Die Nackenmuskulatur spielt eine wesentliche Rolle im menschlichen Körper, obwohl sie nur einen kleinen Teil der gesamten Rückenmuskulatur ausmacht. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, das Kopfgelenk zu stabilisieren, um zu verhindern, dass der Kopf nach vorne kippt. In diesem Artikel werden wir den Aufbau der Nackenmuskulatur, ihre Funktionen und mögliche Beschwerden untersuchen.
Anatomie der Nackenmuskulatur
Die Nackenmuskulatur wird als eine Gruppe von Muskeln definiert, die zusammen die willkürliche Bewegung in den Kopfgelenken steuern. Zu den wichtigsten Muskeln gehören die kurzen Nackenmuskeln, auch Musculi suboccipitales genannt, die unter dem Hinterhauptbein liegen. Diese Muskeln lassen sich in zwei Bereiche unterteilen.
- Tiefe Nackenmuskulatur: Diese Muskeln entspringen an den ersten beiden Halswirbeln, dem Atlas und dem Axis.
- Musculus obliquus capitis inferior: Dieser schräg verlaufende Muskel verbindet den Atlas und den Axis miteinander.
Die arterielle Blutversorgung der Nackenmuskulatur erfolgt durch die Arteria occipitalis (Hinterhauptsarterie). Das venöse Blut wird dem äußeren Venenplexus (Plexus venosus vertebralis externus posterior) zugeführt, der in die Vena vertebralis mündet.
Funktion der Nackenmuskulatur
Die Nackenmuskulatur ermöglicht verschiedene Kopfbewegungen. Wenn nur die Nackenmuskulatur einer Seite angesteuert wird, führt die Anspannung der geraden Muskelgruppe und des Musculus obliquus capitis inferior zu einer Kopfdrehung in die entsprechende Richtung. Eine Kontraktion des Musculus obliquus capitis superior bewirkt dagegen eine Kopfneigung zur selben Seite.
Die Halswirbelsäule (HWS) umfasst alle Wirbel zwischen dem Kopf und der Brustwirbelsäule und ist der beweglichste Teil der gesamten Wirbelsäule. Sie besteht aus sieben Zervikalwirbeln (C1-C7). Der erste Halswirbel (Atlas) und der zweite Halswirbel (Axis) bilden zusammen mit der Schädelbasis die Kopfgelenke. Das obere Kopfgelenk (Articulatio atlantooccipitalis) ermöglicht die Nickbewegung des Kopfes, während das untere Kopfgelenk die Drehung des Kopfes ermöglicht.
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Häufige Probleme und Beschwerden
Verspannungen der Nackenmuskulatur entstehen häufig durch übermäßige Belastung oder Fehlhaltung des Schultergürtels. Die enge anatomische und funktionelle Verbindung der Muskelgruppen von Hinterhaupt, Nacken und Schultern führt bei muskulärer Dysbalance oft zu Kompensationsbewegungen, die ihrerseits weitere Beschwerden verursachen können. Unfälle mit großer Krafteinwirkung auf den Hals, wie sie bei einem Schleudertrauma oder einem Sturz mit Wirbelsäulenverletzung vorkommen, können die Nackenmuskulatur ebenfalls beeinträchtigen.
- Nackenschmerzen: Sind weit verbreitet und treten besonders häufig bei Menschen auf, die am Computer arbeiten. Sie können durch Muskelverspannungen, Bandscheibenvorfälle, Meningitis, rheumatische Erkrankungen oder Arthrose der Wirbelkörper verursacht werden.
- HWS-Syndrom (Halswirbelsäulensyndrom): Ist ein Sammelbegriff für Nackenschmerzen und begleitende Beschwerden wie Schulterschmerzen, deren Ursachen in der Halswirbelsäule zu finden sind. Klassische Symptome sind Schmerzen und schmerzhaftes Ziehen im Nacken durch Verspannungen, die auch in Schultern und Arme ausstrahlen können.
- Schleudertrauma: Hierbei kommt es zu einer ruckartigen Bewegung des Kopfes, wodurch die Muskeln und Bandstrukturen im Nacken massiv gedehnt werden. Dies führt meist zu Verhärtungen und Verspannungen, die mit einer vorübergehenden Steilstellung der Halswirbelsäule einhergehen.
- Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule (HWS): Tritt auf, wenn Material aus dem inneren Gallertkern einer Bandscheibe im Halsbereich durch den umhüllenden Faserring nach außen tritt und auf das Rückenmark oder die Spinalnerven drückt. Dies kann zu starken Nackenschmerzen, Arm- und Schulterbeschwerden führen.
- Spinalkanalstenose: Ist eine Verengung des knöchernen Wirbelkanals, in dem das Rückenmark verläuft. Im Bereich der Halswirbelsäule kann dies zu Nackenschmerzen und Störungen der Feinmotorik führen.
- Wirbelkörperbruch: Kann durch Osteoporose entstehen, wodurch das Knochengewebe im Wirbelkörper instabil wird und der Wirbelkörper zusammenbricht.
Behandlung und Vorbeugung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Nackenmuskulatur zu lockern und zu stärken.
- Entspannungsübungen: Wärme von außen und mentale Entspannungsübungen können helfen, die Nackenmuskulatur zu lockern. Auch allgemeine regelmäßige Bewegung im Alltag und in Form von Yoga und Ausdauersport entlasten den Schultergürtel.
- Dehnungsübungen:
- Seitliche Nackenmuskulatur: Im Stehen oder Sitzen eine aufrechte Haltung einnehmen, die Wirbelsäule strecken und den Kopf zur Schulter neigen, ohne ihn zu drehen, während der gegenseitige Arm aktiv nach unten zieht.
- Nackenstreckung: Im Sitzen die Hände an den Hinterkopf legen und das Kinn in Richtung des Brustbeins bringen, ohne die Streckung aufzulösen.
- Kräftigungsübungen: Ein allgemeiner Muskelaufbau im Bereich des Rückens kann sinnvoll sein. Bei den Muskeln des Halses handelt es sich um empfindliche Strukturen, die nur mit Sorgfalt und Feingefühl beübt werden sollten. Schnelle, ruckartige oder schmerzhafte Bewegungen sind zu vermeiden.
- Manuelle Therapie: Kann helfen, verspannte Muskeln zu lockern und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule zu verbessern.
- Physiotherapie: Kann Übungen zur Kräftigung und Entspannung der Nackenmuskulatur sowie zur Verbesserung der Haltung umfassen.
- Schmerzmittel: Können bei akuten Schmerzen kurzfristig eingesetzt werden, sollten aber nicht als langfristige Lösung dienen.
- Injektionstherapie: In schweren Fällen können Injektionen mit Betäubungs- und Schmerzmitteln in die betroffenen Bereiche der Halswirbelsäule verabreicht werden.
- Operation: In seltenen Fällen, z. B. bei einem Bandscheibenvorfall mit starken neurologischen Ausfällen, kann eine Operation erforderlich sein.
Spezielle Übungen
- Kopfrollen: Langsame Seitdrehungen und -neigungen des Kopfes.
- Kinn-Einziehen: Bei gestreckter Wirbelsäule das Kinn in Richtung des Brustbeins führen.
- "Acht"-Bewegung: Den Kopf in Form einer Acht bewegen, beginnend mit kleinen Bewegungen und langsam den Radius erweitern.
Vorbeugende Maßnahmen
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Häufiges Arbeiten im Sitzen und eine hohe Bildschirmnutzung tragen dazu bei, dass die Halswirbelsäule (HWS) immer längere Zeit in der gleichen Stellung verharren muss. Achten Sie auf eine gute Haltung und eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Übungen, die darauf abzielen, die Muskulatur im Nacken- und Schulterbereich zu kräftigen und Verspannungen zu lösen.
- Stressmanagement: Psychische Belastung kann zu einer erhöhten Muskelspannung im Nacken- und Schulterbereich führen. Stressreduktion kann helfen, Nackenbeschwerden vorzubeugen.
Besonderheiten bei Babys
Die Rücken- und Nackenmuskulatur eines Babys muss sich in den ersten Lebensmonaten erst noch entwickeln. Daher können Säuglinge anfangs das Köpfchen noch nicht selbst halten und müssen hierbei unterstützt werden. Zunächst kann das Baby in der Armbeuge der Eltern liegend durch den Raum getragen werden, wobei es versuchen wird, sich für eine bessere Sicht über die Seite hochzustemmen. Ist hierdurch eine Grundstabilität entstanden, so kann das Baby zunehmend in eine abgestützte Bauchlage gebracht und durch Blickkontakt zum Heben des Kopfes motiviert werden. Bei allen Übungen sollte man jedoch das individuelle Tempo des Kindes beachten und bei Unsicherheit immer den Kinderarzt um Rat fragen.
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