Eine Synkope, definiert als kurzzeitiger Bewusstseinsverlust aufgrund einer vorübergehenden Minderdurchblutung des Gehirns, ist ein weit verbreitetes Phänomen. Sie setzt meist rasch ein, ist von kurzer Dauer und führt zu einer spontanen und vollständigen Erholung ohne Folgeschäden. Die Ursachen für eine Synkope können vielfältig sein, und eine genaue Diagnose ist entscheidend, um die richtige Behandlung einzuleiten.
Ursachen und Klassifikation von Synkopen
Synkopen werden im Allgemeinen in drei Hauptkategorien eingeteilt:
- Reflexsynkopen: Diese werden durch spezifische Auslöser verursacht, die vorübergehende Störungen im autonomen Nervensystem verursachen.
- Orthostatische Synkopen: Sie treten auf, wenn der Körper sich nicht schnell genug an Veränderungen der Körperposition anpassen kann, insbesondere beim Aufstehen.
- Kardiale Synkopen: Diese werden durch Herzprobleme verursacht, die die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigen.
Reflexsynkopen
Reflexsynkopen, auch vasovagale Synkopen genannt, sind die häufigste Form der Synkope. Sie werden durch eine Überstimulation des Nervus vagus ausgelöst, einem wichtigen Nerv, der Atmung, Verdauung, Blutdruck und Herzfrequenz reguliert. Diese Überstimulation führt zu einem plötzlichen Abfall des Blutdrucks und einer Verlangsamung des Pulses, wodurch das Gehirn kurzzeitig mit zu wenig Blut versorgt wird.
Auslöser:
- Körperliche Auslöser: Anblick von Blut, Blutabnahme, langes Stehen, starke Erschöpfung, sehr warme Temperaturen, Reisekrankheit, überfüllte Räume, Unterzuckerung, Dehydration.
- Psychische Faktoren: Starke Emotionen, Stresssituationen, Angst, Schmerzen, Phobien.
- Situative Synkopen: Körperliche Aktivitäten wie Husten, Lachen, Wasserlassen oder Stuhlgang. Druck auf bestimmte Rezeptoren an der Halsschlagader (Karotissinus-Syndrom).
Symptome:
Die vasovagale Synkope kündigt sich meist allmählich an, kann aber auch plötzlich auftreten. Mögliche Anzeichen sind:
- Übelkeit
- Blässe
- Schwitzen
- Flimmern oder Schwarzwerden vor den Augen
- Ohrensausen
- Schwindelgefühl
- Herzklopfen oder Herzrasen
- Zittern
- Unfähigkeit zu sprechen
- Durchfall oder Bauchschmerzen
- Kopfschmerzen
- Schwächegefühl in den Beinen
Orthostatische Synkopen
Orthostatische Synkopen treten auf, wenn der Körper sich nicht schnell genug an die veränderte Schwerkraft beim Aufstehen anpassen kann. Normalerweise verengen sich die Blutgefäße beim Aufstehen, um zu verhindern, dass das Blut in die Beine sackt. Bei manchen Menschen funktioniert dieser Mechanismus jedoch nicht richtig, was zu einem Blutdruckabfall und einer vorübergehenden Unterversorgung des Gehirns führt.
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Ursachen:
- Hypovolämie: Flüssigkeitsmangel (z.B. durch Dehydration, Blutverlust)
- Medikamente: Antidepressiva, Antihypertensiva
- Grunderkrankungen: Parkinson, Diabetes mellitus, autonome Neuropathie
- Langes Stehen: Venöses Pooling in den Beinen
Kardiale Synkopen
Kardiale Synkopen werden durch Herzprobleme verursacht, die die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigen. Dies kann zu einer verminderten Durchblutung des Gehirns und einem Bewusstseinsverlust führen.
Ursachen:
- Herzrhythmusstörungen: Bradykardie (langsamer Herzschlag), Tachykardie (schneller Herzschlag), unregelmäßiger Herzschlag
- Strukturelle Herzerkrankungen: Hypertrophe Kardiomyopathie (krankhafte Verdickung des Herzmuskels), Aortenklappenstenose (Verengung der Aortenklappe), Herzinfarkt, Lungenembolie
Konvulsive Synkopen
Eine besondere Verlaufsform ist die konvulsive Synkope, die bei jeder Form der Synkope vorkommen kann. Dabei kommt es zu krampfartigen Bewegungen des Körpers.
Diagnose von Synkopen
Die Diagnose einer Synkope beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, in der der Arzt Fragen zu den Umständen des Bewusstseinsverlusts, Vorerkrankungen und eingenommenen Medikamenten stellt. Anschließend werden verschiedene diagnostische Tests durchgeführt, um die Ursache der Synkope zu identifizieren.
Diagnostische Tests:
- Elektrokardiogramm (EKG): Misst die elektrische Aktivität des Herzens, um Herzrhythmusstörungen oder strukturelle Herzerkrankungen zu erkennen.
- Echokardiografie: Ultraschalluntersuchung des Herzens zur Beurteilung von Herzstruktur und Herzfunktion.
- Kipptischtest: Der Patient wird auf einem Tisch fixiert und in eine aufrechte Position gekippt, um orthostatische Synkopen zu provozieren.
- Ereignisrekorder: Ein kleines Gerät, das implantiert wird und kontinuierlich Daten aufzeichnet, um Herzrhythmusstörungen zu erfassen.
- Karotissinusmassage: Bei älteren Patienten mit unklaren Ohnmachten wird die Karotissinusmassage als Provokationstest empfohlen.
Behandlung von Synkopen
Die Behandlung einer Synkope hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab.
Allgemeine Maßnahmen:
- Aufklärung und Beruhigung: Viele Patienten sind besorgt über ihre Ohnmachtsanfälle. Eine Aufklärung über die Ursache und die Behandlungsmöglichkeiten kann helfen, Ängste abzubauen.
- Vermeidung von Auslösern: Patienten mit Reflexsynkopen sollten bekannte Auslöser vermeiden.
- Physikalische Maßnahmen: Bei Prodromi einer Synkope können physikalische Gegenmanöver wie Hocken, Beine kreuzen und Anspannen der Bein-, Gesäß-, Bauch- und Armmuskeln helfen, den Blutdruck zu stabilisieren.
- Flüssigkeitszufuhr und Salzkonsum: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ein moderater Salzkonsum können helfen, den Blutdruck zu erhöhen.
Spezifische Behandlungen:
- Orthostatische Synkopen: Steigerung der täglichen Salzzufuhr auf 5-10 g und der täglichen Trinkmenge auf 2-2,5 l Wasser. Bauchbinde, Schlafen in Kopfhochlage. Medikamentöse Therapie mit Midodrin oder Fludrocortison.
- Kardiale Synkopen: Herzschrittmacher-OP bei Bradykardie, Medikamente oder Katheterablation bei Tachykardie, Operation bei strukturellen Herzerkrankungen.
Was tun im Notfall?
Wenn jemand in Ihrer Nähe ohnmächtig wird, bleiben Sie ruhig und gehen Sie folgendermaßen vor:
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- Sprechen Sie die betroffene Person an und berühren Sie sie leicht an der Schulter.
- Überstrecken Sie vorsichtig den Kopf der betroffenen Person nach hinten, um die Atemwege freizuhalten.
- Überprüfen Sie, ob die Person atmet.
- Wenn die Person atmet, aber bewusstlos ist, legen Sie sie in die stabile Seitenlage.
- Wenn die Person nicht atmet, rufen Sie sofort den Notruf (112) und beginnen Sie mit der Wiederbelebung.
Prävention
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Synkopen vorzubeugen:
- Vermeiden Sie bekannte Auslöser: Wenn Sie wissen, welche Situationen bei Ihnen zu Ohnmachtsanfällen führen, versuchen Sie, diese zu vermeiden.
- Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit: Dehydration kann das Risiko von Synkopen erhöhen.
- Stehen Sie langsam auf: Vermeiden Sie plötzliche Bewegungen, insbesondere beim Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen.
- Tragen Sie Kompressionsstrümpfe: Kompressionsstrümpfe können helfen, das Blut in den Beinen zu halten und den Blutdruck zu stabilisieren.
- Regelmäßiges Ausdauertraining: Regelmäßiges Ausdauertraining kann die orthostatische Toleranz verbessern.
- Achten Sie auf Ihren Blutzuckerhaushalt: Unterzuckerung kann zu Synkopen führen.
- Vermeiden Sie Stress: Stress kann Synkopen auslösen.
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