Neurologische Diagnose und Therapie von Demenz: Ein ganzheitlicher Ansatz

Einführung

Die neurologische Betreuung von Patienten mit Demenz erfordert einen umfassenden und ganzheitlichen Ansatz. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Demenzdiagnostik, Therapie und der unterstützenden Maßnahmen, die sowohl schulmedizinische als auch alternative Behandlungsverfahren einschließen. Dabei wird auf die Bedeutung der Einbeziehung des Patienten in seiner Gesamtheit, seiner individuellen Bedürfnisse und seines Umfelds eingegangen.

Ganzheitliche Betrachtung in der Neurologie

Die Quelle der Gesundheit ist innere Harmonie, Harmonie mit der Natur und dem Umfeld. Jeder Mensch ist in seiner Komplexität und in der Vielzahl der körperlichen, seelischen und kognitiven Vorgänge einzigartig. Gesundheit resultiert aus dem ungestörten und harmonischen Zusammenspiel dieser Vorgänge, daher sollte jede Erkrankung ganzheitlich betrachtet werden. Insbesondere bei neurologischen Krankheiten reicht es häufig nicht aus, sich auf das momentane Krankheitssymptom zu beschränken. Der betroffene Mensch ist in seiner körperlichen Gesamtheit zu sehen. Dabei spielen neben den aktuellen Symptomen auch das körperliche und seelische Wohlbefinden, etwaige Vorerkrankungen und Belastungsfaktoren eine Rolle.

Die moderne schulmedizinische Diagnostik und Therapie neurologischer Symptome und Erkrankungen wird durch einen ganzheitlichen Ansatz ergänzt, um den Menschen in der Gesamtheit seiner physischen und psychischen Vorgänge zu begreifen und so die Symptome besser verstehen zu können. Auch bei der Wahl der geeigneten Therapie hilft es, alle diese Aspekte mit einzubeziehen. Daher können schulmedizinische neurologische Behandlung um alternative Behandlungsverfahren, zum Beispiel Sport, Yoga und Akupunktur, ergänzt werden.

Neurologische Erkrankungen im Fokus

Zum Fachgebiet der Neurologie gehören Erkrankungen des Gehirns sowie des peripheren Nervensystems. Diese umfassen unter anderem alle Arten und Ursachen von Kopfschmerzen und Schwindel, Schlaganfälle, Multiple Sklerose, Epilepsien, dementielle Erkrankungen, Parkinson-Syndrome und andere neurodegenerative Erkrankungen sowie Krankheiten der Nerven. Auch akute und chronische Schmerzsyndrome werden abgeklärt und behandelt, insbesondere Rückenschmerzen, Muskelschmerzen und Nervenschmerzen. Weiterhin werden Schlafstörungen, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, Tinnitus und psychosomatische Symptome abgeklärt.

Demenz: Symptome, Diagnose und Therapie

Demenz entsteht bei übermäßigem Abbau kognitiver, sozialer und emotionaler Fähigkeiten mit dem Leitsymptom einer Gedächtnisstörung. "Alzheimer“ - oder besser: Demenz vom Alzheimertyp- ist eine Hirnerkrankung, die mit einem fortschreitenden Abbauprozess einhergeht und gekennzeichnet ist durch einen zunehmenden Verlust der Fähigkeit, Informationen zu speichern und später wieder abzurufen („Gedächtnisverlust“). Zusätzlich kommen andere kognitive Beeinträchtigungen und Schwierigkeiten bei der Strukturierung und Durchführung alltäglicher Aktivitäten hinzu. Mit „weiteren kognitiven Beeinträchtigungen“ ist z. B. gemeint, dass die Fähigkeit, sich auf eine bestimmte Aufgabe zu konzentrieren, nachlässt. Auch nimmt die Problemlösekompetenz sowie die Fähigkeit zum schlussfolgernden Denken und schließlich auch das Bewusstsein für die aktuelle Zeit, Ort und Situation ab. In fortgeschrittenen Stadien kommen häufig noch sogenannte „herausfordernde Verhaltensweisen“ (wie Weglaufen, Unruhe oder Aggressionsneigung) hinzu. Leider ist es ein Kennzeichen der Erkrankung, dass die Defizite fortschreiten. Es handelt sich bei der Alzheimerdemenz um eine spezifische Form der Demenz, die aufgrund von Ablagerungen im Gehirn auftritt.

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Diagnose von Demenz

In der Facharztpraxis oder Gedächtnissprechstunde / Memory-Klinik werden Untersuchungen durchgeführt. Ggf. sollte man sich bei der jeweiligen Gedächtnissprechstunde/ Facharztpraxis über das genaue Verfahren (z.B. Überweisung), über Wartezeiten und Untersuchungsmethoden informieren. Innerhalb dieser Gedächtnissprechstunden und -ambulanzen bzw. Memory-Kliniken geht es darum, Ursachen für verändertes Denken und Handeln im Alter medizinisch zu untersuchen und abzuklären, ob Störungen der Hirnfunktionen vorliegen. Vorab wird eine neuropsychologische Testung sowie ein MRT-Kopf benötigt.

Therapie von Demenz

Innerhalb des klinischen Rahmens kommen Medikamente zur symptomatischen Behandlung von Alzheimer zum Einsatz. Diese Medikamente können vor allem ein Fortschreiten der Erkrankung reduzieren. Manchmal ist es auch notwendig, die begleitenden „demenzassoziierten, herausfordernden Verhaltensweisen“ wie eine stetige Unruhe oder eine Aggressionsneigung, mit Medikamenten etwas abzumildern. Hier wird jedoch immer darauf geachtet, dass das bestmögliche Nutzenrisikoverhältnis für den Patienten erreicht wird. Eine Heilung ist leider nach aktuellem Stand der Wissenschaft noch nicht möglich.

Nicht-medikamentöse Interventionen wie kognitive Therapie, fachspezifische Pflege, Gedächtnistraining, Bewegungstherapie und Ergotherapie sind ebenfalls von Bedeutung. Demenzpatienten und -patientinnen profitieren von einer stabilen Routine und klaren Tagesabläufen. Das hilft ihnen, Desorientierung und Ängste zu vermindern. Es ist ebenfalls wichtig, eine geduldige und einfühlsame Kommunikation einzuüben. Klare Anweisungen und einfache Fragen sind hilfreich. Da soziale Kontakte wertvoll sind, finden unter anderem die Mahlzeiten auch innerhalb der Patientengemeinschaft -und nicht alleine auf dem Zimmer- statt. Stimulation in Form von Spielen oder Gesprächen kann helfen, die geistige Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Trotz der Diagnose einer Demenz ist es das Ziel, die Lebensqualität so gut wie möglich zu erhalten. Dies kann z. B. geschehen, in dem man Aktivitäten fördert, die Freude bereiten.

Als erster medizinischer Dienstleister im europäischen Raum (Großbritannien ausgenommen) wird mit einer krankheitsmodifizierenden Antikörper-Therapie der Alzheimer-Krankheit begonnen. Darunter ist eine in den Studien nachgewiesene, signifikante, bis zu 80%ige Rückbildung der krankheitsauslösenden Amyloid-Plaques sowie ein verzögerter kognitiver Abbau zu beobachten. Bei Eignung für die Antikörpertherapie können die Infusionen (2-wöchentlich) in den Räumlichkeiten erfolgen. Leqembi ist seit 2023 in den USA, Japan sowie Großbritannien zugelassen und wird zur Therapie der Alzheimer-Erkrankung eingesetzt.

Angebote zur Diagnostik und medizinischen Begleitung

Die Kategorie Diagnostik und medizinische Begleitung umfasst Einrichtungen und Dienste, die der medizinischen Versorgung, der Diagnostik, Behandlung und nicht-medikamentösen Begleitung einer Demenzerkrankung dienen. Neben Memory-Kliniken, Gedächtnissprechstunden und -ambulanzen fallen hierunter auch gerontopsychiatrische Kliniken und Stationen. Medizinische Begleitangebote umfassen beispielsweise stationäre Rehabilitation für Menschen mit Demenz und deren Angehörige sowie ambulante Rehabilitationsangebote wie Logopädie, Ergo- und Physiotherapie mit ausdrücklichem Demenzbezug. Das Ziel dieser Behandlungsmöglichkeiten ist der Erhalt und die Verbesserung der Selbstversorgung, kognitiver Funktionen sowie der Orientierungs- und Kommunikationsfähigkeiten. Weitere Behandlungsmöglichkeiten finden sich in Form von kunst- oder musiktherapeutischer Begleitung sowie Konzepten zu demenzsensiblen Umgang mit Patient/-innen in Krankenhäusern. In gerontopsychiatrischen Tageskliniken werden Erkrankte tagsüber ärztlich, psychologisch und pflegerisch behandelt. Beispielsweise finden sich Angebote in Form von Einzel-, Gruppen- und Familiengesprächen, Ergo- und Bewegungstherapien, Gedächtnistrainings, gemeinschaftlicher Freizeitaktivitäten und sozialer Integration. Angebote zur Rehabilitation können dazu dienen, den Gesundheitszustand mithilfe von Logopädie, Physio- und Ergotherapie sowie klinischer Psychologie zu erhalten oder zu verbessern. Angebote zur Rehabilitation oder weiterer Behandlungsmöglichkeiten können sowohl ambulant als auch stationär erfolgen. Auch pflegende Angehörige können hier entsprechende Angebote finden. Zur weiteren Behandlung können zudem kunst- und musiktherapeutische Angebote einen nicht-medikamentösen Beitrag zum Erhalt oder der Verbesserung des gesundheitlichen Zustands leisten. Konzepte zum demenzsensiblen Umgang in Krankenhäusern und Kliniken umfassen besondere Maßnahmen für demenzerkrankte Patient/-innen und deren Betreuungspersonen. Ziel demenzsensibler Konzepte ist es, auf besondere Bedürfnisse von Menschen mit Demenz eingehen zu können, um den Krankenhausaufenthalt möglichst gut (vorbereitet) zu gestalten.

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Unterstützung für Angehörige

Angehörige unserer Patienten und Patientinnen erhalten sowohl in Form von Gesprächen als auch in Form von konkreten Hilfsangeboten, die der Sozialdienst unterbreitet, eine Unterstützung. Denn insbesondere für Angehörige stellt es häufig eine große Herausforderung dar, an Demenz Erkrankte zu betreuen. Im Falle des Verdachts auf Alzheimer bei einem Angehörigen empfiehlt es sich, einen Arzt bzw. eine Ärztin des Vertrauens aufzusuchen, um die Diagnose zu bestätigen und gegebenenfalls geeignete Behandlungsoptionen zu besprechen. Zudem stehen Alzheimer-Gesellschaften und -Organisationen zur Verfügung, die umfassende Unterstützung und Informationen bereitstellen. Diese bieten auch Schulungen an und haben oft regionale Büros. Auch bieten Tagespflegeeinrichtungen eine Möglichkeit zur Entlastung für Angehörige, in denen sie Demenzpatienten während des Tages betreuen. Angehörigengruppen bieten die Gelegenheit, sich mit anderen in ähnlichen Situationen auszutauschen und emotionalen Beistand zu finden. Auch die Krankenkassen können helfen, geeignete Unterstützungsangebote zu organisieren. Angehörige sollten sich nicht scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, da die Pflege eines Demenzpatienten eine herausfordernde Aufgabe sein kann. Die Unterstützung von Fachleuten und die Teilnahme an Angehörigengruppen können sowohl die Belastung reduzieren als auch die Qualität der Pflege verbessern. Es ist also eine „win-win-Situation“, wenn man sich Hilfe sucht und annimmt.

Prävention gerontopsychiatrischer Erkrankungen

Obwohl eine vollständige Prävention von Alzheimer und verwandten Erkrankungen schwer zu erreichen ist, sind gesunde Lebensgewohnheiten von entscheidender Bedeutung. Dazu zählen geistige Stimulation, regelmäßige körperliche Aktivität, eine ausgewogene Ernährung und soziale Interaktion. Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten ebenso behandelt werden.

Weitere neurologische Schwerpunkte

Neben Demenz werden auch andere neurologische Erkrankungen wie Kopfschmerzen, Schmerzen, Epilepsie, Parkinson, Erkrankungen peripherer Nerven, Schwindel, Multiple Sklerose und Schlaganfälle behandelt. Unzureichende körperliche Aktivität und Fehlbelastungen im Alltag und im Arbeitsleben können zu muskulären Dysbalancen und Schmerzsyndromen führen, außerdem steigt das Risiko für internistische, v.a. kardiovaskuläre Erkrankungen. Körperliche Betätigung trägt häufig zur Linderung der aktuellen Beschwerden bei, so dass die pharmakologische Therapie reduziert oder möglicherweise sogar ganz beendet werden kann.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Akupunktur

Die Traditionelle Chinesische Medizin - insbesondere die Akupunktur - kann eine wertvolle Ergänzung zur schulmedizinischen Behandlung darstellen. Neben der klassischen Körperakupunktur wird mit Ohrakupunktur sowie der neuen Schädelakupunktur nach Yamamoto (YNSA) gearbeitet. Dysbiosen - Ungleichgewichte der Darmflora - beeinflussen nicht nur den Verdauungstrakt, sondern können den gesamten Organismus aus dem Gleichgewicht bringen. So können Patient*innen mit Allergie, Erschöpfung, Fazialisparese, Konzentrationsproblemen, Schmerzen, Stimmungsschwankungen, Stress, Magen-Darm-Problemen und Migräne ganzheitlich unterstützt werden.

Spezialisierte neurologische Versorgung

Eine moderne, nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgerichtete und individuell zugeschnittene Behandlung ist selbstverständlich. Das persönliche Gespräch und die körperliche Untersuchung sind dabei genauso wichtig, wie die Anwendung modernster Diagnose- und Therapieverfahren. Im Fokus der ärztlichen Bemühungen steht der Patient als Person. Es ist wichtig, dass sich Patienten wohlfühlen. Die Arbeit erfolgt in enger Kooperation mit Hausärztinnen/-ärzten, Spezialisten sowie den Kliniken der Region.

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Sonderleistungen

Dabei handelt es sich um Leistungen , welche sich im Rahmen der aktuellen Studien sowie der klinischen Erfahrung als symptomlindernd erwiesen haben und von der gesetzlichen Krankenkasse in der Regel nicht übernommen werden. Die Kostenrechnung der Sonderleistung erfolgt auf gesetzlicher Grundlage (GÖÄ, Gebührenordnung für Ärzte) und wird den Patienten selbst in Rechnung gestellt.

Angebote für Migrant/-innen

Menschen mit Migrationshintergrund kommen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und haben i. d. R. eine andere Muttersprache erlernt als die deutsche - in die sie mit fortschreitender Erkrankung häufig zurückfallen. Bei ihrer Versorgung sind v. a. interkulturelle Kompetenzen und Sprachkenntnisse unerlässlich, da die demenziell erkrankten Migranten/-innen ggf.

Gerontopsychiatrische Station

Die Station ist auf die Behandlung älterer Patientinnen und Patienten (in der Regel ab 65 Jahren), die an psychiatrischen Erkrankungen leiden, spezialisiert. Es wird in einem multidisziplinären Team eng zusammengearbeitet. Außerdem wird eng mit Ambulanzen und Tageskliniken, mit der Tagespflege sowie anderen ambulanten Pflegediensten, Diensten der sozialpsychiatrischen Versorgung und Seniorenheimen kooperiert. Da sich auf der Station auch Patienten mit Orientierungsstörungen befinden, wird die Station geschlossen geführt, wobei man sich selbstverständlich darum bemüht, Patienten und Patientinnen größtmöglichen Freiraum zu gewähren. Je nach Krankheitsbild ist es möglich, dass Patienten und Patientinnen die Station verlassen. Alle Patienten und Patientinnen haben darüber hinaus die Möglichkeit, die geschützte Dachterrasse zu nutzen. Ein Hauptziel der Behandlung ist, die Selbständigkeit und Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu erhalten oder zu verbessern. Wo immer möglich werden Angehörige oder nahestehende Personen mit in die Behandlung einbezogen.

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