Nach einem Schlaganfall stellt sich für viele Frauen die Frage nach der geeigneten Verhütungsmethode. Dabei sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen, insbesondere das erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die individuellen Vorerkrankungen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Verhütungsmethoden und ihre Eignung nach einem Schlaganfall.
Hormonelle Verhütungsmethoden
Kombinationspräparate (Pille, Pflaster, Vaginalring)
Kombinationspräparate enthalten synthetische Östrogene und Gestagene, die den Eisprung unterdrücken. Die Pille wird üblicherweise drei Wochen lang eingenommen, gefolgt von einer einwöchigen Pause, in der die Blutung eintritt. Alternativ kann die Pille auch ohne Pause durchgenommen werden, um die Blutung zu unterdrücken. Die Hormone können auch über einen Vaginalring oder ein Verhütungspflaster zugeführt werden.
Nachteile:
- Schützen nicht vor sexuell übertragbaren Erkrankungen.
- Erhöhen das Thromboserisiko.
- Bei Raucherinnen besteht ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt.
- Bei Vergessen der Pille ist der Verhütungsschutz nicht mehr gegeben.
- Können die Stimmung beeinflussen.
- Gewichtszunahme meist nur durch Wassereinlagerung.
Wichtiger Hinweis: Frauen über 30 Jahre, die rauchen, sollten keine Kombinationspräparate einnehmen.
Eine dänische Studie hat das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt über einen Zeitraum von 15 Jahren bei mehr als 1,6 Millionen Frauen untersucht. Die Ergebnisse deuten auf ein signifikant erhöhtes Risiko für ischämische Schlaganfälle und Herzinfarkte hin - insbesondere bei der Einnahme kombinierter Präparate mit Östrogenen.
Die Analyse ergab, dass Frauen, die kombinierte orale Kontrazeptiva einnahmen, im Vergleich zu Frauen ohne hormonelle Verhütung etwa doppelt so häufig einen Schlaganfall oder Herzinfarkt hatten (Rate Ratio jeweils 2,0). Pro 100.000 Frauenjahre wurden 21 zusätzliche Schlaganfälle und 10 zusätzliche Herzinfarkte festgestellt.
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Auch andere Formen der hormonellen Verhütung zeigten auffällige Ergebnisse:
- Vaginalring: RR 2,4 (Schlaganfall), 3,8 (Herzinfarkt)
- Hormonpflaster: RR 3,4 (Schlaganfall); kein dokumentierter Herzinfarkt
Gestagenmonopräparate (Minipille, Verhütungsstäbchen)
Gestagenmonopräparate enthalten ausschließlich Gestagene. Sie sind eine Alternative für Frauen, bei denen Östrogene kontraindiziert sind.
Die Minipille muss täglich zur gleichen Zeit eingenommen werden. Das Verhütungsstäbchen wird unter die Haut eingesetzt und gibt kontinuierlich Gestagene ab.
Vorteile:
- Geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Vergleich zu Kombinationspräparaten.
Nachteile:
- Minipille: Geringere Sicherheit als Kombinationspräparate, da sie nur in etwa der Hälfte der Fälle die Ovulation unterdrückt.
- Verhütungsstäbchen: Kann Nebenwirkungen wie unregelmäßige Blutungen verursachen.
In der dänischen Studie waren Gestagenmonopräparate wie die Minipille mit einem leicht erhöhten Risiko verbunden: Die Rate Ratio lag bei 1,6 für Schlaganfall und 1,5 für Herzinfarkt. Das entspricht 15 bzw. 4 zusätzlichen Fällen pro 100.000 Frauenjahre.
Hormonspirale
Die Hormonspirale wird in die Gebärmutter eingesetzt und gibt dort kontinuierlich Gestagene ab.
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Vorteile:
- Hohe Sicherheit.
- Kann die Blutungen reduzieren oder ganz unterdrücken.
- Lange Wirkdauer (bis zu fünf Jahre).
Nachteile:
- Kann Nebenwirkungen wie unregelmäßige Blutungen oder Akne verursachen.
- Das Einsetzen und Entfernen der Spirale kann unangenehm sein.
Die Levonorgestrel-haltige Hormonspirale zeigte in der dänischen Studie keine relevante Risikoerhöhung für Schlaganfall und Herzinfarkt. Sie wurde mit einem RR von 1,1 als sichere Alternative eingestuft.
Nicht-hormonelle Verhütungsmethoden
Kondome
Kondome sind der einzige Schutz vor sexuell übertragbaren Erkrankungen und eine sichere, zeitweilige Verhütungsmethode für den Mann.
Vorteile:
- Schutz vor sexuell übertragbaren Erkrankungen.
- Keine hormonellen Nebenwirkungen.
Nachteile:
- Manchmal störend in der Anwendung.
- Erfordert Disziplin bei der Anwendung.
Diaphragma
Das Diaphragma ist eine Barrieremethode für die Frau. Es handelt sich um ein Gummi- oder Silikonteil, das die Frau zusammen mit einer samenabtötenden Creme in die Scheide einführt.
Vorteile:
- Keine hormonellen Nebenwirkungen.
Nachteile:
- Muss 8 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr in der Scheide verbleiben.
- Erfordert Übung bei der Anwendung.
- Weniger sicher als hormonelle Methoden oder Kondome.
Natürliche Familienplanung (NFP)
Die Natürliche Familienplanung (NFP) basiert auf der Bestimmung der fruchtbaren Tage durch Zykluskalender, Temperaturmessen und/oder Schleimbeobachtung.
Vorteile:
- Keine hormonellen Nebenwirkungen.
- Kann eine interessante Auseinandersetzung mit den eigenen Körpervorgängen sein.
Nachteile:
- Erfordert viel Disziplin und Beobachtungsgabe.
- Weniger sicher als andere Verhütungsmethoden.
- Nicht geeignet für Frauen mit unregelmäßigen Zyklen.
NFP kann zusammen mit Kondomen oder Diaphragma verwendet werden, die dann eben nur an den fruchtbaren Tagen benutzt werden.
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Kupferspirale
Die Kupferspirale wird in die Gebärmutter eingesetzt und verhindert dort eine Schwangerschaft.
Vorteile:
- Keine hormonellen Nebenwirkungen.
- Lange Wirkdauer (bis zu fünf Jahre).
Nachteile:
- Kann stärkere und längere Blutungen verursachen.
- Das Einsetzen und Entfernen der Spirale kann unangenehm sein.
Coitus interruptus
Der Mann zieht seinen Penis vor dem Samenerguss aus der Scheide.
Vorteile:
- Keine Kosten.
- Keine hormonellen Nebenwirkungen.
Nachteile:
- Sehr unsicher.
- Erfordert viel Selbstbeherrschung.
Sterilisation
Die Sterilisation ist eine endgültige Methode der Schwangerschaftsverhütung. Diese endgültige Entscheidung sollte gründlich überlegt sein.
- Sterilisation des Mannes (Vasektomie): In örtlicher Betäubung werden durch einen Hautschnitt beidseits am Rande des Hodensackes die Samenleiter durchtrennt.
- Sterilisation der Frau (Tubenligatur): Die Eileiter werden durchtrennt oder verschlossen.
Vorteile:
- Sehr sicher.
- Keine hormonellen Nebenwirkungen.
Nachteile:
- Endgültig (in den meisten Fällen nicht rückgängig zu machen).
- Operation erforderlich.
Verhütung in den Wechseljahren
Die Wechseljahre (Klimakterium) beginnen bei den meisten Frauen mit Mitte bis Ende 40. Bis sich eine Frau endgültig in den Wechseljahren befindet, vergehen meist noch 4 bis 5 Jahre.
Wie lange noch verhüten?
- Hat eine Frau ein Jahr lang keine Regelblutung und ist sie älter als 50, kann sie im Allgemeinen auf Verhütung verzichten.
- Bleibt die Menstruation dagegen schon vor dem 50. Lebensjahr für ein Jahr aus, wird dazu geraten, zur Sicherheit noch ein weiteres Jahr zu verhüten.
- Erst mit 55 Jahren können Frauen sicher mit der Empfängnisverhütung aufhören.
Geeignete Verhütungsmethoden in den Wechseljahren:
- Hormonelle Verhütung: Liegen keine Risikofaktoren vor, kann eine niedrig dosierte Pille (Kombi-Pille) bis zum 50. Lebensjahr eine Wahl sein. Minipille und Verhütungsstäbchen sind ebenfalls möglich.
- Spirale: Hormonspirale kann bei starken Monatsblutungen eine Alternative sein, weil mit ihr die Blutungen oft deutlich schwächer werden oder ausbleiben.
- Kondom und Diaphragma: Können eine gute Wahl sein, sexuelle Erfahrung und ein vertrauter Umgang mit dem eigenen Körper erleichtern oft die Anwendung.
- Symptothermale Methode (Temperaturmessen): Lässt sich ebenfalls gut verhüten, solange eine Frau mehr oder weniger regelmäßige Zyklen mit einem Eisprung hat.
- Sterilisation (Vasektomie oder Tubenligatur): Nach einer Sterilisation ist es nicht mehr nötig, sich um die Empfängnisverhütung zu kümmern.
Verhütung nach Schlaganfall: Individuelle Beratung ist entscheidend
Die Wahl der geeigneten Verhütungsmethode nach einem Schlaganfall sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen. Dabei sind die individuellen Risikofaktoren, Vorerkrankungen und Wünsche der Frau zu berücksichtigen.
Wichtige Fragen, die mit dem Arzt besprochen werden sollten:
- Welche Risikofaktoren liegen vor?
- Welche Vorerkrankungen bestehen?
- Welche Verhütungsmethoden sind am sichersten?
- Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?
- Welche Verhütungsmethode passt am besten zu den individuellen Bedürfnissen und Lebensumständen?
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