Nervus Glossopharyngeus: Verlauf, Anatomie und Klinische Bedeutung

Der Nervus glossopharyngeus, auch bekannt als der Zungen-Rachen-Nerv, ist der neunte von zwölf Hirnnerven (Nervi craniales). Er spielt eine entscheidende Rolle bei verschiedenen sensorischen, motorischen und parasympathischen Funktionen im Kopf- und Halsbereich. Dieser Artikel beleuchtet den Verlauf, die Anatomie und die klinische Bedeutung des Nervus glossopharyngeus.

Einführung in die Hirnnerven

Die Hirnnerven sind zwölf Nervenpaare, die direkt aus dem Gehirn entspringen und für die sensorische und motorische Versorgung des Kopf- und Halsbereichs zuständig sind. Sie werden von kranial (schädelwärts) nach kaudal (schwanzwärts) nummeriert. Die Hirnnerven haben verschiedene Qualitäten: sensorisch, motorisch, parasympathisch und sensorisch.

Die Hirnnervenkerne, die Ursprungsorte der Hirnnervenfasern, liegen im Hirnstamm. Der Hirnstamm besteht aus dem Mittelhirn, der Brücke und dem verlängerten Mark (Medulla oblongata).

Anatomie und Verlauf des Nervus Glossopharyngeus

Ursprung und Verlauf

Der Nervus glossopharyngeus entspringt seitlich der hinteren Olive (Olivia inferior) aus der Medulla oblongata. Von dort zieht er in Richtung der Pars petrosa des Os temporale (Felsenbein). Im Schädel verdickt sich der Nerv zu einem Ganglion superius nervi glossopharyngei, bevor er durch das Foramen jugulare tritt. Direkt danach verdickt er sich erneut zu einem Ganglion inferius nervi glossopharyngei. Anschließend verläuft er hinter dem Musculus stylopharyngeus und zwischen der Arteria carotis interna und der Vena jugularis interna zur Zunge.

Der Nervus glossopharyngeus verlässt das Gehirn hinter der Olive. Von dort zieht er durch das Foramen jugulare zur äußeren Schädelbasis.

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Äste des Nervus Glossopharyngeus

Der Nervus glossopharyngeus gibt mehrere Äste ab, die verschiedene Funktionen erfüllen:

  • Nervus tympanicus: Dieser Ast zieht durch den Canalicus tympanicus und bildet in der Paukenhöhle den Plexus tympanicus. Sein Ramus tympanicus innerviert die Schleimhaut sensibel. Ein weiterer Ast des Nervus tympanicus ist der Nervus petrosus minor, ein parasympathischer Ast, der im Ganglion oticum verschaltet wird und die Ohrspeicheldrüse (Glandula parotidea) innerviert.
  • Ramus sinus caroticus: Dieser Ast leitet Signale der Mechanorezeptoren und Chemorezeptoren aus dem Sinus und Glomus caroticus.
  • Ramus musculi stylopharyngei: Dieser Ast innerviert den Musculus stylopharyngeus.
  • Rami pharyngei nervi glossopharyngei: Zusammen mit Ästen des Nervus vagus (zehnter Hirnnerv) bilden diese Äste den Plexus pharyngeus, der sensible und motorische Innervationen ermöglicht.

Qualitäten und Kerne

Der Nervus glossopharyngeus enthält verschiedene Faserqualitäten:

  • Allgemein somatoafferente Fasern: Diese Fasern vermitteln das klassische Berührungsempfinden der Schleimhaut des Mittelohrs, der Tuba auditiva und der Innenseite des Trommelfells. Zusätzlich innerviert er die Tonsilla palatina (Gaumenmandel), den weichen Gaumen, die Rachenschleimhaut und das hintere Drittel der Zunge sensibel.
  • Allgemein viszeromotorische Fasern: Diese Fasern gehen vom Nucleus salivatorius inferior aus und steuern die parasympathische Innervation.
  • Allgemein viszerosensible Fasern: Diese Fasern vermitteln sensible Informationen aus den Organen und Eingeweiden zur Blutdruckregulation, indem Informationen über den intravasalen Druck von den Barorezeptoren des Sinus caroticus sowie des Aortenbogens zum ZNS geleitet werden.
  • Spezielle Viszeroafferenzen: Diese Fasern leiten Geschmacksempfindungen vom hinteren Zungendrittel an das zentrale Nervensystem weiter.

Die vier Kerne des Nervus glossopharyngeus liegen in der Medulla oblongata:

  • Nucleus ambiguus
  • Nucleus salivatorius inferior
  • Nucleus spinalis nervi trigemini
  • Nucleus tractus solitarii

Funktionen des Nervus Glossopharyngeus

Der Nervus glossopharyngeus hat vielfältige Funktionen:

  • Sensorische Funktion: Er ist für die Geschmacksempfindung im hinteren Drittel der Zunge verantwortlich.
  • Motorische Funktion: Er steuert den Musculus stylopharyngeus, der den Rachenheber beim Schlucken unterstützt, und den Musculus cricopharyngeus, der die Nahrung weiter zum Ösophagus befördert. Innerviert wird die Schlundmuskulatur - inklusive M. levator veli palatini und M. stylopharyngeus. Dies erfolgt zusammen mit dem N. vagus.
  • Parasympathische Funktion: Er reguliert die Speichelproduktion in der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotidea) über den Nervus auriculotemporalis.
  • Viszerale Funktion: Er ist an der Kreislaufregulation beteiligt, indem er Informationen von den Barorezeptoren im Carotissinus und Aortenbogen an das Gehirn weiterleitet.
  • Schluckfunktion: Er innerviert wichtige Muskeln des Rachens, die für die Schluckfunktion unentbehrlich sind.
  • Würgereiz: Er vermittelt zum Teil den Würgereiz.

Klinische Bedeutung

Glossopharyngeusneuralgie

Die Glossopharyngeusneuralgie ist eine seltene Erkrankung, die durch kurze, starke, einschießende Schmerzattacken im Versorgungsgebiet des Nervus glossopharyngeus und gegebenenfalls des Nervus vagus gekennzeichnet ist.

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Symptome:

  • Paroxysmale Anfälle von meist einseitigen, starken, brennenden, einschießenden Schmerzen im Versorgungsbereich des N. glossopharyngeus und ggf. der aurikulären und pharyngealen Äste des N. vagus.
  • Vereinzeltes Auftreten von synkopalen Episoden, Hypotonie, Bradykardie oder Asystolie möglich.
  • Getriggert durch Schlucken, Sprechen, Husten, Gähnen oder Berührung.

Diagnostik:

  • Klinische Diagnosestellung.
  • MRT zur Ursachensuche.

Therapie:

  • Medikamentöse Therapie zur Symptomlinderung.
  • Operative Verfahren bei unzureichender Wirksamkeit oder intolerablen Nebenwirkungen der konservativen Behandlung.

Schädigungen des Nervus Glossopharyngeus

Schädigungen des Nervus glossopharyngeus können bei Verletzungen an der Schädelbasis im Bereich des Foramen jugulare auftreten. Da der Nervus glossopharyngeus gemeinsam mit dem Nervus vagus und dem Nervus accessorius durch die Schädelbasis tritt, ist es bei solchen Verletzungen nicht unüblich, dass einer oder beide mit verletzt werden. Ein solches Phänomen wird auch als Foramen-jugulare-Syndrom bezeichnet.

Symptome:

  • Schluckstörungen (Dysphagie)
  • Sensibilitätsstörungen
  • Tachykardien
  • Verlust des Geschmackssinns im hinteren Drittel der Zunge

Ursachen für Schädigungen

  • Prozesse im Bereich der Schädelbasis: Tumoren (inkl. Glomus jugulare Tumor), Traumata, Aneurysmen (inkl. der Arteria basilaris und Aa. vertebrales), Sinus-sigmoideus Thrombose
  • Prozesse im Bereich der Arteria carotis interna: Aneurysma, Dissektion, Schädigung im Rahmen einer Operation
  • Prozesse im Kerngebiet: Ischämie

Diagnostische Verfahren

  • Kernspintomographie
  • Computertomographie

Auswirkungen auf andere Hirnnerven

Der Nervus glossopharyngeus fällt selten allein aus, sondern gemeinsam mit dem Nervus vagus (X) und dem Nervus accessorius (XI).

Die Rolle des Nervus Glossopharyngeus im Vergleich zu anderen Hirnnerven

Es ist wichtig, die Rolle des Nervus glossopharyngeus im Kontext der anderen Hirnnerven zu verstehen. Jeder Hirnnerv hat spezifische Funktionen, und ihre Zusammenarbeit ermöglicht komplexe sensorische und motorische Prozesse.

  • Nervus olfactorius (I): Riechnerv, sensorisch
  • Nervus opticus (II): Sehnerv, sensorisch
  • Nervus oculomotorius (III): Augenmuskelnerv, parasympathisch-motorisch
  • Nervus trochlearis (IV): Augenmuskelnerv, motorisch
  • Nervus trigeminus (V): Drillingsnerv, sensibel-motorisch
  • Nervus abducens (VI): Augenmuskelnerv, motorisch
  • Nervus facialis (VII): Gesichtsnerv, sensorisch-parasympathisch-motorisch
  • Nervus vestibulocochlearis (VIII): Hör- und Gleichgewichtsnerv, sensorisch
  • Nervus vagus (X): "Umherschweifender" Nerv, sensorisch-parasympathisch-motorisch
  • Nervus accessorius (XI): Hals- oder Beinerv, motorisch
  • Nervus hypoglossus (XII): Zungennerv, motorisch

Der Nervus glossopharyngeus (IX) unterscheidet sich von diesen Nerven durch seine spezifische Kombination aus sensorischen, motorischen und parasympathischen Funktionen im Bereich des Rachens und der Zunge.

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