Migräne: Wann ein Besuch beim Neurologen sinnvoll ist

Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Phänomen. Fast jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens schon einmal darunter gelitten. In Deutschland sind schätzungsweise 54 Millionen Menschen betroffen. Professor Dr. med. Max Nedelmann, Chefarzt der Abteilung für Neurologie in den Pinneberger Regio Kliniken, betont, dass Migräne eine neurologische Erkrankung mit körperlichen Ursachen ist, die durch eine Entzündungsreaktion des Nervensystems ausgelöst wird.

Häufige Kopfschmerzarten und ihre Symptome

Die häufigsten Arten von Kopfschmerzen sind Migräne und Spannungskopfschmerzen. Bei Migräne treten typischerweise halbseitige, pulsierende Kopfschmerzen auf, die von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein können. Spannungskopfschmerzen äußern sich eher durch dumpfe Schmerzen, die oft den gesamten Kopf betreffen und sich wie ein Ring um den Schädel anfühlen können. Clusterkopfschmerzen hingegen verursachen sehr heftige Schmerzen in der Augen- oder Schläfengegend einer Gesichtshälfte während einer Attacke.

Hauptsymptome im Überblick:

  • Migräne: Halbseitige, pochende Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmüberempfindlichkeit
  • Spannungskopfschmerz: Dumpfe Kopfschmerzen am gesamten Kopf
  • Clusterkopfschmerz: Heftige Schmerzen in der Augen- bzw. Schläfengegend einer Gesichtshälfte

Wann ist ein Arztbesuch ratsam?

Es gibt bestimmte Situationen, in denen ein Arztbesuch bei Kopfschmerzen dringend angeraten ist. Erstmalige oder sehr starke Kopfschmerzen, eine Veränderung oder Verstärkung bekannter Kopfschmerzen sowie das Auftreten neurologischer Symptome (z. B. Bewusstlosigkeit, Seh- oder Sprachstörungen, Lähmungen) sollten unbedingt zeitnah von einem Neurologen abgeklärt werden. Auch wenn die Kopfschmerzen als Symptom einer anderen Erkrankung auftreten, ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich.

Wichtige Warnsignale:

  • Erstmals auftretende Kopfschmerzen
  • Sehr starke Kopfschmerzen
  • Veränderung oder Verstärkung bekannter Kopfschmerzen
  • Neurologische Symptome (Bewusstlosigkeit, Seh- oder Sprachstörungen, Lähmungen)

Diagnose von Kopfschmerzen

Die Diagnose von Kopfschmerzen erfolgt in der Regel anhand der typischen Beschwerdeschilderung und eines normalen neurologischen Untersuchungsbefunds. Der Arzt wird den Patienten nach dem zeitlichen Ablauf, Charakter und Lokalisation der Schmerzen befragen, sowie nach möglichen Ursachen und Auslösern. Auch das Verhalten des Patienten und die Wirkung von Medikamenten sind wichtige Informationen für die Diagnose. Zur Befundstellung dienen dem Mediziner die Migräne-Diagnosekriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS).

Diagnostische Verfahren:

  • Anamnese: Ausführliches Gespräch über die Beschwerden
  • Körperliche Untersuchung: Neurologische Untersuchung
  • Kopfschmerztagebuch: Dokumentation von Schmerzdauer, -stärke, -charakter und Begleiterscheinungen über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen
  • Apparative Verfahren (in bestimmten Fällen): MRT, EEG, CT, Blutuntersuchungen, Liquorpunktion

Apparative Diagnostik: MRT, EEG und CT

In einigen Fällen können zusätzliche apparative Untersuchungen erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen oder detailliertere Einblicke in das Gehirn zu erhalten.

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  • MRT (Magnetresonanztomographie): Kann krankhafte Veränderungen oder Blutungen ausschließen.
  • EEG (Elektroenzephalographie): Misst die Hirnströme und kann eine mögliche erhöhte Erregbarkeit des Nervensystems nachweisen.
  • CT (Computertomographie): Wird seltener zur Diagnose von Migräne eingesetzt, kann aber bei Akutfällen oder zum Ausschluss von Hirnblutungen, Gefäßfehlbildungen oder -verschlüssen sinnvoll sein.

Primäre und sekundäre Kopfschmerzen

Bei Kopfschmerzerkrankungen ohne andere Ursachen spricht man von primären Kopfschmerzen. Hierzu gehören Migräne, Kopfschmerz vom Spannungstyp und Clusterkopfschmerz. Treten die Kopfschmerzen als Symptom einer anderen Erkrankung auf, spricht man von sekundären Kopfschmerzen. Wichtige Ursachen sind Hirnhautentzündung, Schlaganfälle, Gefäßentzündungen oder Nebenwirkungen von Arzneimitteln.

Therapie von Kopfschmerzen

Es existiert ein sehr großes Spektrum an möglichen Therapien für Kopfschmerzen. Zur Behandlung des Kopfschmerzanfalls werden oft klassische Schmerzmedikamente (beispielsweise Ibuprofen bei der Migräne oder dem Kopfschmerz vom Spannungstyp) eingesetzt. Daneben gibt es auch spezifische Migränemedikamente (Triptane), die bei der Migräne und dem Clusterkopfschmerz zur Anwendung kommen. Wichtig ist auch eine gezielte Behandlung von Begleitsymptomen wie beispielsweise Übelkeit und Erbrechen.

Therapiemöglichkeiten:

  • Akuttherapie: Schmerzmedikamente (Ibuprofen, Triptane), Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen
  • Prophylaxe: Medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen
  • Behandlung der Grunderkrankung (bei sekundären Kopfschmerzen)

Prophylaktische Maßnahmen

Vorbeugende Behandlungen können medikamentös oder nicht medikamentös sein. Eine medikamentöse Prophylaxe der Migräne kann u. a. mit Betablockern oder Antiepileptika erfolgen. Inzwischen gibt es aber auch sehr spezifische Präparate, die gezielt auf die Auslöser bei der Migräne wirken (Hemmung von CGRP). Nicht medikamentöse Maßnahmen sind u. a. regelmäßiger Ausdauersport, Stressmanagement und eine gute Schlafqualität. Auch Akupunktur ist als nichtmedikamentöses Verfahren wirksam in der Behandlung einer akuten Migräne.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Migräneprophylaxe:

  • Regelmäßiger Ausdauersport
  • Stressmanagement
  • Gute Schlafqualität
  • Akupunktur
  • Ernährungsumstellung (Vermeidung von Triggerfaktoren wie gereiftem Käse, Alkohol und Schokolade)

Medikamentenübergebrauch

Ein Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch tritt auf, wenn Patienten über einen längeren Zeitraum zu viele Schmerzmedikamente eingenommen haben. Die Kopfschmerzattacken werden dabei immer länger und man muss immer mehr Medikamente nehmen, um die Kopfschmerzen zu bekämpfen. Therapeutisch muss ein Medikamentenentzug erfolgen.

Spezielle Migräneformen

Es gibt verschiedene Formen von Migräne, die sich in ihren Symptomen und Auslösern unterscheiden. Einige Beispiele sind:

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  • Migräne mit Aura: Vor den Kopfschmerzen treten neurologische Ausfälle auf, meist Sehstörungen.
  • Vestibuläre Migräne: Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen treten während oder nach einer Kopfschmerzattacke auf.
  • Menstruelle Migräne: Migräneattacken treten im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus auf.
  • Hemiplegische Migräne: Neben Aura-Symptomen kann es zu Sprachstörungen, reversiblen motorischen Defiziten und Lähmungserscheinungen kommen.
  • Basilarismigräne: Schwindel, Sehstörungen und Missempfindungen an den Extremitäten treten zusammen mit den Kopfschmerzen auf.

Migräne bei Kindern

Auch bei Kindern im Schulkindalter kommt Migräne vor. Die Kopfschmerzen werden oft von starker Übelkeit und Brechreiz und / oder Bauchschmerzen begleitet. Im Unterschied zu Erwachsenen sind die Kopfschmerzattacken häufig kürzer, oft beidseitig und mit starker Betonung auf die Begleitsymptome (Bauchschmerzen), was das Erkennen erschwert. Nach der Pubertät kommt es häufig zu einer deutlichen Besserung oder sogar zum Verschwinden der Migräne.

Die Rolle des Neurologen

Die Verbindung aus Aura und Kopfschmerzen, eine wesentliche Symptomatik der Migräne, ist neurologischer Art und von daher dem Fachgebiet der Neurologie zugeschrieben. Ein Neurologe ist der richtige Ansprechpartner für die Diagnose und Behandlung von Migräne und anderen Kopfschmerzerkrankungen. Er kann die Ursachen der Kopfschmerzen abklären, eine geeignete Therapie einleiten und den Patienten langfristig betreuen.

Informationen für den Arztbesuch

Um dem Migräne-Arzt dabei zu helfen, sich ein umfangreiches Bild über die Beschwerden zu machen und eine zuverlässige Diagnose zu stellen, ist es hilfreich, die Krankengeschichte so ausführlich und vollständig wie möglich vorzubereiten. Das Führen eines Migränetagebuchs kann sehr sinnvoll sein. Darin notiert man neben der Schmerzdauer und -stärke sowie des Schmerzcharakters auch individuelle Einflussfaktoren wie zum Beispiel wenig Schlaf, Stress oder ungeregelte Tagesabläufe.

Fazit

Migräne ist eine häufige und oft sehr belastende Erkrankung. Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Wichtig ist, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und sich von einem Neurologen beraten und behandeln zu lassen. Durch eine Kombination aus Akuttherapie, Prophylaxe und Anpassung des Lebensstils können die meisten Patienten ein beschwerdeärmeres Leben führen.

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