Narbenschmerzen sind Beschwerden, die im Bereich von Operations- oder Verletzungsnarben auftreten können. Sie sind nicht mit den Schmerzen zu verwechseln, die unmittelbar nach einer Operation oder Verletzung auftreten und Teil des natürlichen Heilungsprozesses sind. Narbenschmerzen treten in der Regel erst nach Abschluss der normalen Wundheilung auf, manchmal sogar erst Jahre nach dem traumatischen Ereignis.
Ursachen von Narbenschmerzen
Die genauen Ursachen von Narbenschmerzen sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass es unter bestimmten Umständen zu einer Art Kurzschluss zwischen verschiedenen Nervenfasern kommen kann, wodurch das Schmerzgefühl entsteht.
Weitere mögliche Ursachen für Narbenschmerzen sind:
- Zusammenziehen oder Verhärten des Bindegewebes: Der Körper füllt die Hautverletzung mit Bindegewebe auf, das sich zusammenziehen oder verhärten kann.
- Allergische Reaktion: Beispielsweise auf Inhaltsstoffe von Schminke, die zur Abdeckung der Narbe verwendet wird.
- Entzündung: Vor allem bei frischen Narben nach einer Operation.
- Fremdkörper: Z.B. Operationsfäden im Gewebe.
- Zug- oder Druckbelastung: Narben mit veränderter Hautstruktur neigen eher zu Schmerzen, wenn das Gewebe unter Zug oder Druck steht.
- Narbenbruch: Nach einer Bauchoperation kann ein Narbenbruch entstehen, bei dem sich der Narbenbereich leicht vorwölbt.
- Schäden an den Nervenenden: Können zu Taubheitsgefühlen oder Jucken führen.
- Witterung: Manche Narben machen sich nur bei Wetterumschwüngen bemerkbar.
Symptome von Narbenschmerzen
Narbenschmerzen können sich auf unterschiedliche Weise äußern:
- Konstante Schmerzen: Dumpfes Pochen oder Ziehen.
- Gelegentliche Schmerzen: Besonders bei Wetterumschwüngen (Wetterfühligkeit).
- Jucken, Kribbeln, Brennen oder Taubheit.
- Plötzliches oder dauerhaftes stromartiges Einschießen in den Narbenbereich.
Als Komplikationen können Einschränkungen in der Beweglichkeit von Gelenken oder starke Wulstbildungen (sog. Keloide) auftreten, die unbedingt behandelt werden sollten.
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Diagnose von Narbenschmerzen
Es empfiehlt sich, einen erfahrenen Arzt aufzusuchen und sich gründlich untersuchen zu lassen. Der Arzt wird sich zunächst nach der Krankengeschichte erkundigen (Anamnese) und Fragen stellen wie:
- Wie lange bestehen die Narbenschmerzen schon?
- Wann treten sie auf?
- Wie fühlen sie sich an?
Darauf folgt eine Tastuntersuchung, um festzustellen, ob die Narbe vorgewölbt, entzündet oder verhärtet ist. Bei Verdacht auf einen Narbenbruch können bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Kernspintomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) eingesetzt werden.
Behandlung von Narbenschmerzen
Es gibt verschiedene medizinische Möglichkeiten, um Narbenschmerzen zu behandeln. Die Entscheidung für eine bestimmte Maßnahme hängt von der (vermuteten) Ursache der Beschwerden ab.
- Konservative Behandlung: Leichte Narbenstörungen frischer Narben werden durch Salben behandelt, die natürliche oder kortisonhaltige Inhaltsstoffe enthalten.
- Neuraltherapie: Hierbei werden örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) eingesetzt, um die Durchblutung zu fördern und die Überaktivität im Narbengewebe zu normalisieren.
- Narbenstimulation: Kleine Elektroden werden direkt unter die Haut im Narbenbereich implantiert und mit einem Schmerzschrittmacher verbunden. Die Stimulation der Narbe unterbindet auf Rückenmarksebene die Schmerzwahrnehmung.
- Weitere medizinische Maßnahmen: Antibiotika bei Entzündungen, Glukokortikoide bei nicht-bakterieller Entzündung, Operation bei Narbenbruch oder Verletzung der Narbe.
- Alternative Behandlungen: Elektroakupunktur bei Narbenschmerzen nach Verbrennungen, Narben-Gel, Kühlen oder Wärmen der Narbe.
Es ist wichtig, möglichst schnell zu handeln, ehe die Schmerzen chronisch werden können. Die frühzeitige Behandlung erhöht die Erfolgsaussichten erheblich. Schmerztabletten sollten nur in Ausnahmefällen und kurzfristig eingesetzt werden, da sie zahlreiche Nebenwirkungen haben, die den Körper schädigen.
Prävention von Narbenschmerzen
Narben müssen von Anfang an gut gepflegt werden. Man sollte die Narbe:
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- Sauber halten, damit sie sich nicht entzündet.
- Regelmäßig eincremen und massieren, um das Gewebe geschmeidig zu halten.
- Keiner direkten Sonneneinstrahlung aussetzen (auch Solarieneinwirkung und andere Arten und Formen von Strahlung an der Narbe vermeiden).
- Keine enge, reibende Kleidung im Bereich der Narbe tragen.
Diese Maßnahmen können wesentlich dazu beitragen, Narbenschmerzen vorzubeugen.
Narbenbildung und Neuralgien nach Operationen: Das Beispiel der Morton-Neuralgie
Narbenschmerzen können auch nach spezifischen Operationen auftreten, beispielsweise nach der Behandlung der Morton-Neuralgie. Die Morton-Neuralgie ist eine schmerzhafte Erkrankung, die durch eine Verdickung des Nervs zwischen den Mittelfußknochen verursacht wird, meist zwischen dem dritten und vierten Zeh.
Operation der Morton-Neuralgie und mögliche Folgen
Eine gängige Operationsmethode zur Behandlung der Morton-Neuralgie ist die Neurektomie, bei der ein Stück des betroffenen Nervs und des entzündlichen Gewebes entfernt wird.
Vorgehensweise bei der Operation:
- Inzision: Ein etwa 4 cm langer Schnitt wird entweder auf der Fußsohle (plantar) oder auf dem Fußrücken (dorsal) durchgeführt. Die dorsale Inzision wird bevorzugt, da sie seltener zu schmerzhaften Narben führt.
- Durchtrennung des Ligamentum intermetatarseum: Ein kräftiges Band zwischen den Mittelfußköpfchen wird durchtrennt, um den Intermetatarsalraum zu spreizen.
- Freilegung und Resektion des Nervs: Der Nerv wird freigelegt und scharf reseziert.
- Blutstillung und Wundverschluss: Nach Entfernung der Blutleere wird eine elektrische Blutstillung durchgeführt und die Wunde schichtweise verschlossen.
- Ruhigstellung: Der Fuß wird in einem Verbandschuh bis zum Abschluss der Wundheilung (ca. 2 Wochen) ruhiggestellt.
Mögliche Komplikationen und Nachwirkungen:
- Nachblutungen, Hämatombildungen oder Wunddehiszenzen: Diese Komplikationen können durch sorgfältige elektrische Blutstillung vermieden werden.
- Hyperkeratotische Narben: Inzisionen an der Fußsohle heilen oft mit Entstehung von schmerzhaften, stark verhornten Narben.
- Rezidive oder Beschwerdepersistenz: In einigen Fällen kann es zu einem Wiederauftreten der Beschwerden kommen, was möglicherweise auf eine andere Diagnose oder eine inkomplette Resektion zurückzuführen ist.
- Infektionen: Treten nach diesen Eingriffen extrem selten auf.
- Arbeitsunfähigkeit: Patienten mit sitzender Tätigkeit können nach ca. 4 Wochen zur Arbeit zurückkehren, während körperlich belastende Berufe erst nach 6-8 Wochen wieder ausgeübt werden können.
Kann ein Morton Neurom nach operativer Entfernung erneut auftreten?
In einem geringen Anteil der Fälle (ca. 4%) kann es sogar Jahre nach Entfernung des Morton Neuroms zu einer Rückkehr der Symptomen kommen. Es handelt sich hier nicht um einen Nachwachsen des Neuroms sondern um ein Neurinom. Die Nervenenden wachsen aus dem offenen Ende des amputierten Nervs desorganisiert weiter und klumpen sich zusammen. Die Raumforderung ist sehr empfindlich und löst ähnliche Symptomatik wie bei Morton Neuralgie. Die Behandlung erfolgt wie bei primären Morton Neuralgie. Hier ist jedoch hier die Notwendigkeit einer operativen Therapie wahrscheinlicher.
Bauchwandbruch und Narbenbildung
Ein weiterer Bereich, in dem Narbenbildung zu Neuralgien führen kann, ist der Bauchraum. Nach Bauchoperationen kann es zu einem Narbenbruch kommen, bei dem Teile der Organe durch eine Schwachstelle in der Bauchwand nach außen treten.
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Ursachen:
- Lang anhaltender Husten
- Regelmäßiges Erbrechen
- Schweres Heben
- Schwangerschaft
- Konstitutionell bedingte Bauchwandschwäche
- Mangelnde Schonung nach Operationen
- Wundinfektionen
- Diabetes
- Übergewicht
- Immunsuppression
- Leberzirrhose
- Tabaksucht
Symptome:
- Druckgefühl
- Schmerzen
- Schwellungen des Bauches
- Vorwölbung im Bereich der Narbe
Diagnose:
- Abtasten des Bauches
- Ultraschalluntersuchung
- CT oder MRT
Behandlung:
Ein Narbenbruch kann nur durch eine Operation geheilt werden.