Nervus femoralis Taubheitsgefühl: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Taubheitsgefühle im Oberschenkel können beunruhigend sein und vielfältige Ursachen haben. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Gründe für ein Nervus femoralis Taubheitsgefühl, von Kompressionssyndromen bis hin zu systemischen Erkrankungen, und bietet einen umfassenden Überblick über Diagnose- und Behandlungsansätze.

Einführung

Das Nervus femoralis Taubheitsgefühl kann verschiedene Ursachen haben, die von lokalen Nervenkompressionen bis hin zu systemischen Erkrankungen reichen. Es ist wichtig, die Symptome richtig zu deuten und eine genaue Diagnose zu stellen, um die geeignete Behandlung einzuleiten. Im Folgenden werden die häufigsten Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsoptionen detailliert erläutert.

Ursachen für Nervus femoralis Taubheitsgefühl

Ein Taubheitsgefühl im Oberschenkel kann viele verschiedene Ursachen haben, die oft mit dem Rücken, Nervenbahnen oder anderen Erkrankungen zusammenhängen. Hier sind die häufigsten Ursachen im Überblick:

Meralgia Parästhetica (Leistentunnelsyndrom)

Die Meralgia parästhetica ist eine häufige Ursache für Taubheitsgefühle im Oberschenkel. Sie entsteht durch die Kompression oder Einklemmung des Nervus cutaneus femoris lateralis (NCFL), eines sensiblen Nervs, der die Haut an der Außenseite des Oberschenkels versorgt.

Ursachen:

  • Kompression des Nervs: Die häufigste Ursache ist die Kompression des Nervs, meistens an der Stelle, wo er den Leistenbereich verlässt.
  • Risikofaktoren: Übergewicht, enge Kleidung (wie enge Hosen oder Jeans - auch bekannt als "Jeans-Krankheit"), Schwangerschaft, Verletzungen oder bestimmte medizinische Bedingungen können die Kompression begünstigen. Eine Fall-Kontroll-Studie konnte einen signifikanten Zusammenhang zwischen Übergewicht und einer MP mit Verdopplung des Risikos ab BMI > 30 kg/m² nachweisen (9). Allerdings kann auch eine starke Gewichtsabnahme mit Verlust des schützenden Fettpolsters zu Beschwerden führen (10, 11).
  • Iatrogene Läsionen: Chirurgische Eingriffe im Becken- oder Leistenbereich oder Knochenentnahmen aus dem Beckenkamm können ebenfalls zu einer Schädigung des Nervs führen. Darüber hinaus kann die MP als perioperativer Lagerungsschaden auftreten (13-15).

Symptome:

  • Taubheitsgefühl, Kribbeln, Brennen oder Schmerzen an der Außenseite des Oberschenkels.
  • Die Symptome können sich bei bestimmten Bewegungen, wie dem Strecken des Hüftgelenks, verstärken.
  • Provozieren lassen sich die Beschwerden häufig auch durch langes Stehen bzw. Gehen sowie durch ein langes Liegen mit gestrecktem Bein.

Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS)

Ein Bandscheibenvorfall in der LWS kann auf das Rückenmark und die Nervenbahnen drücken, was zu Taubheitsgefühlen im Oberschenkel führen kann.

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  • Mechanismus: Wenn die Bandscheibe auf das Rückenmark drückt, kommt es zu einer Wirbelkanalverengung, die die Nervenbahnen beeinträchtigt und reizt.
  • Symptome: Neben starken Schmerzen können Taubheitsgefühle und Kribbeln in den Beinen oder im Oberschenkel auftreten. Das taube Gefühl muss dabei nicht anhaltend sein, sondern kann immer wieder auftreten.

Muskelverspannungen

Starke Muskelverspannungen, wie sie bei einem Hexenschuss vorkommen können, können ebenfalls Auslöser für vorübergehende Taubheitsgefühle im Oberschenkel sein.

  • Ursachen: Sportliche Belastung oder langes, ungesundes Sitzen können zu Muskelverspannungen führen.

Vitamin-B12-Mangel

Ein Mangel an Vitamin B12 kann die Funktion der Nerven beeinträchtigen und zu Kribbeln oder Taubheitsgefühlen führen.

  • Symptome: Die Taubheitsgefühle können in verschiedenen Bereichen des Körpers auftreten, einschließlich der Beine.

Restless-Legs-Syndrom

Das Restless-Legs-Syndrom kann ebenfalls Taubheitsgefühle, Kribbeln oder leichte Schmerzen in den Beinen und Füßen verursachen.

  • Symptome: Typisch sind auch eingeschlafene Beine. Die Beschwerden treten vor allem abends oder nachts auf.

Rückenmarksverletzungen

Verletzungen des Rückenmarks, die durch Sport- oder Verkehrsunfälle, Stürze oder Erkrankungen wie Bandscheibenvorfälle verursacht werden, können zu Taubheitsgefühlen im Oberschenkel führen.

  • Formen:
    • Erschütterung: Eine Erschütterung des Rückenmarks kann zu kurzfristigen Störungen in der Motorik führen.
    • Prellung: Eine Prellung kann mit Einblutungen in den Spinalkanal einhergehen und neurologische Ausfälle verursachen.
    • Quetschung: Eine Quetschung stellt die gravierendste Form dar und wird häufig durch instabile Wirbelkörper oder einen stark ausgeprägten Bandscheibenvorfall verursacht.

Hüftschmerzen

Hüftschmerzen können ebenfalls in den Oberschenkel ausstrahlen und Taubheitsgefühle verursachen.

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  • Ursachen: Falsche Bewegungen oder einseitige Belastung des Hüftgelenks können zu Schmerzen führen. Auch Schmerzen aus der Lendenwirbelsäule können in die Hüftregion ausstrahlen.
  • Symptome: Hüftschmerzen machen sich oft im Bereich der Leisten bemerkbar und können in eines oder beide Beine ausstrahlen.

Nerveneinklemmungen im Leistenbereich

Unter dem Leistenband verlaufen Nervenbahnen, die eingeklemmt oder entzündet sein können.

  • Nervus cutaneus femoris lateralis: Bei einer Meralgia parästhetica ist vor allem der Nervus cutaneus femoris lateralis betroffen.
  • Symptome: Ein Kribbeln oder eine taube Stelle im seitlichen und vorderen Bereich des Oberschenkels.

Guillain-Barré-Syndrom

Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine seltene Autoimmunerkrankung, die zu einer Schädigung der peripheren Nerven und damit zu Taubheitsgefühlen führen kann.

  • Verlauf: Die Krankheit kann sich sehr plötzlich innerhalb von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten entwickeln.

Verletzung des Nervus femoralis

Eine direkte Verletzung des Nervus femoralis, beispielsweise bei chirurgischen Eingriffen an der Hüfte oder im Unterleib, kann ebenfalls zu Schmerzen und Taubheitsgefühlen führen.

  • Folgen: Es kann zu einer Schwäche im Bein und Schwierigkeiten beim Strecken des Knies kommen.

Weitere Ursachen

Neben den oben genannten Ursachen gibt es noch weitere Faktoren, die zu Taubheitsgefühlen im Oberschenkel beitragen können:

  • Arterielle Durchblutungsstörungen: Stenosen in den Arterien können die Nervenversorgung beeinträchtigen.
  • Infektionen oder Entzündungen: Lokale Entzündungen oder Gürtelrose (Herpes zoster) können den Nerv reizen.
  • Tumore: In seltenen Fällen können Tumore auf den Nerv drücken und Taubheitsgefühle verursachen.

Diagnose von Nervus femoralis Taubheitsgefühl

Die Diagnose eines Nervus femoralis Taubheitsgefühls erfordert eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls bildgebende Verfahren.

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Anamnese

Eine ausführliche Anamnese ist der erste Schritt zur Diagnose. Der Arzt wird Fragen zu den Symptomen, deren Beginn und Verlauf, sowie zu möglichen Risikofaktoren stellen.

Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung umfasst die Überprüfung der Sensibilität, Motorik und Reflexe im betroffenen Bereich. Spezifische Tests können helfen, die Ursache des Taubheitsgefühls einzugrenzen.

  • Hoffmann-Tinel-Zeichen: Ein Beklopfen bestimmter Hautbereiche kann Schmerzen hervorrufen.
  • Lasègue-Test: Anheben des gestreckten Beins im Liegen, um den Ischiasnerv zu dehnen und eine mögliche Reizung aufzudecken.

Bildgebende Verfahren

Bildgebende Verfahren können eingesetzt werden, um andere mögliche Ursachen auszuschließen und die genaue Lokalisation der Nervenkompression zu bestimmen.

  • Ultraschall: Kann verwendet werden, um den Nerv darzustellen und mögliche Kompressionen zu erkennen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Weichteile und kann bei der Identifizierung von Bandscheibenvorfällen, Tumoren oder Entzündungen hilfreich sein.
  • Röntgen: Kann bei der Beurteilung von knöchernen Strukturen und der Identifizierung von Frakturen oder Arthrose hilfreich sein.

Elektrophysiologische Untersuchungen

Elektrophysiologische Untersuchungen können die Funktion der Nerven überprüfen und helfen, die Diagnose zu bestätigen.

  • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Misst, wie schnell elektrische Impulse durch einen Nerv flitzen.
  • Elektromyographie (EMG): Misst die elektrische Aktivität der Muskeln und kann bei der Identifizierung von Nervenschäden hilfreich sein.
  • Spezielle Hirnstrommessung (evozierte Potenziale): Kann bei der Beurteilung der Nervenbahnen im Gehirn und Rückenmark hilfreich sein.

Behandlung von Nervus femoralis Taubheitsgefühl

Die Behandlung eines Nervus femoralis Taubheitsgefühls hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Konservative Maßnahmen stehen oft im Vordergrund, aber in einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein.

Konservative Maßnahmen

  • Gewichtsreduktion: Wenn Übergewicht ein Faktor ist, der zur Nervenkompression beiträgt, kann eine Gewichtsabnahme helfen, den Druck auf den Nerv zu verringern.
  • Lockerung der Kleidung: Das Tragen lockerer Kleidung, insbesondere im Bereich der Leiste, kann den Druck auf den Nerv reduzieren und die Symptome lindern.
  • Physiotherapie: Bestimmte Übungen und physiotherapeutische Techniken können helfen, die Muskulatur im Bereich der Leiste zu stärken und die Nervenkompression zu verringern.
  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
  • Vitamin-B12-Supplementierung: Bei einem Vitamin-B12-Mangel kann eine Supplementierung helfen, die Nervenfunktion zu verbessern.
  • Lokale Injektionen: In einigen Fällen kann eine lokale Injektion von entzündungshemmenden Medikamenten (z.B. Kortison) in den betroffenen Bereich Schmerzlinderung bringen.
  • Hydrodissektion: Bei der Hydrodissektion wird das den Nerven umgebende Gewebe mit Zuckerlösung gespült, um dem Nerv mehr Platz zu schaffen und die Kompression zu verringern.
  • Triggerakupunktursitzungen: Können helfen, die hüftumgebende Muskulatur zu lockern und den Heilungsprozess zu unterstützen.

Operative Maßnahmen

In seltenen Fällen, in denen konservative Maßnahmen keine ausreichende Linderung bieten, kann eine Operation erwogen werden.

  • Dekompression des Nervs: Operative Beseitigung aller einengenden Strukturen und Freilegung des Nervs (Neurolyse).
  • Neurektomie: Durchtrennung des Nervs und gezielte Abtragung von Nervengewebe. Diese Methode gilt als letzter Ausweg und führt zu einem dauerhaften Verlust des Empfindungsvermögens im betroffenen Hautbereich.

Weitere Behandlungsansätze

  • Ergonomische Anpassungen: Anpassung von Sitz- und Stehpositionen, um eine gesunde Körperhaltung zu fördern.
  • Laufbandanalyse: Identifizierung biomechanischer Fehlbelastungen, um individuelle Anpassungen in der Therapie oder im Schuhwerk zu ermöglichen.
  • Behandlung von Grunderkrankungen: Behandlung von Diabetes mellitus oder anderen systemischen Erkrankungen, die zu Nervenschäden führen können.

Prävention von Nervus femoralis Taubheitsgefühl

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, einem Nervus femoralis Taubheitsgefühl vorzubeugen:

  • Vermeidung enger Kleidung: Das Tragen lockerer Kleidung kann helfen, den Druck auf die Nerven zu reduzieren.
  • Gewichtsmanagement: Ein gesundes Gewicht kann dazu beitragen, den Druck auf die Nerven zu verringern.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung und Dehnübungen können helfen, die Muskulatur zu stärken und die Nerven zu entlasten.
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung kann dazu beitragen, Fehlhaltungen und Verspannungen zu vermeiden.

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