Die Neurochirurgie ist ein anspruchsvolles, aber lohnendes medizinisches Fachgebiet, das sich mit der operativen Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems befasst. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Einblick in die Facharztausbildung in der Neurochirurgie, Karrierewege und wichtige Aspekte dieses Spezialgebiets.
Was ist Neurochirurgie?
Die Neurochirurgie ist eine Facharztrichtung, die aus der Chirurgie hervorgegangen ist. Neurochirurginnen und Neurochirurgen sind innerhalb der Chirurgie für die operative Behandlung von Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems und seiner Umgebungsstrukturen zuständig. Neurochirurgen beschäftigen sich mit Erkrankungen, Fehlbildungen und Verletzungen des zentralen und peripheren Nervensystems.
Geschichte der Neurochirurgie
Die Neurochirurgie ist eine der ältesten medizinischen Fachrichtungen überhaupt. Anhand von Skelettfunden aus der Jungsteinzeit lässt sich nachweisen, dass schon vor mehreren Jahrtausenden Trepanationen (operative Schädelöffnungen) durchgeführt wurden - und dass die Patienten die Eingriffe überlebten. Die Grundlagen für die moderne Neurochirurgie wurden im 19. Jahrhundert gelegt.
Aktuelle Bedeutung der Neurochirurgie
Durch den Fortschritt bei Operations- und Untersuchungstechniken können Ärzte beispielsweise Hirntumore, Wirbelsäulenerkrankungen, Aneurysmen, Metastasen, Fehlbildungen oder Verletzungen am zentralen oder peripheren Nervensystem inzwischen besser erkennen. Doch auch durch die alternde Gesellschaft hat sich das Tätigkeitsgebiet von Neurochirurgen verändert: So werden beispielsweise degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule wie spinale Stenosen und Bandscheibenvorfälle immer häufiger.
Voraussetzungen und Beginn der Facharztausbildung
Um eine Facharztausbildung zu beginnen, muss zunächst das Medizinstudium erfolgreich absolviert werden. Danach sind angehende Mediziner/innen mit dem Erhalt der Approbation berechtigt als Arzt/Ärztin zu arbeiten. Mit dem Berufsstart beginnt in der Regel die Assistenzzeit im jeweils ausgewählten künftigen Facharzt-Gebiet. Wer sich im Laufe der Ausbildung noch einmal umentscheidet, darf in der Regel bereits absolvierte fachgebietsfremde Ausbildungsabschnitte anerkennen lassen.
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Persönliche Anforderungen
Um ein guter Neurochirurg zu werden, sind ruhige Hände und geschickte Finger eine wichtige Voraussetzung. Aber auch eine realistische Selbsteinschätzung und überlegtes Handeln sind für Ärzte diesem Gebiet notwendig. Denn: Fehler, die bei Operationen am Nervensystem passieren, können in der Regel nicht korrigiert werden, mahnt der Neurochirurg Prof. Dr. Walter Stummer. Eine ruhige Hand ist im chirurgischen Bereich generell nötig.
Struktur und Inhalte der Facharztausbildung
Die Weiterbildungszeit in der Neurochirurgie beträgt 72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. Davon müssen 6 Monate in der intensivmedizinischen Versorgung neurochirurgischer Patienten abgeleistet werden. Die Weiterbildungszeit in der Neurochirurgie wird bei einem/-r Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs.
Ziel der Weiterbildung im Gebiet Neurochirurgie ist die Erlangung der Facharztkompetenz nach Ableistung der vorgeschriebenen Weiterbildungszeit und Weiterbildungsinhalte.
Kompetenzorientierte Weiterbildung am Klinikum Dortmund
Die kompetenzorientierte Weiterbildung zum Facharzt für Neurochirurgie am Klinikum Dortmund erfolgt gemäß den Inhaltsvorgaben der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Westfalen Lippe vom 21.09.2019 in Übereinstimmung mit der Ärztlichen Berufsordnung. Die Klinik verfügt über die volle Weiterbildungsermächtigung-Zeit von 72 Monaten. Weiterbildungsermächtigter ist Prof. Dr. Müller, sein Vertreter Dr. El Hamalawi.
Inhalte der Weiterbildung
Während der Weiterbildung zum/-r Facharzt/-ärztin für Neurochirurgie erfolgt die Vermittlung theoretischer und praktischer Kompetenzen zur Erkennung, operativen, perioperativen und konservativen Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation von Erkrankungen, Verletzungen, Verletzungsfolgen, Funktionsstörungen und Fehlbildungen des zentralen Nervensystems, seiner Gefäße und seiner Hüllen sowie des peripheren und vegetativen Nervensystems. Folgende Weiterbildungsinhalte sind in der Weiterbildung zum/-r Facharzt/-ärztin für Neurochirurgie zu durchlaufen:
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- Erkennung, Erstversorgung und Management spontaner und traumatischer neurochirurgischer Notfälle, z. B.
- Intraoperatives multimodales Monitoring/Mapping, z. B.
- Neuromonitoring, z. B.
- Punktions- und Katheterisierungstechniken, z. B.
- Operative Therapie neurochirurgischer Infektionen, z. B.
- Neurochirurgisch-invasive Schmerztherapie, z. B.
- Verfahren der neurochirurgischen Schmerztherapie, z. B.
- Operationen bei intrakraniellen und intraduralen Tumoren einschließlich endoskopischer Eingriffe an der Schädelbasis (40), davon diagnostische Eingriffe, z. B.
- Bewertung von verbliebenen Fähigkeiten und Monitoring der Erholung sowie des Rehabilitationspotentials, z. B.
- Shunt-Techniken, z. B.
- Mitwirkung bei vaskulären Operationen, z. B.
- der interdisziplinären Zusammenarbeit, z. B.
- neurophysiologische Untersuchungen, z. B.
- an peripheren und vegetativen Nerven, z. B.
- an der zervikalen, thorakalen und lumbalen Wirbelsäule, z. B.
- bei Schädel-Hirn-Verletzungen, z. B.
- bei supra- und infratentoriellen intrazerebralen Prozessen, z. B.
- bei Schädel-, Hirn- und spinalen Fehlbildungen, z. B.
- bei Schmerzsyndromen, z. B.
- bei diagnostischen Eingriffen, z. B.
- bei sonstigen chirurgischen Maßnahmen, z. B.
Struktur des Weiterbildungsprogramms
Die Klinik für Neurochirurgie bietet ein strukturiertes Weiterbildungsprogramm zum Facharzt für Neurochirurgie an. Das Ausbildungsprogramm zielt neben der Exzellenz im ärztlichen Bereich auch auf eine herausragende wissenschaftliche Qualifikation, so dass die Ausbildung zum Facharzt für Neurochirurgie idealerweise mit der Qualifikation für eine Habilitation erreicht wird. Hierzu bietet die Klinik die Option einer Wissenschaftsfreistellung. Als Ausbildungsassistent durchläuft man drei Qualifikationsstufen, die jeweils in 2 Jahren absolviert werden. Die Klinik weist in den wesentlichen Subspezialisierungen der Neurochirurgie ausgewiesene, international renommierte Kompetenz auf.
Während der Ausbildung bietet die Klinik ein strukturiertes Ausbildungs-und Weiterbildungsprogramm mit Journal Club, in dem die wesentlichen Publikation vorgestellt und diskutiert werden, Wissenschafts-Reports, in denen die Ergebnisse der Forschungstätigkeit vorgestellt und Grand-Rounds, in denen klinisches Wissen exemplarisch an konkreten Fällen gelehrt wird. In den Morbidität- und Mortalitätskonferenzen lernen Sie den kritischen Umgang mit Komplikationen. Die Entwicklung der manuellen Fähigkeiten wird durch regelmässige Hands-on Kurse unterstützt.
Ausbildungsstufen am Klinikum Dortmund
Die Ausbildung soll die Ärztin / den Arzt zu einem verantwortungsvollen Facharzt führen, der mit seinem Wissen und operativen Fähigkeiten die Neurochirurgie dann eigenverantwortlich ausüben kann. Die Ausbildung läuft fließend in mehreren Stufen. Diese Stufen bauen aufeinander auf, so dass neue Ausbildungslevel ganz selbstverständlich auch die weitere Arbeit in und an den vorausgegangenen Stufen einschließen. Die Ausbildung sollte innerhalb von 6 Jahren abgeschlossen werden können. Dies beinhaltet in dieser Zeit den vollen Umfang der in der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Westfalen-Lippe geforderten eigenständigen Eingriffe. Eine Ausbildungsstufe umfasst in der Regel ein Jahr. Begleitend ist das Logbuch zu führen. Die vorgesehenen Gespräche finden im 6-Monats-Intervall statt.
Die Weiterbildung verlangt ein gleichermaßen intensives Engagement sowohl von der Ärztin / dem Arzt in Weiterbildung wie auch von dem Weiterbildungsermächtigten Arzt - sowie seinen Vertretern. Die Vermittlung der in der Weiterbildungsordnung geforderten Inhalte erfolgt zum einen durch praktische Anleitung in der täglichen Arbeit, zum anderen durch ein intensives, eigenständiges Studium von Fachliteratur. Dabei wird eine Unterstützung weitergehend angeboten, dass Fachzeitschriften und eine umfassende Bibliothek durch die Klinik, bzw. den Klinikdirektor zur Verfügung gestellt werden.
Täglich finden sowohl eine neuroradiologische Befunddemonstration, wie auch eine Operationsbesprechung statt. Die Teilnahme ist für die Weiterbildung verpflichtend, da hier Wissen in besonderem Umfang vermittelt werden kann, und in der OP Besprechung darüber hinaus operative Strategien und alternative Vorgehensweise unter Berücksichtigung anatomischer und pathophysiologischer Gegebenheiten diskutiert werden.
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Das Engagement der Ärztin / des Arztes in Weiterbildung sollte sich jedoch nicht auf diese Angebote reduzieren. Neben den regelmäßig in der Klinik angebotenen Fortbildungen wird die Möglichkeit eingeräumt externe Fortbildungen zu besuchen, an Sektionstagungen und der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie oder anderen Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen in Abstimmung mit dem Klinikdirektor teilzunehmen. Dabei wird wissenschaftliches Engagement besonders unterstützt, wenn Untersuchungs- oder Studienergebnisse der Klinik auf diesen Tagungen oder anderen Kongressen vorgetragen werden können.
Hospitationen in anderen Kliniken werden ebenfalls ausdrücklich als wichtiges Mittel zur Entwicklung einer eigenständigen Sicht auf das Fachgebiet empfohlen und nach Möglichkeit gebahnt. Hierzu bietet die Klinik im Rahmen der Weiterbildung eine Rotation in die Klinik für Anästhesie für 6 Monate an, um die Intensivweiterbildung gemäß Weiterbildungsordnung inhaltlich auch auf höchste Exzellenz zu stellen und später die Möglichkeit zu eröffnen die Zusatzweiterbildung „Intensivmedizin“ durch eine weitere Hospitation zu erlangen. Gleiche Möglichkeiten bietet die Klinik alternativ beispielsweise für die Klinik für Neurologie, Schmerz- und Palliativmedizin, sowie Radiologie und Neuroradiologie, oder auch Orthopädie und Unfallchirurgie an. Eine individuelle Absprache mit dem Klinikdirektor ist jederzeit möglich und gewünscht.
Für die Schulung operativer Fähigkeiten hält die Klinik ein eigens eingerichtetes mikrochirurgisches Trainingslabor vor, in denen die Weiterbildungsassistenten die Möglichkeit haben, Naht- und Operationstechniken abseits des Operationssaals zu erlernen und zu vertiefen.
1. Ausbildungs-Stufe
Zunächst werden die Arbeitsabläufe der Stationen erlernt. Der Routinealltag soll angeeignet und sicher beherrscht werden. Das Erstellen und systematische Abarbeiten von Checklisten gehört neben der Arztbriefschreibung ebenso zum Stationsalltag wie die Bewertung präoperativer Laboruntersuchung von Blut (Blutbild, Gerinnung, erweitere Gerinnungsanalyse und Gerinnungsmodulation, Synthese- und Retentionswerte, etc.) und Liquor (Laboranalytik und histologische Befundinterpretation).
In dieser Ausbildungsstufe werden die neurochirurgischen Krankheitsbilder kennen gelernt. Die klinische Untersuchung von Patienten mit Wirbelsäulenerkrankungen, Erkrankungen der peripheren Nerven, des Gehirns und Rückenmarks wird erlernt. Die Abgrenzung von Normvarianten der Untersuchung zur krankhaften Veränderungen ist Ziel der Ausbildung. Dies schließt die Untersuchung bewusstloser Patienten ein. Der Hirnnervenstatus, die Beurteilung der Pupillomotorik und die Abgrenzung pathologischer Reflexe sollen erlernt werden. Hierzu dient auch die Untersuchung von sedierten Patienten auf der Intensivstation.
Die Aufklärung von Patienten mit unkomplizierten neurochirurgischen Erkrankungsbildern wird erlernt. Hierzu zählen beispielsweise das chronisch subdurale Hämatom, der Bandscheibenvorfall, der ventrikuloperitoneale Shunt. Die operative Vorbereitung beinhaltet die medizinisch-internistische Vorbereitung von Patienten, das Erkennen von Risikoprofilen in der Vorbereitung, die Identifizierung pathologischer und möglicher zu korrigierender Laborwerte. Im Rahmen der täglichen Röntgendemonstration wird die Mitbeurteilung von Röntgenbildern und Schnittbildern erlernt. Im Rahmen o.g. Erkrankungen werden Indikationsstellung zur Operation besprochen, hierzu zählen auch speziell Notfalleingriffe bei etwa traumatischen Blutungen.
Basiskurs Strahlenschutz. Medikamentöse Schmerztherapie. Dokumentation aller ärztlichen Maßnahmen. Lumbalpunktion und Anlage von Lumbaldrainagen. Die postoperative Versorgung der Patienten auf der Normalstation wird erlernt in Bezug auf Wundbeurteilung, Heilungsverläufe, Erkennen von pathologischen Verläufen (Infektionen, etc.), sowie der Betreuung von Patienten hinsichtlich der postoperativen Analgesie, Ernährung, Thromboseprphylaxe und (krankengymnastischer) Mobilisation, ggf. auch unter Hinzuziehung von Hilfsmitteln (Stützkorsetts, Gehhilfen, etc.).
Im Operationssaal erfolgt die Einweisung in den Gebrauch aller Geräte im Operationssaal einschließlich ggf. entsprechender Grundlagen (Diathermien, Mikroskop, C-Bogen, Navigation einschließlich Planung, CUSA, Laser, Thermokoagulationsgerät). Die Vorbereitung der Geräte inklusive der Ausbalancierung des Mikroskops ist zu erlernen. Erlernen der Lagerungsmaßnahmen für Rückenlage, sowie Bauchlage. Anlegen der Mayfield-Klemme in verschiedenen Positionen. Verständnis für das eigenständige Durchführen eines Team Time Out.
Assistenz bei Eingriffen auf Basisniveau (Bandscheibenoperationen, lumbale und zervikale Stabilisationen, Operation von Engpaßsyndromen, OP bei Schädel-Hirn-Trauma, Konvexitätsmeningeomen, Gliomen). Nach sicherem Erlernen von Nahttechniken: Eingriffe bei Chronischem Subduralhämatom, Anlage von externen Liquorableitungen und Sonden zur Hirndruckmessung. Erlernen (und ggf. Durchführung) der Bohrlochtrepanation und Kraniotomie. Die Teilnahme am Bereitschaftsdienst setzt das Erlernen dieser Punkte voraus.
2. Ausbildungs-Stufe
Die Arztbriefschreibung soll nun eigenständig beherrscht werden. Die Vorbereitung für Patienten zur Entlassung einschließlich der geordneten Weiterbehandlung in einer anderen Klinik oder Rehabilitationseinrichtung kann selbstständig organisiert werden. Einfache Komplikationen wie Wundheilungsstörungen oder Thrombosen werden sicher erkannt.
Die Untersuchung und Vorbereitung von Patienten schließt nun komplexere Krankheitsbilder ein. Die Diagnose neurologischer Ausfallserscheinungen kann sicher getroffen werden. Patienten können alleine gelagert werden für die Operation. Der operative Zugang zur Wirbelsäule und einfache Kraniotomien werden erlernt. Die spezielle anatomische Ausbildung am Gehirnmodell umfasst die Zugangs-assoziierten Komplikationen nach Operationen, wie aphasische Störungen bei transsylvischen Zugängen in der dominanten Hemisphäre oder erniedrigte Krampfschwelle nach subtemporalen Zugängen. Bildbefunde können zunehmend interpretiert werden.
Die Aufklärung von Patienten kann nun auch zerebrale Eingriffe einschließen. Regelmäßige Teilnahme an den neuroonkologischen Konferenzen. Einarbeitung in die Indikationsstellung für postoperative Behandlungen von malignen Gliomen und anderen ZNS Tumoren. In der Patientenversorgung wird die differenzierte Antibiotikatherapie unter Berücksichtigung der Liquorgängigkeit von Antibiotika und Prinzipien der kalkulierten Therapie erlernt.
Die Pathophysiologie des Hydrocephalus wird in seinen unterschiedlichen Facetten erlernt einhergehend mit der Fähigkeit das erforderliche Ventilsysteme der Liquorableitung festzulegen. Es folgen Operationen von Sulcus-ulnaris-Syndromen und Shuntimplantationen, Kraniotomien über der Konvexität. Der Wundverschluss beinhaltet nunmehr die Knochendeckelreimplantation und den Ersatz des Knochendeckels durch eine vorgefertigte oder intraoperativ anzufertigende Plastik. Die Präparation nach intraspinal soll erlernt werden, ebenso wie die Operation eines unkomkplizierten Bandscheibenvorfalls und einer Stenose. Hiermit einhergehend werden im mikrochirurgischen Trainingslabor die mikrochirurgischen Übungen erweitert.
3. Ausbildungs-Stufe
In diesem Ausbildungsstadium werden Aufklärungsgespräche von Patienten über die Diagnose sowie Angehörigengespräche begleitet. Auf der Intensivstation wird die Durchführung der Feststellung des irreversiblen Ausfalls der Hirnaktivität begleitet. Dazu wird begleitend die Interpretation elektrophysiologischer Befunde sowie das Anbringen der elektrophysiologischen Überwachung beim sedierten Patienten erlernt. Sofern gewünscht kann nun ein Kurs für das Erlernen elektrophysiologischer Untersuchungen besucht werden.
Auf der Station werden Patienten mit Tumoren der Hypophyse durch den Weiterbildungsassistenten versorgt, was detaillierte Kenntnisse der Physiologie der Hypophyse und ihrer Ausfälle erforderlich macht. Dies beinhaltet die Diagnostik und Behandlung von hypophysärer Insuffizienz und des SIADH in der unmittelbar postoperativen Phase. Nun werden Grundlagen der antikonvulsiven Therapie erlernt, so dass einfache Krampfanfälle durchbrochen und eine Prophylaxe initiiert werden kann. Auf der Intensivstation wird das dopplersonographische Monitoring von Hirnarterien erlernt. Die Zeichen des gesteigerten Hirndrucks können sicher erkannt und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.
Im mikrochirurgischen Trainingslabor wird an der Perfektionierung der Kenntnisse der neurologisch-topographischen Diagnostik, der Gefäßanatomie, der mikrochirurgischen Anatomie der Schädelbasis gearbeitet.
Komplexe Lagerungen für zerebrale Eingriffe können nunmehr eigenständig durchgeführt werden. Operativ werden Zugänge und erste Präparationsschritte bei zervikalen Bandscheibenvorfällen erlernt. Kleine Konvexitätsmeningeome und oberflächennahe Großhirnmetastasen können bei entsprechender manueller Fähigkeit operiert werden, ebenso wie Schädeldachplastiken. Entlastungskraniektomien.
Die Assistenz wird nun auch bei Eingriffen an der Schädelbasis (z.B. Hypophysenadenome, Akustikusneurinome, zentrale Schädelbasis-Meningeome) und bei Gefäßmalformationen sowie endoskopischen Operationen erfolgen.
4. Ausbildungs-Stufe
Die Ärztin / der Arzt soll nunmehr in der Lage sein, die Station dergestalt zu führen, dass er die Visite alleine vorbereitet und vorträgt. Patientengespräche können in diesem Ausbildungsjahr bei Eignung durchgeführt werden. Angehörigengespräche werden ebenfalls eigenständig durchgeführt. Im Kliniksablauf werden Konsilanfragen, vor allem Bilderkonsile selbstständig vorbereitet und nach Rücksprache mit einem Facharzt / Oberarzt an den Auftragsteller kommuniziert. In der zentralen Notaufnahme erfolgt die weitestgehend selbstständige Untersuchung und Beratung von ambulanten Patienten.
Die Aufklärung bei sämtlichen operativen Eingriffen ist nunmehr sicher eigenständig in der Durchführung. Das Intraoperative Monitoring kann selbstständig überblickt und interpretiert werden.
Eigenständige Operationen: Zervikale Bandscheibenvorfälle. Lumbale Dekompressionsoperationen bei Spinalkanalstenose. Extraforaminale Bandscheibenvorfälle. Größere Konvexitätsmeningeome, navigierte Eingriffe, erste Präparationsschritte bei Gliomen. Intrazerebrale Hämatome. Stereotaktische Probeentnahmen.
5. Ausbildungs-Stufe
Zu diesem Zeitpunkt wird der Einsatz auf der Intensivstation für 6 Monate erfolgen, wenn organisatorisch möglich auch durch eine Rotation in die Klinik für Anästhesiologie. Damit sollte auch die Teilnahme am Dienst, bzw. Schichtdienst in der Anästhesie für diese Zeit erfolgen. Während dieser Zeit sollen intensivmedizinische Behandlungsmaßnahmen für postoperative Überwachung, Intubation und Anlage von zentralen Venenkathetern, arteriellen Kathetern erlernt werden. Die Kenntnisse zur Feststellung des irreversiblen Ausfalls der Hirnfunktionen werden weiter vertieft. Erlernt werden das spezielle intensivmedizinische Monitoring und Sedierungsverfahren zur Hirndrucktherapie.
Alle Eingriffe erfolgen nach wie vor im Facharztstandard. Komplexere spinale Verfahren wie der Rezidivbandscheibenvorfall und Stabilisationstechniken an der Halswirbelsäule ventral und dorsal werden durchgeführt. Es folgen die ersten Eingriffe bei spinalen Tumoren, wie der Laminektomie bei epiduralen Metastasen. Die Kraniotomie der hinteren Schädelgrube kann selbstständig durchgeführt werden. Cerebelläre Hämatome und Infarkte cerebellär werden eigenständig operativ unter Supervision versorgt. Es können komplexere Eingriffe der peripheren Nervenchirurgie und Große Gliome in nicht kritischen Lokalisationen operiert werden. Eigenständige Deckung der Frontobasis und Versorgung von Liquorfisteln unter Supervision. Assistenz bei neurovaskulären Eingriffen.
Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildet die Tumortherapie. Hier werden Patientenvorstellungen selber in der Neuroonkologischen Konferenz durchgeführt. Aufklärungsgespräche werden weitestgehend selbstständig geführt und die Einleitung von Weiterbehandlungen mit den Patienten mit Malignomen besprochen.
6. Ausbildungs-Stufe
Im letzten Ausbildungsjahr ist der Weiterbildungsassistent in der Lage die korrekte Indikation zu allen neurochirurgischen Eingriffen zu stellen und beherrscht deren Vor- und Nachbehandlung in allen Bereichen. Dies beinhaltet auch weiterführende Therapieverfahren des best-supportive care. Kenntnisse der palliativen Schmerz- und Tumortherapie werden erlangt. Psychische Alterationen der Patienten sollen im Rahmen der Ausbildung erkannt und geeignete Maßnahmen ergriffen werden können, z.B. begleitende medikamentöse Therapie der aktuen Krankheits-assoziierten Depression oder Ini…
Das eLogbuch
Durch die neue Weiterbildungsordnung haben die Länderkammern ab 11/2020 sukzessiv auf die digitale Variante als eLogbuch umgestellt.
Die Facharztprüfung
Am Ende der Facharztausbildung zum/-r Facharzt/-ärztin für Neurochirurgie findet eine Facharztprüfung statt.
Berufliche Perspektiven und Karrierewege
Neurochirurgen können sich in einer eigenen Facharztpraxis niederlassen oder in einer Klinik arbeiten. Fachärzten/-innen für Neurochirurgie stehen einige Möglichkeiten für eine berufliche Karriere offen. Die meisten berufstätigen Neurochirurgen/-innen arbeiten im stationären Bereich, sind also in Krankenhäusern tätig. Zu Bedenken ist allerdings hierbei, dass die Neurochirurgie ein sehr apparat-gebundenes Fach ist.
Spezialisierungen und Zusatzweiterbildungen
Innerhalb der Neurochirurgie finden häufig Spezialisierungen statt. Somit sind Teilbereiche der Neurochirurgie, die ein besonders hohes Maß an Spezialisierung erfordern auch besonders abgedeckt. Zusatzweiterbildungen sind für Fachärzte/-innen grundsätzlich möglich. So können auch fertig ausgebildete Fachärzte/-innen für Neurochirurgie durch Fortbildungen noch diverse Zusatzbezeichnungen erlangen. Manche Fortbildungsmöglichkeiten können Assistenzärzte/-innen unter bestimmten Voraussetzungen bereits vor Ende der Facharztweiterbildung wahrnehmen.
Gehaltsperspektiven
Informationen zum Facharzt-Gehalt von Neurochirurgen/-innen und anderen Fachgebieten sind in entsprechenden Karrierebereichen verfügbar.
Aktuelle Zahlen und Fakten
In Deutschland gibt es 3.268 Fachärztinnen und Fachärzte für Neurochirurgie (2024). Davon sind 2.788 berufstätig.
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