Die Migräne ist eine weit verbreitete und beeinträchtigende neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist. In Deutschland sind schätzungsweise 7-10% der Männer und 13-18% der Frauen betroffen. Die Erkrankung beginnt häufig im Alter zwischen 15 und 25 Jahren, kann aber auch Kinder betreffen. Es ist wichtig, eine Migräne, die nach dem 40. Lebensjahr auftritt, abzuklären, um andere Ursachen auszuschließen.
Was ist Migräne? Definition und Symptome
Die Migräne ist definiert als ein anfallsartiger Kopfschmerz, der meist einseitig auftritt (Seitenwechsel sind möglich) und einen pochend-pulsierenden Charakter hat. Die Schmerzen sind in der Regel mindestens mittelschwer und beeinträchtigen die alltäglichen Aktivitäten. Körperliche Aktivität verstärkt die Migränekopfschmerzen.
Zusätzlich zu den Kopfschmerzen treten häufig Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit auf, die individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Konzentrationsstörungen, Schwindel, Benommenheit und Geruchsempfindlichkeit werden ebenfalls häufig berichtet.
Die Migräne zwingt die Betroffenen oft dazu, ihre aktuelle Tätigkeit zu unterbrechen und sich an einen ruhigen, abgedunkelten Ort zurückzuziehen. Eine Attacke dauert definitionsgemäß 4 bis 72 Stunden, und die Häufigkeit kann zwischen wenigen Attacken pro Jahr und 6-8 Attacken pro Monat variieren. Typisch sind wenige Attacken pro Jahr bis zu 2-6 Attacken im Monat.
Migräne mit und ohne Aura
Es wird zwischen Migräne mit und ohne Aura unterschieden. Bei der Migräne mit Aura treten im Zusammenhang mit den Migräneattacken (in der Regel zu Beginn) Sehstörungen (Lichtblitze oder Zackensehen) und neurologische Ausfälle (Sprach-, Bewegungs- oder Berührungsempfindungsstörungen) auf. Migräneauren können den Kopfschmerzen vorausgehen oder sie begleiten.
Lesen Sie auch: Umfassende Übersicht: Neurologen Kassel
Ursachen und Risikofaktoren
Obwohl die genauen Ursachen der Migräne noch nicht vollständig geklärt sind, geht man davon aus, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Verschiedene Auslöser (Trigger) können eine Migräneattacke provozieren, darunter:
- Stress
- Hormonelle Veränderungen (z. B. Menstruation)
- Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke (z. B. Käse, Rotwein, Schokolade)
- Schlafmangel oder unregelmäßiger Schlaf
- Wetterwechsel
- Lärm und grelles Licht
- Ausgelassene Mahlzeiten
- Körperliche Anstrengung
Diagnose von Migräne
Die Diagnose der Migräne basiert in erster Linie auf der Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Eine körperliche und neurologische Untersuchung kann durchgeführt werden, um andere Ursachen der Kopfschmerzen auszuschließen. In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich sein, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Umfassende neurologische Diagnostik in der Praxis
Eine umfassende neurologische Diagnostik ist entscheidend für die korrekte Diagnose und Behandlung von Migräne und anderen neurologischen Erkrankungen. Moderne Praxen bieten ein breites Spektrum an diagnostischen Verfahren an, darunter:
- Elektrophysiologie (Nervenmessungen): Hierzu gehören die Neurographie (NLG) zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, das Elektromyogramm (EMG) zur Untersuchung der Muskelaktivität und das Elektroenzephalogramm (EEG) zur Messung der Hirnströme. Diese Untersuchungen helfen bei der Beurteilung der Funktion von Nerven und Muskeln.
- Ultraschalldiagnostik: Die Ultraschalldiagnostik umfasst die Duplexsonographie der Halsgefäße zur Beurteilung der Blutgefäße und die transkranielle farbkodierte Duplexsonographie (TCCS) zur Beurteilung der Blutgefäße im Gehirn. Die Nervensonographie ermöglicht die Darstellung und Beurteilung von Nerven, während die Muskelsonographie zur Diagnose von Muskelerkrankungen eingesetzt wird. Die Hirnparenchym-Sonographie ist ein spezielles Verfahren zur Parkinsondiagnostik.
- Evozierte Potentiale (AEP, SEP, VEP): Diese Tests untersuchen die Funktionsfähigkeit der Nervenbahnen, die Informationen zum Gehirn leiten.
- Liquordiagnostik (Nervenwasserentnahme): Die Untersuchung des Nervenwassers kann bei der Diagnose von entzündlichen oder infektiösen Erkrankungen des Nervensystems hilfreich sein.
Therapie der Migräne
Die Behandlung der Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Attacken zu reduzieren. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die individuell auf den Patienten abgestimmt werden müssen.
Akutbehandlung
Bei der Akutbehandlung werden Medikamente eingesetzt, um die Symptome einer akuten Migräneattacke zu lindern. Hierzu gehören:
Lesen Sie auch: Fachärzte für Neurologie in Schwäbisch Hall
- Triptane: Speziell für die Migränebehandlung entwickelte Medikamente, die die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen reduzieren.
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac, die entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken.
- Novaminsulfon: Ein weiteres Schmerzmittel, das bei Migräne eingesetzt werden kann.
- Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen.
Es ist wichtig, die Medikamente so früh wie möglich nach Beginn der Attacke einzunehmen, um ihre Wirksamkeit zu maximieren.
Prophylaktische Behandlung
Die prophylaktische Behandlung zielt darauf ab, die Häufigkeit und Schwere der Migräneattacken zu reduzieren. Sie kommt in Frage, wenn die Attacken sehr häufig auftreten oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Zu den prophylaktischen Medikamenten gehören:
- Betablocker: Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt wurden, aber auch bei Migräne wirksam sein können.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva können die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Antiepileptika: Einige Antiepileptika werden auch zur Migräneprophylaxe eingesetzt.
- Monoklonale Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor: Erenumab, Eptinezumab, Fremanezumab und Galcanezumab sind neue Substanzen zur vorbeugenden Behandlung der Migräne. Sie blockieren die Wirkung von CGRP, einem Botenstoff, der bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt.
- Botulinumtoxin: Bei chronischer Migräne kann Botulinumtoxin (Botox) in die Kopf- und Nackenmuskulatur injiziert werden, um die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Neben der medikamentösen Behandlung gibt es auch nicht-medikamentöse Möglichkeiten, die Migräne zu behandeln:
- Regelmäßiger Ausdauersport: Kann die Anfallshäufigkeit reduzieren.
- Entspannungstechniken: Das Erlernen einer Entspannungstechnik wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training kann helfen, Stress abzubauen und die Migräne zu kontrollieren.
- Biofeedback: Eine Methode, bei der Patienten lernen, ihre Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Muskelspannung bewusst zu beeinflussen.
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Migräneprophylaxe wirksam sein kann.
- Ernährungsumstellung: Identifizierung und Vermeidung von individuellen Triggern in der Ernährung.
- Verhaltenstherapie: Kann helfen, Stressoren zu identifizieren und Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Moderne Diagnostik und Therapie in Hürth-Efferen
In neurologischen Gemeinschaftspraxen wie in Hürth-Efferen wird das gesamte Spektrum der Neurologie abgedeckt, von der Elektrophysiologie über den Gefäß- und Nervenultraschall bis zur Antikörpertherapie bei Migräne und Immuntherapien bei Multipler Sklerose sowie Behandlung mit Botulinumtoxin A.
Kopfschmerzen: Eine globale Herausforderung
Kopfschmerzen gehören nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den zehn Erkrankungen mit der stärksten funktionellen Behinderung weltweit. Die Prävalenz für Kopfschmerzerkrankungen liegt weltweit bei 60 Prozent. Das bedeutet, dass mehr als jeder Zweite von Kopfschmerzen betroffen ist.
Lesen Sie auch: Psychiater im Gespräch
Idiopathische vs. symptomatische Kopfschmerzen
Mehr als 90% der Kopfschmerzen sind idiopathisch, d.h. sie sind nicht Symptom einer anderen Erkrankung. Von den idiopathischen Kopfschmerzen zu unterscheiden sind symptomatische Kopfschmerzen bei anderen Erkrankungen, z.B. einem Pseudotumor cerebri oder einer Sinusvenenthrombose.
Klassifikation der Kopfschmerzformen
Die Klassifikation der internationalen Kopfschmerzgesellschaft unterscheidet über 250 unterschiedliche Kopfschmerzformen. Zu den häufigsten zählen der Kopfschmerz vom Spannungstyp und die Migräne, aber auch der Clusterkopfschmerz. Eine frühzeitige, korrekte Diagnose und die Einleitung einer spezifischen Behandlung sind wichtig, um eine Chronifizierung zu vermeiden.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit für optimale Patientenversorgung
Neurologische, psychiatrische und psychosomatische Erkrankungen erfordern häufig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit. Enge Kooperationen mit Kliniken vor Ort, Kollegen aus anderen Fachdisziplinen, Psychotherapeuten und Physiotherapeuten sind entscheidend für eine umfassende und individuelle Patientenversorgung.
tags: #neurologen #bei #migrane #50321 #bruhl