Die Trigeminusneuralgie ist eine seltene, chronische Schmerzerkrankung, die durch heftige, blitzartig einschießende Schmerzattacken im Gesicht gekennzeichnet ist. Die Kopfhautneuralgie, auch Trichodynie genannt, äußert sich durch Schmerzen, Brennen oder eine gesteigerte Empfindlichkeit der Kopfhaut. Beide Neuralgien können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsmaßnahmen für diese Erkrankungen.
Was ist Trigeminusneuralgie?
Die Trigeminusneuralgie betrifft den Trigeminusnerv, den fünften Hirnnerv, der für die Wahrnehmung von Berührungs- und Schmerzreizen im Gesicht verantwortlich ist. Die Schmerzen treten meist einseitig auf und sind auf das Versorgungsgebiet des zweiten oder dritten Astes des Nervs begrenzt, der die Regionen um Oberkiefer und Unterkiefer versorgt.
Symptome der Trigeminusneuralgie
- Wiederkehrende, stechende, blitzartig einschießende, starke Schmerzattacken in einer Gesichtshälfte.
- Die Schmerzen dauern Sekundenbruchteile bis maximal ein bis zwei Minuten.
- In schweren Fällen können bis zu 100 Attacken pro Tag auftreten.
- Auslösung der Schmerzen durch minimale Reize wie Sprechen, Rasieren, Kauen, Zähneputzen, Berührungen, kalte Luft oder Stress (Triggerfaktoren).
- Auch spontane Schmerzen ohne Auslöser sind möglich, ebenso wie Dauerschmerzen bei vereinzelten Patienten.
Viele Patienten beschreiben die Schmerzen als:
- blitzartig einschießend
- extrem intensiv
- elektrisierend
- stechend
- scharf
Ursachen der Trigeminusneuralgie
Die Ursachen der Trigeminusneuralgie können vielfältig sein:
- Klassische Trigeminusneuralgie: In den meisten Fällen wird die Trigeminusneuralgie durch ein Blutgefäß verursacht, das auf den Trigeminusnerv drückt, wo er in den Hirnstamm eintritt. Dieser Druck kann den Nerv verformen und schädigen. Mit zunehmendem Alter können Blutgefäße länger werden und den Druck auf den Nerv erhöhen, was erklärt, warum die Trigeminusneuralgie häufiger im fortgeschrittenen Alter auftritt.
- Sekundäre Trigeminusneuralgie: In einigen Fällen ist die Trigeminusneuralgie ein Symptom einer anderen Erkrankung wie Multiple Sklerose, Hirntumor, Hirnmetastasen oder Gefäßmissbildungen. Besonders bei jüngeren Patienten sollte bei starken Gesichtsschmerzen auch an Multiple Sklerose gedacht werden.
- Idiopathische Trigeminusneuralgie: Wenn trotz typischer Symptome keine konkreten Ursachen gefunden werden, spricht man von einer idiopathischen Trigeminusneuralgie, einer Neuralgie ohne erkennbare Ursache.
Was ist Kopfhautneuralgie (Trichodynie)?
Die Kopfhautneuralgie, auch Trichodynie genannt, ist durch Schmerzen, Brennen oder eine gesteigerte Empfindlichkeit der Kopfhaut gekennzeichnet. Betroffene empfinden oft schon das Kämmen der Haare oder eine Lageveränderung der Haare als unangenehm oder schmerzhaft.
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Symptome der Kopfhautneuralgie
- Schmerzen der Kopfhaut oder Haarwurzeln
- Brennen der Kopfhaut
- Gesteigerte Empfindlichkeit der Kopfhaut bei Berührungen
- Unangenehmes Gefühl bei Kämmen der Haare oder Lageveränderung der Haare
Ursachen der Kopfhautneuralgie
Die Ursachen der Trichodynie sind vielfältig und noch nicht vollständig erforscht. Mögliche Ursachen sind:
- Verspannungen im Nackenbereich
- Stress
- Übermäßige Reinigungsmaßnahmen der Kopfhaut
- Vernachlässigte Körperpflege
- Hauterkrankungen
Diagnose von Trigeminusneuralgie und Kopfhautneuralgie
- Trigeminusneuralgie: Aufgrund der charakteristischen Symptomatik ist eine Trigeminusneuralgie für einen Neurologen in der Regel leicht zu diagnostizieren. In einem ausführlichen Gespräch erkundigt sich der Arzt nach dem Verlauf, der Dauer und Ausprägung sowie nach den Auslösern der Gesichtsschmerzen. Es folgt eine neurologische Untersuchung. Ein MRT kann durchgeführt werden, um andere Ursachen wie einen Tumor auszuschließen. Wichtig ist auch die Abgrenzung von anderen Erkrankungen wie einer Trigeminusneuropathie.
- Kopfhautneuralgie: Der erste Gang bei Kopfhautschmerzen und Trichodynie sollte immer zum Hautarzt führen. Er sollte mögliche krankhafte Ursachen abklären. Der Arzt wird sich das Aussehen von Haaren und Kopfhaut genau ansehen und gegebenenfalls verschiedene Untersuchungen durchführen.
Behandlung von Trigeminusneuralgie
Bei einer Trigeminusneuralgie muss individuell geklärt werden, welche Behandlungsverfahren zum Einsatz kommen. Die Erfolgsraten der unterschiedlichen Behandlungsansätze sind in der Regel hoch, es gibt aber bisher keine Standardtherapie für die Trigeminusneuralgie, die bei jedem Betroffenen Wirkung zeigt. Zudem besteht immer die Möglichkeit, dass die Schmerzen nach einer erfolgreichen Behandlung zurückkehren.
Medikamentöse Therapie
Die Behandlung beginnt meist mit einer medikamentösen Therapie. Eingesetzt werden Antiepileptika wie Carbamazepin, Oxacarbazepin oder Gabapentin. Carbamazepin hemmt vermutlich die Reizweiterleitung und hat dämpfende, beruhigende, antidepressive und muskelentspannende Wirkungen. Allerdings können Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit, allergische Reaktionen, Veränderungen des Blutbildes und der Leberfunktion, Verringerung der Blutsalze und Magen-Darm-Probleme auftreten. Die Schmerztherapie wird in der Regel mit einer niedrigen Dosierung begonnen und so lange erhöht, bis bei der betroffenen Person keine Schmerzen mehr auftreten. Die Nebenwirkungen können reduziert werden, indem das Medikament auf mehrere Dosen über den Tag verteilt eingenommen wird. Die unterschiedlichen Substanzen können eventuell auch kombiniert zum Einsatz kommen. Ist der Patient vier bis sechs Wochen schmerzfrei, wird die Dosis stufenweise reduziert.
Operative Verfahren
Wenn die Schmerzen mit der medikamentösen Therapie nicht abklingen oder die Nebenwirkungen es nicht erlauben, die Therapie weiterzuführen, stehen verschiedene operative Behandlungsansätze zur Verfügung.
- Mikrovaskuläre Dekompression (MVD): Bei dieser Operation wird der Schädel geöffnet und ein Kunststoffstück (z.B. Teflonflies) als Puffer zwischen das Blutgefäß und den Trigeminusnerv eingelegt, um den Kontakt zu unterbrechen. Acht von zehn Patienten sind nach dem Verfahren schmerzfrei, weitere zwei haben danach geringere Beschwerden als vorher. Nach zehn Jahren sind sieben von zehn Behandelten weiterhin schmerzfrei. Bis zu 30 Prozent leiden nach dem Eingriff unter verminderter Empfindlichkeit im Gesichtsbereich des Versorgungsgebietes des Trigeminusnervs. Studien zeigen ein Wiederauftreten der Schmerzattacken bei 10 bis 30 Prozent der Patienten. Selten kann es zu einem Hörverlust kommen. Diese Methode eignet sich für Menschen, die kein erhöhtes Operationsrisiko haben, denn die Operation erfolgt unter Vollnarkose. Der Vorteil des Verfahrens: Der Trigeminusnerv wird dabei geschont und seine Funktionsfähigkeit bleibt erhalten. Bei Misserfolg ist ein Zweiteingriff möglich.
- Perkutane Operationsverfahren: Bei diesen Verfahren wird der Nervus Trigeminus im Bereich des Ganglion Gasseri entweder thermisch, chemisch oder mechanisch geschädigt. Der Zugangsweg erfolgt durch die Haut seitlich des Mundwinkels durch eine Schädelöffnung unter Durchleuchtung. Bei den thermischen und chemischen Varianten wird in 90 Prozent der Fälle Schmerzfreiheit erzielt. Auch nach zehn Jahren sind acht von zehn Patienten schmerzfrei, bei der mechanischen Variante sind es sechs bis sieben von zehn Patienten. Nebenwirkungen können eine verminderte Empfindlichkeit im Gesicht und unangenehme bis schmerzhafte Missempfindungen sein. Diese Methode eignet sich auch für ältere Menschen oder solche, die bei einer Operation erhöhte Risiken durch eine Vorerkrankung haben. Die betroffene Person wird nur örtlich betäubt oder in eine Kurznarkose gelegt, eine Vollnarkose ist nicht notwendig.
- Radiochirurgische Behandlung (Gamma-Knife-Behandlung): Bei diesem Verfahren wird der Trigeminusnerv am Abgang mit einer hohen Strahlendosis einmalig bestrahlt. Das soll zu einer Teilschädigung des Nervs führen. Anders als bei der Dekompression kommt es erst nach Tagen bis Wochen zu einer Besserung der Symptomatik. Ist anfangs die Neuralgie bei 70 bis 90 Prozent der Patientinnen und Patienten gebessert, so ist das nach fünf Jahren nur noch etwa bei der Hälfte der Patientinnen und Patienten der Fall. Eine weitere Bestrahlung mit einer niedrigeren Strahlendosis ist ebenfalls möglich, auch wenn dies nur bei der Hälfte der Patientinnen und Patienten erfolgreich ist. Auch ist mit einer Zunahme der sensiblen Ausfälle als Nebenwirkung zu rechnen. Das heißt, dass die Schmerzen bei sehr leichten Reizen vermehrt auftreten können. Bei 10 von 100 Patientinnen und Patienten kommt es nach der Behandlung zu unangenehmen bis schmerzhaften Fehlempfindungen.
Alternative Therapien
Auch für Akupunktur zur Behandlung einer Trigeminusneuralgie gibt es eine Reihe Studien, die auf positive Effekte hinweisen. Grundsätzliche Belege fehlen bisher aber noch.
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Behandlung von Kopfhautneuralgie (Trichodynie)
Die Therapie der Trichodynie richtet sich, soweit möglich, nach den Ursachen.
- Ursachenbekämpfung: Oft kann man den Auslöser finden und dann ausschalten.
- Vermeidung von Reizungen: Meiden Sie bis zur Ursachenklärung soweit möglich jede äußere Reizung der Kopfhaut.
- Medikamentöse Therapie: In schwierigen Fällen gibt es viele gute Behandlungsmöglichkeiten, sodass wir fast immer eine gute Besserung der Beschwerden erzielen können.
Prävention und Alltagstipps
Auch wenn bei einer Trigeminusneuralgie die ärztliche Abklärung der Ursachen und die zielgerichtete Behandlung im Vordergrund steht, gibt es für Betroffene auch Möglichkeiten zur Vorbeugung.
Stressbewältigung
Stress kann die Symptome der Trigeminusneuralgie verstärken. Es kann daher wertvoll sein, effektive Maßnahmen zur Stressbewältigung zu erlernen. Techniken wie tiefe Atemübungen, die progressive Muskelentspannung oder Meditation können helfen, das Stressniveau zu senken.
Schlafhygiene
Ein guter Schlaf ist für die Regeneration des Nervensystems wertvoll und wichtig. Patienten sollten daher darauf achten, regelmäßige Schlafenszeiten einzuhalten und eine Schlafdauer von sieben bis acht Stunden pro Nacht zu erreichen. Noch wichtiger als die reine Schlafdauer ist allerdings die Qualität des Schlafes: Dazu trägt vor allem eine ruhige, gut abgedunkelte Schlafumgebung bei.
Ernährung
Obwohl es keine spezielle Diät für Patienten mit Trigeminusneuralgie gibt, kann eine ausgewogene Ernährung das allgemeine Wohlbefinden und die allgemeine Gesundheit fördern. Essen Sie als gesunde Basis täglich mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse. Integrieren Sie außerdem bewusst ausreichend Omega-3-Fettsäuren in Ihren Speiseplan: Diese sind in Fettfischen wie Lachs enthalten und beispielsweise auch in Leinsamen.
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Vermeidung von Triggerfaktoren
Patienten berichten, dass bestimmte Aktivitäten oder Einflüsse Schmerzattacken auslösen können. Dazu gehören eigentlich normale Umgebungsfaktoren wie Zugluft und leichte Berührungen des Gesichts. Aber auch das simple Kauen kann ein Trigger sein.
Sanfte Gesichtspflege
Sanfte Gesichtspflege kann dazu beitragen, die Haut zu beruhigen und Triggerpunkte zu vermeiden. Es empfiehlt sich, täglich milde, nicht reizende Reinigungsprodukte und Feuchtigkeitscremes zu verwenden.
Zahnpflege
Da zahnärztliche Eingriffe manchmal Trigeminusneuralgie auslösen können, trägt eine gute Zahnpflege dazu bei, dieses Risiko zu senken. Putzen Sie Ihre Zähne zweimal täglich für zwei Minuten und verwenden Sie Zahnseide einmal täglich.
Körperliche Aktivität
Regelmäßige körperliche Aktivität kann das allgemeine Wohlbefinden steigern und dazu beitragen, Stress zu reduzieren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, sich mindestens 150 Minuten pro Woche bei mäßiger Anstrengung zu bewegen.
Psychologische Unterstützung
Bei Anzeichen von Depression oder Angst, die häufig mit chronischen Schmerzen einhergehen, ist es wichtig, professionelle Hilfe zu suchen.