Nervendurchtrennung im Kopfbereich: Ursachen, Folgen und Behandlungsansätze

Nerven sind essenzielle Strukturen, die sensorische Informationen zum Gehirn leiten und motorische Impulse vom Gehirn zu den Muskeln übertragen. Eine Nervendurchtrennung im Kopfbereich kann vielfältige Ursachen haben und schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Folgen und Behandlungsansätze von Nervendurchtrennungen im Kopfbereich.

Ursachen von Nervendurchtrennungen im Kopfbereich

Nervenverletzungen im Kopfbereich können durch verschiedene Faktoren verursacht werden:

  • Traumatische Ereignisse: Schnitt-, Stichverletzungen oder Quetschungen können Nerven schädigen oder durchtrennen. Verletzungen sind z.B. bei Quetschungen oft sehr komplex. Die Dehnbarkeit der Nerven hängt dabei einerseits vom zeitlichen Ablauf sowie von möglichen Vorschäden des Nervs ab. Langsame Dehnungen werden besser toleriert als akute. Die häufigsten Verletzungen durch Dehnung werden durch schnelle Zugkräfte an den Armen, z.B. bei Motorradunfällen oder Geburtstrauma verursacht. Dabei können Schäden am Arm- oder Beinnervengeflecht (traumatische Plexusläsionen) oder Nervenwurzelausrisse auftreten. Des Weiteren können traumatische Verletzungen des Bewegungsapparats (Knochenbrüche, Gelenksluxationen, Muskelrisse, Scherverletzungen, Einblutungen) zu Verletzungen peripherer Nerven führen, welche dann einen akuten Ausfall der Nervenfunktion verursachen.
  • Operationen: Insbesondere bei Operationen im Kopf- und Halsbereich, beispielsweise bei der Entfernung von Tumoren wie Akustikusneurinomen oder Speicheldrüsentumoren, kann es zu unbeabsichtigten Nervenverletzungen kommen. So kann es bei einer Akustikusneurinom-Operation (Vestibularis-Schwannom-Operation) zu einer Verletzung des Gesichtsnervs kommen, weil der Gesichtsnerv sich in unmittelbarer Nähe des Hörgleichgewichtsnervs befindet und dem Akustikusneurinoms anliegen kann. Da in unserer HNO-Klinik viele Patienten mit bösartigen Speicheldrüsentumoren operiert werden, sind wir häufig mit dieser Situation konfrontiert.
  • Tumoren: Tumoren, die auf Nerven drücken oder in sie einwachsen, können ebenfalls zu Nervenschädigungen führen. Druckschäden werden häufig durch Tumore verursacht, durch die die Reizweiterleitung eingeschränkt wird.
  • Entzündungen: Entzündungen im Bereich der Nerven können diese schädigen und ihre Funktion beeinträchtigen. Die neuralgische Amyotrophie ist eine entzündliche Erkrankung, welche sich typischerweise durch plötzlich auftretende Schmerzen (häufig im Bereich der Schulter oder des Arms), gefolgt von einer Lähmung der Muskulatur, äußert. Risikofaktoren stellen eine übermäßige mechanische Beanspruchung (z.B. durch ungewohnte starke körperliche Aktivität), immunologische Auslöser (z.B. Infektionen) oder eine genetische Veranlagung dar.
  • Engpasssyndrome: In bestimmten Bereichen des Kopfes können Nerven durch anatomische Strukturen eingeengt werden, was zu einer Kompression und Schädigung führen kann. Bei den sogenannten Engpasssyndromen gilt es, den eingeklemmten oder gequetschten Nerven aus seiner misslichen Lage zu befreien, damit er keinen weiteren Schaden nimmt. Solche Engpasssyndrome treten meist in bestimmten Bereichen wie am Handgelenk oder Fußknöchel auf, wo aufgrund der anatomischen Enge schon geringe Schwellungen oder Massenzunahmen zu einer Quetschung des Nerven führen können. Auslöser können z.B. sein.

Folgen einer Nervendurchtrennung im Kopfbereich

Die Folgen einer Nervendurchtrennung im Kopfbereich hängen von der Art und dem Ausmaß der Schädigung sowie vom betroffenen Nerv ab. Zu den möglichen Folgen gehören:

  • Sensibilitätsstörungen: Eine Schädigung sensibler Nerven kann zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln, Schmerzen oder anderen Missempfindungen im Versorgungsgebiet des Nervs führen. Typische Anzeichen sind Schmerzen, Kribbeln, Taubheit oder Schwäche - meist in Rücken, Arm oder Bein. Werden Nerven verletzt, eingeklemmt oder gequetscht kommt es zu Missempfindungen, Schmerzen oder auch Lähmungen im Versorgungsgebiet des Nervens.
  • Motorische Ausfälle: Eine Schädigung motorischer Nerven kann zu Lähmungen oder Schwäche der von diesen Nerven versorgten Muskeln führen. Die Ursache liegt in einer Schädigung des zuleitenden motorischen Nervs. Bei einer peripheren Parese ist der Nerv in seinem Verlauf in Armen oder Beinen geschädigt. Bei zentralen Ursachen zeigt sich häufig eine Kombination aus inkompletten (Paresen) und kompletten Lähmungen (Plegien) einzelner Muskeln.
  • Gesichtslähmung: Eine Schädigung des Gesichtsnervs (Nervus facialis) kann zu einer Lähmung der Gesichtsmuskulatur führen, was sich in einem hängenden Mundwinkel, einem unvollständigen Lidschluss und Schwierigkeiten beim Sprechen und Essen äußern kann. Die Folge einer Verletzung des Gesichtsnervs ist eine Störung der natürlichen Funktionen des Nervs: Nachdem der Gesichtsnerv den Kopf verlassen hat, verzweigt er sich in viele Äste und versorgt alle mimischen Muskeln des Gesichts. Die wichtigste Aufgabe ist die Bewegung der Gesichtsmuskeln. Eine Lähmung des Gesichtsnervs führt also zu einer Lähmung der Gesichtsmuskeln. Daher wird im Schrifttum eine Gesichtsnervenlähmung oft mit einer Gesichtslähmung gleichgesetzt. Der Gesichtsnerv führt auch Nervenfasern für den Geschmack der zugehörigen Zungenseite, Fasern zur Tränendrüse und Fasern zu einem Mittelohrmuskel. Daher kann eine Gesichtsnervenlähmung auch zu Geschmackstörungen, Störung der Tränenbildung und zu Hörstörungen führen. Die schwerwiegendste Folge ist die Gesichtsmuskellähmung. Hierdurch ist nicht nur die Mimik gestört; durch den fehlenden Augenschluss kommt es zum Austrocknen und zu Entzündungen des Auges; durch die Lähmung der Mundmuskulatur wird das Essen und Sprechen erschwert.
  • Trigeminusneuralgie: Eine Schädigung des Trigeminusnervs kann zu starken, blitzartigen Schmerzen im Gesichtsbereich führen. Betroffene schildern die Gesichtsschmerzen als unerträglich und ähnlich elektrischen Schlägen. Sie treten meist einseitig stechend unterhalb eines Auges im Wangenbereich auf und können bis in die Zähne ausstrahlen.
  • Autonome Störungen: In seltenen Fällen kann eine Nervenschädigung auch zu Störungen des autonomen Nervensystems führen, was sich in Problemen mit der Schweißproduktion, der Herzfrequenz oder dem Blutdruck äußern kann.

Diagnose von Nervendurchtrennungen im Kopfbereich

Die Diagnose einer Nervendurchtrennung im Kopfbereich umfasst in der Regel die folgenden Schritte:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und erkundigt sich nach den Symptomen und möglichen Ursachen der Nervenschädigung. Zunächst erfolgt eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung durch einen Neurologen oder Orthopäden.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Sensibilität und Motorik im Versorgungsgebiet des betroffenen Nervs. Zunächst versucht der Arzt oder die Ärztin die Ursachen mit Fragen und einer körperlichen Untersuchung herauszufinden.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Mithilfe von elektrophysiologischen Untersuchungen wie der Elektroneurographie (ENG) und der Elektromyographie (EMG) kann die Funktion der Nerven und Muskeln überprüft werden. Eine wichtige Methode ist auch zu messen, wie leitfähig der betroffene Nerv ist. Durch Elektromyographie (EMG) und Elektroneurographie (ENG/NLG) können Nervenleitgeschwindigkeit und Muskel genauer untersucht werden. Sie können bei der Ursachenfindung eine wichtige Rolle spielen.
  • Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) können eingesetzt werden, um die Nerven und umliegenden Strukturen darzustellen und mögliche Ursachen der Nervenschädigung zu identifizieren. Um auf eine zentrale Schädigung können Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) Aufschluss geben. Entscheidend zur Diagnostik tragen kernspintomographische Aufnahmen (MRT) der betroffenen Körperregion bei. Durch Verbesserungen in der Diagnostik, insbesondere dem hochauflösenden Nervenultraschall sowie der Magnetresonanzneurographie gelingt eine zunehmend bessere bildgebende Darstellung des gesamten Verlaufs peripherer Nerven. Dabei können einerseits entzündlich bedingte Schwellungen der Nerven festgestellt und die Diagnose bestätigt werden.

Behandlung von Nervendurchtrennungen im Kopfbereich

Die Behandlung von Nervendurchtrennungen im Kopfbereich hängt von der Art und dem Ausmaß der Schädigung sowie von den individuellen Bedürfnissen des Patienten ab. Zu den möglichen Behandlungsansätzen gehören:

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  • Konservative Therapie: In einigen Fällen, insbesondere bei leichten Nervenschädigungen, kann eine konservative Therapie ausreichend sein. Diese umfasst in der Regel Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente, Physiotherapie und Ergotherapie. Mit gezielter Bewegung, Schmerztherapie, Entlastung und mitunter einer OP sind die Beschwerden in vielen Fällen gut behandelbar, vor allem wenn man früh reagiert. Bei Verletzungen, bei denen der Spontanverlauf abgewartet werden kann, wird der Heilungsverlauf durch intensive therapeutische Maßnahmen ergänzt. Hierzu zählen intensivierte Physiotherapie auch auf neurophysiologischer Grundlage, physikalische Maßnahmen, Elektrostimulation und Ergotherapie.
  • Operative Therapie: In schwereren Fällen kann eine operative Therapie erforderlich sein, um den Nerv zu reparieren oder zu entlasten. Operative Maßnahmen kommen infrage, wenn die Beschwerden trotz konservativer Behandlung bestehen bleiben. Um eine nicht mehr reparable Schädigung des Nerven zu verhindern, sollten Nervenverletzungen wie sie z.B.
    • Nervennaht: Bei einer kompletten Durchtrennung des Nervs kann eine Nervennaht durchgeführt werden, um die beiden Enden des Nervs wieder miteinander zu verbinden. Die operative Behandlung von komplett durchtrennten Nerven kann nur mittels einer End-zu-End-Naht erfolgen. Ist sofort oder binnen weniger Tage eine Wiederherstellung des Gesichtsnervs möglich, so ist eine direkte Naht des Nervs die Behandlung der Wahl. Generell erfolgen alle Nervenrekonstruktion unter dem Operationsmikroskop, da der Nerv nur einen Durchmesser von 0,5 - 1 mm hat.
    • Nerventransplantation: Wenn die beiden Enden des Nervs zu weit voneinander entfernt sind, um direkt miteinander verbunden zu werden, kann eine Nerventransplantation erforderlich sein. Hierbei wird ein Stück eines anderen Nervs entnommen und als Brücke zwischen den beiden Enden des geschädigten Nervs eingesetzt. Sind die beiden Enden aufgrund der Verletzung so weit voneinander entfernt, dass der Arzt sie nicht zusammenlegen kann, ist eine Nerventransplantation erforderlich, bei der ein Spendernerv zur Überbrückung des fehlenden Stücks eingenäht wird. Diesen entnimmt der Arzt meist aus dem Nervus suralis, der an der Außenkante des Fußes und des Unterschenkels verläuft7. Besteht durch die Schädigung eine Lücke im Verlauf des Nervs, so verwendet man ein Nerventransplantat, das man in die Lücke einnäht. Als Spendernerv verwendet man entweder einen Gefühlsnerv vom Hals oder vom Bein. Die Entnahme dieser Spendernerven ist mit keinem wichtigen Funktionsverlust für den Patienten verbunden. Der Patient erleidet einen geringen Gefühlsverlust in der Entnahmeregion.
    • Nervenentlastung (Dekompression): Bei Engpasssyndromen kann eine operative Entlastung des Nervs erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu reduzieren. Bei Nerveneinklemmungen, wie es beispielsweise beim Karpaltunnelsyndrom in der Hand der Fall ist, versucht der Chirurg den Nerv zu entlasten (Nervendekompression), indem er beispielsweise eine Sehne, die auf den Nerv drückt, durchtrennt. Um die Druckentlastung eines Nervs zu ermöglichen wird dieser freigelegt und mikrochirurgisch oder endoskopisch die einengenden Bandstrukturen, Knochenvorsprünge oder Narbenzüge entfernt.
    • Nerventranslokation: In einigen Fällen kann es erforderlich sein, den Nerv zu verlagern, um ihn aus einem Bereich mit hohem Druck oder Reibung zu entfernen.
  • Funktionelle Elektrostimulation: Die funktionelle Elektrostimulation kann ausgezeichnet mit Aktivitäten des täglichen Lebens kombiniert werden. Ist der periphere Nerv geschädigt, der Muskel also teils denerviert, ist eine Kombination aus aktiven Übungen und elektrischer Stimulation sinnvoll. und somit eine Atrophie/Abbau der vom Nerv nicht mehr versorgten Muskelanteile verhindern (Kern et al. 2010) und die Regeneration der Nerven fördern (Gordon et al.
  • Schmerztherapie: Chronische Schmerzen nach einer Nervenverletzung können mit verschiedenen Medikamenten und Therapien behandelt werden.
  • Rehabilitation: Nach einer Nervenrekonstruktion ist eine intensive Rehabilitation erforderlich, um die Funktion des Nervs und der betroffenen Muskeln wiederherzustellen. Bei zentralen Paresen, wie nach Schlaganfall oder Schädelhirntrauma, erfolgt die Rehabilitation angepasst an die Ziele des Patienten nach den Prinzipien des motorischen Lernens. wie Greifen oder Gehen, die durch die Parese eingeschränkt sind, trainiert (Hauptmann & Müller 2011).

Spezifische Nervenverletzungen und ihre Behandlung

Gesichtsnervenlähmung

Bei einer Gesichtsnervenlähmung kann eine operative Wiederherstellung des Nervs durch eine direkte Naht oder eine Nerventransplantation erfolgen. Wenn dies nicht möglich ist, können alternative Verfahren wie eine Hypoglossus-Fazialis-Nervenanastomose (Verbindung des Zungennervs mit dem Gesichtsnerv) oder Muskelplastiken in Betracht gezogen werden. Ist sofort oder binnen weniger Tage eine Wiederherstellung des Gesichtsnervs möglich, so ist eine direkte Naht des Nervs die Behandlung der Wahl. Generell erfolgen alle Nervenrekonstruktion unter dem Operationsmikroskop, da der Nerv nur einen Durchmesser von 0,5 - 1 mm hat. Bei dieser so genannten Hypoglossus-Fazialis-Nervenanastomose wird der gleichseitige Zungennerv durchtrennt und der Nerv an den Gesichtsnerv jenseits der Schädigungsstelle angenäht. Eine sofortige Wiederherstellung ist durch eine Muskelplastik möglich.

Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie wird in der Regel zunächst medikamentös mit Antiepileptika behandelt. Wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist, können neurochirurgische Eingriffe wie die mikrovaskuläre Dekompression (Entlastung des Nervs von einem Blutgefäß) oder die Thermokoagulation (Verödung des Nervs) in Betracht gezogen werden.

Prognose

Die Prognose nach einer Nervendurchtrennung im Kopfbereich hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art und das Ausmaß der Schädigung, der betroffene Nerv, das Alter des Patienten und die Wirksamkeit der Behandlung. In einigen Fällen kann sich der Nerv vollständig erholen, während in anderen Fällen bleibende Schäden zurückbleiben können.

Prävention

Einige Nervenverletzungen im Kopfbereich lassen sich durch präventive Maßnahmen vermeiden. Dazu gehören:

  • Vermeidung von Verletzungen: Tragen Sie bei Aktivitäten mit VerletzungsrisikoSchutzkleidung.
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Vermeiden Sie einseitige Belastungen und Fehlhaltungen. Ja, vermeiden Sie Haltungen oder wiederholende Tätigkeiten, bei denen es zu solchen Druckschäden kommen kann. Die Beschwerden entstehen oft durch wiederholte Bewegungen, einseitige Belastungen oder langanhaltende Fehlhaltungen. Arbeiten mit ständig gebeugtem Handgelenk (z. B. Auch unbewusster Druck, z. B.
  • Frühzeitige Behandlung von Grunderkrankungen: Behandeln Sie Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder rheumatoide Arthritis, die zu Nervenschädigungen führen können, frühzeitig. Manchmal treten die Engpasssyndrome auch im Rahmen bestimmter Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder rheumatoide Arthritis auf.

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