Viele Menschen klagen heutzutage über ständige Erschöpfung, Schmerzen, Schlafstörungen oder eine verringerte Regenerationsfähigkeit des Körpers. Oftmals befindet sich der Körper in einem katabolen Zustand, einem Abbau-Modus, anstatt im aufbauenden, anabolen Zustand. Um die Zusammenhänge besser zu verstehen, ist es wichtig, das neuromuskuläre System und seine Funktionsweise zu betrachten.
Grundlagen des neuromuskulären Systems
Das neuromuskuläre System beschreibt die komplexe Interaktion zwischen dem Nervensystem und der Muskulatur. Es umfasst die Nerven, die die Muskeln steuern, die Muskelfasern selbst und die neuromuskulären Verbindungen zwischen Nerven und Muskeln. Vereinfacht ausgedrückt, leiten die Nerven Signale an die Muskeln, um Bewegungen auszuführen.
Neuromuskuläre Erkrankungen
Neuromuskuläre Erkrankungen beeinträchtigen dieses Zusammenspiel und können verschiedene Bereiche des Systems betreffen. Oftmals wird vereinfachend von Muskelkrankheiten oder Muskelschwund gesprochen, wobei Muskelkrankheiten streng genommen nur Erkrankungen des Muskels selbst bezeichnen. Zu den neuromuskulären Erkrankungen zählen aber auch Erkrankungen der Nervenfasern, die den Muskel innervieren.
Ursachen und Auswirkungen
Die Ursachen für neuromuskuläre Erkrankungen sind vielfältig. Häufig spielen genetische Veränderungen oder Mutationen eine Rolle, die die Funktion von Nerven und Muskeln dauerhaft beeinträchtigen. Autoimmunerkrankungen, Infektionen, entzündliche Prozesse, Umwelteinflüsse oder Schädigungen des Nervensystems können ebenfalls Auslöser sein.
Je nach Erkrankungsform treten verschiedene Symptome auf, die von Muskelschwäche, Muskelschwund und Schmerzen bis hin zu Beeinträchtigungen von Herz und Atmung reichen können. Muskelschwäche kann zu Einschränkungen der Gehfähigkeit und anderer wichtiger Funktionen führen und erhebliche Auswirkungen auf die Alltagsbewältigung, die Teilhabe am sozialen Leben und damit die Lebensqualität haben. Auch Herz- und Atemprobleme können auftreten und den Verlauf der Erkrankung zusätzlich beeinflussen.
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Diagnostik und Behandlung
Dank der Fortschritte in der Genetik ist heutzutage eine zunehmend differenzierte Diagnosestellung möglich, was für die Einschätzung des Krankheitsverlaufs und die Beratung der Patienten von großer Bedeutung ist. Auch für die Entwicklung kausaler Therapien ist eine genaue Diagnose erforderlich.
Die Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen variiert je nach Ursache und Schweregrad und muss individuell angepasst werden. Sie erfolgt in der Regel durch Spezialisten wie Neurologen, neuromuskuläre Mediziner und Physiotherapeuten. Zu den wichtigsten Ansätzen gehören:
- Symptomatische Behandlungen zur Linderung der Symptome
- Medikamente (meist bei entzündlichen neuromuskulären Erkrankungen)
- Physiotherapeutische Maßnahmen zur Erhaltung von Beweglichkeit und Kraft
- Hilfsmittel wie Rollstühle oder Krücken zur Unterstützung der Mobilität
- Chirurgische Eingriffe (falls notwendig)
Rehabilitative Maßnahmen zielen darauf ab, dass Betroffene ihren Alltag besser bewältigen können und in Familie, Freundeskreis und Beruf möglichst gut integriert bleiben. Ergotherapie kann Funktionen und Fähigkeiten, insbesondere der oberen Extremitäten, verbessern oder erhalten, während Logopädie die Sprache, das Sprechen, die Stimme, die Atmung und das Schlucken unterstützt. In einigen Fällen ist auch eine psychologische Behandlung erforderlich.
Der anabole und katabole Zustand des Körpers
Im Körper gibt es zwei grundlegende Funktionszustände: anabol und katabol. Der anabole Zustand steht für Aufbau, Regeneration, Heilung und Erneuerung. Hier werden Muskeln aufgebaut, Hormone gebildet und beschädigte Zellen repariert. Der katabole Zustand dagegen steht für Abbau - hier stellt der Körper auf Energiegewinnung durch den Abbau eigener Reserven um.
Ein Hauptgrund für den dauerhaften katabolen Zustand ist chronischer Stress, der das Nervensystem im Sympathikus-Modus hält und die Ausschüttung von Cortisol erhöht. Auch Schlafmangel und Bewegungsmangel tragen dazu bei.
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Wege zurück in den Aufbau-Modus
Um den Körper wieder in den anabolen Zustand zu bringen, ist es wichtig, chronischen Stress zu reduzieren, gut und tief zu schlafen, sich regelmäßig zu bewegen und dem Körper alle nötigen Nährstoffe zur Verfügung zu stellen. Auch die Behandlung von Entzündungen spielt eine wichtige Rolle.
Neuromuskuläres Training zur Optimierung der Motorik
Das neuromuskuläre Training konzentriert sich darauf, die Kommunikation zwischen Nervensystem und Muskulatur zu optimieren. Es verbessert das Zusammenspiel von Gehirn, Muskeln und Nervensystem und kann zu schnelleren Lern- statt Trainingseffekten führen, die langfristig erhalten bleiben.
Vorteile des neuromuskulären Trainings
- Höhere sportliche Leistung
- Geringeres Verletzungsrisiko
- Verbesserung der Sicherheit und Lebensqualität im Alter
- Verbesserungen selbst bei neurologischen Erkrankungen
Übungen für das neuromuskuläre Training
- Gleichgewichtssinn trainieren: Balancieren auf einem Bein, Übungen auf instabilen Unterlagen wie Balancekissen oder Kissen.
- Feinmotorik schulen: Greifübungen mit speziellen Handtrainingsgeräten oder kleinen Gegenständen.
Krafttraining als wichtiger Bestandteil des neuromuskulären Systems
Kraft ist die Fähigkeit des Nerven-Muskelsystems, durch Innervations- und Stoffwechselprozesse Muskelkontraktionen durchzuführen und dabei Widerstände zu überwinden, ihnen nachzugeben oder sie zu halten.
Formen der Muskelarbeit
- Statische Haltearbeit: Ohne sichtbare Muskelverkürzung ist die Spannung im Muskel erhöht, um so zu einer äußeren Gegenkraft das Gleichgewicht zu halten.
- Dynamische Arbeit: Bei der dynamischen Arbeit verkürzt sich der Muskel und die Stellung der Gelenke zueinander wird verändert.
Bedeutung der Kraft für die allgemeine Leistungsfähigkeit
Eine geringe Haltekraft der Muskulatur kann zu Haltungsschwächen führen, die Schäden und Schmerzen verursachen können. Muskeltraining reduziert den Fettanteil und strafft das Gewebe.
Erscheinungsformen der Kraft
- Maximalkraft: Die höchste Kraft, die das neuromuskuläre System bei maximaler willkürlicher Kontraktion ausüben kann.
- Kraftausdauer: Die Fähigkeit, Kraftstöße von über 30% der maximalen Kraftstoßhöhe innerhalb eines definierten Zeitraums wiederholen zu können und dabei die Verringerung der Kraftstoßhöhe gering zu halten.
- Schnellkraft: Die Fähigkeit, optimal schnell Kraft zu bilden.
- Reaktivkraft: Exzentrisch-konzentrische Schnellkraft bei kürzest möglicher Kopplung beider Arbeitsphasen.
Krafttraining in der Rehabilitation
Krafttraining ist in stationären und ambulanten Rehabilitationseinrichtungen ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Es ist risikolos und gut steuerbar, insbesondere wenn Belastungsnormative berücksichtigt werden. Im Vergleich zu Ausdauerbelastungen ist es weniger problematisch.
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Krafttraining bei Herzerkrankungen
Auch bei Patienten mit kardiologischen Erkrankungen kann Krafttraining eingesetzt werden. Es ist mit Einschluss eines Maximalkrafttests möglich und kann auch nach herzchirurgischen Eingriffen angewendet werden.