Neuritis Vestibularis: Ursachen, Symptome und Behandlung

Schwindel ist ein weit verbreitetes Symptom, das viele Menschen im Laufe ihres Lebens erfahren. Es kann sich in verschiedenen Formen äußern, von kurzem Drehschwindel bis zu anhaltendem Schwankgefühl. Die Ursachen für Schwindel sind vielfältig, und eine genaue Diagnose ist entscheidend für die richtige Behandlung. Dieser Artikel beleuchtet die Neuritis vestibularis, eine spezifische Form des Schwindels, ihre Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist Neuritis Vestibularis?

Neuritis vestibularis, auch bekannt als Entzündung des Gleichgewichtsnervs, ist eine Erkrankung, die durch einen plötzlich auftretenden, heftigen Drehschwindel gekennzeichnet ist. Der Gleichgewichtsnerv (Nervus vestibularis) verbindet das Gleichgewichtsorgan im Innenohr mit dem Gehirn. Eine Entzündung dieses Nervs stört die Signalübertragung, was zu Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Übelkeit führen kann.

Ursachen der Neuritis Vestibularis

Die genaue Ursache der Neuritis vestibularis ist bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass eine virale Infektion eine Rolle spielt. Das Herpes-simplex-Virus Typ 1, das bei vielen Menschen im Körper vorhanden ist, könnte reaktiviert werden und eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs auslösen. Diese Entzündung führt zu einer vorübergehenden Störung der Nervensignale zwischen dem Gleichgewichtsorgan und dem Gehirn.

Weitere mögliche Ursachen für Schwindel, die ausgeschlossen werden müssen, sind:

  • Gutartiger Lagerungsschwindel
  • Morbus Menière
  • Labyrinthitis
  • Akustikusneurinom
  • Hörsturz
  • Verletzungen
  • Medikamente
  • Multiple Sklerose
  • Migräne

Symptome der Neuritis Vestibularis

Die Neuritis vestibularis äußert sich typischerweise durch folgende Symptome:

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  • Plötzlicher Drehschwindel: Die Umgebung scheint sich zu drehen, ähnlich wie nach einer Karussellfahrt.
  • Gleichgewichtsstörungen: Unsicherheit beim Stehen und Gehen, Fallneigung zur betroffenen Seite.
  • Übelkeit und Erbrechen: Häufige Begleiterscheinungen des Schwindels.
  • Nystagmus: Unwillkürliche, ruckartige Augenbewegungen, bei denen die Augen zur gesunden Seite gleiten und dann wieder zurückspringen.
  • Keine Beeinträchtigung des Gehörs: Im Gegensatz zu anderen Innenohrerkrankungen ist das Hörvermögen bei einer Neuritis vestibularis in der Regel nicht betroffen.

Die akuten Symptome dauern meist einige Tage bis Wochen an.

Diagnose der Neuritis Vestibularis

Die Diagnose der Neuritis vestibularis basiert auf der Schilderung der typischen Symptome und einer gründlichen körperlichen Untersuchung. Folgende diagnostische Maßnahmen können durchgeführt werden:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und genaue Beschreibung der Symptome.
  • Körperliche Untersuchung: Überprüfung des Gleichgewichts, der Koordination und der Augenbewegungen.
  • Neurologische Untersuchung: Beurteilung der Nervenfunktion, um andere Ursachen für den Schwindel auszuschließen.
  • Hörtest: Um das Hörvermögen zu überprüfen und andere Innenohrerkrankungen auszuschließen.
  • Frenzelbrille: Untersuchung der Augenbewegungen mit einer speziellen Brille, die unwillkürliche Augenbewegungen (Nystagmus) sichtbar macht.
  • Kopfimpulstest: Ein klinischer Funktionstest, der den vestibulo-okulären Reflex (VOR) überprüft.
  • Elektronystagmographie (ENG) mit kalorischer Prüfung: Eine Untersuchung, die die Funktion der Gleichgewichtsorgane misst.
  • Bildgebende Verfahren (MRT): In einigen Fällen kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels erforderlich sein, um andere Ursachen für den Schwindel auszuschließen, insbesondere wenn Anzeichen für eine zentrale Genese des Schwindels vorliegen.

Es ist wichtig, andere Ursachen für Schwindel auszuschließen, insbesondere einen Schlaganfall.

Behandlung der Neuritis Vestibularis

Die Behandlung der Neuritis vestibularis zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verkürzen und bleibende Folgen zu verhindern. Die Behandlung umfasst in der Regel:

  • Medikamentöse Therapie:
    • Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen.
    • Antivertiginosa: Medikamente gegen Schwindel.
    • Kortikosteroide: In einigen Fällen kann die Gabe von Kortison sinnvoll sein, um die entzündungsbedingte Schwellung des Nervs zu reduzieren.
  • Vestibuläres Rehabilitationstraining: Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung ist ein frühzeitiges Rehabilitationsprogramm, das darauf abzielt, das Gleichgewichtssystem zu trainieren und die Kompensation des Gehirns zu fördern. Dieses Training umfasst:
    • Mobilisierung: Schulung der Gleichgewichtsfunktion im Stehen und Gehen auf ebenen und unebenen Flächen.
    • Blickstabilisation: Training der Fähigkeiten zur Blickfixierung.
    • Gleichgewichtsübungen: Spezielle Übungen, um das Gleichgewicht zu verbessern und die Symptome zu reduzieren.

Es ist wichtig, frühzeitig mit dem Rehabilitationstraining zu beginnen, auch wenn es anfangs Unwohlsein und Müdigkeit verursacht. Langfristig wird es die Symptome reduzieren, die Funktionsfähigkeit verbessern und zu einer schnelleren Heilung beitragen.

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Übungen bei Schwindel

Die folgenden Übungen können helfen, den Gleichgewichtssinn zu trainieren und die Symptome des Schwindels zu lindern. Es ist wichtig, die Übungen zunächst im Sitzen und später im Stehen durchzuführen.

  1. Arme strecken, Zeigefinger strecken: Den Blick auf den Zeigefinger richten.
  2. Arm strecken, Daumen hoch: Den Arm langsam hin und her bewegen und den Blick dem Daumen folgen lassen, ohne den Kopf zu bewegen.
  3. Kopfdrehung mit Blick auf den Daumen: Den Arm ausstrecken, auf den Daumen schauen und den Kopf 10 Mal nach rechts und links drehen, dabei den Daumen anblicken.
  4. Arm seitlich ausstrecken: Den Arm nach rechts strecken und den Daumen anschauen.
  5. Ballübungen:
    • Einen Ball zwischen den Füßen platzieren.
    • Einen Ball neben den Fuß legen und ihn mit dem Arm diagonal aufheben, den Blick dabei auf den Ball richten.
  6. Aufstehen und Hinsetzen: Einen Punkt fixieren, dabei 10 Mal aufstehen und hinsetzen.
  7. Zehen- und Fersenheben: Gerade hinstellen und im Wechsel Zehen heben und Fersen abheben, 10 Mal.
  8. Einbeinstand: Sicher stehen, einen Punkt fixieren, ein Bein abheben und so lange wie möglich auf einem Bein stehen, 10 Mal pro Seite.
  9. Gehübungen:
    • Geradeaus gehen und den Blick dabei auf einen Punkt fixieren.
    • Auf einer gedachten Linie balancieren.
    • Seitwärtsschritte machen.

Wann ist eine Krankenhauseinweisung notwendig?

Eine Krankenhauseinweisung kann in folgenden Fällen erforderlich sein:

  • Akuter Pflegebedarf
  • Starke Übelkeit und Erbrechen
  • Sturzneigung und fehlende häusliche Versorgungsmöglichkeit

Prognose der Neuritis Vestibularis

Die Prognose der Neuritis vestibularis ist im Allgemeinen sehr gut. Die meisten Patienten erlangen ihren normalen Gleichgewichtssinn zurück. Die Beschwerden klingen nach 2-4 Wochen langsam ab, und viele Patienten sind nach 1-2 Monaten wieder voll arbeitsfähig. In einigen Fällen kann es jedoch länger dauern, bis sich das Gleichgewichtsorgan vollständig erholt.

In 40-50% der Fälle tritt eine vollständige Restitution der Gleichgewichtsfunktion ein, während 20-30% der Betroffenen nur eine partielle Restitution erreichen. In der Regel bilden sich die statischen Symptome wie der Spontannystagmus, Schwindel und die Fallneigung zurück, während die dynamischen Funktionsstörungen bestehen bleiben können. Bei raschen Kopfbewegungen können beispielsweise Oszillopsien auftreten.

Das Auftreten von Rezidiven der Erkrankung ist selten. Wenn es zum Auftreten von Rezidiven kommt, dann kommen sie in der Regel auf der vorher nicht betroffenen Seite vor.

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Mögliche Komplikationen

  • Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (10-15% der Fälle)
  • Phobischer Schwankschwindel

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