Der Begriff "Nervensystem-Erkrankungen im Arm" umfasst eine Vielzahl von Beschwerden, die von leichten Missempfindungen bis hin zu schweren Beeinträchtigungen reichen können. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Erkrankungen, die das Nervensystem im Arm betreffen, einschliesslich des Mausarms (RSI-Syndrom), neuralgischer Amyotrophie, amyotropher Lateralsklerose (ALS) und Polyneuropathie. Ziel ist es, Ursachen, Symptome, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze umfassend darzustellen.
Mausarm (RSI-Syndrom)
Der Mausarm, auch bekannt als RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury), ist eine Erkrankung, die Hand, Arm, Schulter und Nacken betrifft. Sie entsteht durch wiederholte Belastungen, insbesondere bei der Nutzung von Computern. Im englischen Sprachraum wird der Mausarm oder die Maushand als "RSI-Syndrome" bezeichnet und ist beispielsweise in den USA als Berufskrankheit anerkannt.
Ursachen und Risikofaktoren
Das RSI-Syndrom wird durch chronische Über- und Fehlbelastungen verursacht. Technologische Entwicklungen wie Computer, Handys und andere elektronische Geräte haben die monotone Belastung der Arme und Hände verstärkt. Zu den individuellen Risikofaktoren zählen:
- Chronischer Stress
- Hohe Arbeitsbelastung
- Ungesunde Körperhaltung (gekrümmter Rücken, angespannter Nackenbereich)
- Nicht ergonomischer Arbeitsplatz
- Verringerte Wahrnehmung von Körpersignalen
Mediziner gehen davon aus, dass die Unterdrückung der Schmerzwahrnehmung zu einer stärkeren Belastung der Arme führt, was schneller zu chronischen Reizungen führt.
Symptome
Typische Symptome eines Mausarms sind:
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- Missempfindungen
- Muskelschwäche
- Schmerzen
- Sensibilitätsstörungen wie Taubheit oder Kribbeln in den Fingern und Handgelenken
- Kältegefühl in den Händen und im Unterarm
- Steife und schmerzende Finger
- Koordinationsstörungen der Finger
- Schmerzhafte und geschwollene Gelenke des Arms und der Finger
- Nackenschmerzen und Kopfschmerzen
Die Symptome treten zu Beginn oft nur bei starker Belastung auf, können aber in fortgeschrittenen Fällen auch in Ruhe vorhanden sein.
Diagnose
Die Diagnose eines Mausarms wird hauptsächlich anhand der Krankengeschichte (Anamnese) gestellt. Der Arzt erfragt die Art, Intensität und Häufigkeit der Beschwerden sowie die beruflichen und privaten Gewohnheiten des Patienten. Eine körperliche Untersuchung, bei der die schmerzhafte Region abgetastet und die Beweglichkeit der Gelenke sowie die Kraft der Muskulatur getestet werden, ergänzt die Anamnese.
In fortgeschrittenen Stadien kann eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) durchgeführt werden, um das RSI-Syndrom vom Karpaltunnelsyndrom zu unterscheiden. Bildgebende Verfahren sind in der Regel nicht hilfreich, können aber bei Verdacht auf andere Ursachen der Beschwerden eingesetzt werden.
Behandlung
Die Behandlung eines Mausarms zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern und die Ursachen zu beheben. Zu den wichtigsten Massnahmen gehören:
- Expositionsprophylaxe: Vermeidung von Überlastung und monotone Bewegungen
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Anpassung von Tisch, Stuhl, Bildschirm, Tastatur und Maus an die individuellen Bedürfnisse
- Physikalische Therapie: Wärme- und Kältebehandlungen, Gymnastik, Massagen, Bewegungsbäder, Wärmelampen
- Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel (Analgetika), entzündungshemmende Medikamente (Kortison)
- Psychotherapie: Bei chronischem RSI-Syndrom, um den Zusammenhang zwischen auslösenden Faktoren, Gehirnprozessen und Schmerz zu verstehen und neue Verhaltensweisen zu erlernen
- Zellbiologische Regulationstherapie (ZRT): Unterstützung der Selbstreinigung der extrazellulären Matrix und Normalisierung der Stoffwechselvorgänge auf Zellebene
- Ergonomische Hilfsmittel: Vertikalmaus, ergonomische Tastaturen und Mauspads
Es ist wichtig, die Behandlung frühzeitig zu beginnen und konsequent umzusetzen, um eine Chronifizierung zu vermeiden.
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Prognose
Die Prognose bei einem Mausarm hängt massgeblich vom Verhalten des Betroffenen ab. Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung ist die Prognose gut. In chronischen Fällen ist die Behandlung schwieriger und die Aussicht auf Heilung schlechter.
Prävention
Zur Prävention eines Mausarms sind folgende Massnahmen empfehlenswert:
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
- Regelmässige Pausen
- Dehnungsübungen für Handgelenke, Finger, Schultern und Nacken
- Vermeidung von Stress und hoher Arbeitsbelastung
- Ausgleichsaktivitäten in der Freizeit
Neuralgische Amyotrophie
Die neuralgische Amyotrophie ist eine seltene Erkrankung, bei der plötzlich reissende Schmerzen im Arm auftreten. Sie beginnt typischerweise im Schultergelenk und strahlt in den Oberarm, den Nacken und den ganzen Arm bis zur Hand aus. Muskelschwäche und Lähmungen einzelner Muskelpartien können hinzukommen.
Ursachen
Es gibt zwei Formen der neuralgischen Amyotrophie: die erbliche (hereditäre) und die mit unbekannter Ursache (idiopathisch). Bei der idiopathischen Form vermutet man eine Entzündung des Plexus brachialis, möglicherweise im Zusammenhang mit einer Immunreaktion.
Symptome
Typische Symptome sind:
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- Reissende, starke Schmerzen im Schultergelenk, die plötzlich abends oder nachts auftreten
- Ausstrahlung der Schmerzen in den Nacken, den Arm und die Hände
- Muskelschwäche und Lähmungen einzelner Muskelpartien
Diagnose
Die Diagnose erfolgt anhand der Anamnese, der körperlichen und neurologischen Untersuchung sowie elektrophysiologischer Untersuchungen (Elektroneurographie und Elektromyographie).
Behandlung
Da die Ursache der Erkrankung nicht bekannt ist, können nur die Symptome behandelt werden. Zum Einsatz kommen Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente (Kortikosteroide) und Physiotherapie.
Verlauf
Die Schmerzen dauern Tage bis Wochen an. Viele Menschen haben Monate bis Jahre mit Schmerzen, Muskelschwäche oder Bewegungseinschränkungen zu tun. Bei den meisten Menschen klingen die Beschwerden innerhalb von etwa 1 bis 3 Jahren ab.
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
Die amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine schwere, fortschreitende Erkrankung des motorischen Nervensystems. Dabei verlieren die motorischen Nervenzellen, die für die willkürliche Steuerung der Muskulatur verantwortlich sind, fortschreitend ihre Funktion.
Ursachen
Die genauen Ursachen der ALS sind noch nicht vollständig bekannt. Man unterscheidet zwischen familiären (genetischen) und nicht-vererbbaren (sporadischen) Formen. Bei etwa 1 von 10 Betroffenen entsteht die Krankheit durch Veränderungen in den Genen. Mutationen in den Genen „C9orf72“, „SOD1“, „FUS“, „TARDBP“ und „TBK1“ sind am häufigsten.
Symptome
Zu Beginn der ALS nehmen Patienten überwiegend Muskelschwäche, Muskelschwund sowie Muskelsteifigkeit wahr. Die individuellen Beschwerden hängen davon ab, welches Motoneuron und welche Muskelgruppe stärker betroffen ist. Weitere Symptome sind:
- Ungeschicklichkeit der Hände
- Gangunsicherheit
- Schwäche der Beine
- Sprechstörung (Dysarthrie)
- Schluckstörung (Dysphagie)
- Atemfunktionsstörung
Diagnose
Die Diagnose erfolgt anhand der neurologischen Untersuchung und elektrophysiologischer Untersuchungen (Elektromyographie, Elektroneurographie, motorisch-evozierte Potentiale). Zudem werden andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen.
Behandlung
Die ALS ist nicht heilbar. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten. Zum Einsatz kommen Medikamente (Riluzol), Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Atemhilfen und Ernährungssonden.
Verlauf
Der Verlauf der ALS variiert stark von Mensch zu Mensch. In der Endphase betrifft die Krankheit stark die Atemfunktion.
Polyneuropathie
Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven geschädigt sind. Dadurch werden Reize zwischen Nerven, Rückenmark und Gehirn nicht mehr richtig weitergeleitet.
Ursachen
Polyneuropathie kann erblich bedingt oder im Laufe des Lebens erworben sein. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
- Diabetes mellitus
- Alkoholmissbrauch
- Vitaminmangel (z.B. Vitamin B12)
- Autoimmunerkrankungen
- Infektionen (z.B. Borreliose, Gürtelrose)
- Einnahme bestimmter Medikamente
- Kontakt mit giftigen Substanzen
- Krebserkrankungen
Symptome
Die Symptome einer Polyneuropathie können vielfältig sein, je nachdem, welche Nerven betroffen sind. Man unterscheidet sensible, motorische und vegetative Polyneuropathien. Typische Symptome sind:
- Missempfindungen (Ameisenlaufen, Brennen, Jucken, Taubheitsgefühle, Kribbeln)
- Vermindertes Temperatur- oder Schmerzempfinden
- Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Muskelzucken, Muskelkrämpfe
- Schwindel, Blasenschwäche, Durchfall, verstärktes Schwitzen
- Erschöpfungszustände
Diagnose
Die Diagnose erfolgt anhand der Anamnese, der körperlichen und neurologischen Untersuchung sowie elektrophysiologischer Untersuchungen (Elektroneurographie, Elektromyographie). Zudem werden Blut-, Urin- und Gewebeproben untersucht, um die Ursache der Polyneuropathie zu finden.
Behandlung
Die Behandlung einer Polyneuropathie zielt darauf ab, die Ursache zu beseitigen oder zu behandeln und die Symptome zu lindern. Zum Einsatz kommen:
- Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Einstellung des Blutzuckers bei Diabetes, Suchttherapie bei Alkoholabhängigkeit)
- Vitaminpräparate bei Vitaminmangel
- Antibiotika oder Kortison bei Infektionen oder Entzündungen
- Schmerzmittel (Antidepressiva, Antikonvulsiva, Opioide)
- Physiotherapie, Ergotherapie
- Orthesen bei Muskellähmungen
Prognose
Eine pauschale Aussage zur Lebenserwartung bei Polyneuropathie gibt es nicht - hier kommt es massgeblich auf die Ursache der Krankheit an.
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