Neuromuskuläre Zentren in Hessen: Information, Diagnostik und Therapie

Die neuromuskulären Zentren (NMZ) in Hessen bieten umfassende Dienstleistungen für Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen. Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Definition, Einteilung, Ursachen, Diagnostik und Therapie dieser Erkrankungen sowie Informationen über die Struktur und Schwerpunkte der NMZ in Hessen.

Was sind neuromuskuläre Erkrankungen?

Die Hirnrinde ist über Nervenbahnen mit Nervenzellen im Rückenmark verbunden. Die aus dem Rückenmark austretenden Nerven (Motoneurone) bilden die Nervenwurzeln, die sich über ein Nervengeflecht (Plexus) aufteilen und den peripheren Nerv bilden, der die Muskulatur versorgt. Die für das Gefühl (sensible) und Regulationsvorgänge (autonome) zuständigen Nerven versorgen Haut oder Blutgefäße. Treten in diesen miteinander verketteten Strukturen einzeln oder im Verbund Störungen auf, so fallen diese unter den Begriff einer neuromuskulären Erkrankung. Im Rahmen der Einteilung von Erkrankungen beheimatet dieser Überbegriff eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Erkrankungen.

Einteilung und Ursachen neuromuskulärer Erkrankungen

Neuromuskuläre Erkrankungen lassen sich nach ihren Ursachen einteilen:

  • Erbliche oder spontan auftretende Erkrankungen: Hierzu gehören die spinale Muskelatrophie, die hereditäre spastische Spinalparalyse, erbliche Polyneuropathien und viele Muskelerkrankungen wie Muskeldystrophien oder Myotonien.
  • Infektionen oder Entzündungen: Diese können Poliomyelitis, Polyneuropathien, Polyneuritis oder Muskelentzündungen (Myositis) auslösen.
  • Degenerative Erkrankungen: Ein Beispiel hierfür ist die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), deren Ursache noch unbekannt ist.
  • Stoffwechselstörungen: Diabetes, Alkohol, Toxine (Botulismus, Tetanus) oder Medikamente können Polyneuropathien und Muskelerkrankungen (Myopathien) verursachen.
  • Autoimmunerkrankungen: Hierbei richtet sich der Körper gegen sich selbst. In akuter Form ist am Nervensystem das Guillain-Barré-Syndrom bekannt, welches in ein chronisches Stadium übergehen kann. Weiter können vielfältige andere Formen der Polyneuropathie dadurch bedingt sein. Richtet sich die Erkrankung gegen Strukturen an der Übergangsstelle zwischen Nerv und Muskel treten Störungen wie die Myasthenia gravis oder das Lambert-Eaton-Syndrom auf. Autoimmunerkrankungen am Muskel sind die Poly- und Dermatomyositis möglicherweise auch die Einschlußkörperchen -Myositis.
  • Mechanische und chemische Schädigungen: Diese können vom Muskelkater bis hin zu Nervenzerreißungen bei Unfällen führen oder über Nerveneinklemmungen ein Karpaltunnelsyndrom auslösen.
  • Unklare Entstehungsbedingungen: Krankheitsbilder wie die Fibromyalgie, das chronische Erschöpfungssyndrom, CK-Erhöhungen und etliche Polyneuropathien fallen in diese Kategorie.

Diagnostik neuromuskulärer Erkrankungen

Die Diagnostik umfasst eine ausführliche Befragung zur Krankheitsvorgeschichte, die klinische Untersuchung besonders Muskelkraft und- Masse. Aufgrund dieser Befunde kann oft schon eine Zuordnung zu einer bestimmten Krankheitsgruppe (Muskelerkrankung, neuromuskuläre Übertragungsstörung, Neuropathie, Motoneuronerkrankung) vorgenommen werden. Für eine detaillierte Zuordnung des Krankheitsbildes sind aber meist weitere diagnostische Schritte notwendig wie die Bestimmung von Laborwerten (insbesondere der CK), elektrophysiologische, kernspintomographische und molekulargenetische Untersuchungen und in besonderen Fällen auch die Beurteilung einer Muskel- und/oder Nervenprobe. Im Einzelfall erfolgt auch die Untersuchung der Lungen- und Herzfunktion mittels Überprüfung der Atmungskapazität und der Ultraschalluntersuchung des Herzmuskels.

Therapie neuromuskulärer Erkrankungen

Die Vielfalt der Ursachen, die eine neuromuskuläre Erkrankung hervorrufen, bedingt, dass zunächst immer nach dem auslösenden Ereignis der Erkrankung gefahndet werden muss. Erst daraus kann die Therapie abgeleitet werden. Somit bedarf jedes Krankheitsbild einer individuellen Abklärung, Behandlung und Beratung. Bei autoimmunbedingten Nerven- und Muskelerkrankungen kommen Immuntherapeutika zum Einsatz, bei erregerbedingten Entzündungen Antibiotika.

Lesen Sie auch: Die Bedeutung des neuromuskulären Systems

Neuromuskuläre Zentren (NMZ): Struktur und Aufgaben

In den auf Initiative der DGM gegründeten Neuromuskulären Zentren (NMZ) finden die fachgerechte Diagnose und die Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen statt. Die Kliniken bilden in Deutschland ein flächendeckendes Netz, so dass eine qualifizierte und wohnortnahe Diagnostik und Therapie sichergestellt werden kann.

Qualitätskriterien der DGM

Die von der DGM beschlossenen Qualitätskriterien für Neuromuskuläre Zentren (NMZ) stellen die Basis für die Vergabe des Gütesiegels dar. Ziel ist, bundesweit einheitliche Standards für die Diagnose, Behandlung und Versorgung von Patientinnen und Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen auf einem qualitativ anerkannten Niveau zu präzisieren und damit sicher zu stellen.

Schwerpunkte der NMZ

Ein Schwerpunkt der neuromuskulären Spezialambulanzen ist die Diagnostik und Therapie von Myositiden (entzündlichen Muskelerkranken). Auch die Diagnostik und Therapie von Patienten mit neuromuskulären Übertragungsstörungen, wie z.B. Myasthenia Gravis inkl. neuer Therapien mit monoklonalen Antikörpern erfolgt über die Hochschulambulanz. Bei Erstvorstellung wird das weitere diagnostische Procedere besprochen. Nach Sichtung der Vorbefunde erfolgt weiterführende elektrophysiologische, kardiopulmonale, laborchemische und Schluckdiagnostik in der Regel über die neurologische Tagesklinik. Auch eine Gewebeentnahme mittels Muskel- und/oder Nervenbiopsie kann in Zusammenarbeit mit der Chirurgie im Hause geplant werden. Durch regelmäßige Verlaufsuntersuchungen wird bei gesicherter Diagnose die Therapie überprüft und ggfs. Auch in der Hochschulambulanz für Neuromuskuläre Erkrankungen erfolgt die Ausrichtung der Behandlung krankheitsspezifisch. Bei den häufigen erworbenen neuromuskulären Erkrankungen wie diabetischer- oder alkoholtoxischer Neuro- bzw. Myopathien stehen das Auffinden bzw.

Neuromuskuläre Zentren in Hessen: Beispiele und Ansprechpartner

Im Folgenden werden einige Beispiele für neuromuskuläre Zentren in Hessen genannt, zusammen mit Informationen zu ihren Schwerpunkten und Ansprechpartnern. Bitte beachten Sie, dass Sprechzeiten und Kontaktdaten sich ändern können. Es wird empfohlen, vorab einen Termin zu vereinbaren.

Klinikum Darmstadt, Medizinische Klinik 1

Die neurologische Klinik des Klinikums Darmstadt versorgt alle Patientinnen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen auf einer großen Normalstation, überregional zertifizierten Stroke-Unit, neurologisch geleiteter Intensivstation und Ermächtigungsambulanz.

Lesen Sie auch: Neuromuskuläres Training: Prävention von Verletzungen

Als Neurozentrum legt das Klinikum einen besonderen Schwerpunkt auf vaskuläre Erkrankungen. Zusammen mit den Kolleginnen des Instituts für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin bietet das Klinikum rund um die Uhr die Möglichkeit zur Thrombektomie. Für Patientinnen mit Subarachnoidalblutung besteht die Möglichkeit zur operativen oder interventionellen Versorgung. Patient*innen mit Epilepsie und Bewegungserkrankungen bietet das Klinikum neben der Möglichkeit der ambulanten Behandlung für schwer zu diagnostizierende oder behandelbare Fälle eine Epilepsie- und Parkinsonkomplexbehandlung an.

In der Klinik werden außerdem alle Erkrankungen des zentralen, peripheren und autonomen Nervensystems sowie Muskelerkrankungen und Schlafstörungen diagnostiziert und behandelt.

Ansprechpartner:

  • Prof. Dr. med. Rainer Kollmar (Klinikdirektor, Facharzt für Neurologie mit Zusatzbezeichnung Neurologische Intensivmedizin)
  • Sabine Schäfer (Sekretariat Klinikdirektor / Organisations- und Teamleitung)
  • Dr. med. Maria Weis (Leitende Oberärztin, Fachärztin für Neurologie mit Zusatzbezeichnung Klinische Geriatrie)
  • Dr. med. univ. Ilia Aroyo, MHBA (Oberarzt, Facharzt für Neurologie mit Zusatzbezeichnung Intensivmedizin und Notfallmedizin)
  • Sait Seymen Babacan (Oberarzt, Facharzt für Neurologie)
  • Dr. med. Julia Biesel (Oberärztin, Fachärztin für Neurologie mit Zusatzbezeichnung Intensivmedizin und Notfallmedizin)
  • Ajaz Ahmad Ganai (Oberarzt, Facharzt für Neurologie mit Zusatzbezeichnung Intensivmedizin)
  • Dr. med. Lisa Mäder (Oberärztin, Fachärztin für Neurologie mit Zusatzbezeichnung Intensivmedizin und Notfallmedizin)
  • Dr. med. Ingo Schirotzek (Oberarzt, Facharzt für Neurologie mit Zusatzbezeichnung Neurologische Intensivmedizin und Palliativmedizin)
  • Rilinda Tahiri (Funktionsoberärztin, Fachärztin für Neurologiemit Zusatzbezeichnung Intensivmedizin)
  • Lilli Dremel (Fachärztin für Neurologie)
  • Amelie Halstenberg (Fachärztin für Neurologie)
  • Anisa Myftiu (Fachärztin für Neurologie)

Assistenzärzte:

Dr. med. Nikolaos Ananikidis, Abdulla Baessa, D. med. Luk Bajors, Dr. med. Hans-Martin Böttner, Dr. med. Marlene Engel, Waseem Kassrin, Dr. med. Esra Koca, Johanna Leimgruber, Dr. med. Carmen Löw, Ayan Krishna Pal, Dr. med. Silvia Rain, Majda Saric, Anna-Lena Schwarz, Merita Sheshi, Dr. med. Osamah Thaher, Adela Toluli, Stephanie Tschulik, Dr. med. Alisa Ulmer, Iqra Zehrah Zaidi, Dr. med. Anne Isabel Zeitz

Stationsleitungen:

Bianka Hofmann (Stationsleitung Neurologische Intensivstation 13E01), Silvia Storbeck (Stationsleitung Stroke Unit 13E 02), Christoph Grünewaldt (Stellv. Stationsleitung Neurologische Intensivstation 13E01), Uwe Kratz (Stellv. Stationsleitung 13D), Anita Schulze (Stellv. Stationsleitung Stroke Unit 13E2), Irina Schwartz (Stellv.)

Ort: Medizinische Klinik 1 am Klinikum Darmstadt, Grafenstr.

Lesen Sie auch: Grundlagen des neuromuskulären Trainings

Sprechzeiten: Nach Vereinbarung.

Universitätsklinikum Gießen

Das Universitätsklinikum Gießen bietet ebenfalls spezialisierte Versorgung für Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen.

Ansprechpartner:

  • Prof. Dr.
  • Prof. Dr. W.
  • Dr. med. (Sprechzeiten: Do 09:00 - 12:00 Uhr)
  • Prof. Dr. U. (Ort: Lehrstuhl für Innere Medizin mit Schwerpunkt Rheumatologie, Justus-Liebig Universität Giessen Abt.)
  • Prof Dr. H. (Sprechzeiten: Mo - Fr 09:00 - 14:00 Uhr)
  • Prof. Dr. med. A. (Sprechzeiten: Mo - Fr 9:00 - 12:00 Uhr nach Vereinbarung)
  • Prof. Dr. med. Bernd Wilken, Dr. G.

Ort: Universitätsklinikum Gießen, Klinikstr.

Sprechzeiten: Nach Vereinbarung.

tags: #neuromuskulares #ezntrum #hessen