Übermäßiges Schwitzen, auch Hyperhidrose genannt, kann für die Betroffenen eine erhebliche Belastung darstellen. Glücklicherweise gibt es heute verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, von milden pflanzlichen Medikamenten bis hin zu invasiveren Eingriffen wie der Nervendurchtrennung. Dieser Artikel beleuchtet die Risiken der Nervendurchtrennung bei Hyperhidrose und stellt alternative Behandlungsmethoden vor.
Was ist Schwitzen und wann wird es zum Problem?
Schwitzen ist ein notwendiger und natürlicher Vorgang, der verschiedene wichtige Funktionen im Körper erfüllt. Dazu gehören die Aufrechterhaltung einer normalen Körpertemperatur, die Ausscheidung von Schadstoffen und der Transport von Hormonen und Duftstoffen, die für unseren individuellen Körpergeruch und die nonverbale Kommunikation wichtig sind. Der Mensch besitzt etwa 2 Millionen Schweißdrüsen, die über das vegetative Nervensystem gesteuert werden.
Die Menge der Schweißproduktion ist individuell unterschiedlich. Während manche Menschen selbst bei großer Hitze kaum schwitzen, leiden andere bereits bei geringster Anstrengung oder Stress unter Schweißausbrüchen. Erst wenn die Schweißmenge das für die Thermoregulation notwendige Maß übersteigt und das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigt, spricht man von Hyperhidrose.
Hyperhidrose: Krankhaft vermehrtes Schwitzen
Hyperhidrose ist der medizinische Ausdruck für krankhaft vermehrtes Schwitzen. Betroffene schwitzen so stark, dass Kleidung ständig Flecken aufweist, das Gesicht schweißnass erscheint oder die normale Funktion der Hände beeinträchtigt ist. Dies kann zu erheblichen Einschränkungen im beruflichen und privaten Leben führen. Man unterscheidet zwischen genereller Hyperhidrose, bei der der ganze Körper betroffen ist, und lokalisierter Hyperhidrose, die sich auf bestimmte Körperstellen wie Achselhöhlen (axilläre Hyperhidrose), Hände oder Füße (palmoplantare Hyperhidrose) oder das Gesicht beschränkt.
Ursachen von Hyperhidrose
Die Ursachen für Hyperhidrose können vielfältig sein. In den meisten Fällen findet sich für die örtlich begrenzte Schweißneigung keine Ursache (essentielle oder idiopathische Hyperhidrose). Hier sind die Schweißdrüsen des betroffenen Gebiets ohne erkennbare Ursache überaktiv. Eine gesteigerte generelle Schweißproduktion kann jedoch Ausdruck einer inneren Krankheit sein. Mögliche Ursachen sind:
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- Hormonell bedingte Hyperhidrose (z.B. Klimakterium, Schilddrüsenüberfunktion)
- Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (z.B. Hormone, Kortikoide, Beta-Blocker)
- Hypoglykämie (z.B. als Symptom einer Zuckerkrankheit)
- Chronische Infekte oder Malignome
- Neurologische Ursachen (z.B. Schädigung des Sympathikus oder des Hypothalamus)
- Psychische Probleme
Es ist wichtig zu beachten, dass seelische Probleme nicht nur Ursache, sondern auch Folge von Schwitzen sein können.
Diagnose von Hyperhidrose
Die Diagnose von Hyperhidrose erfolgt in der Regel durch eine einfache Untersuchung des Arztes, bei der das Ausmaß des Schwitzens durch Berühren und Ansehen beurteilt wird. In manchen Fällen können objektive Messverfahren wie die gravimetrische Messung (Bestimmung der Schweißmenge durch Abwiegen) oder die Jod-Stärke-Reaktion (sichtbare Darstellung der Schweißverteilung) erforderlich sein.
Behandlungsmöglichkeiten von Hyperhidrose
Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten gegen Schwitzen, die teilweise gut miteinander kombiniert werden können. Man unterscheidet zwischen innerlichen und äußerlichen Medikamenten, Geräteanwendungen, Injektionen sowie Verfahren mit und ohne Operation.
Konservative Behandlungsmethoden
- Verhaltensänderung: Beobachtung und Vermeidung von Situationen oder Substanzen, die das Schwitzen auslösen (z.B. Kaffee, Tee, Alkohol, scharfe Gewürze).
- Gute Körperhygiene: Häufigeres Duschen, Verwendung von Deodorants, häufiger Kleiderwechsel, insbesondere bei Schweißfüßen.
- Antitranspirantien: Chemikalien, die auf die Haut aufgetragen werden und durch Verschließen der Drüsenausführungsgänge die Schweißbildung unterdrücken. Ein wichtiger Wirkstoff ist Aluminiumchlorid, das in medizinischen Deos höher konzentriert ist als in handelsüblichen Produkten.
- Eichenrindenauszüge/Gerbstoffe: Können als Bäder oder Cremes das milde Schwitzen dämpfen.
- Hexamethylentetramin (Methenamin): Zur äußerlichen Behandlung geeignet.
- Iontophorese: Ein Verfahren, bei dem mit Hilfe eines schwachen Gleichstroms Substanzen in die Haut (meist der Handflächen und Fußsohlen) eingebracht werden, um die Schweißbildung zu hemmen.
- Medikamentöse Behandlung: Homöopathische, pflanzliche oder schulmedizinische Tabletten, je nach Indikation und Verträglichkeit.
Botulinumtoxin (Botox)
Botulinumtoxin ist ein natürlich vorkommendes Nervengift, das die Impulsübertragung an Nervenenden blockiert und somit die Schweißproduktion reduziert. Die Substanz wird mit feinen Kanülen in die Haut des zu behandelnden Areals injiziert. Die Wirkung tritt nach wenigen Tagen ein und hält in der Regel 4-9 Monate an. Mögliche Nebenwirkungen sind kleinere Blutergüsse und in seltenen Fällen eine vorübergehende Schwäche der Handmuskulatur.
Operative Behandlungsmethoden
- Chirurgische Entfernung von Schweißdrüsen: Hierbei wird ein mehr oder weniger großes Areal im Bereich der Achselhöhle durch einen Schnitt entfernt. Dies führt in der Regel zu sichtbaren Narben.
- Saug-Kürretage: Eine Kombination aus Absaugung und Abschaben der Schweißdrüsen an der Unterseite der Haut. Die Operation erfolgt ambulant in örtlicher Betäubung plus ggf. „Dämmerschlaf“.
- Thorakoskopische Sympathektomie (ETS): Ein endoskopischer Eingriff, bei dem Nerven im Brustkorb durchtrennt werden, die für die Steuerung der Schweißdrüsen verantwortlich sind.
Nervendurchtrennung (Sympathektomie): Risiken und Komplikationen
Die thorakoskopische Sympathektomie (ETS) ist ein invasiver Eingriff, der bei schweren Formen der Hyperhidrose in Erwägung gezogen werden kann, wenn andere Maßnahmen versagt haben. Bei diesem Verfahren wird der Sympathikus-Grenzstrang, der für die Steuerung der Schweißsekretion zuständig ist, im Brustkorb durchtrennt. Obwohl die ETS bei vielen Betroffenen zu einer Besserung der Symptome führt, ist sie mit potenziellen Risiken und Komplikationen verbunden:
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- Allergische Reaktionen: Auf bestimmte Medikamente oder Narkosemittel.
- Infektionen: Im Bereich der Operationswunden.
- Schäden an Blutgefäßen oder Nerven: In der Nähe der Rippe, an welcher die Operationsinstrumente vorbeigeführt werden müssen. Dies kann zu Blutungen oder Nervenentzündungen führen.
- Herzprobleme, Lungenentzündungen oder Embolien: Insbesondere bei älteren Patienten.
- Pneumothorax: Eine Ansammlung von Luft im Brustkorb, die als Folge des Eingriffs entstehen kann und möglicherweise eine Drainagenanlage erfordert.
- Kompensatorisches Schwitzen: Die häufigste Nebenwirkung der ETS, bei der es zu vermehrtem Schwitzen an anderen Körperstellen (Gesicht, Bauch, Rücken, Arme und Füße) kommt. Dies kann von den Betroffenen als unangenehm empfunden werden und das ursprüngliche Problem lediglich verlagern.
- Horner-Syndrom: Eine seltene Komplikation, bei der es zu einer Augenlidsenkung, einer engen Pupille, einem Zurückziehen des Augapfels oder einer erschwerten Tränenbildung auf der operierten Seite kommt.
- Gustatorisches Schwitzen: Schweißausbrüche im Gesichtsbereich beim Essen, insbesondere bei scharfen oder sauren Speisen.
Aufgrund der potenziellen Risiken und Nebenwirkungen sollte die ETS nur als letzte Option in Betracht gezogen werden, wenn alle anderen konservativen Behandlungsmethoden ausgeschöpft sind. Eine sorgfältige Abwägung der Vor- und Nachteile sowie eine umfassende Aufklärung des Patienten sind vor dem Eingriff unerlässlich.
Alternativen zur Nervendurchtrennung
Angesichts der potenziellen Risiken der Nervendurchtrennung sollten zunächst alle konservativen und weniger invasiven Behandlungsmethoden ausgeschöpft werden. Dazu gehören:
- Antitranspirantien: Mit Aluminiumchlorid als Wirkstoff.
- Iontophorese: Insbesondere bei Hyperhidrose der Hände und Füße.
- Botulinumtoxin-Injektionen: Zur gezielten Blockierung der Schweißdrüsenaktivität.
- Saug-Kürretage: Bei axillärer Hyperhidrose.
Diese Methoden sind in der Regel weniger belastend und risikoärmer als die Nervendurchtrennung und können bei vielen Betroffenen eine deutliche Verbesserung der Symptome erzielen.
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