Nervensystem und Bluthochdruck: Ein komplexer Zusammenhang

Bluthochdruck, auch Hypertonie genannt, ist eine weit verbreitete Erkrankung, die oft lange unbemerkt bleibt. Unbehandelt kann sie jedoch schwerwiegende Folgen wie Schlaganfall, Herzschwäche und Nierenversagen haben. Während Medikamente eine gängige Therapie darstellen, gibt es auch natürliche Wege, den Blutdruck zu senken und gefährlichen Bluthochdruck zu vermeiden. Dabei spielt das Nervensystem eine zentrale Rolle.

Die Rolle des autonomen Nervensystems

Dauerstress führt zu Dauer-Bluthochdruck. Verantwortlich dafür ist unser autonomes Nervensystem, das unwillkürliche Körperfunktionen wie Atmung, Herzschlag und Verdauung steuert. Die beiden Hauptakteure in diesem System sind der Sympathikus und der Parasympathikus.

  • Sympathikus: Dieser Teil des Nervensystems ist bei Anstrengung und Stress aktiv. Er bereitet den Körper auf "Kampf oder Flucht" vor, indem er Herzfrequenz und Blutdruck erhöht.
  • Parasympathikus: Als Gegenspieler des Sympathikus sorgt der Parasympathikus für Entspannung, Regeneration und den Aufbau von Energiereserven. Der Hauptnerv des Parasympathikus ist der Vagusnerv, der vom Hals durch den Brustkorb bis zu den Verdauungsorganen verläuft. Er signalisiert dem Körper, zur Ruhe zurückzukehren.

Ein gesunder Blutdruck erfordert ein Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus. Wenn der Sympathikus jedoch ständig "befeuert" wird, gerät der Körper in einen Zustand der Überforderung. Viele Menschen leben heutzutage vorwiegend im Stressmodus, wodurch die Entspannung zu kurz kommt.

Natürliche Wege zur Blutdrucksenkung

Bewegung und Sport

Sport spielt eine sehr große Rolle beim Kampf gegen zu hohen Blutdruck. Körperliche Belastung führt zwar zu einem Anstieg des Blutdrucks, aber im Anschluss sinkt er tiefer als zuvor. Dies hält die Gefäße geschmeidig und baut überschüssige Stresshormone ab.

  • Ausdauersport: Meist wird bei Bluthochdruck zu Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren geraten.
  • Kraftsport: Auch Kraftsport kann eine positive Wirkung haben, solange man nicht zu hohe Gewichte nimmt.
  • Kombination: Ideal ist eine Kombination aus verschiedenen Sportarten, um den Körper vielseitig zu fordern.
  • Wassergymnastik: Wer sich ohne Leistungsdruck auspowern möchte, kann Wassergymnastik machen.

Entspannungstechniken

Um den Parasympathikus zu aktivieren und Stress abzubauen, gibt es verschiedene Entspannungstechniken:

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  • Waldspaziergänge: Die vielfältigen Sinneseindrücke im Wald, wie Vogelgezwitscher und Tannennadelgeruch, stimulieren den Parasympathikus. In Japan ist das sogenannte Waldbaden sogar Teil der Gesundheitsprävention.
  • Tiefenentspannungsverfahren: Die Naturheilkunde bietet eine Reihe von Tiefenentspannungsverfahren, die gegen Bluthochdruck und Stress wirken. Es ist wichtig, den Körper einmal am Tag richtig "herunterzufahren".
  • Kälteanwendungen: Extreme Kälte, wie in einer Kältekammer (minus 110 Grad), oder Wassergüsse nach Kneipp können ebenfalls blutdrucksenkend wirken. Die Kälte verengt die Blutgefäße, die sich anschließend wieder weiten, was den Blutdruck reguliert.

Ernährung

Um hohen Blutdruck zu senken, ist die richtige Ernährung wichtig. Eine salzreiche Mahlzeit kann den Blutdruck erhöhen. Aufpassen sollten Sie vor allem bei (tiefgekühlten) Fertiggerichten, Konserven, Brot, Käse und Wurstwaren. Sie enthalten meist reichlich Salz. Mediziner schätzen, dass rund 50 Prozent der Bluthochdruck-Patientinnen und -Patienten salzempfindlich sind, d.h. ihr Blutdruck fällt bei salzarmer Diät um etwa 5mmHg ab. Übergewicht lässt den Blutdruck ebenso ansteigen. Man rechnet mit 1 mmHg Anstieg pro 1 kg mehr auf der Waage. Alkoholkonsum ist ebenfalls ein Einflussfaktor, da er unter anderem das sympathische Nervensystem anregt.

Naturheilkunde

Die Naturheilkunde setzt auf pflanzliche Arzneien und jahrhundertealte Therapien, die auf einem ganzheitlichen Ansatz basieren: Körper, Geist und Seele werden als Einheit behandelt. Die Einsatzgebiete sind vielfältig, auch bei Zivilisationskrankheiten wie dem Metabolischen Syndrom, zu dem Bluthochdruck gehört.

  • Fasten: Gegen schlechte Blutwerte kann Fasten viel bewirken. Mindestens sieben Tage lang gibt es nur Tee, Brühe und Saft, um dem Körper eine Art "Neustart" zu ermöglichen. Das Fasten reduziert Entzündungsstoffe und verändert langfristig den Stoffwechsel.
  • Pflanzliche Arzneimittel: Bei nervösen Unruhezuständen, die durch Stress ausgelöst werden, kann die Passionsblume im pflanzlichen Beruhigungsmittel eingesetzt werden.
  • Homöopathie: Bei nervösen Störungen und Verstimmungszuständen kann das homöopathische Arzneimittel ausgleichende Unterstützung bieten.

Psychische Gesundheit und Blutdruck

Die psychische Gesundheit und unser Herz-Kreislauf-System stehen in einer komplexen Wechselwirkung. Stress, psychische Belastungen und Aufregung lassen den Blutdruck steigen. Eine Studie hat gezeigt, dass ein höherer systolischer Blutdruck mit weniger depressiven Symptomen, größerem Wohlbefinden und geringerer emotionsbezogener Gehirnaktivität verbunden ist. Andererseits geht eine Hypertoniediagnose mit einer schlechteren psychischen Gesundheit einher.

Umgang mit Stress

Stress kann bei Menschen zu vorübergehenden Erhöhungen des Blutdrucks führen. Chronischer Stress kann jedoch zu anhaltender Hypertonie führen. Es ist daher wichtig, Stressoren zu identifizieren und Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

  • Stressmanagement-Techniken: Diese können eingesetzt werden, um entweder dauerhaft ruhiger und belastbarer zu werden oder in Akutsituationen, wenn Puls und Blutdruck hochschnellen.
  • Psychotherapie: Bei sehr hoher psychischer Belastung kann psychologische Unterstützung in Form von Psychotherapie erforderlich sein.

"Nervlicher Bluthochdruck"

Umgangssprachlich ist häufig von "Nervlichem Bluthochdruck" die Rede bei Bluthochdruck, der durch Anspannung, innere Unruhe, Stress oder emotionale Belastungen ausgelöst oder verstärkt wird. Nervlicher Bluthochdruck ist allerdings kein medizinischer Fachbegriff.

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Blutdruckschwankungen

Der Blutdruck ist eine sehr variable und dynamische Größe, die von endogenen (körpereigenen) und exogenen (äußerlichen) Faktoren beeinflusst wird. Auch tageszeitlich unterliegt der Blutdruck Schwankungen, dem sogenannten zirkadianen Rhythmus. Merkliche Blutdruckschwankungen lassen sich am besten mit der 24-Stunden-Blutdruckmessung diagnostizieren.

Schädigung des Gehirns durch Bluthochdruck

Ein langjähriger und/oder schlecht eingestellter Bluthochdruck schädigt das Gehirn über verschiedene Mechanismen wie Minderdurchblutung und Entzündungsprozesse. Weiße Flecken im Gehirn (WMH) treten bei Bluthochdruck auf und sind besonders stark ausgeprägt, wenn der Bluthochdruck zwar medikamentös behandelt wird, aber trotzdem nicht gut eingestellt ist.

Bluthochdruck-Notfall

Auch wenn der Bluthochdruck bereits behandelt wird, kann es vorkommen, dass der Blutdruck plötzlich ansteigt und Werte z.B. von über 200/100 mmHg erreicht. Treten mit dem hohen Blutdruck ernste Beschwerden wie Luftnot, Druck in der Brust oder starke Kopfschmerzen auf, handelt es sich um einen Bluthochdrucknotfall, bei dem sofort die Rettungsleitstelle unter 112 alarmiert werden muss, da Herzinfarkt oder Schlaganfall die Folge sein können.

Psychosomatische Aspekte von Bluthochdruck

Bluthochdruck kann auch als Ausdruck innerer Spannung, unterdrückter Emotionen und gesellschaftlicher Überforderung gesehen werden. Psychoanalytiker sahen eine Verbindung zwischen der Hypertonie und dem vegetativen Nervensystem, insbesondere chronisch gehemmten aggressiven Antrieben.

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