Künstliche neuronale Netze (KNN) und Deep-Learning-Algorithmen sind prominente Varianten des überwachten Lernens, die von der Funktionsweise menschlicher Nervenzellen inspiriert sind. Diese Netzwerke bestehen aus miteinander verbundenen Neuronen, die in Schichten (Layern) organisiert sind und komplexe Muster in Daten erkennen können.
Funktionsweise neuronaler Netze
Ein neuronales Netz imitiert die Struktur einer menschlichen Nervenzelle, die aus Synapsen, Axon und Zellkörper besteht. Die Synapsen empfangen Reize und leiten diese als Signale an den Zellkörper weiter. Dort wird entschieden, ob das Signal über das Axon weitergeleitet wird.
Ähnlich verarbeiten KNNs Daten in mehreren Schichten:
- Input Layer (Eingabeschicht): Nimmt die Rohdaten auf, wie z.B. Pixelwerte eines Bildes oder Wörter eines Textes. Die Eingabeschicht hat so viele Neuronen, wie es für die Aufgabe zu erfassende Daten gibt.
- Hidden Layers (Verborgene Schichten): Verarbeiten die Daten anhand von Lernregeln und extrahieren komplexe Muster und Merkmale. Die Hidden Layer werden beim Trainieren so angepasst, dass, je nachdem welche Zahl vorliegt, das passende Neuron des Output-Layers aktiviert wird. Die Anzahl der Hidden Layers bestimmt die Tiefe des KNN. Je mehr Zwischenschichten es gibt, desto tiefer ist das neuronale Netz, im englischen spricht man daher auch von „Deep Learning“.
- Output Layer (Ausgabeschicht): Liefert das Endergebnis, z.B. eine Klassifizierung oder Vorhersage. Hier werden die Ergebnisse darstellt, die das neuronale Netz ermittelt hat. Das können z.B. Klassifizierungen der Daten des Input Layer sein.
Die Stärke der Verbindungen zwischen den Neuronen wird durch Gewichte (w) bestimmt, die während des Trainingsprozesses angepasst werden, um das Modell hinsichtlich der (Vorhersage) einer Zielvariable zu optimieren. Die (w) bestimmen, wie stark die Aktivierung eines Neurons in einer Schicht die Aktivierung der Neuronen in der nächsten Schicht beeinflusst.
Die Rolle der Hidden Layers
Die Hidden Layers sind das Herzstück eines KNN. Sie transformieren die Rohdaten in abstraktere Repräsentationen und extrahieren Merkmale, die für die Vorhersage oder Entscheidung des Modells relevant sind. Jede Schicht fügt neue Ebenen des Verständnisses hinzu, von einfachen Mustern bis hin zu komplexen Zusammenhängen.
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Ein Netzwerk zur Bilderkennung könnte beispielsweise folgende Transformationen durchlaufen:
- Input Layer: Pixelwerte des Bildes
- Hidden Layer 1: Erkennung von Kanten und Linien
- Hidden Layer 2: Erkennung von Formen wie Kreisen oder Quadraten
- Hidden Layer 3: Identifikation von Objekten wie Gesichtern oder Fahrzeugen
Die Hidden Layers sind darauf spezialisiert, Merkmale aus Rohdaten zu extrahieren und die Eingaben in nützliche Repräsentationen umzuwandeln. Mit zunehmender Anzahl von Hidden Layers können neuronale Netzwerke immer komplexere Muster und Beziehungen erkennen.
Training neuronaler Netze
Das Training eines neuronalen Netzes ist ein iterativer Prozess, bei dem das Netz aus Beispieldaten lernt.
- Forward Propagation (Vorwärtsdurchlauf): Die Eingabedaten werden durch das Netz propagiert.
- Berechnung des Fehlers: Nach jeder Vorhersage wird der Fehler berechnet und rückwärts durch das Netz propagiert (Backpropagation).
- Gradientenabstieg (Gradient Descent): Die berechneten Gradienten werden genutzt, um die Gewichte in Richtung des geringsten Fehlers anzupassen. Die Gewichte werden in kleinen Schritten, die durch die so genannte Lernrate bestimmt werden, in Richtung des negativen Gradienten angepasst. Um den Lernprozess effizienter und stabiler zu machen, nutzen moderne Algorithmen weitere Schritte, bspw. eine Kombination von Gradientenabstieg mit Momentum. Dies beschleunigt die Anpassung der Gewichte und stabilisiert den Lernprozess.
Der gesamte Prozess wird für mehrere Epochen (Epocs) durchlaufen, in denen jeweils der gesamte Trainingsdatensatz durch das NN geleitet wird. Um das Training auch für große Datensätze durchführen zu können, werden die Trainingsdaten hierbei üblicherweise in zufällig zusammengesetzen, kleineren Datensätzen (Batches) gruppiert.
Um den Vorhersagefehler für ungesehene Daten einzuschätzen, wird ein Testdatensatz vorbehalten. Dieser Datensatz wird während des Trainings nicht zum Anpassen der Gewichte genutzt, sondern erst nach Abschluss einer Epoche für die Berechnung der Vorhersagequalität herangezogen.
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Beim Training von NN können sogenannte Callback-Funktionen eingesetzt werden, um den Anpassungsprozess unter Einbezug von Zwischenergebnissen zu bestimmten Zeitpunkten während des Trainingsprozesses, z. B. am Ende jeder Epoche oder nach einer bestimmten Anzahl von Iterationen, zu evaluieren. Ein Callback kann das Training automatisch stoppen (Early Stopping), wenn Anzeichen von Overfitting erkannt werden, beispielsweise wenn die Vorhersagegüte auf dem Test-Datensatz über mehrere Epochen hinweg stagniert.
Architekturen neuronaler Netze
Je nach Anwendungsfall kommen unterschiedliche Architekturen zum Einsatz:
- Feedforward-Netze: Die einfachste Architektur, bei der Informationen nur in eine Richtung fließen: von der Eingabe zur Ausgabe, ohne Schleifen oder Rückkopplungen.
- Convolutional Neural Networks (Faltungsnetze, CNNs): Speziell für die Verarbeitung von Bilddaten optimiert. Sie verwenden Faltungsoperationen, um räumliche Muster wie Kanten, Texturen und Objekte zu erkennen.
- Recurrent Neural Networks (rekurrente Netze, RNNs): Haben Verbindungen, die Informationen zirkulieren lassen. Dadurch können sie sich an vorherige Eingaben erinnern, was sie ideal für sequentielle Daten wie Text oder Zeitreihen macht.
- Transformer: Die modernste Architektur und bilden die Grundlage für Sprachmodelle wie GPT und BERT.
Herausforderungen und Lösungen
Beim Training von KNNs gibt es einige Herausforderungen:
- Overfitting: Ein Modell mit zu vielen Hidden Layers oder Neuronen kann sich zu stark an die Trainingsdaten anpassen.
- Vanishing Gradient Problem: Bei tiefen Netzwerken können Gradienten während der Rückwärtspropagierung sehr klein werden, wodurch das Training ineffizient wird. Lösung: Verwendung von ReLU-Aktivierungsfunktionen oder LSTMs.
- Rechenaufwand: Netzwerke mit vielen Hidden Layers benötigen erhebliche Rechenressourcen.
Neuronale Netze in der Praxis
Neuronale Netze werden in einer Vielzahl von Anwendungen eingesetzt:
- Bilderkennung: CNNs mit mehreren Convolutional und Fully Connected Layers zur Erkennung von Objekten.
- Sprachverarbeitung: RNNs und Transformer-Modelle nutzen tiefe Hidden Layers, um Sprachmuster zu analysieren.
- Empfehlungssysteme: Deep Neural Networks mit Fully Connected Layers, um personalisierte Vorschläge zu generieren.
- Autonomes Fahren: Sensorfusion und Objekterkennung basieren auf tiefen Netzwerken mit spezialisierten Hidden Layers.
- Medizin: Neuronale Netze ermöglichen eine frühzeitige Diagnose und eine personalisierte Behandlung.
- Wirtschaft: Neuronale Netze optimieren die Entscheidungsfindung und Risikobewertung.
Werkzeuge zur Modellierung von Hidden Layers
- TensorFlow und Keras: Einfacher Aufbau von neuronalen Netzwerken mit mehreren Hidden Layers.
- PyTorch: Flexibel für komplexe und angepasste Architekturen.
- Scikit-learn: Unterstützung für grundlegende neuronale Netzwerke mit wenigen Hidden Layers.
Die Zukunft der Hidden Layers
- Fortschrittliche Architekturen: Neuartige Layer-Typen könnten die Effizienz und Generalisierungsfähigkeit weiter verbessern.
- Automatische Architekturentdeckung: Tools wie AutoML könnten optimale Hidden Layer-Strukturen automatisch finden.
- Energieeffiziente Netzwerke: Forschung konzentriert sich auf Netzwerke mit weniger Hidden Layers, die dennoch hohe Leistungen erzielen.
- Multimodale Netzwerke: Hidden Layers könnten zunehmend für die Verarbeitung von Text, Bild und Audio in einem einzigen Modell optimiert werden.
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