MRT mit Kontrastmittel zur Alzheimer-Diagnose: Möglichkeiten und Einschränkungen

Die Alzheimer-Krankheit stellt eine der größten medizinischen Herausforderungen unserer alternden Gesellschaft dar. In Deutschland leben gegenwärtig rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz, wobei die Alzheimer-Krankheit die häufigste Ursache ist. Die Früherkennung der Alzheimer-Krankheit ist von entscheidender Bedeutung, da sie es den Betroffenen ermöglicht, ihr weiteres Leben entsprechend zu planen und den Verlauf der Erkrankung durch Medikamente sowie körperliches oder kognitives Training zu beeinflussen. Die Magnetresonanztomographie (MRT) spielt eine wichtige Rolle in der Diagnostik neurodegenerativer Erkrankungen, einschließlich der Alzheimer-Krankheit.

Bedeutung der Früherkennung von Alzheimer

Eine Frühdiagnose der Alzheimer-Krankheit bietet einen enormen Zugewinn für die Patienten. Sie haben die Möglichkeit, ihr weiteres Leben entsprechend zu planen. Außerdem lässt sich der Verlauf der Erkrankung durch bestimmte Medikamente sowie körperliches oder kognitives Training durchaus beeinflussen.

Die Rolle der MRT in der Demenzdiagnostik

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein Standard-Bildgebungsverfahren zur Diagnose von neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit. Sie dient dazu, andere Erkrankungen auszuschließen, die ebenfalls Gedächtnisstörungen verursachen können, und den mit diesen Erkrankungen verbundenen Verlust an Hirnmasse (Atrophie) zu visualisieren. Besonders aufschlussreich sind MRT-Bilder beim Blick auf den Hippocampus, eine Hirnregion, die bei Menschen mit Alzheimer schon in einem frühen Stadium schrumpft.

MRT zur Vorhersage von Demenz bei älteren Menschen mit Gedächtnisstörungen

Bei älteren Menschen mit Gedächtnisstörungen, aber ohne eingeschränkte Alltagskompetenz, kann eine Abnahme des Hippocampusvolumens im MRT auf die drohende Entwicklung einer Alzheimer-Demenz hinweisen. Die Vorhersagegenauigkeit für die Manifestation in den nächsten drei Jahren beträgt 70 %. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Ergebnisse bei hochselektionierten Patientenkohorten aus Gedächtnissprechstunden erzielt wurden und die diagnostische Aussagekraft für ältere Menschen aus Hausarztpraxen, die über Gedächtnisstörungen klagen, deutlich geringer ausfallen könnte.

MRT als Ergänzung zur klinischen Untersuchung

Experten empfehlen, vor einer MRT-Untersuchung immer zuerst einen Mini-Mental-Status-Test durchzuführen. Keinesfalls sollte die Bildgebung als Screeninginstrument bei Menschen ohne kognitive Einschränkungen zum Einsatz kommen.

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Kontrastmittel-MRT und Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn

Gadoliniumhaltige Kontrastmittel verbessern die Aussagekraft der Magnetresonanztomographie (MRT). In der Onkologie werden sie häufiger eingesetzt, wenn bei einem Patienten mit einer MRT nach einem Tumor oder Metastasen gesucht werden soll. Studien haben gezeigt, dass sich Spuren von Gadolinium im Gehirn von Patienten ablagern können, die MRT-Untersuchungen mit diesen Kontrastmitteln erhalten.

Risikobewertungsverfahren zu Gadolinium-Kontrastmitteln

Auf europäischer Ebene wurde ein Risikobewertungsverfahren eingeleitet, um die gesundheitlichen Auswirkungen von Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn und in anderen Geweben zu untersuchen. Freies Gadolinium ist hoch toxisch, aber in einem chemischen Komplex gebundenes Gadolinium, wie es in MRT-Kontrastmitteln eingesetzt wird, ist nach bisherigem Wissensstand gut verträglich. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass Gadolinium in kleinen Mengen aus dem Kontrastmittel freigesetzt wird, sich in freier Form im Gehirn ablagert und dort Strukturen schädigt.

Empfehlungen zum Umgang mit Gadolinium-Kontrastmitteln

Verschiedene Expertengremien und Fachleute haben Empfehlungen zum Umgang mit Gadolinium-basierten Kontrastmitteln veröffentlicht. Die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) betont die Bedeutung der Nutzen-Risiko-Abwägung im Einzelfall. Der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN) e.V. rät dazu, vorerst nach Möglichkeit auf mehrere serielle MRT-Untersuchungen eines Patienten zu verzichten und den Nutzen wiederholter Kontrastmittel-MRTs zu überdenken. Sie empfehlen, gadoliniumhaltige Kontrastmittel (GBCAs) ganz allgemein nur einzusetzen, wenn es aus medizinischen Gründen erforderlich ist. Wenn sie eingesetzt werden müssen, soll der Einsatz eines makrozyklischen statt eines linearen Kontrastmittels erwogen werden, sofern keine Kontraindikation, etwa eine Unverträglichkeit, besteht.

Alternative Bildgebungsverfahren: Amyloid-PET/MRT

Neben der MRT kommt in der Diagnostik zunehmend die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zum Einsatz. Mit der PET können pathologische Proteine aufgespürt werden, etwa die für die Alzheimer-Krankheit typischen Amyloid-Plaques und Tau-Aggregate. Die Kombination von PET und MRT (PET/MR) bietet eine Reihe von Vorteilen, da beide Untersuchungen parallel in einer Sitzung durchgeführt werden können, was eine enorme Erleichterung für alle Beteiligten bedeutet und die Akzeptanz erhöht.

Vorteile der PET/MR-Hybridbildgebung

Die Hybridbildgebung ermöglicht es, die Bewegung des Kopfes mittels MRT zu messen und diese Information direkt in die Verarbeitung der PET-Daten einzubauen, was zu einer Verbesserung der Bildqualität führt. Auch die deutlich kürzere Aufnahmezeit - bei gleichzeitiger Erhaltung der diagnostischen Qualität - erweist sich dabei als sehr vorteilhaft. Mit Hilfe simultan gewonnener MRT-Daten lässt sich die Rekonstruktion der PET-Daten grundsätzlich vereinfachen und verbessern.

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Frühdiagnose durch PET/MR

PET/MR bietet die Möglichkeit einer echten Frühdiagnose, da Veränderungen auf molekularer Ebene, wie der veränderte Zuckerstoffwechsel in bestimmten Regionen des Gehirns oder die typischen Plaques der Alzheimer-Krankheit, bereits 15 bis 20 Jahre vor Auftreten der ersten Symptome nachweisbar sind.

Protein-CEST Bildgebung: Eine neue MRT-Methode zur Alzheimer-Früherkennung

Ein Forschungsteam hat eine spezielle MRT-Technik entwickelt, die sie Protein-CEST Bildgebung nennen. Dabei bedienten Sie sich der Theorie, dass für Alzheimer typische Proteinablagerungen von Beta-Amyloid und Tau im Gehirn auch mit dieser Methode nachweisbar sein müssten. Im Gegensatz zu bisherigen bildgebenden Verfahren in der Demenz-Diagnostik kommen sie bei dieser neuen MRT-Methode ohne Kontrastmittel, Radioaktivität und Röntgenstrahlung aus. Dies gelingt ihnen durch Messung der magnetischen Wechselwirkung zwischen den Kernmagneten der Proteine und den Kernmagneten des Wassers. Dadurch ist die Methode nicht invasiv und risikoarm.

Lecanemab (Leqembi): Ein neues Medikament zur Behandlung der frühen Alzheimer-Krankheit

Lecanemab (Handelsname Leqembi) steht seit September 2025 in Deutschland zur Behandlung einer frühen Alzheimer-Krankheit zur Verfügung. Um festzustellen, ob das Medikament infrage kommt, sind eine genaue Diagnose und spezielle Untersuchungen nötig. Lecanemab ist ein Antikörper, der sich gegen die Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn richtet: Er bindet an das Amyloid-Beta-Eiweiß und soll weitere Ablagerungen verhindern. Außerdem soll er bereits abgelagertes Eiweiß mithilfe des Immunsystems zum Teil wieder abbauen. So soll das Medikament das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Vor der Behandlung mit Lecanemab ist eine aktuelle Magnetresonanz-Tomografie (MRT) erforderlich, um bestehende Erkrankungen wie eine Hirnschwellung oder -blutung auszuschließen.

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