Neuromuskuläre Störungen durch Magnesiummangel: Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein Magnesiummangel, auch Hypomagnesiämie genannt, kann eine Vielzahl von neuromuskulären Störungen verursachen. Magnesium ist ein essenzieller Mineralstoff, der an hunderten von wichtigen Prozessen im Körper beteiligt ist, insbesondere an der Funktion von Muskeln und Nerven. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Magnesiummangel im Zusammenhang mit neuromuskulären Störungen.

Symptome eines Magnesiummangels

Ein Magnesiummangel kann sich auf vielfältige Weise äußern, was die Diagnose oft erschwert. Viele Symptome sind unspezifisch und können auch auf andere Erkrankungen hindeuten. Es ist wichtig zu beachten, dass Bluttests nicht immer zuverlässig sind, da der Körper den Mangel zunächst aus den Depots in Knochen, Muskeln und Gewebe ausgleicht.

Neuromuskuläre Symptome

Die bekanntesten Symptome eines Magnesiummangels betreffen das neuromuskuläre System:

  • Muskelkrämpfe: Nächtliche Wadenkrämpfe, Muskelkrämpfe in Füßen oder Zehen sind typische Anzeichen.
  • Muskelverspannungen: Verspannungen in verschiedenen Muskelgruppen können auftreten.
  • Muskelzucken: Unwillkürliches Zucken einzelner Muskeln, insbesondere des Augenlids (Lidflattern).
  • Kribbeln und Taubheit: Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Fingern und Füßen können auftreten.

Weitere Symptome

Neben den neuromuskulären Symptomen kann ein Magnesiummangel auch folgende Beschwerden verursachen:

  • Müdigkeit und Erschöpfung: Allgemeine Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Erschöpfung.
  • Kopfschmerzen und Migräne: Spannungskopfschmerzen und Migräne können durch Magnesiummangel verstärkt werden.
  • Innere Unruhe und Nervosität: Zittern, innere Unruhe, Stress und Nervosität.
  • Schlafstörungen: Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen.
  • Herz-Kreislauf-Probleme: Herzrhythmusstörungen, erhöhte Herzfrequenz, Bluthochdruck und Durchblutungsstörungen.

Neurologische Zeichen

Weitere Anzeichen für neuromuskuläre Übererregbarkeit können durch das Chvostek-Zeichen oder das Trousseau-Zeichen festgestellt werden. Das Trousseau-Zeichen wird durch Einschränkung der Blutzufuhr zur Hand ausgelöst, um zu prüfen, ob Karpalspasmen auftreten.

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Ursachen eines Magnesiummangels

Ein Magnesiummangel kann verschiedene Ursachen haben, die oft in Kombination auftreten:

Unzureichende Magnesiumzufuhr

Eine einseitige, magnesiumarme Ernährung ist eine häufige Ursache für Magnesiummangel. Dies kann besonders bei Diäten oder Fastenkuren der Fall sein, wenn nicht auf eine ausreichende Zufuhr geachtet wird.

Aufnahmestörungen

Bestimmte Erkrankungen können die Aufnahme von Magnesium im Körper beeinträchtigen:

  • Chronische Darmerkrankungen: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Zöliakie können die Magnesiumresorption vermindern.
  • Darmresektionen: Operative Entfernung von Darmabschnitten kann die Aufnahme reduzieren.
  • Langanhaltende Durchfälle: Chronische Durchfälle führen zu einer erhöhten Magnesiumausscheidung über den Darm.
  • Einnahme von Laxantien: Abführmittel können ebenfalls die Magnesiumausscheidung erhöhen.

Erhöhte Magnesiumausscheidung

Verschiedene Faktoren können die Magnesiumausscheidung über die Nieren erhöhen:

  • Bestimmte Medikamente: Diuretika (Entwässerungsmittel), Antibiotika und orale Kontrazeptiva können die Magnesiumausscheidung fördern.
  • Alkoholmissbrauch: Alkohol hemmt die Magnesiumaufnahme und erhöht die Ausscheidung über die Nieren.
  • Diabetes: Diabetiker leiden häufig unter einem Magnesiummangel aufgrund einer verminderten Aufnahme und erhöhten Ausscheidung über die Nieren.
  • Hormonelle Störungen: Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) kann ebenfalls zu einem erhöhten Magnesiumbedarf führen.

Erhöhter Magnesiumbedarf

In bestimmten Lebenssituationen kann der Magnesiumbedarf erhöht sein:

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  • Stress: Körperlicher und psychischer Stress erhöht den Magnesiumbedarf.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Schwangere und stillende Frauen haben einen erhöhten Magnesiumbedarf.
  • Leistungssport: Starkes Schwitzen während des Sports führt zu einer erhöhten Magnesiumausscheidung.

Hypoparathyreoidismus

Der Ausfall oder die Unterfunktion der Nebenschilddrüse (Hypoparathyreoidismus) führt zu einem Mangel an Parathormon, was wiederum Kalzium- und Magnesiummangel verursachen kann.

Auswirkungen von Magnesiummangel auf den Körper

Magnesium ist an zahlreichen Prozessen im Körper beteiligt, daher kann ein Mangel weitreichende Folgen haben:

Muskel- und Nervenfunktion

Magnesium spielt eine entscheidende Rolle bei der Muskelkontraktion und -entspannung sowie bei der Erregungsweiterleitung von Nerven auf Muskelzellen. Ein Mangel kann zu Muskelkrämpfen, Verspannungen, Zuckungen und Kribbelgefühlen führen.

Herz-Kreislauf-System

Magnesium beeinflusst die Muskel- und Nervenzellen des Herzens und kann bei einem Mangel Herzrhythmusstörungen, erhöhte Herzfrequenz und Bluthochdruck verursachen.

Knochengesundheit

Magnesium ist ein wichtiger Bestandteil der Knochen und trägt zur Knochenstabilität bei. Ein Mangel kann langfristig die Knochengesundheit beeinträchtigen und das Risiko für Osteoporose erhöhen.

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Energiestoffwechsel

Magnesium aktiviert zahlreiche Enzyme des Energiestoffwechsels und ist für die intrazelluläre Energiegewinnung unerlässlich. Ein Mangel kann zu Müdigkeit, Erschöpfung und einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit führen.

Psyche

Magnesium verringert die Freisetzung von Stresshormonen und beeinflusst die Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress. Ein Mangel kann zu Nervosität, innerer Unruhe, Schlafstörungen, Depressionen und Konzentrationsschwäche führen.

Entzündungen

Ein langfristiger Magnesiummangel kann Entzündungen im Körper fördern, was das Risiko für Arteriosklerose, rheumatische Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen kann.

Diagnose von Magnesiummangel

Die Diagnose eines Magnesiummangels kann schwierig sein, da viele Symptome unspezifisch sind und Bluttests nicht immer zuverlässig sind. Ein einfacher Bluttest kann Hinweise auf den Magnesiumstatus geben, stellt jedoch alleine keine Diagnose dar. Der Referenzbereich für Magnesium im Blutserum liegt bei 0,8-1,1 mmol/l. Ein Mangel an Magnesium liegt vor, wenn der Magnesiumwert im Blutserum unter 0,66 mmol/l fällt. Für eine genauere Diagnostik wird häufig auch der Magnesiumgehalt in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) bestimmt.

Behandlung von Magnesiummangel

Die Behandlung eines Magnesiummangels zielt darauf ab, die Magnesiumspeicher wieder aufzufüllen und die Symptome zu lindern.

Ernährungsumstellung

Eine gezielte magnesiumreiche Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Folgende Lebensmittel sind besonders reich an Magnesium:

  • Nüsse, Samen und Kerne: Mandeln, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Leinsamen, Sesam.
  • Vollkornprodukte: Vollkornbrot, Haferflocken, Naturreis.
  • Hülsenfrüchte: Bohnen, Linsen, Erbsen.
  • Grünes Blattgemüse: Spinat, Mangold.
  • Fisch und Meeresfrüchte: Lachs, Makrele, Garnelen.
  • Kakaopulver und Bitterschokolade.
  • Magnesiumreiches Mineralwasser

Magnesiumpräparate

In vielen Fällen ist die Einnahme von Magnesiumpräparaten notwendig, um den Magnesiummangel auszugleichen. Es gibt verschiedene Darreichungsformen und Dosierungen:

  • Hochdosierte Präparate: Zu Beginn der Behandlung können hochdosierte Präparate sinnvoll sein, um die Speicher schnell wieder aufzufüllen. Biolectra® Magnesium 365 mg fortissimum Brausetabletten sind ein Beispiel für hochdosierte Präparate.
  • Niedrigdosierte Präparate: Für die langfristige Magnesiumversorgung sind niedrigdosierte Präparate geeignet.
  • Brausetabletten: Brausetabletten sind leicht einzunehmen und werden gut vom Körper aufgenommen.
  • Direktsticks: Direktsticks können ohne Wasser eingenommen werden und sind ideal für unterwegs. Biolectra® Magnesium Direktsticks sind ein Beispiel für Direktsticks.

Es ist wichtig, die empfohlene Tagesdosis nicht zu überschreiten und bei der Einnahme von Magnesiumpräparaten auf eine gute Verträglichkeit zu achten. Bei Überdosierung kann es zu Durchfällen kommen.

Medikamentöse Behandlung

Bei bestimmten Erkrankungen, wie dem Hypoparathyreoidismus, ist eine medikamentöse Behandlung mit Kalzium, Magnesium und Vitamin D-Hormon in Tablettenform erforderlich. In einigen Fällen kann auch eine Hormonersatztherapie mit künstlich hergestelltem Parathormon notwendig sein.

Prävention von Magnesiummangel

Um einem Magnesiummangel vorzubeugen, ist eine ausgewogene Ernährung mit magnesiumreichen Lebensmitteln wichtig. Zudem sollten Risikofaktoren wie Stress, Alkoholmissbrauch und die Einnahme bestimmter Medikamente vermieden werden. In bestimmten Lebenssituationen, wie Schwangerschaft, Stillzeit und Leistungssport, kann eine zusätzliche Magnesiumzufuhr sinnvoll sein.

Magnesium und Fibromyalgie

Die Symptome eines Magnesiummangels ähneln stark den neuromuskulären Störungen bei Fibromyalgie. Ein Magnesiummangel kann Muskelschwäche, -schmerzen, -verspannungen und -krämpfe sowie Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Kopfschmerzen und Stressempfindlichkeit verursachen. Magnesium ist elementar für die Energiebereitstellung im Körper und kann die Schmerzempfindlichkeit reduzieren. Daher kann eine ausreichende Magnesiumversorgung bei Fibromyalgie-Patienten zur Linderung der Symptome beitragen.

Empfohlene Tagesdosis

Laut den Empfehlungen der D-A-CH-Fachgesellschaften für Ernährung benötigen gesunde Personen folgende tägliche Zufuhrmengen des Biofaktors Magnesium:

  • Frauen (auch in Schwangerschaft und Stillzeit): 300 mg/Tag
  • Männer: 350 mg/Tag

Für Kinder und Jugendliche gibt es altersabhängige Empfehlungen.

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