Arachnoidalzysten sind angeborene, gutartige Hohlräume, die mit Nervenwasser gefüllt sind. Sie stellen eine Duplikatur der Arachnoidea (Spinnengewebshaut, innerste Hüllschicht des Gehirns) dar und können überall im Gehirn vorkommen, am häufigsten im Bereich der Sylvischen Fissur. Sie werden oft zufällig bei Untersuchungen des Kopfes mittels CT oder MRT entdeckt. In etwa 10-20 % der Fälle gehen sie mit klinischen Symptomen einher, die auf den Druck der Zyste auf das umliegende Hirngewebe zurückzuführen sind.
Dieser Artikel soll Ihnen helfen, sich auf Ihren ersten Termin beim Neurologen vorzubereiten, wenn bei Ihnen oder Ihrem Kind eine Arachnoidalzyste diagnostiziert wurde.
Was sind Zysten?
Zysten sind Hohlräume, die von einer Kapsel umgeben sind und Gewebeflüssigkeit, Blut oder Eiter enthalten können. Einige Zysten haben mehrere Kammern. Sie sind meistens ungefährlich und werden zufällig entdeckt. Sie können in jedem Alter auftreten und überall im Körper entstehen, zum Beispiel in der Niere, der Leber, der Lunge, den Eierstöcken, der Brust, dem Bewegungsapparat oder im Gehirn.
Verschiedene Arten von Zysten im Kopf
Zysten im Kopf klingen bedrohlich, sind aber oft harmlos. Es gibt verschiedene Arten von Zysten, die im Kopf auftreten können:
- Arachnoidalzysten: Entstehen durch eine angeborene Doppelbildung eines Teiles der weichen Hirnhäute, die das Gehirn umschließen. Diese gutartigen Zysten sind mit Hirnwasser gefüllt und können überall im Schädelraum auftreten. Eine intrakranielle Arachnoidalzyste tritt bei etwa fünf von 1000 Personen auf. Arachnoidalzysten werden in jedem Alter festgestellt, häufig bereits bei Kindern und jungen Erwachsenen.
- Kolloidzysten: Treten meistens im vorderen oberen Bereich der dritten Hirnwasserkammer (auch Ventrikel genannt) auf. Sie sind gutartig, können jedoch die Verbindung zwischen den Seitenventrikeln und dem 3. Ventrikel (auch Foramen Monroi genannt) blockieren und zu einem Verschluss-Hydrozephalus führen. Ein Hydrozephalus ist die abnorme Vergrößerung des Schädels infolge übermäßiger Ansammlung von Flüssigkeit.
- Ventrikelzysten: Sind Zysten in Hirnwasserkammern, die meistens aus Membranen der weichen Hirnhaut oder Zellen der Ventrikelwand entstehen.
- Pinealiszysten: Entstehen aus der Zirbeldrüse, auch Pinealis genannt. Wenn sie zu groß werden, blockieren sie die Verbindung zwischen der dritten und vierten Hirnwasserkammer und stören die Hirnwasserzirkulation. Ähnlich wie die Kolloidzysten führen sie dann zu einem gefährlichen Verschluss-Hydrozephalus.
- Augenzysten: Entstehen aus der Bindehaut, in der Iris, in der Tränendrüse oder den Tränengängen, in der Augenhöhle oder hinter dem Auge. Letztere sind meistens die sogenannten Dermoid-Zysten, die Gewebe wie Haare oder Schweißdrüsenelemente enthalten und aus der Embryonalzeit stammen.
- Kieferzysten: Die Zahnwurzelzyste ist die häufigste Kieferzyste. Sie wird auch radikuläre oder odontogene Zyste genannt und entsteht aus der Entzündung der Zahnwurzelspitze, durch die benachbartes Gewebe abstirbt. Follikuläre Zysten sind auch Kieferzysten, die jedoch auf die Zahnentwicklung zurückzuführen sind. Eine andere, seltene Art von Kieferzysten sind die Keratozysten, die als ,keratozystischer odontogener Tumor’ bezeichnet werden.
Ursachen von Arachnoidalzysten
Arachnoidalzysten entstehen, wenn sich in der Arachnoidea, einer der drei feinen Häute, die das Gehirn und das Rückenmark umgeben, eine Ausstülpung bildet. Diese kann sich daraufhin mit Liquor, der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit, füllen und zu einer Zyste heranwachsen.
Lesen Sie auch: Die Entschlüsselung des Gehirns
- Primäre Arachnoidalzysten: Sind in der Regel angeboren und entstehen während der Entwicklung des Fötus im Mutterleib. Wissenschaftler nehmen an, dass sie durch eine abnormale Teilung oder eine Fehlentwicklung der Arachnoidea verursacht werden.
- Sekundäre Arachnoidalzysten: Treten hingegen infolge einer Verletzung, einer Entzündung, eines Tumors oder einer Gehirnoperation auf.
Symptome von Arachnoidalzysten
Zysten entwickeln und vergrößern sich langsam und verlaufen meistens ohne Symptome von der Geburt bis zum Erwachsenenalter. Oft verursachen sie milde Symptome, die in Schüben verlaufen. Hirnzysten entdeckt der Arzt meist zufällig, außer sie werden so groß, dass sie Druck auf das Hirngewebe oder die Hirnwasserzirkulation ausüben.
Viele Arachnoidalzysten verursachen keine Symptome und werden erst zufällig bei medizinischen Untersuchungen entdeckt. Wenn Arachnoidalzysten jedoch Beschwerden hervorrufen, variieren diese je nach Art der Zyste.
Intrakranielle Arachnoidalzysten können sich wie folgt bemerkbar machen:
- Kopfschmerzen
- Epileptische Anfälle
- Erhöhter Hirndruck → Symptome: Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen
- Sehstörungen
- Hormonelle Störungen
- Halbseitensymptomatik: Symptome, die nur auf einer Körperseite auftreten
- Bei Säuglingen: Zunahme des Kopfumfangs möglich
- Bei Kindern und Jugendlichen: Entwicklungsverzögerung möglich
Spinale Arachnoidalzysten können die folgenden Symptome verursachen:
- Ausstrahlende Schmerzen in Arme oder Beine
- Lähmungserscheinungen
- Sensibilitätsstörungen
- Gangunsicherheit
- Störungen von Blasen- und Mastdarmfunktion
In seltenen Fällen können Arachnoidalzysten auch platzen und dann einbluten. Insgesamt ist das Risiko, dass eine Arachnoidalzyste reißt, jedoch sehr gering.
Diagnose von Arachnoidalzysten
Typischerweise werden Arachnoidalzysten durch bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT-Scan) oder Magnetresonanztomografie (MRT) diagnostiziert. Die Kernspintomographie ist die Untersuchungsmethode der Wahl. Sie gestattet die Darstellung der Zysten in drei Ebenen und die Beurteilung der Lagebeziehung zu wichtigen anatomischen Strukturen (Sehnerv, Hauptschlagader: A. carotis) sowie das Verhältnis der Zyste zu den Hirnkammern (Ventrikeln) und den basalen Liquorzisternen.
Die Galassi-Klassifikation bietet eine Möglichkeit, um Arachnoidalzysten einzuordnen und zu beschreiben. Dieses System teilt Arachnoidalzysten, die sich in der mittleren Schädelgrube befinden (der häufigste Ort für intrakranielle Zysten), in drei Typen auf.
Lesen Sie auch: Neues von Gaby Köster: Einblicke in ihr Leben
Was Sie vor Ihrem ersten Termin beim Neurologen beachten sollten
Wenn bei Ihnen oder Ihrem Kind eine Arachnoidalzyste diagnostiziert wurde, ist es wichtig, sich gut auf Ihren ersten Termin beim Neurologen vorzubereiten. Hier sind einige Dinge, die Sie beachten sollten:
- Sammeln Sie alle relevanten medizinischen Unterlagen: Bringen Sie alle relevanten medizinischen Unterlagen mit, einschließlich der Ergebnisse von bildgebenden Verfahren (CT, MRT), Arztberichte und eine Liste aller Medikamente, die Sie oder Ihr Kind einnehmen.
- Notieren Sie alle Symptome: Notieren Sie alle Symptome, die Sie oder Ihr Kind haben, auch wenn Sie diese für nicht wichtig halten. Beschreiben Sie, wann die Symptome auftreten, wie lange sie dauern und wie stark sie sind.
- Stellen Sie eine Liste mit Fragen zusammen: Notieren Sie alle Fragen, die Sie dem Neurologen stellen möchten. Dies hilft Ihnen, während des Termins nichts zu vergessen.
Was Sie von Ihrem ersten Termin beim Neurologen erwarten können
Während Ihres ersten Termins wird der Neurologe Sie oder Ihr Kind gründlich untersuchen und Ihnen Fragen zu Ihrer Krankengeschichte und Ihren Symptomen stellen. Der Neurologe wird die vorliegenden medizinischen Unterlagen sorgfältig prüfen und gegebenenfalls weitere Untersuchungen anordnen, um die Diagnose zu bestätigen und die bestmögliche Behandlungsstrategie zu entwickeln.
Behandlung von Arachnoidalzysten
Nicht alle Arachnoidalzysten bedürfen einer Behandlung: Zufällig entdeckte Zysten können zunächst beobachtet werden. Die Entscheidung, ob eine Arachnoidalzyste behandelt werden sollte, hängt von einer Reihe von Faktoren ab, einschließlich der Größe und Lage der Zyste, der verursachten Symptome und des allgemeinen Gesundheitszustands der Betroffenen. Für asymptomatische Zysten, die zufällig entdeckt wurden, wird meist eine konservative Behandlung gewählt. Dies bedeutet, dass keine sofortige Therapie erfolgt, sondern die Zyste durch regelmäßige Bildgebung überwacht wird, um mögliche Veränderungen zu erkennen.
Verursacht eine Arachnoidalzyste Symptome oder wächst, kann eine Operation notwendig sein. Für die operative Behandlung einer Arachnoidalzyste stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die alle zum Ziel haben, eine Kommunikation zwischen Zyste und natürlicher Liquorzirkulation herzustellen. Ziel der Behandlung ist die Ableitung des Zysteninhaltes in die Hirnkammern (Ventrikel) oder in die basalen Zisternen, die ebenfalls Nervenwasser (Liquor) führen und ableiten. Dazu ist die Schaffung einer dauerhaften Verbindung von der Arachnoidalzyste zu den normalen Liquorräumen im Gehirn erforderlich. Diese Verbindung wird, wenn möglich, endoskopisch geschaffen.
Folgende Operationsmethoden stehen zur Verfügung:
Lesen Sie auch: Multiple Sklerose: Verhalten beim ersten Schub
- Mikrochirurgische (Teil-)Resektion oder Fensterung: Hierbei wird über eine Schädelöffnung die gesamte oder ein Teil der Zystenwand entfernt. Ziel ist in jedem Fall, dass die Zyste entlastet wird, die normale Kommunikation des Hirnwassers wiederhergestellt wird und die Zyste sich nicht neu ausbilden kann.
- Endoskopische Fensterung: Bei dieser Technik wird über eine sehr kleine Schädelöffnung (Bohrloch) ein Endoskop in die Hirnkammern und/oder die Zyste eingeführt.
Sämtliche oben genannten Techniken haben spezielle Vor- und Nachteile und können auch kombiniert verwendet werden. Die Komplikationsrate der mikrochirurgischen und endoskopischen Operationstechniken ist generell niedrig. Es kann jedoch zu einer erneuten Zystenbildung bzw.
Fallbeispiele
Die folgenden Fallbeispiele verdeutlichen die operative Behandlung von Arachnoidalzysten:
- 1-jährige Patientin: Auffällig durch zu schnelles Kopfwachstum und Erbrechen. Im MRT zeigte sich eine große supraselläre Arachnoidalzyste mit Kompression des Aquäduktes. Über ein 8 mm großes Bohrloch wurde die Zyste zu der Seitenhirnkammer und den basalen Nervenwasserwegen gefenstert. Durch die endoskopische Fensterung bildete sich der Wasserkopf zurück.
- 3-jähriger Junge: Auffällig durch Kopfschmerzen. Im MRT zeigte sich eine große Arachnoidalzyste, die das normale Hirngewebe komprimiert. Über ein 8 mm großes Bohrloch wurde die Zyste zu den normalen Nervenwasserwegen gefenstert. Durch die endoskopische Fensterung bildete sich die Zyste zurück. Eine offene mikrochirurgische Operation konnte vermieden werden. 8 Jahre postoperativ ist der Patient beschwerdefrei.
- 61-jähriger Patient: Auffällig durch eine langsam progrediente Wesensveränderung mit demenziellem Abbau. In der bildgebenden Diagnostik zeigt sich ein chronischer Verschlusshydrozephalus durch eine große supraselläre Arachnoidalzyste, die den Aquädukteingang verlegt. Postoperativ hat sich die Wesensveränderung komplett zurückgebildet.
Weitere Arten von Zysten
Neben Arachnoidalzysten gibt es auch andere Arten von Zysten, die in verschiedenen Organen auftreten können:
- Nierenzysten: Sind ein häufiger Befund in der Ultraschalluntersuchung. Hierbei handelt es sich um gutartige flüssigkeitsgefüllte Bläschen in der Niere ohne Krankheitswert, die bei einem Großteil der Bevölkerung mit zunehmendem Alter auftreten.
- Synovialiszysten: Durch degenerative Veränderungen an den kleinen Wirbelgelenken können Synovialiszysten entstehen. Durch Überlastung und Entzündungen der kleinen Gelenke kann es zu einem Bruch der Gelenkkapsel kommen und sich dadurch eine Zyste im Spinalkanal entwickeln.