Die Mainzer Universitätsmedizin hat eine neue Zentrale Notaufnahme (ZNA) eingeweiht, die eine deutliche Verbesserung der Patientenversorgung, insbesondere für neurologische Notfälle, verspricht. Durch die Zusammenlegung verschiedener Fachrichtungen unter einem Dach und die Implementierung moderner Technologien soll der Behandlungsprozess optimiert und beschleunigt werden.
Hintergrund und Notwendigkeit
Bisher standen Rettungskräfte bei der Anfahrt zur Mainzer Universitätsmedizin vor der Frage, ob ein Patient in die chirurgische oder internistische Notaufnahme gebracht werden sollte. Carsten Lott, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Mainz, bestätigte, dass diese Entscheidung nicht immer einfach zu treffen war und wertvolle Zeit kosten konnte. Die neue ZNA soll diese Problematik lösen und eine effizientere Erstversorgung ermöglichen. Jährlich werden rund 40.000 Notfälle in der Mainzer Universitätsmedizin behandelt.
Konzeption und Struktur der neuen Notaufnahme
Die neue ZNA zeichnet sich durch eine Reihe von Verbesserungen aus:
- Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen: Internistische, chirurgische und neurologische Patienten werden nun zentral in der Notaufnahme aufgenommen und behandelt. Dies vermeidet unnötige Verlegungen innerhalb des Klinikums.
- Effizientere Abläufe: Patienten, die ohne Rettungsdienst eintreffen, melden sich am Empfang der Notaufnahme. Anschließend erfolgt eine Einteilung in vier Kategorien, basierend auf der Dringlichkeit der Behandlung. Je nach Einstufung werden die Patienten entweder in den Wartebereich geleitet oder direkt in einen der Behandlungsräume gebracht.
- Modernes Patientenmanagement: Ein digitales System ermöglicht einen schnellen Datenaustausch innerhalb der Notaufnahme und trägt zur Effizienzsteigerung bei.
- Optimierte Wege für Hubschrauberpatienten: Der Rettungshubschrauber landet auf dem Dach der Notaufnahme, sodass Patienten per Aufzug direkt in den Behandlungsbereich transportiert werden können.
- Ausreichende Kapazität: Die neue ZNA ist für die Versorgung von bis zu 50.000 Patienten pro Jahr ausgelegt.
- Moderne IT-Technik: Die Räumlichkeiten wurden in kurzer Zeit umgebaut und mit modernster IT-Technik ausgestattet.
Neurologische Versorgung in der Zentralen Notaufnahme
Die neue ZNA stellt eine wichtige Verbesserung für die Akutversorgung neurologischer Notfälle dar. In der Akut-Neurologie werden Erkrankungen behandelt, die auf eine Schädigung des Nervensystems zurückzuführen sind. Zu den Behandlungsschwerpunkten gehören:
- Halbseitenlähmungen nach Schlaganfällen oder Hirnblutungen
- Hirntumore
- Bandscheibenvorfälle
- Multiple Sklerose
- Epilepsien
- Parkinson
- Hirnhautentzündungen
- Schädel-Hirn-Verletzungen nach Unfällen
Im Vordergrund der neurologischen Behandlung steht die Diagnostik. Hierbei kommen bildgebende Verfahren (Computertomographie, Kernspintomographie, Ultraschalluntersuchungen) und neuro-physiologische Untersuchungsmethoden (EEG, SEP, VEP, AEP, etc.) zum Einsatz. Auch Untersuchungen der äußeren und inneren Hirngefäße werden durchgeführt (Dopplersonographie, Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße und der Ultraschalluntersuchung der inneren Hirngefäße).
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Bei vermuteter Nervenschädigung, beispielsweise im Rahmen einer Polyneuropathie oder eines Bandscheibenvorfalls, spielen neben der klinischen Befunderhebung elektrophysiologische Messungen (Neurografie, Elektromyografie, somatisch evozierte Potentiale (SSEP)) eine wichtige Rolle. Für spezielle Fragestellungen steht darüber hinaus die Quantitative Sensorische Testung (QST) im DRK-Schmerz-Zentrum zur Verfügung. Diese kann sowohl reduzierte als auch gesteigerte Empfindungswahrnehmungen und somit die Funktion des somatosensiblen Systems abbilden.
Das Team, das sich um die Patienten kümmert, besteht aus Menschen unterschiedlicher Berufsgruppen. Es wird ein multiprofessionelles und multimodales Behandlungsangebot bereitgestellt, entsprechend einer individuellen Fallkonzeption. Der Umfang an Unterstützung, Beratung und Anleitung wird gemeinsam mit den Patienten abgestimmt. Die diagnostischen und therapeutischen Behandlungsbestandteile werden auf die jeweiligen Erkrankungen und patientenindividuellen Besonderheiten abgestimmt.
Zu den diagnostischen und therapeutischen Angeboten gehören:
- Bildgebende Verfahren
- Neuro-physiologische Untersuchungsmethoden
- Doppler Halsgefäße
- Medikamentöse Therapie
- Qualifizierte pflegerische Betreuung durch Pflegefachkräfte
- Sozialtherapeutische Betreuung
- Ergotherapie
- Logopädie
- Physiotherapie
Ausblick und Weiterentwicklung
Der Umbau der ZNA ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Aktuell wird direkt neben der erneuerten Station ein zweiter Flügel angebaut, in dem weitere 16 Betten Platz finden sollen. Darüber hinaus ist eine engere Verzahnung mit der ambulanten Medizin geplant. Es soll eine Unit entstehen, in der kurzstationäre Patienten behandelt werden können. Die Universitätsklinik rechnet damit, dass der Umbau in ca. abgeschlossen sein wird.
Die Betreuung und Beratung geht über den Aufenthalt in der Klinik hinaus. Patienten und deren Angehörige werden hinsichtlich einer Rehabilitation oder einer Pflegeüberleitung (Pflegeheim, häusliche Pflege) beraten. Auch eine Beratung zur Hilfsmittelversorgung, zur behindertengerechten Umgestaltung der häuslichen Umgebung wie auch eine Beratung bei Tracheostomabehandlung und bei enteraler Ernährung erfolgt. Neben der Akut-Neurologie werden intensive, personell und apparativ optimale neurologische Rehabilitationsmaßnahmen angeboten. Diese starten im Idealfall sofort bzw. möglichst früh im Anschluss an die Schädigung. Die Frührehabilitationsdiagnostik und -planung erfolgt patientenindividuell und mit einer engmaschigen Überprüfung des Rehabilitationserfolges.
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Finanzierung
Die Kosten für den Umbau der ZNA belaufen sich auf rund 17 Millionen Euro. Die Universitätsmedizin gehört dem Land Rheinland-Pfalz, welches die Baukosten trägt.
Mainz als Gesundheitsstandort
Mainz ist nicht nur für seine Fastnacht bekannt, sondern auch als wichtiger Gesundheitsstandort. Als Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz und in direkter Nähe zur hessischen Hauptstadt Wiesbaden bietet Mainz ein weit ausgebautes Netzwerk an medizinischen und psychologischen Beratungsstellen und Notdiensten. Neben einer Beratungsstelle für körperlich und geistig behinderte Menschen betreibt Mainz auch einen Pflegestützpunkt und ein Portal für soziale Beratung, bei dem die Menschen schnell Hilfe und Unterstützung finden.
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