Neurologische Untersuchung bei Säuglingen: Ein umfassender Überblick

In der Neuropädiatrie liegt der Fokus auf der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems bei Kindern und Jugendlichen. Dies umfasst Erkrankungen des zentralen Nervensystems (Gehirn, Rückenmark) und des peripheren Nervensystems sowie Muskelerkrankungen. Die Betreuung von Patienten der Kinderchirurgie und der Psychosomatik erfolgt konsiliarisch, ebenso wie die Unterstützung der neurologischen/orthopädischen Rehabilitationsstation. Ein wichtiger Bestandteil der neuropädiatrischen Versorgung ist die neurologische Untersuchung, die speziell auf die Bedürfnisse von Säuglingen zugeschnitten ist.

Epilepsie im Kindesalter

Epilepsie, abgeleitet vom griechischen Wort für "Ergriffen werden", ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Während der Grand Mal Anfall mit Bewusstseinsverlust und Zuckungen oft als Inbegriff eines epileptischen Anfalls wahrgenommen wird, existieren zahlreiche andere, weniger auffällige Anfallsformen, wie kurze Unaufmerksamkeiten oder Zuckungen einzelner Gliedmaßen. Die Diagnose Epilepsie wird in der Regel nach mindestens zwei Anfällen ohne erkennbare Ursache im Abstand von 24 Stunden oder nach einem Anfall mit hohem Wiederholungsrisiko gestellt.

Etwa 1% der Weltbevölkerung ist von Epilepsie betroffen, wobei 30% der Fälle vor dem 20. Lebensjahr auftreten. Epileptische Anfälle entstehen durch abnorme, übermäßige Entladungen von Nervenzellen im Gehirn. Symptomatische Anfälle, die durch Vergiftungen, Infektionen, Sauerstoffmangel, Unterzuckerung oder Schädel-Hirn-Traumata ausgelöst werden, werden von Epilepsie unterschieden. Moderne genetische Untersuchungsmethoden haben in den letzten Jahren zu einem besseren Verständnis der Ursachen kindlicher Epilepsien beigetragen.

Diagnostik von Epilepsie

Bei einem ersten Anfall wird zunächst ein ausführliches Gespräch mit den Eltern geführt, um Details zum Anfall, mögliche Auslöser und die familiäre Vorgeschichte zu erheben. Eine körperliche Untersuchung und Bluttests zur Überprüfung von Blutzucker und Elektrolyten folgen. Ein EEG (Elektroenzephalogramm) zur Ableitung der Hirnströme ist ein wesentlicher Bestandteil der Diagnostik. Dabei werden Elektroden auf dem Kopf platziert, um die elektrische Aktivität des Gehirns zu messen. Je nach Befund kann eine Kernspintomographie (MRT) des Kopfes zur genaueren Darstellung des Gehirns erforderlich sein.

Behandlung von Epilepsie

Die Behandlung von Epilepsie erfolgt in der Regel mit Medikamenten in Form von Tabletten oder Saft, die regelmäßig eingenommen werden müssen. Die meisten Nebenwirkungen sind bei modernen Medikamenten gering. Bei 60-70% der Patienten können die Anfälle durch Medikamente gut kontrolliert werden. Ziel ist es, ein möglichst normales Leben trotz der Erkrankung zu ermöglichen. Viele kindliche Epilepsien heilen bis zur Pubertät aus, sodass die Medikamente oft nur über einige Jahre eingenommen werden müssen. Trotz Therapie sind bestimmte Vorsichtsmaßnahmen, z.B. beim Schwimmen, zu beachten. Für den Notfall erhalten die Eltern ein Notfallmedikament.

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Fieberkrämpfe bei Säuglingen und Kleinkindern

Fieberkrämpfe sind Anfälle, die im Zusammenhang mit einem raschen Anstieg der Körpertemperatur auftreten. Sie äußern sich durch unkontrollierte Zuckungen und Bewusstseinsverlust, ähnlich wie epileptische Anfälle. Fieberkrämpfe treten meist im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren auf. Für Eltern sind sie oft sehr beängstigend, aber in den meisten Fällen harmlos und ohneFolgeschäden.

Unkomplizierte Fieberkrämpfe dauern weniger als 15 Minuten und treten nicht mehrfach innerhalb von 24 Stunden auf. In solchen Fällen ist in der Regel keine weitergehende Abklärung im Krankenhaus erforderlich. Komplizierte Fieberkrämpfe, die vor dem sechsten Lebensmonat oder nach dem fünften Geburtstag auftreten, länger als 15 Minuten dauern oder sich mehrfach am Tag wiederholen, sollten ärztlich abgeklärt werden, da sie in seltenen Fällen ein erstes Anzeichen für eine Epilepsie oder eine entzündliche Erkrankung des Gehirns sein können.

Diagnostik von Fieberkrämpfen

Die Abklärung von Fieberkrämpfen umfasst ein ausführliches Gespräch über den Ablauf und die Symptome des Anfalls sowie die familiäre Vorgeschichte. Eine körperliche Untersuchung und ein EEG, eventuell unter Sedierung, werden durchgeführt, um andere Ursachen auszuschließen und den Fieberkrampf von einer beginnenden Epilepsie abzugrenzen.

Behandlung von Fieberkrämpfen

In den meisten Fällen ist keine dauerhafte medikamentöse Behandlung erforderlich. Eltern erhalten jedoch ein krampflösendes Notfallmedikament, das sie bei einem erneuten Fieberkrampf verabreichen können.

Entwicklungsretardierung / Entwicklungsverzögerung

Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Wenn die Entwicklung jedoch im Vergleich zu Gleichaltrigen deutlich langsamer verläuft oder Schwächen in einzelnen Bereichen auftreten, spricht man von einer Entwicklungsverzögerung. Ursachen können Seh- oder Hörstörungen, genetische Faktoren oder Schädigungen des Gehirns sein. Eine ärztliche Abklärung ist insbesondere bei Rückschritten in der Entwicklung ratsam.

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Diagnostik von Entwicklungsverzögerungen

Die Diagnostik umfasst ein ausführliches Gespräch mit den Eltern und, je nach Alter, mit dem Kind. Eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls eine physiotherapeutische Untersuchung werden durchgeführt. Je nach Fragestellung können weitere Untersuchungen wie EEG oder Ultraschall des Schädels erforderlich sein. In einigen Fällen sind auch Kernspintomographie, Laboruntersuchungen oder elektrophysiologische Untersuchungen notwendig.

Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen

Kopfschmerzen können den Alltag von Kindern und Jugendlichen stark beeinträchtigen. Es gibt verschiedene Formen von Kopfschmerzen, die durch äußere Reize, Überanstrengung, Schlafmangel,Stress oder Ängste ausgelöst werden können. Spannungskopfschmerzen und Migräne sind die häufigsten Formen.

Spannungskopfschmerzen sind meist leicht bis mittelstark und werden als drückend und beengend empfunden. Migräne-Kopfschmerzen treten anfallsartig auf und äußern sich durch pulsierende, hämmernde oder bohrende Schmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen oder Sehstörungen.

Diagnostik von Kopfschmerzen

Die Diagnostik umfasst ein ausführliches Gespräch über die Art, Häufigkeit und Auslöser der Kopfschmerzen. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, Muster zu erkennen. Eine EEG-Untersuchung und gegebenenfalls eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes können weitere Informationen liefern.

Behandlung von Kopfschmerzen

Die Behandlung kann Medikamente zur Akutbehandlung und nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Entspannungsübungen oder Akupunktur umfassen. Bei Bedarf kann eine Zusammenarbeit mit der Psychosomatik oder dem Schmerzzentrum erfolgen.

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Multiple Sklerose und andere entzündliche Erkrankungen des Gehirns

Entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS), wie Multiple Sklerose (MS), können vielfältige Symptome verursachen, abhängig davon, welcher Bereich des Nervensystems betroffen ist. MS ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Isolierschicht der Nervenzellen angreift. Häufige Symptome sind Sehstörungen, Müdigkeit, unsichere Bewegungen, Schwäche, Lähmungen, Missempfindungen und Blasenentleerungsstörungen.

Diagnostik von entzündlichen Erkrankungen des Gehirns

Bei Verdacht auf eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems sind eine ausführliche neurologische Untersuchung, Blutuntersuchungen und gegebenenfalls weitere Untersuchungen wie MRT und Lumbalpunktion erforderlich.

Spezielle neurologische Untersuchungstechniken bei Säuglingen

Die neurologische Untersuchung bei Säuglingen erfordert spezielle Techniken, die auf das Alter und die Entwicklung des Kindes abgestimmt sind.

Reflexuntersuchung

Die Untersuchung der Reflexe ist ein wichtiger Bestandteil der neurologischen Untersuchung bei Säuglingen. Dabei werden verschiedene Reflexe überprüft, wie z.B. der Moro-Reflex, der Saugreflex und der Greifreflex.

Stellreaktionen

Ab dem 5.-7. Lebensmonat können Stellreaktionen untersucht werden. Dabei wird das Kind in verschiedene Positionen gebracht, um zu beobachten, wie es sein Gleichgewicht hält.

Landau-Reaktion

Die Landau-Reaktion wird ab dem 6.-9. Lebensmonat untersucht. Dabei wird das Kind in Bauchlage gehalten, um zu beobachten, wie es Kopf und Beine anhebt.

Untersuchung der Kopfkontrolle

Ab dem 6. Lebensmonat wird die Kopfkontrolle untersucht. Dabei wird das Kind aus der Rückenlage in den Sitz hochgezogen, um zu beobachten, wie gut es seinen Kopf halten kann.

Gleichgewichtsreaktion im Vierfüßlerstand

Gegen Ende des ersten Lebensjahres kann die Gleichgewichtsreaktion im Vierfüßlerstand untersucht werden. Dabei wird das Kind in den Vierfüßlerstand gebracht, um zu beobachten, wie es sein Gleichgewicht hält.

Ultraschalluntersuchung

Bei Säuglingen mit offener Fontanelle kann das Gehirn mittels Ultraschall untersucht werden. Dies ermöglicht die Beurteilung der Hirnkammern, die Erkennung von Hirnblutungen und Fehlbildungen. Auch das Rückenmark kann mittels Ultraschall dargestellt werden, solange die Wirbelbögen noch nicht vollständig verknöchert sind.

EEG (Elektroenzephalographie)

Das EEG ist eine wichtige Untersuchungsmethode zur Messung der Hirnströme. Dabei werden Elektroden auf dem Kopf platziert, um die elektrische Aktivität des Gehirns aufzuzeichnen. Das EEG kann im Wachzustand, im Schlaf oder auch über einen längeren Zeitraum (Langzeit-EEG) durchgeführt werden.

Bedeutung der neurologischen Untersuchung

Die neurologische Untersuchung ist ein unverzichtbarer Bestandteil der pädiatrischen Versorgung. Sie ermöglicht die frühzeitige Erkennung von neurologischen Erkrankungen und Entwicklungsstörungen und bildet die Grundlage für eine individuelleBehandlung und Förderung des Kindes. Die neurologische Untersuchung ist eine humane und kindgerechte Untersuchungsmethode, die sicherstellt, dass die medizinische Versorgung von Kindern immer auch eine humane Medizin ist.

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