Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden. Laut der Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft e.V. plagen sich etwa 70 Prozent der Bevölkerung innerhalb eines Jahres mit Kopfschmerzen herum. Es gibt über 200 verschiedene Kopfschmerzarten, von Spannungskopfschmerzen bis hin zu Migräne. Stiftung Warentest hat sich des Themas angenommen und verschiedene Mittel zur Bekämpfung von Kopfschmerzen getestet.
Arten von Kopfschmerzen
Die Deutsche Migräne und Kopfschmerzgesellschaft e.V. unterscheidet zwischen primären und sekundären Kopfschmerzerkrankungen. Primäre Kopfschmerzen sind eigenständige Erkrankungen wie Spannungskopfschmerzen oder Migräne. Sekundäre Kopfschmerzen sind Symptome einer anderen Erkrankung wie Grippe, Hirnblutung oder Tumor. Die Arten der Kopfschmerzen lassen sich grob unterteilen in verschiedene Gruppen:
- Spannungskopfschmerzen: beidseitig, Stirn, Hinterkopf, Gefühl von Zwinge am Kopf, dumpfer, drückender Schmerz, Dauer von 30 Minuten bis sieben Tage
- Clusterkopfschmerzen: meist einseitig hinter dem Auge, stechender, bohrender Schmerz, vermehrter Tränenfluss, Dauer von 15 Minuten bis einige Tage oder Wochen, meist in Phasen
- Migräne: häufiger einseitig, mit oder ohne Aura, hämmernder oder pulsierender Schmerz, Dauer 4 bis 72 Stunden, bei Frauen häufig zyklusbedingt
- Medikamentenkopfschmerz: häufiger Gebrauch von Schmerzmitteln kann Kopfschmerzen verstärken, Phänomen entsteht bei Übergebrauch von Medikamenten, Dauerkopfschmerz während des Übergebrauchs
- Begleitkopfschmerz: sekundärer Kopfschmerz als Begleiterscheinung von Erkrankungen (Augenerkrankungen, Alkoholexzess etc.), ganzer Kopf betroffen, diffuser, dumpfer Schmerz, Dauer ungewiss
- Sinusitiskopfschmerz: bedingt durch Nasennebenhöhlen-Entzündungen, bei grippalen Infekten, hämmernder Schmerz, verstärkt sich beim Vorbeugen des Kopfes, Dauer während des Infekts, bis Nasennebenhöhlen abgeheilt sind
Was tun bei Kopfschmerzen?
Bevor zu Medikamenten gegriffen wird, gibt es einige Alternativen. Bei leichten Kopfschmerzen und keinen anderen körperlichen Symptomen, die ärztlich abgeklärt werden müssen, lohnt zunächst ein Versuch, die Schmerzen anderweitig loszuwerden. Ein Spaziergang an der frischen Luft, viel Wasser trinken oder etwas Pfefferminzöl auf die Schläfen gerieben kann helfen. Wer erst gar keine Kopfschmerzen bekommen will, kann ihnen vorbeugen. Regelmäßige Bettgehzeiten, keine Mahlzeit auszulassen und genug zu trinken, bildet eine gute Grundlage.
Medikamente gegen Kopfschmerzen
Wenn Hausmittel nicht mehr ausreichen, greifen viele Menschen zu Schmerztabletten. Stiftung Warentest hat rezeptfreie und rezeptpflichtige Schmerzmittel untersucht.
Analgetika
Bei leichter bis mittelschwerer Migräne können Analgetika wie ASS, Ibuprofen und Paracetamol helfen. Die Dosierungen der Analgetika bei Migräne können sich von denen bei „gewöhnlichen“ Kopfschmerzen unterscheiden. So gilt 1.000 mg ASS als Standarddosis bei Migräne, während bei leichten bis mittelstarken Kopfschmerzen laut Fachinformation von Aspirin® auch 400 mg ausreichen können. Wichtig ist, sie frühzeitig zu nehmen und ausreichend zu dosieren.
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Triptane
Leiden die Patienten an schwereren Migräne-Attacken und schaffen NSAR, Metamizol oder Paracetamol keine ausreichende Linderung, gelten Triptane als Mittel der Wahl. Sie reduzieren Entzündungen. Triptane z.B. mit den Wirkstoffen Almotriptan, Frovatriptan oder Zolmitriptan sind rezeptfrei oder rezeptpflichtig erhältlich. Welches Triptan letztlich zum Einsatz kommt, muss der Migräniker ausprobieren. Einige der Triptane sind als Nasensprays oder Schmelztabletten erhältlich und daher bei Übelkeit eine gute Alternative zu Tabletten.
Medikamenteninduzierter Kopfschmerz
Die Verbraucherschützer weisen kritisch auf die Therapiedauer bei Analgetika und Triptanen hin. Auch die eigentlich „heilbringenden“ Stoffe selbst können Kopfschmerzen auslösen. Die Schwelle zur Entwicklung eines solchen Kopfschmerzes sehen die Experten für Kombinationsanalgetika ab zehn Einnahmetagen pro Monat, für Monoanalgetika bei 15 Einnahmetagen monatlich.
Neue Wirkstoffkombination
Seit Anfang April 2025 ist das verschreibungspflichtige Medikament Suvexx verfügbar, das das Triptan Sumatriptan mit dem langwirksamen Schmerzmittel Naproxen kombiniert. In Studien wirkte es besser als die einzelnen Substanzen. Einige Menschen sollten keine Triptane einnehmen: zum Beispiel jene mit Herz- und Gefäß-Erkrankung, einem bereits erlittenem Herzinfarkt oder Schlaganfall sowie mit schweren Leber- oder Nierenerkrankungen.
Gepante
Die Leitlinie nennt auch zwei neuartige Wirkstoffe aus der Gruppe der Gepante - eine Klasse von Medikamenten mit neuartigem Wirkansatz -, die zur Prophylaxe zugelassen und wirksam sind: Rimegepant zur Vorbeugung episodischer Migräne sowie das seit März 2025 auf dem deutschen Markt verfügbare Atogepant zur Vorbeugung episodischer und chronischer Migräne.
Migräne-Antikörper
Seit November 2018 ist in deutschen Apotheken eine Spritze gegen Migräne erhältlich. Der Wirkstoff Erenumab soll von den Patienten alle vier Wochen selbständig gespritzt werden. Sie wirken vorbeugend und blockieren die Auswirkungen eines Stoffs, Calcitonin Gene-Relatet Peptide (CGRP), der im Nervensystem gebildet wird und bei der Entstehung von Migräne von großer Relevanz ist. Die Einschätzung der Stiftung Warentest-Experten: Migränespritzen wirken, allerdings mit Einschränkungen. Erenumab kann Migräneattacken im Schnitt um ein bis drei Tage pro Monat verringern. Damit ist ihre Erfolgsquote in etwa so hoch wie bei traditionellen Vorbeuge-Präparaten. Konkrete Aussagen über mögliche Nebenwirkungen könnten allerdings erst Langzeitanwendungen zeigen.
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Erenumab (Aimovig®)
Als erster Migräne-Antikörper schaffte Erenumab sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in der EU mit einem gänzlich neuen Ansatz Eingang in die Migräneprophylaxe. Erenumab neutralisiert den CGRP-Rezeptor. Seit Juli 2018 hat Novartis die EU-Zulassung, im November wurde Aimovig® eingeführt. Stiftung Warentest wirkt eher zurückhaltend ob der neuen Therapieoption mit Aimovig®: „Wirkung begrenzt, aber belegt", so ihre Einschätzung. Sie begründen dies damit, dass Erenumab in Studien die Zahl der Migränetage um 3,2 (70 mg Erenumab) beziehungsweise 3,7 Tage (140 mg Erenumab) reduzierte, doch auch in der Placebogruppe die Patienten 1,8 Tage weniger Migräne hatten. Auch seien noch viele „Fragen offen". Aimovig® ist angezeigt zur Prophylaxe bei Migränikern mit mindestens vier Migränetagen im Monat und Neurologen werden es diesen Patienten nur verordnen, so diese mit Triptanen oder einer anderweitigen Prophylaxe nicht ausreichend eingestellt sind.
Weitere Migräne-Antikörper
Neben Erenumab hat mittlerweile auch Galcanezumab (Emgalitiy®) von Lilly die EU-Zulassung und für Fremanezumab (Ajovy®) hat der Humanarzneimittelausschuss der EMA im Januar 2019 die Zulassung empfohlen. Die Pipeline mit Antikörpern gegen Calcitonin Gene-Related Peptide CGRP oder dessen Rezeptor ist reich gefüllt.
Fehlende vergleichende Studien
Stiftung Warentest moniert zudem, dass vergleichende Studien von Erenumab zu anderen in der Migräne-Prophylaxe eingesetzten Arzneimitteln fehlen. Das IQWiG vermisste unter anderem vergleichende Studien und kam zu dem Schluss, dass Erenumab nur für bis dato austherapierte erwachsene Migränepatienten mit mindestens vier Migränetagen/Monat, für die nur noch eine „Best-Supportive-Care“-Therapie infrage kommt, „einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen von Erenumab gegenüber BSC“ darstellt.
Weitere Maßnahmen zur Migräneprophylaxe
Bis zur Zulassung der Migräne-Antikörper standen keine spezifisch zur Migräne-Prophylaxe entwickelten Arzneimittel zur Verfügung. Alle verordneten Präparate sind anderen Indikationen entlehnt. Eingesetzt wurden und werden Betablocker, wobei die beste Wirksamkeit für Metoprolol und Propranol belegt ist, Flunarizin (Calciumkanalblocker) oder Antiepileptika wie Topiramat, Valproinsäure oder Amitriptylin (trizyklisches Antidepressivum). Bei chronischer Migräne kann auch ein Versuch mit Onabotulinumtoxin A initiiert werden. Von einer chronischen Migräne spricht man, wenn Patienten an mindestens 15 Tagen im Monat von Migräne-Attacken geplagt werden.
Nicht-medikamentöse Ansätze
Neben medikamentösen Behandlungen gibt es auch nicht-medikamentöse Ansätze zur Migräneprophylaxe. Dazu gehören:
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- Regelmäßiger Tages- und Lebensrhythmus: Ein stabiler Rhythmus stabilisiert die Hirnaktivität.
- Entspannungsübungen und leichter Ausdauersport: Tragen dazu bei, Stress im Alltag abzubauen.
- Biofeedback: Kann der Leitlinie zufolge auch der Vorbeugung von Migräne dienen. Alternativ empfiehlt sie Entspannungsverfahren und kognitive Verhaltenstherapie und auch regelmäßigen Ausdauersport.
- Nahrungsergänzungsmittel: Etwa Magnesium oder Vitamin B2. Bei Magnesium sei die Studienlage nicht eindeutig, es eigne sich in der Dosierung zweimal 300 Milligramm pro Tag aber für Betroffene, die eine Therapie mit einem Medikament nicht wünschen.
- Verfahren zur Nervenstimulation: Einzelne Studien wiesen etwa die Wirksamkeit von Verfahren zur Nervenstimulation bei akuten Attacken nach. Die dafür nötigen kleinen Stimulationsgeräte, die an der Stirn oder am Oberarm selbst angewendet werden, müssen Migräne-Geplagte bislang allerdings selbst zahlen.
Kopfschmerz-Apps
Menschen, die oft unter Kopfschmerzen leiden, können von Apps profitieren. Die bieten ein Kopfschmerztagebuch sowie Infos und Übungen.