Muskelschmerzen (Myalgie) sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele verschiedene Ursachen haben kann. Sie reichen von harmlosen Auslösern wie Muskelkater nach sportlicher Betätigung bis hin zu ernsteren Erkrankungen. Ein Neurologe kann bei der Diagnose und Behandlung von Muskelschmerzen helfen, insbesondere wenn diese chronisch, stark oder von anderen neurologischen Symptomen begleitet sind.
Ursachen von Muskelschmerzen
Muskelschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Es ist entscheidend, die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren, um eine gezielte Behandlung einzuleiten. Die Ursachen lassen sich grob in folgende Kategorien einteilen:
- Überlastung und Verletzungen:
- Muskelkater nach sportlicher Überlastung
- Muskelverspannungen durch Fehlhaltungen (z.B. am Arbeitsplatz)
- Zerrungen und Prellungen
- Muskelfaserriss oder Muskelriss
- Infektionen:
- Virale Infekte (z.B. Grippe)
- Bakterielle Infektionen (selten)
- Entzündliche Erkrankungen:
- Myositis (Muskelentzündung) verschiedener Ursachen (z.B. Polymyositis, Dermatomyositis, Einschlusskörperchen-Myositis, nekrotisierende Myopathie)
- Fibromyalgie
- Rheumatoide Arthritis (als Folgeerkrankung)
- Neuromuskuläre Erkrankungen:
- Myopathien (Muskelerkrankungen), sowohl erblich bedingt als auch erworben (z.B. Muskeldystrophien, metabolische Myopathien)
- Myasthenia gravis (schwere Muskelschwäche)
- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
- Neuropathien (Erkrankungen der peripheren Nerven)
- Stoffwechselerkrankungen:
- Muskuläre Stoffwechselstörungen (z.B. Glykogenosen, Lipidspeichermyopathien, Myoadenylat-Deaminase-Mangel, mitochondriale Myopathien)
- Schilddrüsenerkrankungen
- Diabetes mellitus
- Medikamente und Toxine:
- Bestimmte Medikamente können die Muskulatur angreifen (medikamenteninduzierte Myopathie)
- Alkohol (alkoholbedingte Myopathie)
- Schadstoffe
- Weitere Ursachen:
- Mangelzustände (z.B. Magnesiummangel)
- Tumore (selten)
- Psychische Faktoren (z.B. Depressionen)
Symptome von Muskelschmerzen
Die Art der Schmerzen und die begleitenden Symptome können Hinweise auf die Ursache der Muskelschmerzen geben. Folgende Symptome können auftreten:
- Art des Schmerzes:
- Brennend
- Ziehend
- Krampfartig
- Drückend
- Stechend
- Dauerhaft oder in Schüben
- Örtlich begrenzt oder im ganzen Körper spürbar
- Weitere Symptome:
- Muskelschwäche (Myasthenie)
- Bewegungseinschränkungen
- Muskelsteifheit
- Erhöhter Muskeltonus und Muskelverspannungen
- Muskelverhärtungen (Myogelosen)
- Muskelschwund (Muskelatrophie)
- Ermüdbarkeit
- Schlafstörungen
- Erschöpfung
- Empfindlichkeit auf äußere Reize
- Verdauungsprobleme
Diagnostik bei Muskelschmerzen
Die Diagnostik von Muskelschmerzen erfordert eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere spezielle Untersuchungen. Ein Neurologe ist besonders qualifiziert, neuromuskuläre Ursachen von Muskelschmerzen zu erkennen und zu behandeln.
Anamnese
- Erhebung der Krankengeschichte:
- Seit wann bestehen die Schmerzen?
- Wie ist die Lokalisation der Schmerzen?
- Wie ist die Art des Schmerzes?
- Gibt es Auslöser oder verstärkende Faktoren?
- Treten Begleitsymptome auf?
- Gibt es Vorerkrankungen?
- Werden Medikamente eingenommen?
- Gibt es ähnliche Beschwerden in der Familie?
- Spezielle Fragebögen und Schmerzskalen:
- Zur Quantifizierung der Schmerzen und Erfassung der Lebensqualität
Körperliche Untersuchung
- Neurologische Untersuchung:
- Prüfung der Muskelkraft
- Überprüfung der Reflexe
- Sensibilitätsprüfung
- Koordinationstests
- Beurteilung des Gangbildes
- Palpation der Muskulatur:
- Abtasten der Muskeln auf Verhärtungen, Verspannungen oder Druckschmerzhaftigkeit
Weitere Untersuchungen
- Laboruntersuchungen:
- Blutbild:
- Entzündungswerte (CRP, BSG)
- Muskelenzyme (Creatinkinase (CK), Aldolase)
- Elektrolyte
- Schilddrüsenwerte (TSH)
- Leber- und Nierenwerte
- Autoantikörper (bei Verdacht auf Autoimmunerkrankungen)
- Spezielle metabolische Funktionstests (bei Verdacht auf Myopathien)
- Urinuntersuchung:
- Zum Ausschluss von Nierenerkrankungen und Stoffwechselstörungen
- Blutbild:
- Elektrophysiologische Untersuchungen:
- Elektromyographie (EMG):
- Messung der elektrischen Muskelaktivität
- Unterscheidung zwischen muskulären und nervalen Ursachen
- Erkennung von Entzündungen oder degenerativen Muskelerkrankungen
- Neurographie (ENG):
- Messung der Nervenleitgeschwindigkeit
- Nachweis von Nervenschädigungen (z.B. Polyneuropathie)
- Evozierte Potentiale (EP):
- Untersuchung der Nervenbahnen im Gehirn und Rückenmark
- Elektromyographie (EMG):
- Bildgebende Verfahren:
- Magnetresonanztomographie (MRT):
- Darstellung von Muskeln, Nerven und anderen Geweben
- Erkennung von Entzündungen, Tumoren, Verletzungen oder strukturellen Veränderungen
- Computertomographie (CT):
- Alternative zur MRT, insbesondere bei Kontraindikationen
- Ultraschalluntersuchung:
- Beurteilung der Muskelstruktur
- Nachweis von Flüssigkeitsansammlungen oder Verletzungen
- Magnetresonanztomographie (MRT):
- Muskelbiopsie:
- Entnahme einer Muskelprobe zur feingeweblichen Untersuchung
- Wichtig zur Diagnose von Myopathien und entzündlichen Muskelerkrankungen
- Molekulargenetische Untersuchungen:
- Bei Verdacht auf genetisch bedingte Muskelerkrankungen
- Identifizierung der zugrundeliegenden Genmutation
Therapie von Muskelschmerzen
Die Therapie von Muskelschmerzen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Es gibt keine allgemeingültige Therapieempfehlung, da die Behandlung sehr unterschiedlich sein kann.
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Konservative Maßnahmen
- Schonen und Entlasten:
- Bei akuten Schmerzen nach Verletzungen oder Überlastung
- Hausmittel:
- Massagen
- Wärme (z.B. warmes Bad, Wärmepackung)
- Kälte (bei Schwellungen)
- Druckverband
- Schmerzmittel und -gele:
- Zur Linderung akuter Schmerzen
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac
- Topische Schmerzgele mit Wirkstoffen wie Diclofenac oder Capsaicin
- Physiotherapie:
- Krankengymnastik zur Verbesserung der Beweglichkeit und Muskelkraft
- Manuelle Therapie zur Lösung von Verspannungen
- Dehnübungen
- Kräftigungsübungen
- Ergotherapie:
- Anpassung des Arbeitsplatzes
- Hilfsmittelberatung
- Training von Alltagsaktivitäten
- Psychologische Betreuung:
- Bei chronischen Schmerzen und psychischen Begleiterkrankungen (z.B. Depressionen)
- Schmerzbewältigungsstrategien
- Entspannungstechniken (z.B. progressive Muskelentspannung, autogenes Training)
- Ernährungsberatung:
- Ausgewogene Ernährung zur Vermeidung von Mangelzuständen
- Bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen spezielle Diäten
Medikamentöse Therapie
- Schmerzlindernde und krampflösende Medikamente:
- Bei chronischen Muskelschmerzen
- Nicht-opioidhaltige Schmerzmittel
- Muskelrelaxantien
- Antidepressiva:
- Bei Fibromyalgie und Depressionen
- Amitriptylin
- Immunsuppressiva:
- Bei entzündlichen Muskelerkrankungen (z.B. Polymyositis, Dermatomyositis)
- Kortikosteroide
- Methotrexat
- Azathioprin
- Spezifische Therapien:
- Je nach Ursache der Muskelschmerzen
- z.B. Antibiotika bei bakteriellen Infektionen, Hormonersatztherapie bei Schilddrüsenerkrankungen
Invasive Therapien
- Injektionen:
- Lokalanästhetika oder Kortikosteroide in Triggerpunkte oder schmerzhafte Muskelbereiche
- Operationen:
- In seltenen Fällen, z.B. bei Muskelrissen oder Tumoren
Vorbeugung von Muskelschmerzen
- Regelmäßige Bewegung und Sport:
- Inklusive Aufwärm- und Abkühlungsphase
- Dehnübungen und Krafttraining
- Langsames Heranführen an größere Belastungen
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung:
- Vermeidung von Fehlhaltungen
- Stressmanagement:
- Entspannungstechniken
- Ausgewogene Ernährung:
- Vermeidung von Mangelzuständen (z.B. Magnesiummangel)
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
- Plötzliche oder chronische Muskelschmerzen ohne erkennbare Ursache
- Starke Muskelschmerzen
- Muskelschmerzen in Verbindung mit anderen Symptomen (z.B. Fieber, Schwäche, Taubheitsgefühle)
- Verdacht auf Muskelfaserriss oder Muskelriss
- Anzeichen einer Entzündung (z.B. Rötung, Schwellung, Überwärmung)
- Keine Besserung der Beschwerden nach einigen Tagen
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