Nervenschmerzen im Arm können sehr belastend sein und den Alltag erheblich einschränken. Sie können auf verschiedene Erkrankungen hinweisen und schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen. Ohne angemessene Behandlung können diese Schmerzen chronisch werden. Spezialisten können eine umfassende Diagnostik und eine individuell angepasste konservative Therapie anbieten.
Was sind Nervenschmerzen im Arm?
Nervenschmerzen betreffen besonders den Oberarm, seltener den Unterarm. Dabei kann der rechte und linke Arm gleichermaßen betroffen sein. Neuropathische Schmerzen im Arm werden als ziehend und sehr unangenehm beschrieben. Sie sind schneidend und oft nicht genau zu lokalisieren. In der Regel verstärken sie sich bei Belastung und bessern sich in Ruhephasen etwas. Betroffene klagen oft nachts über Schmerzen im Arm, da der ohnehin schon enge Raum im Bereich der Halswirbelsäule oder der Schulter noch kleiner wird, wenn man darauf liegt. Viele Menschen schlafen nachts seitlich mit angewinkeltem Arm, was die Engstellen zusätzlich verkleinert.
Ursachen von Nervenschmerzen im Arm
Grundsätzlich lassen sich Nervenschmerzen im Arm in verschiedene Kategorien unterteilen:
Überlastung: Überlastungen können Nerven im Bereich der Arme oder der Wirbelsäule reizen, was zu neuropathischen Schmerzen führt.
Fehlbelastung: Auch Fehlbelastungen können eine Nervenreizung verursachen, die Schmerzen am Arm auslöst. Oft bleiben Fehlbelastungen lange unbemerkt und verursachen erst plötzlich Beschwerden.
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Nervenkompressionssyndrome: Bekannte Beispiele sind das Karpaltunnelsyndrom (Kompression des Medianusnervs am Handgelenk) und das Kubitaltunnelsyndrom (Einengung des Ulnarnervs am Ellenbogen). Der Ulnarisnerv verläuft am Ellbogen sehr oberflächlich in einer Knochenrinne, wo er leicht Schlägen und Stößen ausgesetzt ist. Die meisten Menschen haben sich schon einmal den Ellbogen gestoßen und daraufhin einen ziehenden Schmerz am „Musikknochen“ verspürt. Dabei wird der Ulnarisnerv gestoßen, und der Schmerz breitet sich entlang des Nervenversorgungsgebiets aus.
Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule: Wenn ein Bandscheibenvorfall auf Nervenwurzeln in der Halswirbelsäule drückt, können ausstrahlende Schmerzen und Taubheitsgefühle entlang des Arms auftreten, oft bis in die Finger. Unter zervikale Radikulopathien versteht man Reizungen der Nervenwurzeln, die aus der Halswirbelsäule herausragen. Gründe dafür können Bandscheibenvorfälle, Gleitwirbel sowie degenerative Veränderungen der Wirbelsäule sein. Die Nerven, die als Wurzeln aus der Halswirbelsäule hervorgehen und in die Peripherie ziehen, versorgen vor allem den Armbereich.
Engpasssyndrome: Durch strukturelle Engpässe in den Bereichen, wo die Nerven verlaufen, können auch Engpasssyndrome wie das Thoracic-Outlet-Syndrom zu Nervenschmerzen im Arm führen. Unter dem Thoracic Outlet Syndrom fasst man verschiedene Kompressionssyndrome zusammen, die alle im Bereich der oberen Thoraxapertur auftreten und meistens zu einer Einengung eines großen Nervengeflechtes, dem Plexus brachialis, oder aber auch bestimmter Blutgefäße wie der Vena subclavia führen. Im Bereich des oberen Brustkorbs gibt es anatomisch bestimmte Engstellen, die durch verschiedene Ursachen verstärkt werden können und dann deutliche Beschwerden verursachen. Als Ursache wird vermutet, dass der Abstand zwischen Brustbein und der ersten Rippe zu klein ist.
Stoffwechselbedingte Ursachen: Auch Stoffwechsel-bedingte Ursachen können hinter Nervenschmerzen am Arm stecken. Der häufigste Grund für stoffwechselbedingte Ursachen ist der schlecht eingestellte Diabetes Mellitus. Überhöhte Zuckerwerte schädigen die Nerven.
Toxische oder medikamenteninduzierte Neuropathie: Einige Medikamente und toxische Substanzen können Nervenschäden verursachen.
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Verletzungen oder Traumata: Ein direktes Trauma, wie etwa durch eine Fraktur oder eine Prellung, kann Nervenschäden verursachen, wenn Nerven durch Knochenfragmente oder Schwellungen unter Druck geraten.
Polyneuropathien: Unter Polyneuropathien versteht man Nervenreizungen oder sogar Schädigungen, die Schmerzen verursachen. Alle Körperregionen können von einer Polyneuropathie betroffen sein, am häufigsten sind jedoch die Beine oder Füße betroffen, seltener die Arme. Die Ursache ist in vielen Fällen unbekannt. Auch bestimmte Vitaminmängel können zu neuropathischen Schmerzen führen. Zu nennen wäre der klassische Vitamin-B12-Mangel, der zu neuropathischen Schmerzen führen kann. Aber auch andere Vitamine aus dem B-Komplex können zu neuropathischen Schmerzen führen.
Karpaltunnelsyndrom: Durch den Karpaltunnel, der sich am Handgelenk befindet, verlaufen zahlreiche Nerven. Der Kanal ist eng und bietet den Nerven wenig Platz. Kommt es zu einer zusätzlichen Verengung dieses Kanals, werden die Nerven komprimiert und gereizt, was zu klassischen neuropathischen Schmerzen führen kann. Patienten berichten dann vor allem nachts von ziehenden und sehr unangenehmen Schmerzen.
Multiple Sklerose (MS): Die Multiple Sklerose ist eine neurologische Erkrankung, bei der es zu einer Reduktion der schützenden Myelinschicht um die Nerven kommt. Die Nervenreize und Impulse können somit nicht mehr wie gewohnt weitergeleitet werden, was zur Folge hat, dass neben anderen schwerwiegenden Beschwerden auch neuropathische Schmerzen auftreten können. Bei MS können neben den Armen sämtliche Körperregionen betroffen sein.
Neuralgische Amyotrophie: Bei einer neuralgischen Amyotrophie ist ein bestimmtes Nervengeflecht in der Nähe des Schlüsselbeins entzündet. Die Entzündung verursacht reißende Schmerzen und Lähmungen im Arm und in der Schulter. Typisch sind heftige Schmerzen in der Schulter oder im Arm, die sich bis zur Hand ausbreiten. Die Schmerzen treten plötzlich abends oder nachts auf. Zusätzlich kann es zu Muskelschwäche und Lähmungen einzelner Muskelpartien kommen. Die Ursache für eine neuralgische Amyotrophie ist weitgehend unbekannt.
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Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS): Das Komplex Regionale Schmerzsyndrom (engl. CRPS - Complex Regional Pain Syndrome und früher auch Morbus Sudeck oder Sympathische Reflexdystrophie genannt) ist eine Schmerzerkrankung, die noch nicht vollständig verstanden ist. Sie kann in Folge einer Körperschädigung (z.B nach einem Knochenbruch) auftreten und zeigt sich als eine Konstellation von Schmerzen, entzündlichen Symptomen, reduzierter Beweglichkeit und reduzierter Kraft, sowie Störungen der Sensibilität. Mit einer Häufigkeit von 2-15% kommt es nach Verletzungen der Arme oder Beine zum CRPS, vor allem nach Knochenbrüchen, Operationen und anderen schwereren Verletzungen. Ein Auftreten nach leichten Verletzungen ist seltener, jedoch möglich. Die Erkrankung betrifft körperferne Abschnitte, d.h. die Hände oder Füße.
Weitere Symptome bei Nervenschmerzen im Arm
Neben den neuropathischen Schmerzen im Bereich des Arms kann es auch zu Bewegungsbeeinträchtigungen und Parästhesien kommen. Die Patienten berichten oft von Kribbeln oder einem Taubheitsgefühl, das plötzlich auftritt und dann wieder verschwindet. Auch hier liegt der Grund darin, dass bestimmte Nervenabschnitte komprimiert und gereizt werden. Die Bewegungsbeeinträchtigung wird in der Regel durch die einschränkenden Schmerzen verursacht.
Ziehende Schmerzen im Arm in Ruhe
Ziehende Schmerzen im Arm in Ruhe können auf mehrere zugrunde liegende Ursachen hinweisen, die von muskulären oder nervalen bis hin zu vaskulären Problemen reichen. Ein genaueres Verständnis der Symptomatik ist entscheidend, um die richtige Diagnose zu finden.
Nervenreizungen oder -kompressionen: Besonders bei ziehenden Schmerzen könnte eine Reizung oder Einengung der Nerven vorliegen, wie etwa bei einem Karpaltunnel- oder Kubitaltunnelsyndrom.
Bandscheibenvorfall oder Nervenwurzelkompression in der Halswirbelsäule: Wenn die Nervenwurzeln der Halswirbelsäule gereizt oder komprimiert sind, können Schmerzen entlang der Nervenbahn bis in den Arm ziehen und sind häufig auch im Ruhezustand spürbar.
Muskuläre Überlastung oder Verspannungen: Intensive oder wiederholte Belastungen, wie etwa Arbeiten am Computer oder sportliche Überbeanspruchungen, führen häufig zu muskulären Verspannungen.
Durchblutungsstörungen: Wenn die Schmerzen von Kälteempfindlichkeit, Blässe oder einem Taubheitsgefühl begleitet werden, könnte eine Durchblutungsstörung (z. B. durch arterielle Verschlüsse oder Engstellen) vorliegen.
Gelenkentzündungen oder andere entzündliche Prozesse: Gelenkentzündungen, Sehnenreizungen oder Schleimbeutelentzündungen können ebenfalls ziehende Schmerzen verursachen.
Herz-Kreislauf-Probleme: Es sollte auch bedacht werden, dass ziehende Schmerzen im linken Arm, insbesondere wenn sie in Ruhe auftreten, als mögliches Anzeichen für Herzprobleme, wie Angina Pectoris oder einen Herzinfarkt, in Betracht gezogen werden müssen.
Stromschläge im Arm
Kommt es zu plötzlichen, einschießenden und stromähnlichen Schmerzen im Arm, liegt der Verdacht nahe, dass die Nerven im Bereich der Nervenwurzel nahe der Bandscheibe gereizt werden. Hier sollte immer ein akuter Bandscheibenvorfall und auch eine spinale Enge, die sogenannte Spinalkanalstenose, ausgeschlossen werden.
Diagnose von Nervenschmerzen im Arm
Es folgt dann die körperliche Untersuchung, bei der der Patient im Schulterbereich untersucht wird. Hier wird er aufgefordert, verschiedene Bewegungen des Arms durchzuführen. Die Übungen werden aktiv und passiv durchgeführt, und der Untersucher beurteilt, ob die Bewegung im Arm reiz- und blockadefrei durchgeführt werden kann oder ob es Widerstände gibt.
Des Weiteren gibt es auch bildgebende Verfahren, die angewandt werden können, um die Ursache der Beschwerden zu finden. So würden zum Beispiel Ultraschalluntersuchungen, die im Bereich der Schulter durchgeführt werden, zeigen, ob eine Engstelle in diesem Bereich vorhanden ist. Um anatomische knöcherne Engstellen darzustellen, wird mitunter auch ein Röntgenbild der Schulter oder des Oberarmknochens in zwei Ebenen angefertigt.
Eine MRT-Aufnahme des Arms und der Halswirbelsäule wird immer dann durchgeführt, wenn man sicher einen Bandscheibenvorfall als Ursache ausschließen möchte. Durch diese strahlungsfreie Schnittbilddiagnostik kann man nicht nur die Knochen, sondern auch die Bandscheiben und Nervenwurzeln sehen und beurteilen. Dies ist wichtig, um Engstellen und eine eventuell zu den Beschwerden führende Kompression herauszufinden.
Behandlung von Nervenschmerzen im Arm
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, was man gegen Nervenschmerzen unternehmen kann. Zunächst sollte man die Ursache, wenn möglich, beheben.
Konservative Behandlung
Manuelle Therapie: Akut kann man auch bestimmte Massagetechniken anwenden, um die Muskeln im Bereich der Schulter und des Oberarms zu lockern. Hier können auch Öle oder schmerzlindernde Salben verwendet werden, wie zum Beispiel Franzbranntwein, Voltaren-Gel oder Doc-Salbe. Manchen Patienten helfen auch wärmende oder kühlende Auflagen, die man mit einer Wärmflasche oder einem in ein Handtuch gewickelten Eispack für 10 Minuten durchführen kann. Durch eine leichte Massagetechnik im Bereich der Schulter und des Nackens kann man verhärtete Muskeln locker. Auch kann man hier Tigerbalm auf den verspannten Bereich auftragen. Ebenfalls um eventuell verursachende Muskelverhärtungen zu beheben kann man auch versuchen durch Wechselduschen eine Besserung der Beschwerden zu erreichen.
Medikamentöse Therapie: Neben den gängigen normalen Entzündungshemmern gibt es auch spezielle Schmerzmittel, die vor allem bei Nervenschmerzen eingesetzt werden. Gabapentin ist eigentlich ein Medikament, was gegen Krampfleiden entwickelt wurde. Durch eine Enzymhemmung wird der hemmende Stoff GABA vermehrt gebildet, was dann zur Folge hat, dass Reize im Bereich von Nervenzellen nicht mehr so überschiessend gebildet und weitergeleitet werden. Pregabalin bindet im zentralen Nervensystem an sogenannte Calciumkanäle, was dazu führt, dass der Calciumeinstrom in die Zelle reduziert wird. Dies führt dann zu einer Reduktion von Nervenimpulsen. Oftmals sind neuropathische Schmerzen chronisch, d.h es wird eine lang anhaltende Behandlung notwendig sein. Neben den Medikamenten, die speziell gegen Nervenschmerzen zum Einsatz kommen, können diese auch immer mit gängigen schmerzlindernden Medikamente kombiniert werden. Zu nennen wären Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac für einen kurzen Zeitraum. Das etwas stärker wirkende Novaminsulfon, das verschreibungspflichtig ist kann auch unter einer Blutbildkontrolle über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden.
Schmerztherapie: Eine Schmerztherapie sollte immer multimodal sein. Die Spezialisten versuchen oft, ohne Medikamente zu behandeln.
Hausmittel gegen Nervenschmerzen
Auch gibt es einige Hausmittel, die bei neuropathischen Schmerzen helfen können.
Entspannungsverfahren und Stressabbau: Da Stress oft Nervenschmerzen verstärken kann, sind Entspannungstechniken wie Meditation, tiefe Atemübungen oder Yoga hilfreich.
Magnesium und Vitamin B-Komplex: Magnesium kann zur Muskelentspannung beitragen und Krämpfe lindern, die oft mit Nervenschmerzen einhergehen. Der Vitamin-B-Komplex ist essenziell für eine gesunde Nervenfunktion und kann in Nahrungsmitteln wie Vollkornprodukten, Eiern und Fleisch gefunden werden.
Retterspitz: Auch Retterspitzauflagen können helfen neuropathische Schmerzen zu lindern. Man sollte hierzu Kompressen oder Tücher nehmen und diese mit Retterspitz tränken. Nach Auflage wird man nach ca 10 Minuten merken, dass die Tücher trocken werden und der Retterspitz eingezogen ist.
Massagen mit ätherischen Ölen: Eine sanfte Massage mit verdünntem ätherischem Pfefferminz- oder Lavendelöl kann entspannend und schmerzlindernd wirken. Die Öle wirken leicht kühlend und verbessern die Durchblutung. Eine Massage sollte jedoch vorsichtig erfolgen, um den schmerzenden Bereich nicht zusätzlich zu reizen.
Bewegung und Übungen
Ob Bewegung bei Nervenschmerzen helfen kann, hängt von der auslösenden Ursache ab. Bei einer akuten Nervenentzündung sollte man eher eine Schonung durchführen, da Bewegung unter Umständen sogar noch die Beschwerden verstärken könnte.
Es gibt aber auch einige hilfreiche Übungen, die man durchführen kann, um Nervenschmerzen zu lindern. Vor allem muskellockernde Übungen können hierbei helfen. Eine Übung besteht darin, sich gerade hinzustellen. Die Beine sind gestreckt und stehen leicht auseinander. Nun wird die Handfläche der rechten Hand auf das rechte Schulterblatt gelegt. Mit der linken Hand wird der Ellenbogen des rechten Arms gegriffen und Richtung Wirbelsäule gezogen. Man wird hierbei eine Spannung im Bereich der Außenseite des Oberarms spüren. Diese Position sollte einige Sekunden gehalten und der Arm dann wieder gelockert werden. Nach 3-4 Wiederholungen sollte ein Seitenwechsel durchgeführt werden. Auch hier sind dann 3-4 Wiederholungen empfehlenswert.
Eine weitere Übung wäre das moderate Armkreisen. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass man nicht in eine wild rudernde Bewegung verfällt. Die Arme sollten vielmehr leicht nach vorne gestreckt und gehalten werden.
Unterarmbruch und Nervenschmerzen
Ein Unterarmbruch kann ebenfalls Nervenschmerzen verursachen. Der Unterarm besteht aus zwei langen Knochen, der Speiche (Radius) und der Elle (Ulna). Die Ursache ist meist ein Sturz auf den ausgestreckten Arm oder gewaltsame Verbiegungen, Stauchungen oder Verdrehungen des Unterarms bei Verkehrsunfällen. Am Unterarm verlaufen auf engem Raum Nerven und Gefäße, die bei Brüchen leicht verletzt werden können.
Diagnose und Behandlung von Unterarmbrüchen
Den ersten Hinweis auf einen Unterarmbruch liefert die typische Schonhaltung, bei der die gesunde Hand den verletzten und schmerzenden Arm abstützt. Ein Druckschmerz an typischer Stelle des Unterarms bestätigt den Verdacht. Um eine Verletzung von Nerven und Gefäßen nicht zu übersehen, prüft der Arzt die Durchblutung, Motorik und Sensibilität des betroffenen Arms. Röntgenaufnahmen sichern die Diagnose und helfen bei der Therapieentscheidung.
Bei Erwachsenen ist die konservative Behandlung von Unterarmbrüchen eher die Ausnahme. Denn durch die besondere Anatomie des Unterarms ist die Stellung der Knochen in der korrekten Achse wichtig. Schon kleine Abweichungen stören die wichtigen Umwendbewegungen des Unterarms. Zudem müsste der Unterarm für eine Heilung sehr lange ruhiggestellt werden. Dadurch schrumpfen Bandstrukturen und Muskeln, die Beweglichkeit ist gefährdet.
Offene oder verschobene Brüche, komplette Unterarmbrüche und Brüche mit begleitenden Gefäßverletzungen werden in der Regel operativ versorgt. Dazu wird die Patient stationär aufgenommen. Brüche im Bereich des Schafts fixieren die Operateure fast immer mit einer Platte und Schrauben aus Titan. Nach der Operation erübrigt sich eine Ruhigstellung im Gips. Häufig wird der Arm jedoch für ein bis zwei Tage in einer Oberarmschiene gelagert, um die Abheilung zu fördern und die Schmerzen zu reduzieren. Wenn die eingebrachten Metallteile keine Beschwerden verursachen, bleiben sie im Knochen.
Komplementärmedizinische Maßnahmen
Zur Linderung der Schmerzen sowie zur Unterstützung des Heilungsprozesses kommen bei Handgelenk- und Unterarmbrüchen als komplementärmedizinische Maßnahmen v. a. Magnettherapie, Homöopathie und Akupunktur in Betracht.
Skidaumen und Nervenschmerzen
Der Skidaumen stellt eine Zerreißung der Bandstrukturen am Daumengrundgelenk dar. Dies entsteht häufig durch eine Überdehnung des Gelenks wie z.B. bei Sportunfällen oder Arbeitsunfällen. Der Name „Skidaumen“ stammt von der häufig auftretenden Verletzung beim Skisport, wenn beim Sturz die Hand in der Schlaufe des Skistocks hängen bleibt. Die Bänder am Daumen sind nicht elastisch, daher können sie leicht überdehnt werden oder reißen. Eine Ruptur oder Überdehnung des Bandes hat starke Schmerzen sowie eine Schwellung zur Folge. Ein weiteres typisches Merkmal ist zudem die Überbeweglichkeit des Daumens. Der Daumen lässt sich ungewöhnlich weit abspreizen. Nach der Diagnose wird das Ruhigstellen des Daumens mit einer Daumenorthese empfohlen. Häufig ist auch eine Operation notwendig, da die zerrissenen Bänder nicht selbständig zusammenwachsen.
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