Die Neuritis des Plexus brachialis, auch bekannt als neuralgische Amyotrophie oder Parsonage-Turner-Syndrom, ist eine seltene Erkrankung, die durch eine Entzündung des Nervengeflechts (Plexus brachialis) im Bereich des Schlüsselbeins gekennzeichnet ist. Diese Entzündung kann zu heftigen Schmerzen und Lähmungen im Arm und in der Schulter führen.
Was ist eine neuralgische Amyotrophie?
Die neuralgische Amyotrophie ist eine seltene Erkrankung, die durch plötzlich auftretende, reißende Schmerzen im Arm gekennzeichnet ist. Typischerweise beginnen die Schmerzen im Schultergelenk und strahlen in den Oberarm und den Nacken aus, bevor sie sich auf den gesamten Arm bis zur Hand ausbreiten. Zusätzlich zu den Schmerzen können Muskelschwäche und Lähmungen einzelner Muskelpartien auftreten. In den meisten Fällen ist nur ein Arm oder eine Schulter betroffen, wobei die rechte Körperseite häufiger betroffen ist.
Die Erkrankung wird mit einer Entzündung des Plexus brachialis in Verbindung gebracht, einem Nervengeflecht am Übergang zwischen Hals und Oberkörper. Die genauen Ursachen für diese Entzündung sind jedoch noch nicht vollständig geklärt. Viele Betroffene leiden über längere Zeit unter Schmerzen.
Symptome der neuralgischen Amyotrophie
Die typischen Symptome einer neuralgischen Amyotrophie sind:
- Plötzlich auftretende, reißende und starke Schmerzen im Schultergelenk, oft abends oder nachts.
- Die Schmerzen dauern Tage bis Wochen an und können sich auf Nacken, Arm und Hände ausbreiten.
- In seltenen Fällen schmerzen auch andere Regionen des Oberkörpers, wie Brustmuskeln oder Bereiche um das Schulterblatt oder Schlüsselbein.
- Lähmungen einzelner Muskelpartien können innerhalb von Stunden entstehen.
Ursachen der neuralgischen Amyotrophie
Es gibt zwei Hauptformen der neuralgischen Amyotrophie:
Lesen Sie auch: Vestibularis-Neuritis: Alternative Behandlungsmethoden
- Erbliche (hereditäre) Form: Bei dieser Form vererben Eltern eine Genmutation an ihre Kinder, die diese anfälliger für die Erkrankung macht.
- Idiopathische Form: Bei den meisten Betroffenen ist die Ursache unklar. Es wird vermutet, dass die Entzündung des Plexus brachialis im Zusammenhang mit einer Immunreaktion stehen könnte.
Häufigkeit
Die neuralgische Amyotrophie tritt meist im Alter zwischen 20 und 60 Jahren auf, wobei Männer doppelt so häufig betroffen sind wie Frauen. Kinder erkranken nur sehr selten. Schätzungen gehen von ein bis drei neuen Fällen pro 100.000 Menschen pro Jahr aus.
Verlauf
Die Schmerzen treten üblicherweise zuerst im Schultergelenk auf und breiten sich dann in den Nacken und den gesamten Arm aus. Innerhalb von Stunden können Lähmungen einzelner Muskelpartien entstehen. Die stärksten Schmerzen treten in der Regel in den ersten Tagen bis Wochen auf. Viele Menschen haben Monate bis Jahre mit Schmerzen, Muskelschwäche oder Bewegungseinschränkungen zu kämpfen. Bei den meisten Betroffenen klingen die Beschwerden innerhalb von etwa 1 bis 3 Jahren ab. Allerdings kann die Nervenregeneration etwa 2,5-3 Jahre dauern.
Diagnose
Die Diagnose einer neuralgischen Amyotrophie umfasst in der Regel:
- Eine ausführliche Befragung durch den Arzt, um die Krankengeschichte zu erfassen. Im Arztgespräch ist die Frage nach dem Verletzungsmechanismus besonders wichtig. Sie werden nach Schmerzen, Missempfindungen und Taubheit gefragt. Auch motorische Defizite sollten identifiziert werden.
- Eine körperliche und neurologische Untersuchung, um die Funktion der Nerven und Muskeln zu beurteilen. Bei der Untersuchung überprüft man u. a. Ihren Bewegungsumfang, Ihre Reflexe, Ihre Muskelkraft sowie Ihre Sensibilität. Ein Beklopfen (Perkussion) bestimmter Hautbereiche rund um das Schlüsselbein führt zu elektrisierenden, ausstrahlenden Schmerzen (Hoffmann-Tinel-Zeichen).
- Eine Elektroneurographie (ENG) und eine Elektromyographie (EMG), um die Funktion bestimmter Nerven und die Muskelaktivität zu prüfen. Messung der elektrischen Muskelaktivität (Elektromyografie, EMG): Dies ist erst ungefähr 3 Wochen nach dem Trauma sinnvoll. Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurografie, ENG): Damit kann man Schäden der peripheren Nerven nachweisen und ihr Ausmaß beurteilen.
- Bildgebende Verfahren wie MRT oder Ultraschall können eingesetzt werden, um andere Ursachen auszuschließen und Entzündungen oder Muskelveränderungen sichtbar zu machen. MRT des Plexus brachialis: Mit diesem Verfahren stellt man die Nervenbahnen dar (Neurografie). Eine Untersuchung mit Ultraschall ist möglich. Mit dieser hochauflösenden Nervensonografie kann man die Armnerven untersuchen - und ggf. auch den Plexus brachialis. Bei einem Trauma wird oft zunächst ein Röntgen- oder CT-Bild gemacht. Damit werden z. B. Knochenbrüche (Frakturen) und andere Begleitverletzungen dargestellt.
Behandlung
Da die Ursache der Erkrankung nicht bekannt ist, können Ärzte bislang nur die Symptome behandeln. Die Behandlung zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Funktion des Arms wiederherzustellen.
Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:
Lesen Sie auch: Dosierung von Kortison bei Neuritis vestibularis
- Schmerzmittel: Verschiedene Schmerzmittel, einschließlich nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac, können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Bei sehr starken, brennenden Schmerzen helfen manchmal spezielle Schmerzmittel, die auch bei Nervenschmerzen angewendet werden (z. B. Gabapentin oder Pregabalin). Neuropathische Schmerzen können mit verschiedenen Medikamentengruppen behandelt werden. Dazu zählen auch Substanzgruppen, die Sie vielleicht nicht erwarten, wie Antidepressiva und Mittel gegen Krampfanfälle (Antikonvulsiva).
- Kortikosteroide: Entzündungshemmend wirkende Medikamente wie Kortikosteroide können eingesetzt werden, um die Entzündung zu reduzieren und die Heilungsdauer zu verkürzen. Kortikosteroide verkürzen die Heilungsdauer und vermindern das Risiko neuer Schmerzattacken.
- Physiotherapie: Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung, um die Beweglichkeit zu erhalten und Muskeln wieder aufzubauen. Eine Physiotherapie kann sinnvoll sein.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, alltägliche Tätigkeiten besser zu bewältigen. Ebenso kann eine Ergotherapie helfen.
- Elektrotherapie: Eine Elektrotherapie, also die Behandlung mit elektrischem Strom, kann Muskelschwund verzögern, bis die Nervenregeneration abgeschlossen ist.
- Operation: Eine Operation wird etwa dann empfohlen, wenn die Regeneration unter konservativer Behandlung nach ca. 3-6 Monaten nicht ausreicht. Auch wenn eine spontane Reinnervation unmöglich ist, sollten Sie operiert werden. Es sollte außerdem eine Operation gemacht werden, wenn Sie eine offene Plexusläsion erlitten haben oder Blutergüsse (Hämatome) auftreten, die durch ihre Größe das umliegende Gewebe verdrängen. Der Zeitpunkt der Operation hängt vom Ausmaß der Verletzung ab. Bei ausgerissenen Nervenwurzeln wird möglichst nach 6-8 Wochen operiert. Wenn keine Nerven durchtrennt sind, sollte die Operation später stattfinden, und zwar nach 3-6 Monaten.
Es gibt einige mögliche Operationsverfahren:
- Freilegung von eingeengtem Nervengewebe (Neurolyse)
- Verlagerung von gesunden Ästen an beschädigte Äste innerhalb des Plexus - die gesunden Äste können aus dem Plexus oder von außerhalb stammen (intraplexaler Nerventransfer bzw. extraplexaler Nerventransfer).
- Versetzen eines eigenen Nervenastes aus einem anderen Körperbereich (Autologe Nerventransplantation)
- Verlagerung von intakten Muskeln zum Funktionserhalt (Ersatzoperation)
Vorbeugung
Da die genauen Ursachen der neuralgischen Amyotrophie nicht bekannt sind, gibt es keine spezifischen Maßnahmen zur Vorbeugung. Bei bekannter erblicher Form kann es sinnvoll sein, körperliche Überlastung, extreme Kälte, unnötige Operationen und intensive Impfserien zeitlich zu verteilen. Eine gesunde Lebensweise, ausgewogene Ernährung und Stressreduktion unterstützen das Immunsystem und können den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. Tragen Sie eine Schutzausrüstung, wenn Sie sich in Situationen mit einem entsprechenden Verletzungsrisiko begeben (z. B. bei Extremsportarten und beim Motorradfahren).
Prognose
Die Prognose für Menschen mit neuralgischer Amyotrophie ist in der Regel gut. Bei den meisten Betroffenen klingen die Beschwerden innerhalb von etwa 1 bis 3 Jahren ab. Allerdings können in manchen Fällen dauerhafte Kraftminderungen oder muskuläre Einschränkungen zurückbleiben. Wiederholte Erkrankungsschübe sind möglich, kommen aber selten vor. Eine frühe Diagnose, eine gezielte Schmerzbehandlung und konsequente Physiotherapie verbessern die Heilungsaussichten erheblich. Insgesamt sind etwa 70 % der Ergebnisse bei oberen Plexusläsionen gut. Bei unteren Plexusläsionen ist die Prognose schlechter. Als Folge einer Plexusläsion können langfristig Defizite der Sensibilität oder Motorik mit einer Funktionseinschränkung zurückbleiben. Neuropathische Schmerzen können chronisch werden.
Der Plexus Brachialis im Detail
Der Plexus brachialis ist ein komplexes Nervengeflecht, das die Muskeln von Schulter und Arm versorgt und für die Weiterleitung von Schmerz und Tastsinn in diesen Bereichen verantwortlich ist. Er verlässt die Wirbelsäule im Bereich von C5 bis Th1 (Halswirbelsäule bis zum Beginn der Brustwirbelsäule) und zieht paarig zur Achselhöhle.
Funktion des Plexus brachialis
Die Nerven, die aus dem Plexus brachialis entspringen, werden in einen vorderen und einen hinteren Abschnitt unterteilt. Sie innervieren unter anderem Muskeln, die für Bewegungen im Bereich des Arms und der Hände zuständig sind. Daher klagen Patienten mit einer Plexusschädigung vor allem über Probleme bei der Armbewegung und Kraftminderung. Neben den motorischen Aufgaben haben die Nerven auch sensible Aufgaben, sodass es bei einer Verletzung oder Erkrankung des Plexus brachialis zu Sensibilitätseinschränkungen wie Taubheitsgefühl oder Kribbeln kommen kann.
Lesen Sie auch: Symptome der Vestibularisneuritis erkennen
Mögliche Ursachen für Probleme im Plexus brachialis
- Einklemmung: Verhärtete Muskeln im Bereich des Plexus können auf die Nerven drücken und zu ziehenden Schmerzen führen.
- Entzündung: Eine Überlastung oder Fehlbelastung der Arme oder Schulter kann zu einer Entzündung der Nerven des Plexus führen.
- Verletzung: Stürze auf die Schulter oder den Arm können zu einer Verletzung des Plexus brachialis führen.
- Thoracic-Outlet-Syndrom: Eine Einengung von Strukturen zwischen Hals und Brustkorb kann Nerven und Gefäße komprimieren.
- Parsonage-Turner-Syndrom: Ein komplexes Schmerzsyndrom, bei dem es im Bereich der Nervenendigungen aus dem Plexus brachialis zu Reizungen und Entzündungen kommt.
- Strahlenschäden: Strahlenschäden am Plexus brachialis können nach onkologischen Bestrahlungen im Hals-, Schulter- oder Thoraxbereich auftreten.
Diagnose und Behandlung von Problemen im Plexus brachialis
Die Diagnose umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, neurologische Tests und bildgebende Verfahren wie MRT. Die Behandlung hängt von der Ursache ab und kann konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, Ergotherapie und Schmerzmittel umfassen. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein.
Übungen zur Entlastung des Plexus brachialis
Es gibt verschiedene Übungen, die helfen können, den Plexus brachialis zu entlasten und die Beweglichkeit zu verbessern:
- Schulterkreisen: Gerade hinstellen, Arme locker an der Seite halten und die Schultern langsam kreisend von hinten nach vorne bewegen. Nach 2 Minuten die Richtung wechseln.
- Schulter nach hinten ziehen: Stehend, Arme an der Seite hängend, die Schultern vorsichtig nach hinten ziehen, bis man auf der Vorderseite einen leichten Zug wahrnimmt. Diese Position einige Sekunden halten.
- Pendeln: In bequemer Position, Arme locker an der Seite hängend, langsam pendelnde Bewegungen mit den Armen durchführen.
Schulterschmerzen und Nervenentzündung
Die Schulter ist ein sehr bewegliches Gelenk, das gleichzeitig sensibel auf Belastungen reagiert. Da Muskeln, Faszien und Nerven auf engem Raum zusammenspielen, können bereits anhaltende Spannungen oder Fehlbelastungen ausreichen, um Nerven zu reizen. Eine Nervenentzündung in der Schulter (Neuritis) entsteht, wenn ein Nerv gereizt oder entzündet ist. Typisch ist, dass die Schmerzen entlang des Nervenverlaufs ziehen oder ausstrahlen - häufig vom Schulterbereich über den Oberarm bis in den Ellenbogen oder sogar die Finger.
Ursachen einer Nervenentzündung in der Schulter
- Fehlhaltungen (z. B. durch langes Sitzen am Schreibtisch)
- Überlastungen beim Sport oder Training
- Einseitige Bewegungsmuster im Alltag oder Beruf
- Verspannte Muskeln und verklebte Faszien
Behandlung einer Nervenentzündung in der Schulter
- Entlastung der Schulter
- Wärme- oder Kälteanwendungen
- Sanfte Mobilisation
- Gezielte Druckpunkt- und Faszienarbeit
- Triggerpunkt- und Faszienbehandlung
- Mobilisations- und Kräftigungsübungen
- Ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes
tags: #neuritis #nervenentzundung #des #plexus #brachialis