Neuralgin® Tabletten: Einnahme, Wirkung und wichtige Hinweise

Neuralgin® Schmerztabletten sind ein rezeptfreies Arzneimittel zur kurzzeitigen symptomatischen Behandlung von akuten leichten bis mäßig starken Schmerzen. Sie enthalten eine Kombination aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein. Dieser Artikel bietet Ihnen umfassende Informationen zur Einnahme, Wirkung, Anwendungsgebieten und wichtigen Hinweisen zu Neuralgin® Tabletten.

Anwendungsgebiete von Neuralgin® Tabletten

Neuralgin® Schmerztabletten werden bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren (ab 43 kg Körpergewicht) zur Behandlung von folgenden Beschwerden eingesetzt:

  • Akute leichte bis mäßig starke Schmerzen (z. B. Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Regelschmerzen)
  • Akute Kopfschmerzphase bei Migräne mit und ohne Aura
  • Akute Spannungskopfschmerzen

Die Wirkstoffe und ihre Wirkungsweise

Die Wirksamkeit von Neuralgin® Tabletten beruht auf der Kombination von drei Wirkstoffen:

  • Acetylsalicylsäure (ASS): Wirkt schmerzstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend. ASS blockiert die Bildung von Prostaglandinen, Botenstoffen, die an der Entstehung von Schmerzen, Fieber und Entzündungen beteiligt sind. Zudem beeinflusst ASS die Blutgerinnung, indem es das Zusammenklumpen von Blutplättchen (Thrombozyten) verhindert und so die Fließfähigkeit des Blutes verbessert.
  • Paracetamol: Wirkt ebenfalls schmerzstillend und fiebersenkend und weist geringe entzündungshemmende Eigenschaften auf. Wie ASS blockiert Paracetamol die Bildung von Prostaglandinen.
  • Coffein: Wirkt vorwiegend auf die Großhirnrinde, wodurch Müdigkeitserscheinungen vorübergehend aufgehoben und die Leistungsfähigkeit gesteigert wird. Coffein bewirkt zudem eine Verengung der Hirngefäße, was sich bei Kopfschmerzen und Migräne günstig auswirken kann. Es verstärkt und beschleunigt die Wirkung von Acetylsalicylsäure und Paracetamol.

Dosierung und Einnahme von Neuralgin® Tabletten

Die Dosierung von Neuralgin® Tabletten ist abhängig vom Alter und Körpergewicht. Es ist wichtig, die empfohlene Dosis einzuhalten und die Tabletten nicht länger als in der Packungsbeilage angegeben ohne ärztlichen Rat einzunehmen.

Allgemeine Dosierungsempfehlung:

  • Jugendliche ab 12 Jahren (ab 43 kg Körpergewicht) und Erwachsene:
    • Einzeldosis: 1-2 Tabletten (entsprechend 250-500 mg Acetylsalicylsäure, 200-400 mg Paracetamol und 50-100 mg Coffein)
    • Gesamtdosis: Bis zu 3-mal täglich
    • Zeitpunkt: Im Abstand von 4-8 Stunden, unabhängig von den Mahlzeiten

Art der Anwendung:

Die Tabletten werden unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit (z.B. einem Glas Wasser) eingenommen. Alternativ können die Tabletten in etwas Flüssigkeit zerfallen gelassen und dann getrunken werden.

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Dauer der Anwendung:

Ohne ärztlichen oder zahnärztlichen Rat sollten Neuralgin® Tabletten nicht länger als 3-4 Tage eingenommen werden. Bei länger anhaltenden oder regelmäßig wiederkehrenden Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Besondere Patientengruppen:

  • Patienten mit Leber-/Nierenfunktionsstörung oder Gilbert (Meulengracht)-Syndrom: In Absprache mit dem Arzt muss die Einzel-/Gesamtdosis möglicherweise reduziert oder der Dosierungsabstand verlängert werden.

Gegenanzeigen: Wann dürfen Neuralgin® Tabletten nicht eingenommen werden?

Neuralgin® Tabletten dürfen nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Coffein oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels
  • Bekannter Überempfindlichkeit gegen Salicylate oder andere nicht-steroidale Entzündungshemmer (bestimmte Mittel gegen Schmerzen, Fieber oder Entzündungen) mit Asthmaanfällen oder in anderer Weise
  • Blutungen im Magen-Darm-Bereich
  • Magen- oder Darmdurchbruch, auch in der Vorgeschichte
  • Aktiven oder in der Vorgeschichte bekannten Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren mit mindestens zwei unverkennbaren Episoden von erwiesener Geschwürbildung oder Blutung
  • Krankhaft erhöhter Blutungsneigung
  • Leber- und Nierenversagen
  • Schwerer Einschränkung der Herzfunktion (schwere Herzinsuffizienz)
  • Gleichzeitiger Einnahme von 15 mg oder mehr Methotrexat pro Woche
  • Den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft
  • Kindern unter 12 Jahren

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Besondere Vorsicht bei der Einnahme von Neuralgin® ist erforderlich:

  • Bei gleichzeitiger Therapie mit gerinnungshemmenden Arzneimitteln (z.B. Cumarinderivate, Heparin)
  • Bei Asthma bronchiale, Heuschnupfen, Nasenschleimhautschwellungen (Nasenpolypen) oder chronischen Atemwegsinfektionen
  • Bei einer Überempfindlichkeit (z.B. Hautreaktionen) gegen andere Entzündungshemmer/Antirheumatika (sog. Analgetika-Intoleranz/Analgetika-Asthma) oder andere allergene Stoffe
  • Bei akuten, chronischen und wiederkehrenden Magen- oder Darmbeschwerden
  • Bei Magen-Darm-Geschwüren in der Vergangenheit, Magen-Darm-Blutungen oder -Durchbrüchen
  • Bei Nierenfunktionsstörungen oder vorgeschädigter Niere
  • Bei Leberfunktionsstörungen (z.B. durch chronischen Alkoholmissbrauch oder Leberentzündungen)
  • Bei Glucose-6-Phosphatdehydrogenase-Mangel
  • Bei Gilbert-Syndrom (Meulengracht-Krankheit)
  • Vor Operationen
  • Bei Harnsteinen aus Oxalat
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Die gewohnheitsmäßige Einnahme von Schmerzmitteln kann zur dauerhaften Nierenschädigung mit dem Risiko eines Nierenversagens (Analgetika-Nephropathie) führen.

Bei längerem hoch dosiertem, nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch von Schmerzmitteln können Kopfschmerzen auftreten, die nicht durch erhöhte Dosen des Arzneimittels behandelt werden dürfen.

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Neuralgin® kann die Anzeichen einer Infektion überdecken.

Bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Erkrankungen darf das Arzneimittel nur auf ärztliche Anweisung gegeben werden. Es kann zu einem so genannten Reye-Syndrom kommen, eine seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung, bei der es zu lang anhaltendem Erbrechen kommt.

Patienten mit Nasenpolypen, chronischen Atemwegsinfektionen, Asthma oder mit Neigung zu allergischen Reaktionen wie z.B. Heuschnupfen: Bei Ihnen kann das Arzneimittel einen Asthmaanfall oder eine starke allergische Hautreaktion auslösen. Fragen Sie daher vor der Anwendung Ihren Arzt.

Achtung: Bei regelmäßigem bzw. hohem Alkoholgenuss kann es durch eine evtl. schon bestehende Leberschädigung zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen, wenn das Arzneimittel noch zusätzlich angewendet wird.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Die Wirkung der nachfolgend genannten Arzneistoffe bzw. Präparategruppen kann bei gleichzeitiger Behandlung mit NEURALGIN beeinflusst werden.

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  • Acetylsalicylsäure verstärkt die Wirkung von:

    • Blutgerinnungshemmende Arzneimittel, z.B. Cumarin, Heparin, Warfarin
    • Thrombozytenaggregationshemmer (Mittel, die das Zusammenhaften und Verklumpen von Blutplättchen hemmen), z.B. Ticlopidin, Clopidogrel und selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (Arzneimittel zur Behandlung depressiver Verstimmungen)
    • Glucocorticoide (Arzneimittel, die Cortison oder cortisonähnliche Substanzen enthalten) oder andere steroidale Antiphlogistika / Analgetika (entzündungs- und schmerzhemmende Mittel)
    • Andere nicht-steroidale Analgetika / Antiphlogistika (entzündungs- und schmerzhemmende Mittel) bei Dosierungen von NEURALGIN ab 3 g Acetylsalicylsäure (entspricht 12 Tabletten) pro Tag und mehr.
    • Digoxin (Mittel zur Stärkung der Herzkraft).
    • Antidiabetika (blutzuckersenkende Arzneimittel): Der Blutzuckerspiegel kann sinken.
    • Methotrexat (Mittel zur Behandlung von Krebserkrankungen bzw. von bestimmten rheumatischen Erkrankungen).
    • Valproinsäure (Mittel zur Behandlung von Krampfanfällen des Gehirns).
  • Acetylsalicylsäure vermindert die Wirkung von:

    • Diuretika (Mittel zur vermehrten Harnausscheidung) bei Dosierungen von NEURALGIN ab 3 g Acetylsalicylsäure (entspricht 12 Tabletten) pro Tag und mehr.
    • ACE-Hemmer (bestimmte blutdrucksenkende Mittel) bei Dosierungen von NEURALGIN ab 3 g Acetylsalicylsäure (entspricht 12 Tabletten) pro Tag und mehr.
    • Harnsäureausscheidende Gichtmittel (z.B. Probenecid, Benzbromaron).
  • Wechselwirkungen sind möglich zwischen Paracetamol und:

    • Arzneimitteln gegen Gicht wie Probenecid
    • Schlafmitteln wie Phenobarbital
    • Mitteln gegen Epilepsie wie Phenytoin, Carbamazepin
    • Mitteln gegen Tuberkulose (Rifampicin)
    • Anderen möglicherweise die Leber schädigenden Arzneimitteln.
    • Mitteln gegen Übelkeit (Metoclopramid und Domperidon)
    • Mitteln zur Senkung erhöhter Blutfettwerte (Colestyramin)
    • Mitteln, die die Magenentleerung verlangsamen.
    • Arzneimitteln bei HIV-Infektionen (Zidovudin)
  • Coffein-Wechselwirkungen:

    • Coffein vermindert die dämpfenden Wirkungen zahlreicher Substanzen, wie z.B. Barbituraten, Antihistaminika etc.
    • Coffein erhöht die herzschlagbeschleunigenden Wirkungen von z.B. Sympathomimetika, Thyroxin etc.
    • Orale Kontrazeptiva (sog. "Pille“), Cimetidin und Disulfiram vermindern den Coffein-Abbau in der Leber, Barbiturate und Rauchen beschleunigen ihn.
    • Die Ausscheidung von Theophyllin wird durch Coffein herabgesetzt.
    • Coffein erhöht das Abhängigkeitspotenzial von Substanzen vom Typ des Ephedrin.
    • Die gleichzeitige Verabreichung von Gyrasehemmstoffen des Chinoloncarbonsäure-Typs kann die Ausscheidung von Coffein und seinem Abbauprodukt Paraxanzhin verzögern.

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden bzw. vor Kurzem eingenommen/angewendet haben, auch wenn es sich um nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel handelt.

Einnahme von Neuralgin® Tabletten zusammen mit Nahrungs- und Genussmitteln und Getränken

Während der Anwendung von Neuralgin® sollten Sie möglichst keinen Alkohol trinken, da Alkoholkonsum das Risiko des Auftretens von Magen- und Darmgeschwüren erhöhen kann.

Mögliche Nebenwirkungen

Wie alle Arzneimittel kann auch Neuralgin® Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen.

Häufige Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen):

  • Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Sodbrennen, Bauchschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Nervosität
  • Schlaflosigkeit

Gelegentliche Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen):

  • Zittern
  • Hörstörungen
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut (z.B. Hautausschlag, Juckreiz)
  • Pulsbeschleunigung
  • Herzklopfen

Seltene Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen):

  • Blutgerinnungsstörungen
  • Blutungen (z.B. Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Hautblutungen)
  • Verwirrtheit
  • Herzrhythmusstörungen

Sehr seltene Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen):

  • Unwohlsein
  • Rastlosigkeit (innere Unruhe)

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, auch wenn diese nicht in der Packungsbeilage aufgeführt sind.

Überdosierung

Bei einer Überdosierung können anfangs Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen, Schläfrigkeit und ein allgemeines Krankheitsgefühl, aber auch Schwindel und Ohrenklingen auftreten. Am 2. Tag kann es zu einer fortschreitenden Leberschädigung und am 3. Tag zum Leberkoma kommen.

Setzen Sie sich bei dem Verdacht auf eine Überdosierung umgehend mit einem Arzt in Verbindung.

Schwangerschaft und Stillzeit

Neuralgin® soll während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, da die Schwangerschaft und/oder die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinträchtigt werden kann. Sie sollten daher während des 1. und 2. Schwangerschaftsdrittels Neuralgin® nur nach Rücksprache mit dem Arzt oder Zahnarzt und nur in der geringsten wirksamen Dosis und für die kürzestmögliche Zeit einnehmen, da es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Fehlgeburten und Missbildungen gibt. Das Gleiche gilt auch für Frauen mit Kinderwunsch. In den letzten drei Monaten der Schwangerschaft sowie während der Geburt dürfen Neuralgin® nicht angewendet werden, da ein erhöhtes Risiko von Komplikationen für Mutter und Kind vor und während der Geburt besteht.

Die Wirkstoffe gehen in die Muttermilch über. Das Befinden und Verhalten des Säuglings können durch mit der Muttermilch aufgenommenes Coffein beeinträchtigt werden. Bei kurzfristiger Anwendung der empfohlenen Dosis wird eine Unterbrechung des Stillens in der Regel nicht erforderlich sein. Bei längerer Anwendung bzw. Einnahme höherer Dosen sollte abgestillt werden.

Wichtige Hinweise Zusammengefasst

  • Nehmen Sie Neuralgin® Tabletten nicht länger als 3-4 Tage ohne ärztlichen Rat ein.
  • Überschreiten Sie nicht die empfohlene Tagesdosis.
  • Vermeiden Sie Alkoholkonsum während der Einnahme von Neuralgin® Tabletten.
  • Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker über alle anderen Medikamente, die Sie einnehmen.
  • Bei anhaltenden oder sich verschlimmernden Beschwerden suchen Sie einen Arzt auf.
  • Beachten Sie die Gegenanzeigen und Warnhinweise in der Packungsbeilage.

Alternativen zu Neuralgin® Tabletten

Es gibt verschiedene Alternativen zur Behandlung von Schmerzen, abhängig von der Art und Intensität der Schmerzen. Dazu gehören:

  • Andere Schmerzmittel: Paracetamol oder Ibuprofen als Einzelwirkstoffe können in manchen Fällen ausreichend sein.
  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Entspannungstechniken, Kühlung, Wärme, Physiotherapie.
  • Ärztliche Behandlung: Bei starken oder chronischen Schmerzen ist eine ärztliche Untersuchung und Behandlung erforderlich.

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