Die Behandlung von chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis (RA), Spondyloarthritiden (SPA), chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED), Psoriasis (PSO) und anderen Systemerkrankungen hat sich durch den Einsatz von Biologika erheblich verbessert. Biologika sind biotechnologisch hergestellte, höhermolekulare Proteine, die körpereigenen Stoffen ähneln. Zu diesen gehören monoklonale Anti-Tumornekrosefaktor(TNF)-alpha-Antikörper, pegylierte Fab-Fragmente von Antikörpern (Certolizumab), TNF-Rezeptor-Fc-Fragment-Fusionsproteine (Etanercept), Zytokinantagonisten (z. B. Interleukin (IL)-12/23-Antagonist Ustekinumab), Rezeptor- und Integrinantikörper (z. B. Vedolizumab) sowie direkt gegen Zellen gerichtete Therapien.
Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen neurologischen Nebenwirkungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Medikament Brodalumab (Kyntheum®), und diskutiert allgemeine Aspekte neuropathischer Schmerzen bei Psoriasis-Arthritis (PsA).
Brodalumab und neurologische Nebenwirkungen
Brodalumab ist ein rekombinanter, vollständig humaner, monoklonaler IgG2-Antikörper, der mit hoher Affinität an die IL17-Rezeptor A-Kette (IL17RA) bindet. Er blockiert die biologische Aktivität der proinflammatorischen Zytokine IL17A, IL17F, IL17A/F und IL25. Dies führt, ähnlich wie bei den beiden weiteren zugelassenen IL17-spezifischen monoklonalen Antikörpern (Secukinumab, Ixekizumab), zur Hemmung der bei Psoriasis auftretenden entzündlichen Reaktionen und damit auch der klinischen Symptome.
Häufige Nebenwirkungen unter der Therapie mit Brodalumab sind Infektionen (Nasopharyngitis, Infektionen der oberen Atemwege, Pharyngitis, Harnwegsinfektionen, Bronchitis, Grippe und Tinea-Infektionen); zudem besteht ein erhöhtes Risiko für Candida-Infektionen der Haut und der Schleimhaut. In klinischen Studien wurden je ein schwerer Fall von Kryptokokken-Meningitis und einer Coccidioides-Infektion beobachtet. Weitere häufige Nebenwirkungen sind Neutropenie, Kopfschmerzen, Schmerzen im Oropharynx, Diarrhoe und Übelkeit sowie Ermüdung und Reaktionen an der Injektionsstelle. Des Weiteren kann Brodalumab eine Exazerbation einer bestehenden Morbus Crohn-Erkrankung verursachen. Gewarnt wird auch vor möglichen Suizidgedanken und Verhaltensänderungen.
In der Europäischen Datenbank gemeldeter Verdachtsfälle von Arzneimittelnebenwirkungen (EudraVigilance) finden sich zahlreiche Verdachtsberichte zu Brodalumab. Darunter führen eindeutig die Verdachtsfälle zu Infektionen mit ca. 349 Meldungen, gefolgt von Allgemeinsymptomen und Injektionsreaktionen mit ca. 314, Hautsymptomen mit 276, muskuloskeletalen Beschwerden ca. 230, psychiatrischen Symptomen mit ca. 123 und neurologischen Beschwerden mit 118 Meldungen. Eine genauere Aufschlüsselung der letzteren zeigt Kopfschmerzen (36 Fälle), Schwindel (11 Fälle), Lethargie (8 Fälle), Schlaganfall (6 Fälle), Migräne und Geschmacksstörungen (je 5 Fälle), Bewusstseinsverlust (4 Fälle), Synkopen (3 Fälle) und Parästhesien als häufigste neurologische Nebenwirkungen. Eine akute Enzephalomyelitis wurde bisher nicht gemeldet.
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Ein Fallbericht schildert den Fall einer Patientin, bei der kurz nach der letzten Brodalumab-Injektion akut Schwäche und Sensibilitätsstörungen auftraten. Nach Ausschluss anderer Ursachen wurde eine antiinflammatorische Therapie mit Methylprednisolon begonnen, woraufhin die Beschwerden langsam abklangen. Die behandelnden Neurologen und Radiologen schlossen einen frischen zerebrovaskulären Infarkt aus und werteten die disseminierten Marklagerläsionen am ehesten als mikroangiopathisch oder chronisch-entzündlich. Die Klinik wurde als gut vereinbar mit einer thorakalen Myelonläsion bewertet, wobei nicht zwischen einer autoimmun-entzündlichen Genese und einer spinalen Ischämie differenziert werden konnte. Brodalumab wurde als möglicher Auslöser der Beschwerden abgesetzt.
Dieser Fallbericht deutet darauf hin, dass Brodalumab in seltenen Fällen neurologische Symptome oder Krankheitsbilder wie ADEM (akute disseminierte Enzephalomyelitis) oder Querschnittsmyelitiden auslösen oder verstärken kann. Es ist wichtig zu beachten, dass auch andere Biologika, die in die immunpathologischen Prozesse der Psoriasis eingreifen, ähnliche Nebenwirkungen verursachen können.
Neuropathische Schmerzen bei Psoriasis-Arthritis (PsA)
Unabhängig von spezifischen Medikamenten ist es wichtig, neuropathische Schmerzen bei Patienten mit Psoriasis-Arthritis (PsA) zu berücksichtigen. Neuropathische Schmerzen sind Schmerzen infolge einer Nervenschädigung oder einer Störung der Nervenfunktion. Hinter einem neuropathisch-artigen Schmerzsyndrom kann auch eine Veränderung der Schmerzverarbeitung im Gehirn stehen (zentrale Sensitivierung). So können chronische Schmerzen durch entzündliche Prozesse bei PsA dazu führen, dass die Schmerzsysteme im Gehirn mit der Zeit empfindlicher werden und schließlich auch auf schwache Schmerzreize oder ganz normale Reize reagieren.
Eine Querschnittsstudie ermittelte die Häufigkeit neuropathischer Schmerzen und begleitende Faktoren bei Patienten mit Psoriasis-Arthritis. Die Studie ergab, dass neuropathische Schmerzen jeden 6. Patienten (17,1 %) betrafen. Patienten mit neuropathischem Schmerz litten zudem häufig unter einer höheren PsA-Krankheitsaktivität, waren stärker funktional eingeschränkt und dementsprechend in höherem Maße durch die Erkrankung beeinträchtigt. Schlafqualität und die Leptinspiegel konnten die Hälfte der Variation im neuropathischen Schmerz bei PsA-Patienten erklären, spielen demnach also eine wichtige, womöglich ursächliche, Rolle.
Weitere Therapieoptionen und deren Nebenwirkungen
Neben Brodalumab und anderen Biologika gibt es weitere Therapieoptionen für Psoriasis und Psoriasis-Arthritis, die ebenfalls mit potenziellen Nebenwirkungen verbunden sind.
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Apremilast: Apremilast gehört zur Wirkstoffgruppe der Phosphodiesterase-4-Hemmer und wird zur Behandlung der mittelschweren bis schweren chronischen Plaque-Psoriasis sowie zur Psoriasis-Arthritis eingesetzt. Die am häufigsten berichteten unerwünschten Arzneimittelwirkungen von Apremilast sind gastrointestinale Störungen, darunter Durchfall (15,7%) und Übelkeit (13,9%). Weiter wurden Infektionen der oberen Atemwege (8,4%), Kopfschmerzen (7,9%) und Spannungskopfschmerzen (7,2%) gemeldet. Apremilast ist mit einem erhöhten Risiko für psychiatrische Erkrankungen, wie Schlaflosigkeit und Depression, assoziiert.
Etanercept: Etanercept ist ein TNF-Rezeptor-Fc-Fragment-Fusionsprotein. Sehr häufige Nebenwirkungen sind Infektionen (einschl. Infektion der oberen Atemwege, Bronchitis, Zystitis, Hautinfektion), Kopfschmerzen und Reaktionen an der Injektionsstelle. Seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen sind entmyelinisierende Prozesse des ZNS mit Verdacht auf multiple Sklerose oder lokalisierte entmyelinisierende Zustände wie Neuritis nervi optici und Querschnittsmyelitis, periphere demyelinisierende Ereignisse einschl. Guillain-Barré-Syndrom.
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