Die Neuritis brachialis, auch bekannt als Brachialgie, bezeichnet Schmerzen im Arm, die vom Nervengeflecht des Armes (Plexus brachialis) oder dessen Nervenwurzeln in der Halswirbelsäule ausgehen. Diese Schmerzen können von der Schulter bis in die Finger ausstrahlen und von Kribbeln, Taubheitsgefühl und Lähmungserscheinungen begleitet sein. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Bandscheibenvorfällen bis hin zu Verletzungen oder Entzündungen. Neben der konventionellen Schmerztherapie bietet die Homöopathie einen sanften Behandlungsansatz, der die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert.
Ursachen und Symptome der Neuritis brachialis
Die Brachialgie entsteht in der Regel durch Reizungen oder Einengungen des Nervenwurzelgeflechts (Plexus brachialis) im Bereich der Halswirbelsäule und der Schulter. Mögliche Ursachen sind:
- Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule: Verlagerung von Bandscheibengewebe, das auf Nervenwurzeln drückt.
- Erkrankungen des Nervenwurzelgeflechts (Plexus brachialis): Entzündungen, Verletzungen oder Tumoren.
- Schulter-Arm-Syndrom (Zervikobrachialsyndrom): Ausstrahlende Schmerzen aufgrund von Muskelverspannungen, Bandscheibenvorfällen oder Wirbelfehlbildungen.
- Verletzungen und Unfälle: Knochenverletzungen mit Nervenschäden.
- Neuralgische Schulteramyotrophie: Plötzlich auftretende Entzündung oder Lähmung des Armnervengeflechts.
- Skalenus-Syndrom: Einengung des Armnervengeflechts in der Skalenuslücke zwischen zwei Muskelbäuchen am Hals.
- Brustamputation: Lymphstauung nach der Operation, die auf Nerven drückt.
Typische Symptome der Brachialgie sind Schmerzen, die in verschiedenen Bereichen von der Schulter bis zu den Fingern auftreten können. Die Schmerzen können plötzlich einsetzen oder schleichend beginnen und von Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Lähmungserscheinungen begleitet sein.
Diagnose und Differenzialdiagnose
Zur Diagnose der Brachialgie ist ein ausführliches Patientengespräch über Art und Dauer der Beschwerden notwendig. Bildgebende Verfahren wie Computertomographie oder Magnetresonanztomographie helfen, die Ursache der Schmerzen zu finden. Die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit kann Aufschluss über die Nervenfunktion geben.
Eine wichtige Differenzialdiagnose ist der Herzinfarkt, der ebenfalls Armschmerzen verursachen kann. Typische Beschwerden eines Herzinfarkts sind starke, stechende Brustschmerzen, die in den linken Arm ausstrahlen, ein heftiges Druckgefühl im Brustkorb sowie weitere Symptome wie Angst, kalter Schweiß oder Übelkeit.
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Konventionelle Behandlung der Neuritis brachialis
Die konventionelle Behandlung der Brachialgie zielt darauf ab, die Grunderkrankung zu behandeln und die Schmerzen zu lindern. Mögliche Maßnahmen sind:
- Bettruhe und leichte Bewegung
- Schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente (nichtsteroidale Antirheumatika)
- Physiotherapie oder Krankengymnastik
- Warme oder kalte Armwickel
- Lymphdrainage
- Plexusblockade (Schmerzausschaltung am Nervengeflecht)
- Operativer Eingriff zur Weitung der Engstelle
Homöopathische Behandlung der Neuritis brachialis
Die klassische Homöopathie bietet einen ganzheitlichen Behandlungsansatz für die Neuritis brachialis. Sie beruht auf dem Ähnlichkeitsgesetz, das besagt, dass ein Arzneimittel, das am Gesunden bestimmte Symptome hervorruft, ähnliche Symptome am Kranken heilen kann. Ziel der homöopathischen Behandlung ist es, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und die Ursache der Erkrankung auf einer tieferen Ebene zu behandeln.
Die klassische Homöopathie: Ein Überblick
Die klassische Homöopathie wurde vor etwa 200 Jahren von Samuel Hahnemann begründet. Hahnemann war unzufrieden mit den damaligen medizinischen Praktiken, die oft mit brachialer Gewalt kurierten und die Patienten noch kränker machten. Er war überzeugt, dass Krankheiten nur durch Arzneien geheilt werden können, wenn diese beim gesunden Menschen einen Zustand erzeugen können, der dem des Kranken ähnlich ist.
Das Ähnlichkeitsprinzip
Das Ähnlichkeitsprinzip lässt sich am Beispiel einer Verbrennung verdeutlichen. Jeder hat sich schon mal verbrannt und kennt den ersten Impuls: Kühlen! Kaltes Wasser lindert kurzzeitig den Schmerz, aber nach dem Kühlen sind die Schmerzen oft schlimmer als vorher. In der Homöopathie wird bei Verbrennungen ein ähnliches Prinzip angewendet: Die verbrannte Stelle wird kontrolliert erwärmt oder erhitzt. Dies führt zunächst zu einem kurzen, stärkeren Schmerz, der jedoch schnell nachlässt. Rötung, Schwellung, Wunden oder Narben bleiben aus.
Dieses Beispiel verdeutlicht den Unterschied zwischen dem Contraria-Prinzip (Entgegengesetztes mit Entgegengesetztem behandeln), das in der Schulmedizin weit verbreitet ist, und dem Simile- oder Ähnlichkeitsprinzip, das in der Homöopathie angewendet wird.
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Das homöopathische Arzneimittelbild
In der Homöopathie wird nicht die Krankheit behandelt, sondern der Patient mit seinen individuellen Symptomen. Der Homöopath erfasst die Gesamtheit der Symptome des Patienten, einschließlich der körperlichen, emotionalen und mentalen Symptome. Auf dieser Grundlage wählt er ein homöopathisches Arzneimittel aus, dessen Arzneimittelbild (die Gesamtheit der Symptome, die das Arzneimittel am Gesunden hervorrufen kann) dem Symptomenbild des Patienten möglichst ähnlich ist.
Die Potenzierung
Homöopathische Arzneimittel werden potenziert, d.h. sie werden in mehreren Schritten verdünnt und verschüttelt oder verrieben. Durch die Potenzierung soll die Wirksamkeit des Arzneimittels erhöht und die Nebenwirkungen reduziert werden.
Erstverschlimmerung
Nach der Einnahme eines homöopathischen Arzneimittels kann es zu einer vorübergehenden Erstverschlimmerung der Symptome kommen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Organismus auf das Mittel reagiert und die Selbstheilung beginnt.
Die Wahl des richtigen Homöopathen
Eine gute Ausbildung in klassischer Homöopathie ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Es ist von Vorteil, wenn der Homöopath sich mit dem Erscheinungsbild der Neuritis brachialis auskennt, Fallverläufe sicher beurteilen kann und einfache neurologische Untersuchungen durchführen kann. Zertifizierte Homöopathen haben ihre Aus- und Weiterbildung sowie ihre Dokumentationen nach strengen Qualitätskriterien nachgewiesen.
Mögliche homöopathische Mittel bei Neuritis brachialis
Die Wahl des homöopathischen Mittels bei Neuritis brachialis hängt von den individuellen Symptomen des Patienten ab. Einige häufig verwendete Mittel sind:
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- Bryonia alba: Bei stechenden, bewegungsabhängigen Schmerzen, die sich bei der geringsten Bewegung verschlimmern.
- Rhus toxicodendron: Bei Schmerzen, die sich zu Beginn einer Bewegung verschlimmern und bei fortgesetzter Bewegung bessern.
- Kalium carbonicum: Bei stechenden Schmerzen, die unabhängig von Bewegung auftreten.
- Lathyrus sativus: Bei Sensibilitätsstörungen und Dauerschauern in den Extremitäten.
Die Grenzen der Homöopathie
Die Homöopathie kann bei Neuritis brachialis eine wirksame Behandlungsmethode sein, insbesondere bei chronischen Schmerzen. Bei akuten, schweren Fällen oder bei Vorliegen einer Grunderkrankung, die eine konventionelle Behandlung erfordert, sollte die Homöopathie jedoch nur ergänzend eingesetzt werden. Unter Immunsuppressiva ist eine homöopathische Behandlung sehr viel problematischer. Der Organismus kann aufgrund der unterdrückten Immunlage und des tiefen Eingriffs in das Immunsystem selten oder nur schwach auf den gesetzten Reiz reagieren.
Tipps zur Vorbeugung von Nervenentzündungen
Eine gesunde Lebensweise kann dazu beitragen, das Risiko von Nervenentzündungen zu reduzieren. Dazu gehören:
- Einschränkung des Alkoholkonsums
- Ausgewogene Ernährung mit vielen Vitaminen, Rohkost, Obst und Gemüse
- Vermeidung von Stress
- Ausreichend Erholung, Ruhe und Schlaf
- Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga
- Regelmäßiger Sport
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