Sexuelle Gesundheit ist ein wichtiger Aspekt des Lebens, der oft mit Lust verbunden ist und einen wesentlichen Beitrag zur Verbundenheit und Intimität in Partnerschaften leistet. Sexuelle Funktionsstörungen, einschließlich neuropathischer Schmerzen nach dem Orgasmus, können jedoch eine erhebliche Belastung darstellen und die Lebensqualität beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlung von neuropathischen Schmerzen nach dem Orgasmus, sowohl bei Frauen als auch bei Männern.
Einführung
Neuropathische Schmerzen sind Schmerzen, die durch Schädigungen oder Erkrankungen des Nervensystems verursacht werden. Sie können sich in verschiedenen Formen äußern, wie z.B. Kribbeln, Brennen, Stechen oder elektrisierende Schmerzen. Diese Schmerzen können chronisch werden und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Neuropathische Schmerzen nach dem Orgasmus sind eine spezielle Form dieser Schmerzen, die im Zusammenhang mit sexueller Aktivität auftreten.
Ursachen neuropathischer Schmerzen nach dem Orgasmus
Die Ursachen für neuropathische Schmerzen nach dem Orgasmus können vielfältig sein und sowohl organische als auch psychische Faktoren umfassen.
Polyneuropathie
Eine häufige Ursache für neuropathische Schmerzen ist die Polyneuropathie, eine Erkrankung des peripheren Nervensystems. Bei einer Polyneuropathie sind mehrere periphere Nerven geschädigt, was die Weiterleitung von Signalen zwischen Gehirn, Rückenmark und den übrigen Körperregionen beeinträchtigt. Dies kann zu Symptomen wie Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder Schmerzen führen, die typischerweise in den Füßen beginnen und sich allmählich ausbreiten.
Ursachen von Polyneuropathie
- Diabetes: Ein hoher Blutzuckerspiegel kann die Nerven schädigen und eine Polyneuropathie verursachen.
- Infektionen: Borrelien oder Herpes zoster Viren können eine Polyneuropathie auslösen.
- Autoimmunreaktionen: Das Immunsystem greift die eigenen Nerven an, wie z.B. beim Guillain-Barré-Syndrom oder bei der chronisch inflammatorisch demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP).
- Stoffwechselkrankheiten und Vitaminmangel: Seltener sind Stoffwechselstörungen und Vitaminmangel für eine Polyneuropathie verantwortlich.
- Erbliche Formen: In einigen Fällen liegen erbliche Formen der Polyneuropathie vor.
- Medikamente: Insbesondere Chemotherapie bei Krebserkrankungen kann Nervenschädigungen verursachen.
- Alterungsprozesse: Auch Alterungsprozesse können eine Rolle spielen.
Symptome von Polyneuropathie
Die Symptome einer Polyneuropathie variieren je nach betroffenem Nerventyp und können sehr unterschiedlich sein.
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- Schädigung der kleinen Nervenfasern: Dies führt dazu, dass Betroffene Hitze, Kälte und Schmerzen nur noch abgeschwächt oder gar nicht mehr wahrnehmen. Oft treten zusätzlich Taubheitsgefühle auf, insbesondere in Händen und Füßen.
- Schädigung der motorischen Nerven: Dies kann zu Muskelschwäche oder Lähmungen führen, besonders in den Beinen und Füßen. Manchmal kommt es auch zu schmerzhaften Muskelkrämpfen.
- Schäden an den autonomen Nerven: Dies kann Kreislaufprobleme wie Schwindel oder Ohnmacht beim Aufstehen verursachen. Auch die Verdauung kann beeinträchtigt sein, was zu Symptomen wie Verstopfung, Durchfall oder Inkontinenz führen kann.
Auswirkungen von Polyneuropathie auf die Sexualität
Bei Männern kann eine Polyneuropathie Erektionsstörungen verursachen, da die Nervensignale nicht mehr richtig weitergeleitet werden. Frauen spüren oft eine geringere Empfindlichkeit im Intimbereich, was die Erregung und den Orgasmus beeinträchtigen kann. Zusätzlich kann die Erkrankung die Durchblutung verschlechtern, was die sexuelle Reaktionsfähigkeit weiter einschränkt.
Dyspareunie
Dyspareunie ist der medizinische Fachausdruck für körperliche Schmerzen beim Sex. Sie können primär sein, das bedeutet, dass die Frau niemals schmerzfrei Geschlechtsverkehr hatte oder sekundär, wenn zuvor schmerzfrei Sex möglich war.
Ursachen von Dyspareunie
Eine Dyspareunie kann bei der Frau vielfältige Ursachen haben.
- Infektionen: Akute oder chronische Harnwegsinfekte und andere durch Bakterien, Viren oder Pilze ausgelöste Infektionen wie Scheidenentzündung (Kolpitis), Entzündung der Eileiter sowie Eierstöcke (Adnexitis), Entzündung bestimmter Drüsen der großen Schamlippen (Bartholinitis), Geschlechtskrankheiten, Genitalwarzen, Scheidenpilz oder Tuberkulose.
- Nicht-infektiöse Gründe: Endometriose, Myome, trockene Scheide (z.B. aufgrund hormoneller Veränderungen in den Wechseljahren), Narben nach einer Geburt, angeborene Fehlbildungen der inneren Geschlechtsorgane, schmerzhafte Reaktion/Reizung durch chemische Verhütungsmittel oder Intimpflegeprodukte, Schwäche der Scheidenwand, Verletzungen im Genitalbereich, Hauterkrankungen wie Lichen sclerosus oder Lichen planus, Muskelverspannungen/hohe Anspannung im Beckenboden, psychische Gründe oder Stress.
- Beckenvenensyndrom: Schmerzhafte Krampfadern im Beckenbereich können Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder bei der Menstruation verursachen.
Diagnose von Dyspareunie
Die Diagnose von Dyspareunie umfasst eine ausführliche Anamnese, eine gynäkologische Untersuchung und gegebenenfalls weitere Untersuchungen wie Ultraschall, Urin- und Blutuntersuchungen oder Gewebeproben.
Behandlung von Dyspareunie
Die Behandlung von Dyspareunie richtet sich nach der Ursache der Beschwerden.
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- Infektionen: Antibiotika bei bakteriellen Harnwegsinfektionen.
- Endometriose: Hormontherapie oder Operation.
- Genitalwarzen: Zellwachstumshemmende Mittel, virushemmende Wirkstoffe oder chirurgische Entfernung.
- Trockene Scheide: Gleitgel oder lokale Hormontherapie.
- Psychische Gründe: Psychologische Beratung.
Sexuelle Funktionsstörungen
Sexuelle Funktionsstörungen können ebenfalls zu neuropathischen Schmerzen nach dem Orgasmus beitragen. Bei Frauen sind sexuelle Lustlosigkeit, Erregungs- und Orgasmusprobleme häufige Symptome.
Nichtlineares Modell der sexuellen Reaktion der Frau
Basson entwickelte 2001 ein nichtlineares Modell der sexuellen Reaktion der Frau, das davon ausgeht, dass sexuelle Lust nicht spontan entsteht, sondern sich responsiv entwickelt. Ein adäquater sexueller Stimulus in einem für die Frau richtigen Kontext kann sexuelle Erregung und Lust entwickeln. Entscheidend für ein befriedigendes sexuelles Erlebnis ist die nichtsexuelle Belohnung, wie z.B. das Gefühl emotionaler Intimität.
Neurobiologische Faktoren
Auf neurobiologischer Ebene spielen verschiedene Faktoren eine Rolle bei der Entstehung sexueller Störungen. Dopamin, Noradrenalin, Oxytozin und Melanokortine wirken sexuell stimulierend, während endogene Opioide, Endokanabinoide und Serotonin hemmend wirken. Eine Dysbalance zwischen diesen Faktoren kann zu sexuellen Dysfunktionen führen.
Verminderte sexuelle Appetenz
Die verminderte sexuelle Appetenz ist definiert als der dauernde oder wiederkehrende Mangel an sexuellen Fantasien oder Gedanken und/oder der Mangel am Verlangen nach bzw. der Bereitschaft zu sexuellen Aktivitäten. Therapiebedarf entsteht selbstverständlich nur bei persönlichem Leidensdruck.
Störungen der sexuellen Erregung
Störungen der sexuellen Erregung sind definiert als die ständige oder wiederholt auftretende Unfähigkeit, ausreichende sexuelle Erregung zu erlangen oder aufrecht zu erhalten. Bei Frauen steht oft die durch Östrogenmangel hervorgerufene Scheidentrockenheit im Vordergrund.
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Orgasmusstörung
Die Orgasmusstörung ist definiert als ständige oder wiederholt auftretende Schwierigkeit beim Erreichen eines Orgasmus bzw. dessen Ausbleiben trotz ausreichender sexueller Stimulation und Erregung.
Vaginismus
Vaginismus ist eine sexuelle Funktionsstörung, bei der es beim Einführen in die Vagina zu einer unwillkürlichen Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur kommt.
Multiple Sklerose (MS)
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die sexuelle Störungen verursachen kann.
Ursachen für sexuelle Störungen bei MS
- Primäre sexuelle Störungen: Entstehen durch Entzündungsherde im Rückenmark, die das sexuelle Empfinden und Körperfunktionen beeinflussen.
- Sekundäre sexuelle Störungen: Folgebeeinträchtigungen, die durch andere MS-Symptome auftreten, wie z.B. Probleme mit Blase und Darm, Fatigue, Spastiken oder Schmerzen.
- Tertiäre sexuelle Störungen: Psyche und Soziales stehen im Weg, z.B. Versagensängste oder Zweifel an der eigenen Attraktivität.
Behandlung von sexuellen Störungen bei MS
- Offene Kommunikation: Reden über Ängste, Wünsche und Gefühle.
- Gesprächstherapie: Hilfe bei der Bewältigung von psychischen Problemen.
- Beckenbodentraining: Stärkung der Beckenbodenmuskulatur bei Scheidenkrämpfen oder verringerter Empfindungsfähigkeit.
- Andere Positionen: Ausprobieren anderer Positionen bei Muskelschwäche.
- Weniger trinken vor dem Sex: Bei Blasen- oder Darmstörungen.
- Viel Zeit für Zärtlichkeiten: Steigerung der Erregung.
- Intimität ohne Druck: Entspannung und Genuss.
- Vaginalgel: Bei trockener Scheide.
- Masturbation, oraler Sex oder Sextoys: Bei weniger Gefühl im Genitalbereich.
- Krampflösende Medikamente: Bei Spastiken.
Schmerzen beim Sex bei Männern
Auch Männer können unter Schmerzen beim Sex leiden, die als Dyspareunie bezeichnet werden.
Ursachen für Schmerzen beim Sex bei Männern
- Entzündungen: Entzündungen der Vorhaut und Vorhautverengungen.
- Schmerzen im Dammbereich: Chronische Entzündung der Prostata.
- Blasenentzündung: Schmerzen beim Wasserlassen und krampfartige Schmerzen im Unterleib.
- Probleme an Gelenken, Hüft- oder Rückenschmerzen: Belastung der Sexualität.
- Psychische Ursachen: Chronisches männliches Beckenschmerzsyndrom oder Eichelphobie.
Diagnose von Schmerzen beim Sex bei Männern
Die Diagnose umfasst eine genaue Anamnese, eine körperliche Untersuchung, Laboranalysen und gegebenenfalls Funktionstests und bildgebende Untersuchungen.
Behandlung von Schmerzen beim Sex bei Männern
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Beschwerden.
- Phimose: Beschneidung (Zirkumzision).
- Kurzes Vorhautbändchen: Durchtrennung, Entfernung oder Verlängerung des Bändchens.
- Entzündung von Vorhaut und Eichel: Behandlung der Entzündung.
Chronische Schmerzen und Sexualität
Chronische Schmerzen können die Sexualität erheblich beeinträchtigen. Viele Patienten mit chronischen Schmerzen berichten von sexuellen Beeinträchtigungen.
Migräne und Sexualität
Interessanterweise zeigt sich im Gegensatz dazu, dass wenn Migräne-Patienten während einer Attacke sexuell aktiv sind, dies bei etwa zwei Dritteln auch zu einer Verbesserung, bei einem Drittel aber auch zu einer Verschlechterung der Kopfschmerzen führt.
Diagnose von neuropathischen Schmerzen nach dem Orgasmus
Die Diagnose von neuropathischen Schmerzen nach dem Orgasmus umfasst eine ausführliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere Untersuchungen.
Anamnese
In einem ausführlichen ärztlichen Gespräch werden die Beschwerden, betroffene Körperstellen, Vorerkrankungen sowie der Konsum von Alkohol, Drogen oder Medikamenten abgeklärt.
Körperliche Untersuchung
Es folgt eine körperliche Untersuchung, die Reizempfinden, Geh- und Stehvermögen, Muskelstärke und Reflexe prüft.
Elektroneurographie (ENG)
Ergänzt wird die Diagnostik durch eine Elektroneurographie (ENG), die die Weiterleitung der Nervenimpulse misst.
Elektromyographie (EMG)
Eine Elektromyographie (EMG) testet, wie die Muskeln auf Nervenimpulse reagieren.
Lumbalpunktion
In einigen Fällen ist auch eine Lumbalpunktion erforderlich, bei der über eine dünne Nadel Nervenwasser aus dem Spinalkanal abgelassen wird, um dieses auf evtl. Entzündungen oder einen erhöhten Liquoreiweiß (Eiweißgehalt im Nervenwasser) als Ursache der Polyneuropathie zu untersuchen.
Behandlung von neuropathischen Schmerzen nach dem Orgasmus
Die Behandlung von neuropathischen Schmerzen nach dem Orgasmus richtet sich nach der Ursache der Beschwerden.
Behandlung der Ursache
- Diabetes: Stabilisierung des Blutzuckerspiegels durch angepasste Ernährung, ausreichend Bewegung und gegebenenfalls eine medikamentöse Therapie.
- Entzündung: Therapie mit Antibiotika oder einer antiviralen Medikation.
- Autoimmunentzündung: Cortison oder Immunglobuline.
- Alkohol: Konsequenter Verzicht.
- Vitaminmangel: Gezielte Ernährungsumstellung oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.
Linderung der Beschwerden
- Schmerzmedikamente: Spezielle Medikamente, die ursprünglich gegen Epilepsie oder Depressionen entwickelt wurden, aber auch gegen Nervenschmerzen wirksam sind.
- Physikalische Therapie: Physiotherapie, Gleichgewichts- und Gehtraining sowie gelenkschonende Sportarten wie Aqua-Fitness.
- Hilfsmittel: Spezielle Schienen oder orthopädische Einlagen.
- Sicheres Wohnumfeld: Rutschfeste Böden, ausreichende Beleuchtung und Entfernen von Stolperfallen.
- Psychologische Unterstützung: Achtsame Selbstfürsorge, therapeutische Begleitung und Austausch mit anderen Betroffenen.
Selbsthilfemaßnahmen
Zusätzlich zu den ärztlichen Behandlungen können Betroffene auch selbst etwas tun, um die Beschwerden zu lindern.
- Gründliche Körperkontrolle: Besonders Füße und Hände auf Rötungen, kleine Schnitte oder Druckstellen überprüfen.
- Passende, weiche Schuhe: Harte Nähte oder enge Modelle können unbemerkt Blasen verursachen.
- Vorsicht im Umgang mit Hitze und Kälte: Wassertemperaturen stets mit einem Thermometer prüfen.
- Richtige Hautpflege: Regelmäßiges Eincremen hält die Haut geschmeidig und schützt vor kleinen Rissen.
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