Neuropathie, Bandscheibenvorfall: Ursachen, Symptome, Behandlung

Ein Bandscheibenvorfall kann erhebliche Beschwerden verursachen und das tägliche Leben stark beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten eines Bandscheibenvorfalls, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis der Erkrankung zu ermöglichen.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Die Bandscheibe ist ein wichtiger Bestandteil der Wirbelsäule und liegt als flexibles Kissen zwischen den Wirbelkörpern. Ihre Hauptfunktion ist es, die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu ermöglichen und gleichzeitig als Stoßdämpfer zu fungieren, insbesondere bei Belastungen wie Heben, Bücken oder bei plötzlichen Bewegungen. Ohne die Bandscheibe würden die Wirbel direkt aufeinander reiben, was zu erheblichen Schäden führen würde.

Aufbau der Bandscheibe

Die Bandscheibe besteht aus zwei Hauptkomponenten:

  • Faserring (Anulus fibrosus): Der Faserring umgibt die Bandscheibe und sorgt für ihre Stabilität. Dieser besteht aus mehreren Schichten von Faserknorpel, die das innere Bandscheibengewebe umschließen und den Gallertkern in Position halten. Der Faserring schützt die Bandscheibe, indem er den Gallertkern an seinem Platz hält und das Austreten verhindert. Der Faserring wird durch die Belastung mit der Zeit zunehmend geschwächt, was zu einem Bandscheibenvorfall führen kann.
  • Gallertkern (Nucleus pulposus): Der Gallertkern ist der weiche, gelartige Teil der Bandscheibe und besteht größtenteils aus Wasser. Er wirkt als Stoßdämpfer und verteilt Druck gleichmäßig über die Wirbelkörper. Der Kern ermöglicht die Flexibilität der Bandscheibe und sorgt dafür, dass die Wirbelsäule bei Bewegung und Belastung flexibel bleibt.

Abschnitte der Wirbelsäule

Ein grundlegendes Verständnis der Abschnitte der Wirbelsäule ist unerlässlich, um den Bandscheibenvorfall besser zu verstehen. Die Wirbelsäule lässt sich in fünf Abschnitte unterteilen:

  • Halswirbelsäule
  • Brustwirbelsäule
  • Lendenwirbelsäule
  • Kreuzbein
  • Steißbein

Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Wirbeln und ist der oberste Abschnitt der Wirbelsäule. Es ist verantwortlich für die Unterstützung des Kopfes und ermöglicht eine Vielzahl von Bewegungen in diesem Bereich.

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Der mittlere Abschnitt, die Brustwirbelsäule, besteht aus zwölf Wirbeln und stützt den Brustkorb. Die Lendenwirbelsäule mit fünf großen Wirbeln stützt das Gewicht des Oberkörpers sowie eine Vielzahl von Bewegungen wie Bücken oder Drehen.

Das Kreuzbein besteht aus fünf miteinander verschmolzenen Wirbeln, während das Steißbein lediglich aus vier bis sechs kleinen Wirbelknochen besteht.

Aufbau der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule besteht aus insgesamt 33 Wirbeln und 23 elastischen Zwischenwirbelscheiben. Diese Bandscheiben trennen die einzelnen Wirbel voneinander und ermöglichen dadurch sowohl Bewegungsfreiheit als auch Stabilität. Jede Bandscheibe setzt sich aus einem äußeren Faserring und einem gelartigen Kern, dem sogenannten Gallertkern, zusammen. Letzterer fungiert als Druckpolster beim Laufen oder Springen und ermöglicht eine flexible Bewegung der Wirbelsäule. Bei Belastung verliert die Bandscheibe Flüssigkeit und wird dabei dünner. Während der Entlastung, z.B. nachts beim Liegen, nimmt sie wieder Flüssigkeit auf und wird dicker. Dies erklärt, warum wir nachts bis zu 2 cm kleiner sind als morgens.

Entstehung eines Bandscheibenvorfalls

Ein Bandscheibenvorfall (auch als Diskusprolaps bezeichnet) tritt auf, wenn der Faserring der Bandscheibe reißt oder sich stark dehnt. Dies führt dazu, dass der weiche Gallertkern aus der Hülle austritt und in den Wirbelkanal vordringt. In diesem Wirbelkanal verlaufen die Nervenwurzel und das Rückenmark, und durch den Austritt des Bandscheibenkerns kann Druck auf diese Strukturen ausgeübt werden. Dieser Druck auf die Nerven kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen.

Ursachen und Risikofaktoren

Ein Bandscheibenvorfall kann durch eine Vielzahl von Faktoren begünstigt werden. Während einige Risikofaktoren nicht beeinflussbar sind, wie beispielsweise das Alter, gibt es auch viele Faktoren, die durch den Lebensstil beeinflusst werden können. Diese Risikofaktoren sind in der Regel miteinander verknüpft und verstärken sich gegenseitig. Es ist wichtig, sich der Risikofaktoren bewusst zu sein und Maßnahmen zur Vorbeugung zu ergreifen, um das Risiko eines Bandscheibenvorfalls zu verringern.

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  • Verschleißerscheinungen: Mit den Jahren nimmt die Elastizität der Bandscheiben ab, sie verlieren Flüssigkeit, werden spröde und rissig. Solche Veränderungen sind Teil des normalen Alterungsprozesses.
  • Fehlbelastung: Langes Sitzen, falsches Heben schwerer Gegenstände und Übergewicht können die Bandscheiben überlasten.
  • Bewegungsmangel: Da der menschliche Körper für die Bewegung gebaut ist, stellt das Sitzen grundsätzlich eine prinzipiell ungünstige Haltung dar. Die Bauchmuskulatur erschlafft und die natürlichen Schwingungen der Wirbelsäule werden zu einem Rundrücken verformt.
  • Genetische Faktoren: Eine angeborene Fehlstellung der Wirbelsäule oder eine genetisch bedingte Schwäche des Bindegewebes können das Risiko erhöhen.
  • Schadstoffe: Rauchen verengt die Blutgefäße und kann zu einer Nährstoff-Unterversorgung der Bandscheiben führen.

Symptome eines Bandscheibenvorfalls

Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls können vielfältig sein und hängen von der Lage des Vorfalls und dem Ausmaß der Nervenkompression ab.

  • Schmerzen: Der Druck auf die Nervenwurzel verursacht häufig starke Rückenschmerzen, die bis in die Beine ausstrahlen können (bei einem Vorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule). Die Schmerzen können plötzlich auftreten oder sich langsam entwickeln.
  • Kribbeln und Taubheitsgefühle: Durch den Druck auf die Nerven entstehen oft Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den betroffenen Armen oder Beinen, je nachdem, wo der Vorfall auftritt.
  • Muskelschwäche und Lähmungen: In schweren Fällen kann der Bandscheibenvorfall zu einer Muskelschwäche oder sogar Lähmungserscheinungen führen. Insbesondere bei einem Vorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) können die Beine betroffen sein, und bei einem Vorfall im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) können Arme und Hände beeinträchtigt werden.
  • Einschränkung der Beweglichkeit: Der Schmerz kann bei jeder Bewegung verstärkt werden, was zu einer Einschränkung der Beweglichkeit führt.

Je nach Lokalisation des Prolapses (z. B. in der Halswirbelsäule (HWS) oder der Lendenwirbelsäule (LWS)) und dem Grad der Schädigung des Faserrings können die Symptome variieren. Besonders schmerzhaft ist dieser Zustand, wenn der Bandscheibenkern auf benachbarte Nervenwurzeln oder den Wirbelkanal selbst drückt, was zu einer Diskushernie führen kann. Eine Diskushernie ist ein Bandscheibenvorfall, bei dem der Kern der Bandscheibe auf Nerven drückt und Schmerzen verursacht.

Spezifische Symptome nach Lokalisation

  • Halswirbelsäule (HWS): Nackenschmerzen, ausstrahlende Schmerzen in Arme und Hände, Kribbeln, Taubheitsgefühle, Kopfschmerzen. Ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule (zervikaler Diskusprolaps) ist eine Erkrankung im Halsbereich der Wirbelsäule. Er betrifft bevorzugt die Bandscheibe zwischen dem fünften und sechsten oder dem sechsten und siebten Halswirbelkörper. Mediziner benutzen dafür die Kürzel HWK 5/6 beziehungsweise HWK 6/7. Nicht immer verursacht ein solcher HWS-Bandscheibenvorfall Symptome. Wenn er aber austretende Nervenwurzeln reizt oder unter Druck setzt, berichten Betroffene häufig von einschießenden Schmerzen und/oder Missempfindungen (Parästhesien) oder Kribbeln im Ausbreitungsgebiet der Nervenwurzel. Dazu zählt beispielsweise ein Taubheitsgefühl in den Fingern.
  • Brustwirbelsäule (BWS): Rückenschmerzen, die meist auf den betroffenen Wirbelsäulenabschnitt begrenzt sind. An der Brustwirbelsäule ist ein Bandscheibenvorfall sehr selten, aber wenn, dann betrifft es in den meisten Fällen den achten bis zwölften Brustwirbel (Th8 bis Th12). Aber auch bei den weiteren Brustwirbeln bis hin zum ersten Lendenwirbel (Th13 bis L1) ist ein Bandscheibenvorfall möglich.
  • Lendenwirbelsäule (LWS): Ausstrahlende Schmerzen in Gesäß und Beine (Ischias), Rückenschmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle, Muskelschwäche in den Beinen. Symptome eines Bandscheibenvorfalls gehen fast immer von der Lendenwirbelsäule aus, weil das Körpergewicht hier einen besonders starken Druck auf die Wirbel und Bandscheiben ausübt, häufig sind es ausstrahlende Schmerzen, dieser wir auch häufig Hexenschuss genannt. Mediziner sprechen vom lumbalen Bandscheibenvorfall oder „Bandscheibenvorfall LWS“. Symptome entstehen meist durch Bandscheibenvorfälle zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel (L4/L5) oder zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem ersten Steißbeinwirbel (L5/S1). Der Druck auf Nervenwurzeln in der Lendenwirbelsäule löst teils heftige Schmerzen im unteren Rückenbereich aus, die mitunter bis in das Bein ausstrahlen (entlang des Versorgungsgebiets der betreffenden Nervenwurzel). Besonders unangenehm ist es, wenn der Ischiasnerv von dem lumbalen Bandscheibenvorfall betroffen ist.

Diagnose eines Bandscheibenvorfalls

Ärzte stellen die Diagnose eines Bandscheibenvorfalls meist durch eine gründliche Untersuchung und bildgebende Verfahren wie MRT oder CT. Es ist entscheidend, frühzeitig die genaue Ursache der Schmerzen und Beschwerden zu identifizieren, um die richtige Therapie einzuleiten.

Neurologische Untersuchung

Im Rahmen der ersten Untersuchung führt ein erfahrener Arzt eine neurologische Untersuchung durch. Diese hilft, die Funktionalität der Nerven und Muskeln zu überprüfen. Zu den wichtigsten Aspekten gehören:

  • Reflexe: Der Arzt testet die Reflexe an den Armen und Beinen, um festzustellen, ob es Anzeichen von Nervenschäden gibt. Abweichungen von den normalen Reflexwerten können auf eine Schädigung der Nervenwurzel hinweisen.
  • Sensibilität: Die Empfindlichkeit in den betroffenen Bereichen wird getestet, um festzustellen, ob es zu Taubheitsgefühlen oder einem Verlust der Wahrnehmung kommt. Eine reduzierte Sensibilität deutet häufig auf Druck auf die Nerven hin.
  • Muskelkraft: Um die Funktionsfähigkeit der Muskeln zu überprüfen, werden bestimmte Bewegungen getestet. Muskelschwäche, insbesondere in den Armen oder Beinen, kann ein Hinweis auf eine Bandscheibenprotrusion oder einen Prolaps sein, der auf die Nervenwurzeln drückt.

Bei einer Bandscheibenprotrusion wölbt sich die Bandscheibe vor, der Faserring bleibt aber intakt. Beim Bandscheibenprolaps reißt der Faserring, und der Gallertkern tritt aus - oft mit stärkeren Symptomen.

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Bildgebung

Für eine genaue Diagnose und die Bestimmung der Schwere des Bandscheibenvorfalls kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz. Sie liefern detaillierte Informationen über die Lage und Ausdehnung des Prolaps, den Bandscheibenkern und die Auswirkungen auf den Wirbelkanal und die Nerven.

  • MRT (Magnetresonanztomographie): Das MRT ist die wichtigste bildgebende Untersuchung zur Diagnosestellung bei einem Bandscheibenvorfall. Es zeigt präzise das Bandscheibengewebe sowie die Position des Bandscheibenkerns und ob dieser in den Wirbelkanal eingedrungen ist. Ein Prolaps oder eine Bandscheibenprotrusion wird so deutlich sichtbar, und auch der Druck auf benachbarte Nervenwurzel kann erkannt werden.
  • CT (Computertomographie): Das CT liefert detaillierte Querschnittsbilder der Wirbelkörper und kann helfen, strukturelle Veränderungen zu erkennen. Besonders bei Patienten mit Metallimplantaten oder Kontraindikationen für ein MRT wird das CT oft als Alternative genutzt. Es zeigt, ob sich der Bandscheibenvorfall über die normalen Grenzen hinaus ausgebreitet hat und ob zusätzliche Komplikationen wie Arthrose oder Knochenbrüche vorliegen.
  • Röntgen: Das Röntgen ist eine weniger präzise Methode, um einen Bandscheibenvorfall zu diagnostizieren. Es wird vor allem verwendet, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen, wie etwa Frakturen, Fehlstellungen oder Arthrose der Wirbelkörper. Auf den Röntgenbildern ist der Bandscheibenvorfall selbst nicht sichtbar, aber die Ausrichtung der Wirbelsäule und mögliche Veränderungen an den Wirbelkörpern können erkannt werden.

Durch diese diagnostischen Maßnahmen kann der Bandscheibenvorfall genau lokalisiert und die passende Behandlung ausgewählt werden. In Kombination mit der neurologischen Untersuchung und den bildgebenden Verfahren lässt sich der Schweregrad des Prolapses ermitteln und eine individuelle Therapie entwickeln.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Nervenkompression zu reduzieren und dieFunktion der Wirbelsäule wiederherzustellen. In den meisten Fällen können konservative Behandlungsmethoden erfolgreich eingesetzt werden.

Konservative Therapie

Hierbei werden Schmerzmedikamente, Physiotherapie, Wärme- oder Kältebehandlungen sowie gezielte Übungen eingesetzt, um die Symptome zu lindern und die Muskulatur zu stärken. Überdies kann auch eine gezielte Ernährungsumstellung dazu beitragen, die Beschwerden zu reduzieren, denn bestimmte Nahrungsmittel können Entzündungen im Körper begünstigen und somit den Schmerz verstärken. Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung von Rückenschmerzen ist die manuelle Therapie. Hierbei werden durch gezieltes Einrenken oder Mobilisieren der Wirbelsäule Blockaden gelöst und Verspannungen gelockert.

  • Schmerzmedikamente: Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente wie Paracetamol oder sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac kommen zum Einsatz. Verspannungen lösen sich und Bewegung wird wieder leichter.
  • Physiotherapie: In der Physiotherapie erlernen Betroffene, sich rückengerecht zu bewegen, um Ihren Rücken bestmöglich zu entlasten. Kräftigungsübungen dienen dazu, die geschwächte Rückenmuskulatur, besonders die Tiefenmuskulatur, gezielt aufzubauen. Als eine der effektivsten Maßnahmen zur Behandlung von Rückenschmerzen gilt das funktionelle Rückentraining. Expertinnen und Experten empfehlen, zeitnah mit einem Bewegungsprogramm und Physiotherapie zu starten. So bleiben Kraft und Beweglichkeit erhalten.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Ergänzend können Massagen oder Wärme- beziehungsweise Kältebehandlungen hilfreich sein.

Injektionstherapie

Dabei wird ein entzündungshemmendes Medikament direkt in den betroffenen Bereich gespritzt, um die Schmerzen zu reduzieren. Diese Methode ist besonders effektiv bei akuten Schmerzen, wie sie beispielsweise durch eine Verletzung oder Überlastung entstehen können. Auch chronische Beschwerden lassen sich oft erfolgreich mit Injektionen behandeln. Das Medikament wird dabei gezielt in den Bereich gespritzt, wo die Entzündung und damit auch der Schmerz lokalisiert sind. Durch diese direkte Anwendung kann das Mittel schnell wirken und seine volle Wirkkraft entfalten.

Operative Therapie

Wenn konservative Methoden nicht ausreichend sind oder es zu neurologischen Ausfällen kommt, kann eine Operation notwendig sein. Dabei handelt es sich meist um einen minimalinvasiven Eingriff mit kleinen Schnitten, wodurch sich die Erholungszeit verkürzt. Die Operation kann auch mit einer Fusion von Wirbeln kombiniert werden, um eine Stabilisierung der betroffenen Region zu erreichen. Die ausgetretene Bandscheibe kann mikrochirurgisch oder endoskopisch entfernt werden. Ziel ist, möglichst schonend nur das störende Gewebe zu beseitigen, um die Funktion des verbliebenen Bandscheibengewebes so gut wie möglich zu erhalten. Bei fast allen Betroffenen kann die OP die starken Schmerzen schnell lindern, da der bedrängte Nerv wieder entlastet wird. Der Klinik-Aufenthalt dauert in der Regel nur wenige Tage. Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine defekte durch eine künstliche Bandscheibe ersetzt werden. Solche sogenannten Bandscheibenprothesen sind allerdings nur in sehr wenigen Fällen sinnvoll. Vor allem bei jüngeren Betroffenen mit einem isolierten Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule (HWS) können sie empfehlenswert sein. Voraussetzungen für eine Bandscheibenprothese sind stabile Wirbelknochen und intakte Wirbelgelenke. Eine letzte Behandlungsoption ist eine Versteifung der Wirbelsäule (Spondylodese). Dabei werden Wirbelkörper miteinander verschraubt. Wie jede OP bringt auch ein Eingriff an der Bandscheibe Risiken mit sich: Infektionen, Nachblutungen und Nervenverletzungen sind möglich. Und nicht immer bringt die Operation den gewünschten Erfolg.

Alternative Therapiemethoden

Neben den traditionellen Schmerztherapien und operativen Therapien können auch alternative Heilmethoden wie Akupunktur, Chiropraktik und Osteopathie zur Linderung von Bandscheibenvorfällen und damit verbundenen Beschwerden beitragen. Diese Methoden setzen auf ganzheitliche Ansätze und können die körpereigenen Heilungskräfte aktivieren. Es ist jedoch wichtig, diese Behandlungen immer mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin abzusprechen.

  • Akupunktur: Akupunktur ist eine traditionelle chinesische Heilmethode, bei der feine Nadeln an bestimmten Punkten des Körpers gesetzt werden. Diese Akupunkturpunkte befinden sich entlang von Energiebahnen (Meridianen), die die Lebensenergie „Qi“ transportieren. Das Setzen der Nadeln bringt den Energiefluss im Körper wieder ins Gleichgewicht und löst Blockaden. Bei Bandscheibenvorfällen wird Akupunktur genutzt, um Schmerzen zu lindern, die Blutversorgung zu verbessern und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.
  • Chiropraktik: Chiropraktik fokussiert sich hauptsächlich auf die Diagnose und Behandlung von Fehlstellungen und Verspannungen im Skelettsystem, insbesondere der Wirbelsäule. Durch gezielte manuelle Manipulationen der Wirbel und der Gelenke werden Blockaden gelöst, die den Druck auf Nerven reduzieren und die Beweglichkeit verbessern. Chiropraktiker verwenden Techniken, die die natürliche Ausrichtung der Wirbel und Gelenke fördern, um Beschwerden im Zusammenhang mit einem Bandscheibenvorfall zu lindern.
  • Osteopathie: Die Osteopathie ist eine ganzheitliche Therapieform, die davon ausgeht, dass der Körper als Einheit funktioniert und alle Organe, Muskeln, Gelenke und das Nervensystem miteinander verbunden sind. Ein Osteopath arbeitet mit sanften, manuellen Techniken, um Spannungen und Blockaden im Körper zu lösen und die Beweglichkeit der Wirbelsäule sowie der umliegenden Muskulatur zu fördern.

Alltagstipps für Menschen mit Bandscheibenproblemen

  • Ergonomisches Sitzen & Arbeiten: Vermeidung von Fehlhaltungen: Wenn du viel sitzt, ist es besonders wichtig, auf eine ergonomische Sitzposition zu achten. Dein Rücken sollte gut unterstützt werden, am besten mit einem Stuhl, der die natürliche Krümmung der Wirbelsäule stützt. Achte darauf, dass deine Füße flach auf dem Boden stehen und deine Knie in einem 90-Grad-Winkel gebeugt sind. Der Bildschirm sollte auf Augenhöhe platziert werden, sodass du nicht nach unten oder oben schauen musst. So verhinderst du eine unnötige Belastung der Halswirbelsäule (HWS). Stehe regelmäßig auf, dehne dich und gehe ein paar Schritte, um die Muskeln zu lockern und die Durchblutung zu fördern. Dies hilft, Verkrampfungen und Verspannungen zu vermeiden, die die Bandscheiben belasten könnten.
  • Rückenschonendes Heben mit geradem Rücken: Achte darauf, den Rücken gerade zu halten und die Beine zu beugen. Hebe mit den Beinen, nicht mit dem Rücken. Dein Oberkörper bleibt aufrecht, und du vermeidest, dass die Bandscheiben in der Lendenwirbelsäule unnötigem Druck ausgesetzt werden. Vermeide es, beim Heben den Oberkörper zu drehen, da dies zusätzliche Belastung auf die Bandscheiben ausübt und zu Verletzungen führen kann. Drehe dich stattdessen mit den Füßen und den Hüften. Nutze Hilfsmittel wie einen Tragegurt, um das Gewicht besser zu verteilen.
  • Bewegung: Es ist am günstigsten, sich während der Arbeitszeit so oft wie möglich zu bewegen. Eine Faustformel empfiehlt hier 50% Sitzen, 25% Stehen und 25% Bewegung. Für den Bereich der Freizeit soll der Anteil der Bewegungsaktivität deutlich größer sein. Zum Beispiel kann man beim Telefonieren einfach aufstehen, selten gibt es hier einen Grund, sitzen zu bleiben - man läuft selbst zum Kopierer und schickt nicht den Kollegen - man benutzt statt des Fahrstuhles regelmäßig die Treppe. Des Weiteren sollte man sich „recken und strecken“, um die Muskeln zu dehnen und zu lockern. Die Sitzhaltung sollte so oft wie möglich geändert werden, um die Bandscheiben zu entlasten.

Neuropathische Schmerzen bei Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall kann nicht nur zu mechanischen Schmerzen durch den Druck auf Nervenwurzeln führen, sondern auch neuropathische Schmerzen verursachen.

Was sind neuropathische Schmerzen?

Ein ganz anderes Schmerzempfinden als bei Rücken- oder Kopfschmerzen ist ein charakteristisches Anzeichen für neuropathische Schmerzen, auch Nervenschmerzen genannt. Selbst mit Tumorschmerzen sind die Nervenschmerzen nicht vergleichbar, genauso wenig wie mit allen anderen Arten des Schmerzes. Neuropathische Schmerzen haben nämlich einen grundlegend anderen Ursprung. Sie entstehen als Folge einer Schädigung des Nervensystems, bei der im Verlauf die Schmerzbahn aktiviert wird, welche vom Bereich der Schädigung bis zum Gehirn reicht. Somit beschränken sich die Schmerzimpulse nicht nur auf den Bereich der Nervenendungen von Schmerzfasern in den Geweben des Körpers.

Wie äußern sich neuropathische Schmerzen?

Um zu überprüfen, ob es sich bei den auftretenden Schmerzen um Nervenschmerzen handelt, können das Verteilungsmuster, die Stärke und die Qualität als Bewertungskriterien herangezogen werden. Neuropathische Schmerzen zeichnen sich häufig durch Brennen, Bohren, Stechen oder ein einschießendes Gefühl aus. Auch Berührungsempfindlichkeit, die auch als Allodynie bezeichnet wird, kann ein Symptom darstellen, da hier selbst leichte Berührungen der Haut zu starken Schmerzen führen können. Eine Schädigung des Nervensystems liegt oftmals auch vor, wenn Schmerzen mit einem Taubheitsgefühl einhergehen, das sich auf den Bereich eines sensorischen Nervs beschränkt oder das Verteilungsmuster des Schmerzes im Versorgungsgebiet einer geschädigten Nervenwurzel, eines Rückenmarkabschnittes oder Gehirnbereiches auftritt. Letzteres ist häufig in Verbindung mit einem Bandscheibenvorfall der Fall, bei der die fünfte Nervenwurzel betroffen ist.

Behandlungsmöglichkeiten neuropathischer Schmerzen

Wurden die Schmerzen durch Verfahren wie die Computertomografie oder die Magnetresonanztomografie diagnostiziert, werden Behandlungsziele für eine Therapie festgelegt. Eine Operation zur Entlastung der Nerven ist nicht möglich. Die Behandlung erfolgt in der Regel durch individuell abgestimmte Medikamente, die den Neuaufbau der Nerven unterstützen und Schmerzen lindern. Bei einem nicht-medikamentösen Verfahren wird eine Akuttherapie eingesetzt. Je nach Schwere der Schädigung und Stärke der Schmerzen können darüber hinaus physikalische Maßnahmen, Ergotherapie und Psychotherapie sinnvoll sein.

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