Migräne ist ein weit verbreitetes Leiden, von dem in Deutschland etwa zehn Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Frauen sind dabei drei Mal so häufig betroffen wie Männer. Der schwankende Hormonspiegel bei Frauen gilt als eine Ursache hierfür. So sind sie natürlich auch für die menstruelle Migräne anfällig - diese Sonderform der Migräne tritt besonders in den Tagen um die Menstruation auf, und hier auch gehäuft. Auch die Wahl der Verhütungsmethode kann bei Frauen einen Einfluss auf die Kopfschmerzattacken haben. Insbesondere bei Migräne mit Aura, einer Form der Migräne, die mit neurologischen Symptomen wie Sehstörungen einhergeht, ist die Wahl des Verhütungsmittels von besonderer Bedeutung.
Was ist Migräne mit Aura?
Bei einer Migräne handelt es sich nicht um „einfache“ Kopfschmerzen. Eine Migräne umfasst zwar eine Kopfschmerzphase (Migränekopfschmerz), wird aber in der Regel von Übelkeit, Brechreiz und einer extremen Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen begleitet. Bei Auren können Störungen des Geruchs- oder Sehsinns oder Empfindungsstörungen, beispielsweise an den Händen, auftreten, aber auch andere neurologische Einschränkungen bis hin zu Sprachstörungen und Lähmungserscheinungen. Alle Symptome der Aura verschwinden aber in der Regel mit Einsetzen der Migräne.
Die genauen Ursachen der Migräne sind unklar - vor allem sind sie von Person zu Person verschieden. Man geht davon aus, dass vor allem die Triggerfaktoren beobachtet werden müssen, also die Auslöser von Migräneattacken. Hierzu zählen Stress, Schlafmangel, unregelmäßige Mahlzeiten, bestimmte Wetterlagen und andere mehr. Um den oder die Auslöser einer Migräne mit Aura feststellen zu können, hat sich ein Migräne-Tagebuch als sehr hilfreich gezeigt. Es ermöglicht eine detaillierte Dokumentation möglicher Trigger im Zyklusverlauf, sodass ggf. frühzeitig reagiert werden kann.
Hormonelle Verhütung und Migräne: Ein komplexes Thema
Hormonelle Verhütungsmittel zählen noch immer zu den sichersten Verhütungsmitteln und sind generell auch für Migränepatientinnen geeignet. Allerdings gibt es bei der Auswahl des geeigneten Verhütungsmittels einiges zu beachten, denn bestimmte Formen der Migräne werden maßgeblich durch Hormone beeinflusst. Hormonelle Verhütungsmittel können direkte Auswirkungen auf die Häufigkeit, Schwere und Dauer von Migräneattacken haben - positive wie negative, dies lässt sich nicht vorhersagen. Von Migräne betroffene Frauen haben ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, wie z. B. Schlaganfall, das durch die Einnahme bestimmter hormoneller Verhütungsmittel weiter erhöht wird. Migräne-Patientinnen sollten sich daher bei der Auswahl des passenden Verhütungsmittels von ihrer behandelnden Gynäkologin oder ihrem behandelnden Gynäkologen beraten lassen und ggf. auch noch einmal Rücksprache mit der Neurologin bzw. dem Neurologen halten. Dabei sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass eine ungeplante Schwangerschaft bei Migränepatientinnen oft zu Verunsicherung führt und auch gewisse Risiken mit sich bringen kann. Das heißt, eine sichere Kontrazeption hat eine hohe Relevanz - gerade bei Patientinnen, die z.B. keine Schwangerschaft planen.
GinoRing®: Wirkungsweise und Anwendung
Der GinoRing® ist ein empfängnisverhütender Vaginalring, der zur Schwangerschaftsverhütung angewendet wird. Jeder Ring enthält zwei weibliche Sexualhormone - Etonogestrel und Ethinylestradiol. Der Ring gibt langsam kleine Mengen dieser Hormone in den Blutkreislauf ab. Auf Grund der niedrigen Menge an Hormonen, die abgegeben werden, wird das Arzneimittel als niedrig dosiertes hormonelles Verhütungsmittel angesehen. Wenn keine Eizelle freigesetzt wird, können Sie nicht schwanger werden.
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Der GinoRing® ist ein sehr sicheres Verhütungsmittel, vergleichbar mit der Kombinationspille. Bei richtiger Anwendung hat er eine Versagensquote von weniger als 1 %. Das bedeutet statistisch betrachtet, dass weniger als 1 von 100 Frauen trotz des Verhütungsrings schwanger wird. Wenn der GinoRing® am 1. Tag der Monatsblutung eingesetzt wird, wirkt er sofort. Setzen ihn Anwenderinnen erst später im Zyklus ein, dauert es für gewöhnlich etwa 7 Tage, bis er zuverlässig vor einer Schwangerschaft schützt. In diesem Zeitraum sollte zusätzlich mit Kondomen verhütet werden.
Die Anwendung des Verhütungsringes läuft grundsätzlich folgendermaßen ab:
- Der GinoRing® verbleibt 3 Wochen lang in der Scheide.
- Nach drei Wochen entfernen Sie den Ring am selben Wochentag und ungefähr zur gleichen Zeit, zu der Sie den Ring eingelegt haben.
- Nachdem Sie den Ring entfernt haben, wenden Sie eine Woche lang keinen Ring an. Während dieser Woche sollten Sie Ihre Monatsblutung bekommen. Diese beginnt gewöhnlich zwei bis drei Tage, nachdem Sie den Ring entfernt haben.
- Nach genau einer Woche (wieder am selben Wochentag, ungefähr zur gleichen Zeit) legen Sie einen neuen Ring ein. Auch dann, wenn Ihre Monatsblutung noch anhält.
Sie können den Ring selbst einlegen und entfernen. Wenn Sie zum ersten Mal das Präparat anwenden, wird Ihnen Ihr Arzt sagen, wann Sie den Ring einlegen sollen. Sie sollten sich angewöhnen, regelmäßig zu überprüfen, ob sich der Ring noch in Ihrer Scheide befindet.
GinoRing® bei Migräne mit Aura: Was ist zu beachten?
Bei einer Migräne mit Aura hat die Wahl der Verhütungsmethode Auswirkungen, da je nach Verhütungsart und weiteren Risikofaktoren das Schlaganfallrisiko steigen kann. Die Verhütung ohne Hormone hingegen stellt keinen weiteren Risikofaktor dar. So empfiehlt beispielsweise die WHO Frauen mit Migräne, ab dem 35. Lebensjahr nicht mehr die Antibabypille einzunehmen. Bei einer Migräne mit Aura rät die WHO Frauen jeden Alters von der Pilleneinnahme ab.
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DKMG) führt auf, dass das absolute Schlaganfallrisiko für junge Frauen bei einer Migräne mit Aura leicht erhöht sei, abhängig von der Aktivität der Migräne. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft empfiehlt Aura-Migränikerinnen, die Kombination von Rauchen und Antibabypille zu vermeiden, da sich das Schlaganfallrisiko dadurch um das Zehnfache erhöhe.
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Liegt eine Migräne mit neurologischen Einschränkungen, wie gestörten Sinneswahrnehmungen (Sehstörungen, Störungen des Geruchssinns oder Empfindungsstörungen) vor, sind klassische Kombinationspillen absolut kontraindiziert. Das bedeutet: Sie sollten auf keinen Fall eingenommen werden, da diese Frauen ein deutlich erhöhtes Risiko für Schlaganfälle haben.
Da der GinoRing® die Hormone Etonogestrel und Ethinylestradiol enthält, ist bei Migräne mit Aura Vorsicht geboten. In solchen Fällen wird meist zu einer nicht hormonellen Verhütung geraten.
Alternativen zum GinoRing® bei Migräne mit Aura
- Hormonfreie Verhütungsmethoden: Hierzu zählen Barrieremethoden wie Kondome, Diaphragma oder die Kupferspirale. Auch natürliche Verhütungsmethoden wie die Temperaturmethode oder die Beobachtung des Zervixschleims sind möglich.
- Gestagenmonopräparate: Hormonelle Verhütungsmittel, die nur den ovulationshemmenden Wirkstoff Gestagen enthalten, sogenannte Monopräparate (z. B. Minipille), steigern das Risiko für vaskuläre Erkrankungen hingegen nicht - bei einer vergleichbaren Verhütungssicherheit. Diese sind z. B. für Migränepatientinnen mit Aura geeignet. Bei einigen Frauen können Gestagenmonopräparate auch zu einer Zunahme der Migräneattacken führen.
Mögliche Nebenwirkungen des GinoRing®
Auch wenn das Verhütungsmittel als sicher gilt, können bei manchen Frauen dennoch GinoRing®-Nebenwirkungen auftreten. Bei manchen Frauen können gelegentlich GinoRing®-Nebenwirkungen auftreten. Selbst dann, wenn keine Vorerkrankungen vorliegen, kann es gelegentlich zu Nebenwirkungen bei der Verwendung des GinoRings® kommen. Da sich der GinoRing® auch auf den Hormonhaushalt der Frau auswirkt, kann es in manchen Fällen zur Gewichtszunahme kommen. GinoRing®-Nebenwirkungen können vor allem bei erstmaligem Gebrauch auftreten, da sich der Körper zunächst an die neuen Hormone gewöhnen muss. Sobald sich der Hormonhaushalt wieder eingependelt hat, nehmen die Nebenwirkungen auch wieder ab.
Einige Anwenderinnen berichten von positiven Erfahrungen mit dem GinoRing®:
- Einfaches Einlegen und Entfernen
- Kein Verrutschen beim Geschlechtsverkehr
- Keine Beeinträchtigung der Wirkung bei Magen-Darm-Beschwerden
- Regelmäßige Abbruchblutung
Sollten GinoRing® Nebenwirkungen bei Ihnen auftreten, sollten Sie im ersten Moment abwarten, wie diese sich entwickeln. Bleiben die Nebenwirkungen allerdings über einen längeren Zeitraum bestehen, ist es ratsam, Ihren behandelnden Arzt zu konsultieren. Erhebliche Nebenwirkungen treten meistens nur dann auf, wenn Sie unter einer Vorerkrankung leiden, die durch einen Hormonring verstärkt wird.
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Wichtige Hinweise zur Anwendung des GinoRing®
- Bestimmte Medikamente können den GinoRing® unwirksam machen, etwa Arzneimittel gegen Epilepsie, depressive Verstimmungen oder Hepatitis C.
- Wenn Sie den GinoRing® zu spät eingesetzt haben, kann es sein, dass die empfängnisverhütende Wirkung nicht mehr gewährleistet ist.
- In Ausnahmefällen kann der GinoRing® für 4 Wochen in der Scheide verbleiben, der Verhütungsschutz ist weiterhin gegeben. Danach sollten Anwenderinnen eine ringfreie Woche einlegen und anschließend wieder mit einem neuen Ring starten.
- Verwenden Sie den Ring nicht zusammen mit bestimmten Barrieremethoden für Frauen, wie einem Diaphragma zur Anwendung in der Scheide, einer Zervixkappe oder einem Kondom für die Frau. Jedoch kann ein Kondom für den Mann als zusätzliche Barrieremethode angewendet werden.
- Spülen Sie den Ring nicht die Toilette hinunter.
- Das Präparat darf nicht angewendet werden, wenn Sie Arzneimittel gegen eine Hepatitis-C-Infektion einnehmen, die Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir und Dasabuvir oder Glecaprevir/Pibrentasvir enthalten.
- Wenn Sie nicht wissen, wie lange der Ring außerhalb der Scheide war, kann er Sie möglicherweise nicht mehr vor einer Schwangerschaft schützen. Machen Sie einen Schwangerschaftstest und lassen Sie sich vor Einlage eines neuen Rings von Ihrem Arzt beraten.
- Wenn Sie bemerken, dass der Ring gebrochen ist, so verwenden Sie diesen nicht weiter, sondern beginnen Sie so bald als möglich mit einem neuen Ring. Benützen Sie während der nächsten sieben Tage zusätzliche Verhütungsmethoden (wie ein Kondom für den Mann). Hatten Sie Geschlechtsverkehr, bevor Sie bemerkten, dass der Ring gebrochen ist, so kontaktieren Sie bitte Ihren Arzt.
- Wenn Ihre Ring-freie Zeit länger als sieben Tage dauerte: Sobald Sie dies bemerken, legen Sie einen neuen Ring in die Scheide ein. Benützen Sie zusätzliche Verhütungsmethoden (wie ein Kondom), wenn Sie innerhalb der nächsten sieben Tage Geschlechtsverkehr haben. Hatten Sie während der Ring-freien Zeit Geschlechtsverkehr, so besteht die Möglichkeit, dass Sie schwanger geworden sind. In diesem Fall kontaktieren Sie unverzüglich Ihren Arzt. Je länger die Ring-freie Zeit andauerte, desto größer ist das Risiko, dass Sie schwanger geworden sind.
- Wenn Ihr Ring mehr als vier Wochen eingelegt war, besteht die Möglichkeit schwanger zu werden. Kontaktieren Sie Ihren Arzt, bevor Sie einen neuen Ring einlegen.