hirnflüssigkeit handelt.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung des Fließschnupfens richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:
Behandlung bei infektiösem Fließschnupfen
- Körperliche Schonung: Bei einer Erkältung sollte man sich schonen und dem Körper Ruhe gönnen, besonders wenn Fieber hinzukommt.
- Hausmittel:
- Inhalationen: Inhalationen mit heißem Wasserdampf, eventuell mit Zusatz von Kamille oder Meersalz, können die Nasenschleimhaut befeuchten und das Sekret lockern.
- Nasenspülungen: Nasenspülungen mit isotonischer Kochsalzlösung reinigen die Nase, befeuchten die Schleimhaut und spülen Krankheitserreger aus.
- Warme Getränke: Warme Getränke wie Tee mit Honig oder Ingwer können die Schleimhaut von innen befeuchten und den Hals beruhigen.
- Medikamente:
- Abschwellende Nasensprays: Abschwellende Nasensprays mit Wirkstoffen wie Xylometazolin oder Oxymetazolin können kurzfristig die Nasenatmung erleichtern. Sie sollten jedoch nicht länger als 5-7 Tage angewendet werden, um eine Abhängigkeit zu vermeiden.
- Schmerzmittel und fiebersenkende Mittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eingenommen werden, um Kopfschmerzen und Fieber zu lindern.
Behandlung bei allergischem Fließschnupfen
- Allergenvermeidung: Die wichtigste Maßnahme ist, den Kontakt mit den auslösenden Allergenen so gut wie möglich zu vermeiden.
- Medikamente:
- Antihistaminika: Antihistaminika in Form von Tabletten, Nasensprays oder Augentropfen können die Symptome einer Allergie lindern, indem sie die Wirkung von Histamin blockieren.
- Kortisonhaltige Nasensprays: Kortisonhaltige Nasensprays wirken entzündungshemmend und können die Schwellung der Nasenschleimhaut reduzieren.
- Cromoglicinsäure: Cromoglicinsäure-haltige Nasensprays können vorbeugend angewendet werden, um die Freisetzung von Histamin zu verhindern.
- Hyposensibilisierung (Allergie-Impfung): Bei einer Hyposensibilisierung wird der Körper über einen längeren Zeitraum (3-5 Jahre) wiederholt mit dem Allergen konfrontiert, um die Überempfindlichkeit des Immunsystems zu reduzieren.
Behandlung bei nicht-allergischem Fließschnupfen
- Vermeidung von Reizstoffen: Reizstoffe wie Rauch, Duftstoffe oder kalte Luft sollten gemieden werden.
- Nasenspülungen: Regelmäßige Nasenspülungen mit isotonischer Kochsalzlösung können die Nasenschleimhaut befeuchten und Reizstoffe ausspülen.
- Medikamente:
- Ipratropiumbromid-Nasenspray: Ipratropiumbromid ist ein Anticholinergikum, das die Produktion von Nasensekret reduziert. Es ist zur Behandlung der Triefnase bei Patienten ab 6 Jahren zugelassen.
- Kortisonhaltige Nasensprays: Kortisonhaltige Nasensprays können bei Bedarf zur Entzündungshemmung eingesetzt werden.
- Capsaicin: In spezialisierten HNO-Praxen kann Capsaicin lokal in die Nase eingebracht werden, um die Überempfindlichkeit der Nasenschleimhaut zu reduzieren.
Behandlung bei Alterstropfnase
- Befeuchtung der Nasenschleimhaut: Nasensprays auf Salzbasis (z. B. Meerwassernasenspray) oder Inhalationen mit Kamille können die Nasenschleimhaut befeuchten und die übermäßige Sekretproduktion reduzieren.
- Raumluft befeuchten: Eine ausreichende Luftfeuchtigkeit in den Räumen (z. B. durch Luftbefeuchter oder Schüsseln mit Wasser) kann die Austrocknung der Nasenschleimhaut verhindern.
- Ipratropiumbromid-Nasenspray: Auch bei der Alterstropfnase kann Ipratropiumbromid-Nasenspray die wässrige Nasensekretion reduzieren.
Behandlung bei Schädelbasisdefekt
Ein Schädelbasisdefekt muss in der Regel operativ abgedichtet werden, um das Austreten von Hirnflüssigkeit zu stoppen und das Risiko von Komplikationen wie Hirnhautentzündung zu minimieren.
Vorbeugung
Einige Maßnahmen können helfen, das Risiko für Fließschnupfen zu reduzieren:
- Stärkung des Immunsystems: Regelmäßige körperliche Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf stärken das Immunsystem und machen den Körper widerstandsfähiger gegen Infektionen.
- Handhygiene: Regelmäßiges Händewaschen mit Wasser und Seife kann die Übertragung von Krankheitserregern verhindern.
- Kontakt zu Erkrankten vermeiden: Engen Kontakt mit Personen, die an einer Erkältung oder Grippe leiden, sollte vermieden werden.
- Allergieauslöser meiden: Bei allergischer Rhinitis ist es wichtig, die auslösenden Allergene zu meiden.
- Raumluftfeuchtigkeit optimieren: Eine ausreichende Luftfeuchtigkeit in den Räumen (40-60 %) verhindert die Austrocknung der Nasenschleimhaut.
- Reizstoffe meiden: Reizstoffe wie Zigarettenrauch, Abgase oder Chemikalien sollten gemieden werden.
- Impfungen: Eine Grippeimpfung kann das Risiko einer durch Grippeviren verursachten Rhinitis reduzieren.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
In den meisten Fällen ist Fließschnupfen harmlos und klingt nach einigen Tagen von selbst wieder ab. Es gibt jedoch einige Situationen, in denen ein Arzt aufgesucht werden sollte:
- Der Schnupfen hält länger als 10 Tage an.
- Das Nasensekret verfärbt sich gelblich-grünlich.
- Es treten starke Kopfschmerzen oder Druckgefühl im Gesicht auf.
- Fieber über 38 °C tritt auf.
- Es treten Atemprobleme oder ein Engegefühl in der Brust auf.
- Es besteht Verdacht auf eine Allergie.
- Es besteht Verdacht auf einen Schädelbasisdefekt (z.B. Austritt von klarer Flüssigkeit aus der Nase nach einem Trauma).
- Babys und Kleinkinder sind betroffen, insbesondere bei Fieber, Trinkverweigerung oder Atemproblemen.
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