Die Alzheimer-Krankheit stellt angesichts der steigenden Lebenserwartung eine wachsende Herausforderung für unsere Gesellschaft dar. Die Suche nach wirksamen Präventions- und Behandlungsmethoden ist daher von großer Bedeutung. Während die bisherigen medikamentösen Ansätze oft nicht zufriedenstellend sind, rücken alternative und ergänzende Therapieansätze, einschließlich der Forschung zu Heilpflanzen und neuen Immuntherapien, zunehmend in den Fokus.
Neue Einblicke in die Pathogenese der Alzheimer-Krankheit
Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Alzheimer-Krankheit nicht nur durch die Überproduktion von Beta-Amyloid-Proteinen verursacht wird, sondern auch durch Probleme bei der Beseitigung dieser Proteine. Eine Mutation in einem Gen, das für die Phagozytose von Zelltrümmern im Gehirn zuständig ist, geht mit einem drastisch erhöhten Risiko für Alzheimer einher. Diese Entdeckung wirft ein neues Licht auf die Pathogenese der Erkrankung und könnte zu neuen Behandlungsansätzen führen.
Die Rolle von TREM2 bei der Müllabfuhr im Gehirn
Mikroglia-Zellen spielen eine wichtige Rolle bei der Beseitigung von Zelltrümmern im Gehirn. Diese Zellen tragen auf ihrer Oberfläche den TREM2-Rezeptor, der für die Phagozytose benötigt wird. Studien haben gezeigt, dass eine Variante im TREM2-Gen, die die Funktion des TREM2-Rezeptors stört, das Risiko für Alzheimer deutlich erhöht. Dies deutet darauf hin, dass die Stärkung der Immunantwort im Gehirn und die Unterstützung der Funktion des TREM2-Rezeptors vielversprechende Therapieansätze sein könnten.
Heilpflanzen als begleitende Behandlung bei Demenzerkrankungen
Die Heilpflanzenforschung liefert zuversichtliche Erkenntnisse für die begleitende Behandlung von Demenzerkrankungen. Obwohl Demenz nicht heilbar ist, kann sie positiv beeinflusst werden. Verschiedene Pflanzenstoffe zeigen potenziell positive Effekte auf die kognitiven Funktionen und können möglicherweise den Verlauf der Erkrankung verlangsamen.
Ginkgo Biloba
Zu Ginkgo biloba, insbesondere dem standardisierten Extrakt EGb 761, liegen mittlerweile eine Reihe von Forschungsergebnissen vor. Ein systematischer Review attestiert dem Ginkgo-Extrakt EGb 761 in einer Hochdosis von 240 mg einen Nutzen hinsichtlich der Aktivitäten des täglichen Lebens und eine Tendenz einer Wirkung auf die kognitive Leistung und begleitende Psychopathologien der Demenz. Die aktuelle S3-Leitlinie „Demenzen“ stellt eine Erwägung der Behandlung mit Ginkgo biloba bei leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz oder vaskuläre Demenz sowie nicht-psychotischen Verhaltenssymptomen in Aussicht. Für einen präventiven Nutzen von Ginkgo biloba existieren bisher jedoch leider noch nicht ausreichend überzeugende Belege.
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Salbei
Auch Salbei, vor allem die beiden Arten Salvia officinalis (Echter Salbei) und Salvia lavandulaefolia (Spanischer Salbei) könnten sich als unterstützend bei leichter bis moderater Alzheimer-Erkrankung erweisen. Eine systematische Auswertung von acht Studien schreibt den beiden Salbeiarten eine vielversprechende Wirkung hinsichtlich der kognitiven Leistungsfähigkeit der Studienteilnehmer zu.
Ginseng
Der besonders im asiatischen Raum verbreitete Ginseng, allen voran der Rote Ginseng, der einen besonders hohen Anteil an wertvollen Ginsenosiden aufweist, steht wegen seiner potenziellen neuroprotektiven Eigenschaften ebenfalls im Fokus der Alzheimer-Forschung. Bei längerer Einnahme (3 Monate und länger) der zermahlenen Wurzeln des Weißen oder Roten Ginseng zeigte sich bei Patienten mit einer Alzheimer-Erkrankung eine signifikante Verbesserung ihrer kognitiven Leistungen.
Curcuma und Safran
Eher unbekannt ist, dass Gewürzpflanzen wie Curcuma (Curcuma aromatica) und Safran (Crocus sativus) ebenfalls ein Potenzial für die begleitende Behandlung von Demenzerkrankungen zeigen könnten. In Laborversuchen hemmte Curcuma die Anhäufung von Beta-Amyloid- und Tau-Proteinen in Neuronen. Nicht überlegen, aber zumindest ebenso wirksam wie ein bei Alzheimer-Erkrankungen häufig eingesetzter Standardwirkstoff (Memantin), zeigte sich Safran (Crocus sativus) in einer Doppelblindstudie.
Huperzin A
Relativ jung ist die Forschung zu Huperzin A, einem Alkaloid der Pflanze Huperzia serrata (Qian Ceng Ta). Wissenschaftler resümierten in einer Auswertung von Studienergebnissen zur Alzheimertherapie mit dem Alkaloid, dass Huperzin A ein gut verträglicher Wirkstoff zur Verbesserung der kognitiven Leistung von Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz sei.
Grüner Tee
Interessante Forschungsergebnisse zur Prävention von Demenzerkrankungen offenbart eine japanische Studie zu grünem Tee. Dabei zeigte sich, dass das Risiko für Teilnehmer, die regelmäßig grünen Tee tranken, geringer war als für die Kaffee- und Schwarzteetrinker. Die Wissenschaftler vermuten, dass Katechine wie Epigallocatechin-3-Gallat im grünen Tee für diesen Effekt verantwortlich sind.
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Pflanzen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und der ayurvedischen Heilkunst
Weiterhin existieren interessante Forschungsansätze zu Pflanzen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und der ayurvedischen Heilkunst, leider bisher vornehmlich nur auf experimenteller Ebene. Neben Engelwurz (Angelica sinensis) sind Pflanzen wie die Rote Baumpfingstrose (Paeonia suffruticose), Brahmi (Bacopa monniera) sowie das Wassernabelkraut „Gotu Kola“ (Centella asiatica) zu nennen.
Rosenwurz
Bisher noch Zukunftsmusik, aber durchaus überlegenswert ist der Einsatz des Rosenwurz (Rhodiola rosea) bei Demenz-Erkrankungen. Eine aktuelle Übersichtsarbeit liefert einen Überblick über die Forschung zu den neuro-protektiven Effekten der Heilpflanze, deren Potenzial vor allem auf den Gebieten anti-oxidativer und anti-entzündlicher Aktivität zu suchen ist.
Fazit zu Heilpflanzen
Unter Berücksichtigung der jeweiligen Demenzform kann eine begleitende Therapie mit pflanzlichen Mitteln versucht werden. Welches pflanzliche Mittel sich am besten wann eignet, kann pauschal nicht gesagt werden, da es auf die Diagnose ankommt. Auch ist fraglich, ob eine Therapie mit Heilpflanzen-Präparaten mit dem Ziel der Neuroprotektion bei schwerer degenerativer Alzheimer-Erkrankung noch sinnvoll ist.
Lithium zur Demenzprävention?
Britische Wissenschaftler stießen auf eine weitere positive Eigenschaft des Stoffs: Offenbar geht dessen regelmäßige Einnahme mit einem geringeren Risiko einher, an einer Demenz zu erkranken. Ein Team von Psychiatern um Shanquan Chen von der University of Cambridge stellte rund 29 000 Krankenakten zusammen und analysierte sie unter anderem in Bezug auf Demenzerkrankungen. 550 der Patientinnen und Patienten hatten wegen psychischer Störungen Lithium erhalten. Diese Personen hatten im Durchschnitt ein geringeres Demenzrisiko als die übrigen untersuchten Patienten - insbesondere nach einer längeren Einnahme von mindestens fünf Jahren. Das galt sowohl für die Alzheimerkrankheit als auch für vaskuläre Demenz. Das Ergebnis ist den Forschern zufolge umso erstaunlicher, als drei Viertel der Patienten in der Lithiumgruppe an einer Manie oder einer bipolaren Störung gelitten hatten. Diese Erkrankungen erhöhen nach früheren Studien nämlich das Risiko für die Entwicklung einer Demenz deutlich.
Immuntherapien: Ein Hoffnungsschimmer in der Alzheimer-Behandlung
Die Entwicklung von Immuntherapien stellt einen vielversprechenden Ansatz in der Behandlung der Alzheimer-Krankheit dar. Diese Therapien zielen darauf ab, das Immunsystem zu nutzen, um die schädlichen Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn zu beseitigen und so den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.
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Intravenöse Immunglobuline (IVIG)
Intravenöse Immunglobuline (IVIG) sind polyklonale Antikörper, die aus Spenderblut gewonnen werden. Sie enthalten auch Antikörper gegen Beta-Amyloid, ein Protein, dem bei der Alzheimer-Krankheit eine zentrale pathogenetische Bedeutung zukommt. Frühe Studien deuteten auf positive Effekte von IVIG auf die kognitive Leistungsfähigkeit von Alzheimer-Patienten hin. Eine abschließende Beurteilung der Ergebnisse steht nach seinen Worten noch aus, da die Zahl der Studienteilnehmer für eine endgültige Bewertung der erzielten Effekte zu klein war. Die Forscher hoffen nun, dass sich die Ergebnisse in einer derzeit laufenden Phase-III-Studie bei 390 Patienten bestätigen werden.
Amyloid-Antikörper (Lecanemab, Donanemab)
Seit kurzem stehen die Therapien mit Amyloid-Antikörpern für die Behandlung der Frühform der Alzheimer-Krankheit zur Verfügung (Lecanemab (Leqembi®) und Donanemab (Kisunla®) ab Anfang 11/2025). Amyloid-Antikörper (z. B. Lecanemab, Donanemab) sind monoklonale Antikörper, die an Amyloid-β binden und zum Abbau der Amyloidablagerungen im Gehirn führen. In den zugrundeliegenden Studien zeigte sich nach 18 Monaten eine rund 30% geringere Verschlechterung kognitiver und funktioneller Leistungen gegenüber Placebo. Diese Therapien sind also krankheitsmodifizierend, d.h.
Wichtige Hinweise zu Amyloid-Antikörpern:
- Ein wichtiger Risikofaktor ist das Vorhandensein des Apolipoprotein-E4 (ApoE4)-Allels.
- In ca. 3-6 % führen ARIAs, abhängig von ihrer Lokalisation, zu Symptomen (wie Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Schwindel, Übelkeit, Gang-, Sehstörung, sehr selten zu Krampanfällen/Status epilepticus, Enzephalopathie).
- Diese Veränderungen müssen daher engmaschig klinisch und radiologisch überwacht werden und führen je nach Ausprägung zu einer Therapiepause oder zum Abbruch.
- Nach Unterbrechung bzw. Beendigung bilden sich diese (v.a. vor der 3., 5., 7. und 14. vor der 2., 3., 4., 7. Und 12.
- Aktuelles (≤ 6 Monate) MRT des Gehirns nach AAT-Protokoll vor Therapiebeginn (zum Ausschluss von Kontraindikationen, insbes.
- ApoE4-Genotyp: heterozygot (z. B. 3/4) oder kein Träger (z. B.
- Andere, schwerwiegende Erkrankungen, insbes.
- Ein Teil dieser Kriterien wird ggf.
- MMSE 22-30 oder Äquivalent (z.B.
- Letztes MRT, das keine der genannten Ausschlussbefunde zeigen sollte; falls älter als 6 Monate, werden wir ein neues MR nach AAT-Protokoll veranlassen.
- Liste der Vorerkrankungen, insbes.
- Falls die formalen Voraussetzungen erfüllt sind, erfolgt bei uns die weitere diagnostische und ggf.
Früherkennung und Prävention: Was Sie tun können
Angesichts der steigenden Lebenserwartung und des wachsenden Anteils alter Menschen an der Bevölkerung gewinnt das Thema Demenz in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Um Anzeichen richtig interpretieren zu können, sollte man vor allem auf Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens achten. Treten erste Anzeichen für eine Demenz auf, dann sollte die betreffende Person möglichst rasch von einem Spezialisten untersucht werden. In zahlreichen Städten existieren inzwischen auch Selbsthilfegruppen, die Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite stehen, das Aufsuchen eines Arztes allerdings nicht ersetzen können.