Das Restless-Legs-Syndrom (RLS), auch bekannt als Willis-Ekbom-Krankheit oder Wittmaack-Ekbom-Syndrom, ist eine häufige neurologische Erkrankung, die durch einen unkontrollierbaren Bewegungsdrang der Beine gekennzeichnet ist, oft begleitet von unangenehmen Empfindungen. Obwohl es sich um eine der häufigsten Bewegungsstörungen in der Neurologie handelt, wird sie häufig unterdiagnostiziert. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über RLS, einschließlich seiner Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist das Restless-Legs-Syndrom?
Das Restless-Legs-Syndrom (RLS), übersetzt „Syndrom der unruhigen Beine", ist eine sensomotorische Störung. Betroffene klagen über unangenehmes Kribbeln und ziehende Missempfindungen im Bereich der Beine, seltener auch der Arme. Charakteristisch ist ein starker Bewegungsdrang der Beine, der mit Missempfindungen wie Kribbeln, Ziehen, Stechen oder Schmerzen verbunden sein kann. Die Symptome treten typischerweise in Ruhe auf und bessern sich bei Bewegung.
Symptome des Restless-Legs-Syndroms
Um die Diagnose eines Restless-Legs-Syndroms stellen zu können, müssen 4 Kriterien erfüllt werden:
- Bewegungsdrang der Beine: Dieser geht üblicherweise mit Missempfindungen einher. Die Missempfindungen werden tief in den Muskel lokalisiert, meistens in den Oberschenkeln oder Waden und bessern sich durch Bewegung der Beine.
- Motorische Unruhe: Patienten mit RLS fühlen sich gezwungen, sich zu bewegen, um die unangenehmen Gefühle in den Beinen zu lindern. Hierbei entwickeln die meisten Patienten verschiedene Strategien, wie Schütteln der Beine, Ausstrecken der Waden, Massieren oder Reiben und Umhergehen.
- Verschlimmerung in Ruhe: Die Symptome verschlechtern sich oder treten ausschließlich in Ruhe (Liegen und Sitzen) auf mit zumindest teilweiser und vorübergehender Erleichterung durch körperliche Aktivität. Typischerweise treten die Beschwerden in Entspannungsphasen, nach dem Zubettgehen oder tagsüber bei längerem Sitzen auf. Bei schwerer Betroffenen könne diese Symptome auch im Auto, im Flugzeug, bei längeren Busfahrten, im Theater oder Konzert als unerträglich empfunden werden.
- Tageszeitabhängigkeit: Deutliche Betonung der Symptome abends und nachts. Bei unbehandelten Patienten zeigt sich eine tageszeitabhängige Schwere der Symptome, die besonders in den Abendstunden und in der Nacht auftreten und gegen Morgen weniger werden. Oft ist dieses Muster jeden Tag ungefähr gleich. Unter Behandlung mit spezifischen Medikamenten kann es zu Änderungen in diesem tageszeitabhängigen Muster kommen, so dass Symptome auch bereits am Morgen oder am früheren Nachmittag auftreten können.
Weitere Beschwerden, die auftreten können, aber für die Diagnosestellung nicht zwingend sind, sind Ein- und/oder Durchschlafstörungen, die teilweise auch mit Tagesmüdigkeit und einem Erschöpfungsgefühl einhergehen. Es kann zu ein- oder beidseitigen periodischen Beinbewegungen im Schlaf kommen. Diese können auch im Wachen und in Ruhe auftreten. Bei manchen Patienten sind andere Familienmitglieder von gleichen Symptomen betroffen.
Die Symptome eines RLS können denen einer Polyneuropathie oder einer peripheren Nervenschädigung ähneln, die Therapie ist aber eine ganz unterschiedliche.
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Ursachen des Restless-Legs-Syndroms
Das Restless-Legs-Syndrom wird in eine primäre (idiopathische) und eine sekundäre (symptomatische) Form unterteilt.
Primäres RLS
Die Ursachen der primären Form sind bislang nicht gänzlich erforscht. Eine wesentliche Ursache des primären Restless-Legs-Syndroms liegt wahrscheinlich in einer Störung des Dopamin-Systems an einer gewissen Stelle im Gehirn. Wie es dann letztlich zu einem Restless-Legs-Syndrom kommt, ist ungeklärt. Man nimmt eine genetische Ursache an. Über die Hälfte der Patienten haben weitere Betroffene mit RLS in der Familie (positive Familienanamnese). So sind inzwischen einige genetische Risikovarianten bekannt, die bei Erkrankten gehäuft nachgewiesen werden. Das Restless-Legs-Syndrom ist aber, wenn es familiär bedingt ist, eine komplexe genetische Erkrankung, d. h. es gibt nicht nur ein einzelnes Gen an dem man sieht, ob das Syndrom entsteht oder nicht.
Sekundäres RLS
Das symptomatische RLS geht oft mit anderen Erkrankungen einher. Ursachen eines sekundären Restless-Legs-Syndroms können sein:
- Niereninsuffizienz (nachlassende Nierenleistung)
- Eisenmangel
- Schwangerschaft
- Polyneuropathie (Erkrankung des peripheren Nervensystems)
- Radikulopathie (Erkrankung der Nervenwurzeln)
- Parkinson-Syndrom
- Vitamin B12 Mangel
- Folsäuremangel
- Rheumatoide Arthritis
- Schilddrüsenfunktionsstörungen
- Seltene Erkrankungen
Desweiteren gibt es viele weitere Medikamente, die ein Restless-Legs Syndrom verstärken.
Diagnose des Restless-Legs-Syndroms
Die Diagnose der RLS ist eine „klinische Diagnose“. Das heißt, es gibt keine technischen Untersuchungen, die klar anzeigen, ob die Erkrankung vorliegt. Zur Sicherung des Befundes ist eine ausführliche und gezielte Patientenbefragung richtungsweisend. Die Feststellung des RLS ist deshalb auch teils erschwert, da sie auf den subjektiven Patientenangaben beruht und der Bewegungsdrang meist nicht als Erkrankungszeichen wahrgenommen wird. Die Beschwerden der Betroffenen entstehen weitgehend durch die Schlafstörungen. Zusätzlich zur exakten Befragung ist eine neurologische Untersuchung, die in der Regel unauffällig ist, und eine Laboruntersuchung der Blutwerte durchzuführen.
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Eine ausführliche Anamnese liefert bereits spezifische Hinweise auf ein Restless-Legs-Syndrom. Erfasst wird dabei unter anderem, wie sich die Beschwerden äußern, wann sie auftreten und ob andere Familienmitglieder ebenfalls betroffen sind - gehäuft liegt beim primären RLS eine erbliche Veranlagung vor. Ein weiterer Baustein in der Diagnostik ist die Überprüfung der Funktion des Nervensystems im Rahmen einer körperlich-neurologischen Untersuchung. Aufschluss über etwaige andere Auslöser der Beschwerden geben zudem Laboruntersuchungen.
Da es einige Grunderkrankungen gibt, die zu einem RLS führen, sind diese bei der Syndrom-Diagnostik zu beachten. So tritt RLS gehäuft auf bei Eisenmangel, Urämie (durch Niereninsuffizienz), Polyneuropathie (Nervenleiden), Depression und Angsterkrankungen. Auch als Nebenwirkung bestimmter Medikamente kann sich ein Restless-Legs-Syndrom entwickeln. In der Schwangerschaft, vermutlich unter anderem durch den Eisenmangel bedingt, entwickelt etwa jede 3.-4. Frau diese Erkrankung. Nach der Geburt tritt aber in der Regel wieder eine Besserung bis zur Symptomfreiheit ein.
Gegebenenfalls muss auch eine Kernspintomographie des Rückenmarkkanals zum Ausschluss einer Rückenmarksschädigung oder Spinalkanaleinengung erfolgen. Eine Schlafanalyse liefert wertvolle Informationen zum Vorliegen sogenannter periodischer Beinbewegungen und zum Ausmaß von Schlafstörungen.
Behandlung des Restless-Legs-Syndroms
Je nach Ausprägung, Leidensdruck oder möglichen Begleiterkrankungen erfolgt die Therapie des RLS stets individuell. Die Therapie des RLS ist eine reine Symptombehandlung. Die Krankheit selbst kann nicht ursächlich behandelt werden. Liegt eine sekundäre Form des Restless-Legs-Syndroms vor, kommt es bei Therapie der Grunderkrankung häufig zu einer Linderung oder einem Verschwinden der Symptome.
Medikamentöse Therapie
Im Vordergrund der Behandlung steht die spezifische medikamentöse Therapie. Medikamentös kann in den meisten Fällen eine deutliche Minderung der Symptome und somit eine Steigerung der Lebensqualität erzielt werden. So stehen bei der Therapie sogenannte dopaminerge Medikamente (z.B. L-Dopa, Dopaminagonisten) im Vordergrund. Diese modellieren im Gehirn des Patienten die Menge an Dopamin (Signalstoff der Nervenbahnen) und können so den Bewegungsdrang der Betroffenen abmildern. Die Dosiseinstellung erfolgt hierbei für jeden Patienten individuell. Die primäre oder idiopathische Form des Restless legs Syndrom spricht bei vielen Patienten auf eine sogenannte dopaminerge Therapie an. Hierunter versteht man L- Dopa Präparate oder sogenannte Dopaminagonisten, wie sie typischerweise auch für die Behandlung eines Morbus Parkinson eingesetzt werden.
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Mitunter kommen zudem bestimmte Antiepileptika oder auch starke Schmerzmittel zum Einsatz.
Als Nebenwirkungen sind vor allem bei den Dopaminagonisten Übelkeit, Benommenheit und Schwindel möglich. In wenigen Fällen kommt es zur Entwicklung von Suchtverhalten (Esssucht, Verschwendungssucht, Libidosteigerung, Spielsucht…). Diese potentiellen Nebenwirkungen müssen vor Behandlungsbeginn mit den Patienten besprochen werden.
Als wichtigste Komplikation der Behandlung des RLS ist die sogenannte „Augmentation“ zu nennen. Dabei kommt es zur „Gewöhnung“ des Körpers an das dopaminerge Medikament, d.h. die Symptome der Erkrankung treten wieder früher nach Einnahme auf und können sogar zunehmen. Hierbei ist vor allem die täglich vom Patienten eingenommene Dosis des Medikaments entscheidend für das Auftreten der Augmentation.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
Bei leichten Symptomen reichen häufig ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung und allgemeine Maßnahmen aus. So können bei leichten Formen bereits Massage, Fußbäder, Kniebeugen oder das Vermeiden RLS-verstärkender Faktoren (z.B. Kaffee, Alkohol, Wärme, schwere körperliche Belastung, Stress) hilfreich sein. Um nachts besser zu schlafen, kann etwa der Verzicht auf den Mittagsschlaf oder auf ein reichhaltiges Abendessen hilfreich sein. Einige Stunden vor dem Schlafengehen sollte der Konsum von koffeinhaltigen Getränken, Nikotin und Alkohol vermieden werden. Auch Wechselduschen, Fußbäder oder Gymnastikübungen können sich positiv auswirken. Achten Sie ferner auf eine ausreichende Eisenzufuhr in Ihrer Ernährung - Vitamin C fördert die Eisenaufnahme.
Was Sie selbst tun können
Das eine Patentrezept gegen die unruhigen Beine gibt es nicht.
Wer ist von RLS betroffen?
Das Restless-Legs-Syndrom tritt typischerweise bei Menschen mittleren Lebensalters zwischen 30 und 40 Jahren auf. Bei familiären Formen können auch jüngere Menschen betroffen sein. Frauen sind häufiger als Männer betroffen. Das Restless-Legs-Syndrom tritt bei etwa 7000 von 100.000 Personen auf und ist damit eine der häufigsten Bewegungsstörungen in der Neurologie. Bereits im Kindesalter sind teils Krankheitszeichen der RLS nachweisbar. Jedoch kommt es hier leider sehr häufig zu Fehldiagnosen („hyperaktives Kind“).