Sehnervdurchtrennung: Ursachen, Folgen und Behandlungsansätze

Die Behandlung von Nervenverletzungen, insbesondere die von durchtrennten Sehnerven, stellt in der Handchirurgie eine besondere Herausforderung dar. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Folgen und verschiedenen Behandlungsansätze bei einer Sehnervdurchtrennung. Dabei werden sowohl konservative als auch operative Optionen betrachtet, um ein umfassendes Bild der Versorgungsmöglichkeiten zu vermitteln.

Ursachen einer Sehnervdurchtrennung

Durchtrennte Finger-Nerven können aufgrund verschiedener Faktoren auftreten. Zu den häufigsten Ursachen zählen:

  • Traumata: Direkte Gewalteinwirkung auf den Finger, beispielsweise durch Stürze oder Schläge.
  • Unfälle: Schnittverletzungen, beispielsweise durch Glas, Messer oder Sägen, sind häufige Ursachen für glatte Durchtrennungen von Sehnen und Nerven. Quetschverletzungen können ebenfalls zu einer Sehnervdurchtrennung führen, sind aber seltener.
  • Repetitive Belastungen: Überlastung und wiederholte monotone Bewegungen können langfristig zu Schädigungen und im schlimmsten Fall zur Durchtrennung von Nerven führen.
  • Knochenbrüche: Scharfe Knochenkanten, Drähte oder Schrauben, die bei Knochenbrüchen verwendet werden, können die Sehnen schädigen und zu einer Ruptur führen.
  • Entzündliche Erkrankungen: Rheumatische Erkrankungen oder Gicht können zu einer entzündlichen Schwächung oder zum Aufreiben der Sehnen an Knochenvorsprüngen führen.

Diagnose einer Sehnervdurchtrennung

Die Diagnose von durchtrennten Finger-Nerven erfordert in der Regel eine gründliche klinische Untersuchung. Es ist entscheidend, frühzeitig eine genaue Diagnose zu stellen, um die bestmögliche Behandlung für durchtrennte Finger-Nerven zu gewährleisten.

  • Klinische Untersuchung: Der Arzt wird den Unfallhergang erfragen und die Beschwerden des Patienten erheben. Bei der Funktionsprüfung des betroffenen Fingers wird darauf geachtet, dass immer nur ein Gelenk geprüft und der restliche Finger fixiert wird. Die Beweglichkeit und Sensibilität des Fingers werden untersucht.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen der Hand in zwei Ebenen dienen dazu, knöcherne Läsionen wie z. B. einen knöchernen Sehnenausriss auszuschließen. In Einzelfällen können Sonographie oder Kernspintomographie zur weiteren Diagnostik eingesetzt werden.
  • Funktionsprüfung: Bei einer vollständigen Durchtrennung einer Sehne kommt es zu einem Funktionsausfall des entsprechenden Muskels. Abhängig von der Verletzungshöhe können jedoch Restfunktionen durch Querverbindungen zwischen den Sehnen erhalten bleiben. Bei Verletzungen der Fingersehnen können diese meist nicht mehr komplett gebeugt oder gestreckt werden, auch die Kraft ist in der Regel deutlich reduziert. Durch gezielte Funktionsprüfung kann häufig schon eine recht genaue Feststellung hinsichtlich der Art der Sehnenverletzung erfolgen.

Folgen einer Sehnervdurchtrennung

Die Folgen einer Sehnervdurchtrennung können vielfältig sein und hängen von der Schwere der Verletzung und dem betroffenen Nerv ab. Zu den möglichen Konsequenzen gehören:

  • Sensibilitätsverlust: Der betroffene Finger kann taub sein oder ein vermindertes Gefühl aufweisen.
  • Schmerzen: Nervenschäden können zu chronischen Schmerzen führen.
  • Funktionsverlust: Die Beweglichkeit des Fingers kann eingeschränkt sein.
  • Muskelschwund: Langfristig kann es zu einem Abbau der Muskulatur im betroffenen Finger kommen.
  • Beeinträchtigung der Lebensqualität: Die genannten Einschränkungen können die alltäglichen Aktivitäten und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Konservative Behandlungsmöglichkeiten

In den Fällen, in denen ein Finger-Nerv durchtrennt ist, spielen konservative Behandlungsmöglichkeiten eine entscheidende Rolle bei der Genesung. Nach einer durchtrennten Finger-Nerv Verletzung ist es wichtig, dem betroffenen Finger ausreichend Ruhe zu gönnen. Durch das Vermeiden von Belastung und Bewegung wird die Heilung gefördert und das Risiko für weitere Komplikationen minimiert.

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  • Ruhigstellung: Nach einer Finger-Nerv Verletzung ist es wichtig, dem betroffenen Finger ausreichend Ruhe zu gönnen. Durch das Vermeiden von Belastung und Bewegung wird die Heilung gefördert und das Risiko für weitere Komplikationen minimiert.
  • Physiotherapie: Physiotherapie spielt eine essentielle Rolle im Prozess der Heilung nach einer Finger-Nerv Verletzung. Durch gezielte Übungen und Techniken werden die Muskeln gestärkt, die Beweglichkeit verbessert und die sensorische Wahrnehmung im betroffenen Bereich wiederhergestellt.
  • Schmerzmanagement: Schmerzmittel können eingesetzt werden, um die Beschwerden zu lindern.

Chirurgische Behandlungsmöglichkeiten

Die Entscheidung für einen chirurgischen Eingriff bei einem durchtrennten Finger-Nerv hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine Operation zur Behandlung eines durchtrennten Finger-Nervs kann in Betracht gezogen werden, wenn konservative Behandlungsmethoden nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen oder wenn bestimmte Symptome oder Umstände vorliegen, die eine chirurgische Korrektur erfordern.

  • Nervennaht: Sind die Nervenenden noch nah beieinander, können sie direkt miteinander vernäht werden.
  • Nerventransplantation: Falls ein längerer Nervendefekt vorliegt, kann eine Nerventransplantation erforderlich sein.
  • Nervenrekonstruktion: Bei komplexen Nervenverletzungen kann eine umfassendere Rekonstruktion erforderlich sein, um die Funktion des Nervs wiederherzustellen.

Die Wahl der geeigneten chirurgischen Technik richtet sich nach verschiedenen Faktoren wie der Lokalisation der Verletzung, dem Ausmaß des Nervenschadens und den individuellen Bedürfnissen des Patienten.

Heilungsprozess und Rehabilitation

Der Heilungsprozess nach einer Nervendurchtrennung im Finger ist individuell und kann je nach Schwere der Verletzung variieren. In der Regel kann es mehrere Wochen bis Monate dauern, bis die Nervenfasern wieder zusammenwachsen und die Funktion des Nervs teilweise oder vollständig wiederhergestellt ist.

Die Rehabilitationsmaßnahmen nach einer Finger-Nervenbehandlung sind entscheidend für eine erfolgreiche Genesung. Dazu gehören gezielte physiotherapeutische Übungen, die darauf abzielen, die Beweglichkeit des betroffenen Fingers zu verbessern und die Kraft in der Hand wiederherzustellen. Die regelmäßige Nachsorge und Kontrolluntersuchungen beim Handchirurgen sind ebenfalls wichtig, um den Fortschritt der Heilung zu überwachen und potenzielle Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Durch die konsequente Einhaltung der Rehabilitationsmaßnahmen und der empfohlenen Nachsorge können Patienten mit einem durchtrennten Finger-Nerv optimale Bedingungen für eine erfolgreiche Genesung schaffen.

Komplikationen

Nach einer Finger-Nerv Behandlung können bestimmte Komplikationen auftreten, die den Heilungsprozess beeinflussen können. Bei der Behandlung von durchtrennten Finger-Nerven können verschiedene Komplikationen auftreten, die den Genesungsprozess verlängern oder beeinträchtigen können. Zu den möglichen Komplikationen gehören:

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  • Infektionen: Bakterielle Infektionen können den Heilungsprozess verzögern und weitere Komplikationen verursachen.
  • Narbengewebe: Übermäßige Narbenbildung kann die Beweglichkeit des Fingers einschränken.
  • Schmerzen: Chronische Schmerzen können auch nach erfolgreicher Operation bestehen bleiben.
  • Sensibilitätsstörungen: Auch nach der Operation kann es zu Sensibilitätsstörungen kommen.
  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS): In seltenen Fällen kann sich ein CRPS entwickeln, das mit starken Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen einhergeht.

Um diese Komplikationen zu minimieren, ist eine sorgfältige Nachsorge und regelmäßige Kontrolle der Heilung essenziell. Bei starken Schmerzen oder anderen ungewöhnlichen Symptomen sollten Betroffene umgehend ihren Arzt konsultieren. Chirurgische Eingriffe zur Behandlung von durchtrennten Finger-Nerven sind nicht frei von Risiken. Es ist wichtig, dass Patienten sich über potenzielle Risiken im Klaren sind, bevor sie sich für eine Operation entscheiden. Vor einer Operation sollten Patienten mit ihrem Chirurgen ausführlich über mögliche Risiken und Nebenwirkungen sprechen. Ein fundiertes Verständnis der Risiken kann dazu beitragen, informierte Entscheidungen zu treffen und den Erfolg des Eingriffs zu optimieren.

Sehnenscheidenverletzungen

Die Beugesehnen verlaufen an der Unterseite der Finger. Im Gegensatz zum Daumen mit nur einer langen Beugesehne haben die restlichen Finger zwei davon: eine tiefe Beugesehne, die bis zum Fingerendglied reicht und eine oberflächliche, die nur bis zum Fingermittelgelenk geht. Damit sie reibungslos gleiten, verlaufen die Beugesehnen jeweils in einer Sehnenscheide. Sehne und Sehnenscheide sind mit bindegewebigen Ringbändern an den Knochen befestigt. Fällt eine tiefe Beugesehne aus, kann der Finger nicht mehr im Endglied gebeugt werden. Die Beugung im Mittel- und Grundgelenk des Fingers ist weiterhin möglich, weil die oberflächliche Beugesehne noch intakt ist. Ist nur eine oberflächliche Beugesehne durchtrennt, macht sich dies im Alltag kaum bemerkbar, da der Ausfall von der tiefen Beugesehne kompensiert wird. Sind an einem Finger oberflächliche und tiefe Beugesehne gemeinsam durchtrennt, ist die Beugung im Fingerendgelenk und im Fingermittelgelenk nicht mehr möglich. Noch lässt sich der Finger aber im Grundgelenk beugen. Dahinter stecken kleine Muskeln der Mittelhand (Musculi lumbricales), die ebenfalls an der Beugung beteiligt sind. Sind oberflächliche und tiefe Beugesehne und die Musculi lumbicales betroffen, kann der Finger in keinem der drei Gelenke mehr gebeugt werden.

Diagnose von Sehnenscheidenverletzungen

Je nach Verletzungsmuster können andere Strukturen am Finger mitbetroffen sein. Bei einer Verletzung der tiefen Beugesehne genügt der Ärztin für die Diagnose meist die Schilderung des Unfallhergangs in Kombination mit den Beschwerden. Bei der Funktionsprüfung des betroffenen Fingers muss darauf geachtet werden, dass immer nur ein Gelenk geprüft und der restliche Finger fixiert wird. Die alleinige Durchtrennung einer oberflächlichen Beugesehne ist für die Ärztin oft schwieriger zu erkennen. Hier helfen beim Verdacht spezielle Untersuchungstechniken wie z. B. Liegt eine offene Wunde vor, wird diese genauestens inspiziert, eventuell sind dabei Schäden von Nerven und Gefäßen sichtbar. Weitere Untersuchungen dienen vor allem dem Ausschluss von Begleitverletzungen. Zum Nachweis einer möglichen Kapsel- oder Bandverletzung prüft die Ärzt*in die Gelenkstabilität durch seitliches Aufklappen des betroffenen Fingergelenks und durch Verschieben benachbarter Knochen gegeneinander. Ob Gefäße und Nerven intakt sind, zeigen die Durchblutung und die Sensibilität des Fingers. Röntgenaufnahmen der Hand in 2 Ebenen dienen schließlich dazu, knöcherne Läsionen wie z. B.

Behandlung von Sehnenscheidenverletzungen

Eine durchtrennte Beugesehne näht die Ärztin möglichst innerhalb der ersten 12, längstens 24 Stunden, weil frische Verletzungen die besten Heilungschancen haben. Manchmal ist eine Naht nicht möglich, z. B. weil die Sehnenenden schon zu weit auseinanderweichen. Dann muss die Sehne durch eine andere ersetzt werden. Dazu eignet sich z. B. Gegen die Schmerzen und zur Vorbeugung einer Sehnenentzündung nach Operation verschreibt die Ärztin oft entzündungshemmende Mittel wie Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®) oder Ibuprofen (z. B. Die Nachbehandlung erfolgt in einer speziellen Schiene (Kleinert-Schiene), in der sich der betroffene Finger aktiv strecken, aber nur passiv beugen lässt. Diese Fingerbewegungen sind sehr wichtig, damit die Sehne nicht in ihrer Sehnenscheide verklebt. Gleichzeitig ist die genähte Sehne noch nicht fest genug, um Zug auszuhalten. Damit der Beugemuskel nicht an der frisch genähten Sehne zieht, übernimmt ein am Fingernagel befestigter Gummizügel die Beugebewegung. Zur Mobilisierung muss die Patient*in den Finger mehrmals täglich in der Schiene aktiv strecken. Auch nach Abnahme der Schiene ist es wichtig, den betroffenen Finger nur vorsichtig zu bewegen. 6 Wochen lang darf er nur kontrolliert beübt und keinesfalls belastet werden. Durch die Ruhigstellung kann es dazu kommen, dass die Sehnen verkleben. In diesem Fall wird die Verklebung in einem erneuten Eingriff gelöst. Bei einer zu frühen Belastung der Beugesehne droht ihr erneuter Riss.

Verhalten nach der Behandlung

Beugesehnenverletzungen heilen meist gut aus, wenn sie innerhalb weniger Stunden operativ versorgt werden.

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  • Notfall Beugesehnenverletzung: Suchen Sie unverzüglich eine Arztpraxis auf, wenn Sie sich in den Finger geschnitten und dabei womöglich eine Sehne verletzt haben. Beugesehnenverletzungen sind Notfälle, die einer sofortigen Behandlung bedürfen.
  • Mitarbeit erforderlich: Halten Sie sich nach einer Operation präzise an die Bewegungs-Vorgaben. Üben Sie nicht zu viel und nicht zu wenig, fragen Sie im Zweifel Ihre Physiotherapeut*in. Vernachlässigen Sie nach Ablegen der Schiene die mobilisierenden Übungen nicht, die Ihnen in der Krankengymnastik gezeigt wurden.
  • Fingergymnastik im Wasserbad: Nach der Schienen-Therapie lässt sich der Finger besonders gut im warmen Wasserbad mobilisieren. Empfohlen werden 5 Mal täglich etwa fünfminütige Bäder in angenehm handwarmem Wasser.
  • Einfetten der Operationsnarbe: Harte, feste Operationsnarben können auf der Beugeseite des Fingers sehr stören.
  • Schutzhandschuhe: Für Gärtner, Handwerker und andere Personen, die viel schneiden oder sägen, ist es oft empfehlenswert, Schnitthandschuhe zu tragen.
  • Plastikmesser: Verwenden Sie Plastikmesser, um das Risiko von Schnittverletzungen zu reduzieren.

Zweizeitiger Riss

Manchmal kommt es zunächst nur zu einem Teilriss, durch den die Beweglichkeit der Finger kaum beeinträchtigt ist und der deshalb gar nicht richtig wahrgenommen wird. Verletzt werden Beugesehnen vor allem durch Schnitt- oder Sägeunfälle mit einem scharfen Gegenstand. Geschlossene Risse der Beugesehnen sind eher selten. Mögliche Ursache ist die gewaltsame Überstreckung, z. B. bei einem Sturz auf den ausgestreckten Finger. In diesem Fall war die Sehne häufig schon vorgeschädigt, z. B.

Sehnenverklebung

Eine Sehnenverklebung ist eine häufig auftretende Komplikation nach einer Sehnenverletzung. Bei Beugesehen kann dies eine Versteifung der Finger zur Folge haben. Bei Strecksehnen kann es zum Teil zu einer Verkrümmung des Fingermittelgelenks kommen, während das Endgelenk überstreckt. Bei Sehnenschädigung nach Knochenbrüchen durch scharfe Knochenkanten, Drähte oder Schrauben werden die Sehnen operativ verlagert oder transplantiert. Gleiches gilt für Verletzungen durch entzündliche Krankheiten wie dem rheumatischen Formenkreis.

Reruptur

Eine Reruptur ist ein Sehnenriss, der nach einer primären Sehnennaht auftritt. Die Sehne kann an der Nahtstelle oder aufgrund der Spannung an einer anderen Stelle reißen. Hier erfolgt die OP der Sehne in der Hand durch eine erneute Naht der betroffenen Sehne. In manchen Fällen ist auch eine Sehnenverlagerung oder Sehnentransplantation angezeigt. Sehnenrupturen ohne offene Wunde sind schwer zu diagnostizieren. Deshalb vergeht in vielen Fällen wertvolle Zeit zwischen Unfall und Feststellung der Sehnenruptur. Die Magnetresonanztomographie präzisiert die Diagnose in solchen Fällen.

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