Viele Menschen fragen sich, ob der Vagusnerv etwas mit einem Magensäuremangel zu tun hat, oder ob stiller Reflux durch zu wenig Magensäure verursacht werden kann und woher ein Mangel an Magensäure überhaupt kommt. Das Verständnis der Zusammenhänge zwischen Stillem Reflux, Vagusnerv und zu geringer Magensäure kann entscheidende Hilfe zur Beseitigung des Stillen Refluxes bieten.
Wie kommt es zu einer herabgesetzten Magensäurebildung bei Stillem Reflux?
Die Entstehung von Magensäure
Die Produktion von Magensäure wird von Gastrin, Histamin und Acetylcholin gesteuert. Die Magensäure selbst entsteht in den Belegzellen oder Parietal-Zellen. In den Belegzellen sitzen die Protonen-Pumpen, die im eigentlichen Sinne die Magensäure herstellen. Magensäure ist nichts anderes als HCL, also Salzsäure.
Die Belegzellen nehmen Wasser (H2O) und Kohlendioxid (CO2) aus dem Magen auf und wandeln diese in Wasserstoffionen (H+) und Bikarbonat (HCO3-) um. Das Bikarbonat wird ins Blut abgegeben. Die Belegzellen nehmen Chlorid-Ionen (CL-) auf und schütten H+ Ionen in den Magen. Diese werden im Austausch mit K+ Ionen über die Protonenpumpe der Zelle abgegeben. Aus beiden Substanzen entsteht Salzsäure (HCl), unsere Magensäure.
Gründe für eine verminderte Magensäurebildung
Die Gründe für eine verminderte Magensäurebildung können vielschichtig sein. In Frage kommen unsere Essgewohnheiten, zunehmendes Alter aber auch erschöpfte Belegzellen und Helicobacter-Befall oder die unsachgemäße Einnahme von Entzündungs-Hemmern oder eine Gastritis Typ-A oder Schilddrüsen-Probleme.
Wesentlich aber ist in diesem Zusammenhang vor allem die künstliche Reduktion von Magensäure durch Protonenpumpeninhibitoren. Betroffene, die über längere Zeit PPI eingenommen haben, könnten ihren Stillen Reflux unter anderem entwickelt haben, weil ihre Beleg-Zellen erschöpft sind. Hinzu kämen dann noch Probleme mit dem Vagusnerv durch Stress.
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Wenn unser Magen die Nahrung nicht ausreichend vorverdauen kann, weil ihm dazu die Säure fehlt, kann unser Darm sie auch nicht vollständig aufschließen und die Nährstoffe an unsere Zellen weitergeben.
Die Rolle von Gastrin
Eine Schlüsselrolle bei der Bildung von Magensäure nimmt dabei das Hormon Gastrin ein. Es regt die Bildung von Magensäure auf zwei verschiedenen Wegen an. Zum einen stimuliert es die Belegzellen direkt zur Ausschüttung von Magensäure. Zum anderen regt es die sogenannten H-Zellen zur Ausschüttung von Histamin an. Dieses Histamin wirkt nun seinerseits wieder auf die Belegzellen ein und stimuliert die Magensäureproduktion.
Ein erhöhter Gastrin-Wert kann auftreten bei:
- einer bakteriellen Gastritis
- einer chronisch atrophischen Gastritis
- Schilddrüsenüberfunktion
- Verengung des Magenausgangs
- Zwölffingerdarmgeschwür
- Einnahme von Medikamenten wie Protonenpumpen-Inhibitoren, H2-Blocker und Antazida
Ein erniedrigter Gastrin-Wert kann auftreten bei:
- gestörtem Darmbiom, was zu Nährstoffmängeln und verringerter Herstellung von aktivem Schilddrüsenhormon führt
- Schilddrüsen-Unterfunktion oder Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion bei intakter Schilddrüse
Die erschöpfte Beleg-Zelle
Was kann die Zellen, die die Magensäure produzieren, erschöpfen? Rein logisch wären zwei Szenarien: Zum einen der ständige Befehl, Magensäure zu produzieren, zum anderen das permanente Neutralisieren der Magensäure.
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Ist zu wenig Magensäure vorhanden, der pH-Wert also nicht geeignet um zu verdauen, so geschieht folgendes: Es wird Gastrin ausgeschüttet, um die Säureproduktion anzuregen.
Stiller Reflux durch erschöpfte Beleg-Zellen
- Reduktion von Magensäure mit der Gießkanne: Protonenpumpen-Inhibitoren werden meist in der Standard-Dosis verordnet. Ist das Medikament überdosiert, so setzt sich ein sich selbst verstärkender Prozess in Gang.
- Durch den Einsatz magensäurehemmender Mittel kommt es zu einem Anstieg der Gastrin-Menge: Der Betroffene hat Sodbrennen und/oder Stillen Reflux und nimmt Mittel gegen eine überschießende Säureproduktion in seinem Magen, die möglicherweise gar nicht stattfindet.
- Die Gastrin-Produktion wird immer weiter angeregt, denn es fehlt an Magensäure: Die Beleg-Zellen bekommen permanent den Befehl Säure auszuschütten, doch ihre Protonenpumpen können gar nicht arbeiten, weil der Protonenpumpenhemmer das verhindert. Nur wenige, zu wenige arbeiten noch.
- Schließlich erschöpfen die Beleg-Zellen: Werden nun die Beleg-Zellen ständig überfordert, so erschöpfen sie mit der Zeit. Es kommt nicht mehr ausreichend Magensäure zusammen, um eine geordnete und effektive Verdauung zu gewährleisten.
Folgen von zu wenig Magensäure
Die atrophische Gastritis ist ein Magensäuremangel durch den Untergang von Beleg-Zellen in der Magenschleimhaut. Die Beleg-Zellen sind in ihrer Arbeit durch nicht funktionierende Protonen-Pumpen gehindert. Der Verlust der Beleg-Zellen nimmt mit dem Alter zu. Doch auch der Übergebrauch von Protonenpumpen-Inhibitoren, H2-Blocker oder Antazida kann der Grund für erschöpfte Beleg-Zellen sein.
Wird zu wenig Magensäure gebildet, so steigt der pH-Wert in unseren Mägen. Das aber bringt die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Gleichgewicht. So ist es möglich, dass viele lebenswichtige Eiweiße, Mineralien, Vitamine und andere Nährstoffe unseren Körper ungenutzt verlassen. Es entsteht ein Zustand, in dem wir quasi vor vollen Töpfen verhungern. Außerdem greift dies auch in die Herstellung von Neurotransmittern im Darm ein. So kommt zu unseren Reflux-Problemen oft auch eine niedergedrückte Stimmung hinzu.
Die Verdauung oder besser ihr reibungsloser Ablauf hängt vom Zusammenspiel zahlreicher Enzyme, Hormone, Schleimstoffe, Säuren und weiterer Verdauungssäfte ab.
Der Vagus-Nerv und seine Rolle bei der Entstehung von Stillem Reflux durch Magensäuremangel
Herrscht in unserem Körper Dauer-Stress, so hat auch dauerhaft der Sympathikus das Sagen. Er ist für Flucht oder Kampf zuständig und regelt alle Körperfunktionen, die dafür nicht notwendig sind, herunter. Dazu gehört auch die Verdauung, die also dauerhaft auf Sparflamme läuft.
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Das führt dazu, dass zu wenig Magensäure hergestellt wird. Nun muss der Magen sich sehr viel mehr bemühen, den Speisebrei mit der wenigen Magensäure zu vermengen. Es sind wesentlich heftigere Kontraktionsbewegungen nötig. Gleichzeitig ist der pH-Wert im Magen nicht ausreichend, um den unteren Speiseröhrenschließmuskel fest geschlossen zu halten.
Die gastrale Säuretasche, die sich als kleiner See oben auf dem Speisebrei bildet, wenn Nahrung in den Magen gelangt, lässt nun durch den klaffenden Speiseröhrenschließmuskel das dort befindliche Gemisch aus Magensäure und Pepsin in gasförmigem Aggregatzustand in die Speiseröhre aufsteigen.
In der nächsten Etage lässt nun unser Vagusnerv, der durch die dauerhafte Aktivierung des Sympathischen Nervensystems geschwächt ist, am oberen Speiseröhrenschließmuskel das Gasgemisch in Kehlkopf, Rachen und Nasennebenhöhlen aufsteigen. Dort entstehen durch die Pepsine in den Schleimhäuten Entzündungen.
Dauerhafter Stress schwächt also den Tonus des Vagusnervs und dies wird noch durch die entzündungsbedingte Zytokin-Ausschüttung verstärkt. So verstärkt sich dieser Kreislauf selbst.
Acetylcholin und der Vagusnerv
Die motorischen Fasern des Vagusnervs innervieren die Speiseröhre und den Magen aber auch die Kehlkopf-Muskulatur und teilweise auch die Muskulatur unseres Rachens. Hier kommt nun der Neurotransmitter Acetylcholin ins Spiel. Und eben diese Ausschüttung von Acetylcholin wird durch den Vagusnerv stimuliert. Ist seine Funktion dauerhaft heruntergeregelt, so wird auch nicht genug Acetylcholin gebildet und damit auch nicht ausreichend Magensäure.
Was tun bei Magensäuremangel oder gestörtem Vagusnerv?
Tests zum Nachweis von Magensäuremangel
Leider gibt es keinen offiziellen und medizinisch anerkannten Test, mit dem man so etwas nachweisen könnte, der auch heute noch offiziell durchgeführt wird. Die Medizin glaubt, es gäbe nur in einem Fall zu wenig Magensäure in unseren Mägen. Nämlich genau dann, wenn eine Autoimmune Gastritis vom Typ A in unserem Magen wütet. Diese führt zu einem Vitamin-B12-Mangel und damit auf Dauer zu einer speziellen Form von Blutarmut, der pernitiösen Anämie. Haben wir die nicht oder noch nicht, ist das auch kein Magensäuremangel.
Symptome von zu wenig Magensäure
Symptome, die auf zu wenig Magensäure hindeuten können:
- Völlegefühl
- Übelkeit
- Sodbrennen
- bakterielle Infektionen im Magen-Darm-Trakt
- generelle Antriebslosigkeit
- Müdigkeit
- seltener auch Durchfall
Symptome, die durch die Folgen des Mangels an Magensäure auftreten können:
- Mineralstoffmangel
- Vitaminmangel
- Eiweißmangel
Mineralstoffmangel:
- Calciummangel: Herzrhythmusstörungen, Muskelschwäche, Übelkeit, Nierensteine, Erbrechen, Verstopfung, Antriebslosigkeit
- Zinkmangel: Lippenherpes, häufig auftretende Infekte, trockene Haut, Ekzeme, Hautpilze, Störungen der Wundheilung, Geruchsstörungen, Sehstörungen, Geschmacksstörungen, brüchige Nägel oder Rillenbildung, vorzeitiges Ergrauen der Haare, Haarausfall, brüchige Haare
- Eisenmangel: Anämie (Blutarmut)
Vitaminmangel:
- Folsäuremangel: Blässe, Zungenentzündung, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Müdigkeit, Herzrhythmusstörungen, Schleimhautblutungen, Atemnot, vermehrt auftretende Blutergüsse, rote Punkte auf der Haut, Appetitmangel, Abwehrschwäche, Gewichtsverlust
- Vitamin B12-Mangel: Haarausfall, Verwirrtheit, Depressionen, Kopfschmerzen, Blutarmut (pernitiöse Anämie), Zungenbrennen, Ameisenlaufen in Armen und Beinen, Muskelschwäche, Konzentrationsprobleme
Proteinmangel:
- Fettleber
- Schlafstörungen
- trockene Haut
- brüchige Nägel
- Haarausfall
- Müdigkeit
- Leistungsabfall
- Muskelschwäche
- Heißhunger
- ständiger Hunger
- schlechte Wundheilung
- Herzmuskelschwäche
Tests, um Magensäuremangel nachzuweisen
Wer sich nicht sicher ist, ob er oder sie tatsächlich an Magensäuremangel leidet, der könnte folgendes versuchen:
- Natron-Test nach Rose: Man rührt direkt nach dem Aufstehen 1 Teelöffel Natron in ein Glas Wasser mit 250 ml Volumen. Diese Mischung trinkt man sofort. Wenn man in den nächsten 5 Minuten mehrmals aufstoßen oder rülpsen muss, so ist unwahrscheinlich, dass man unter Magensäuremangel leidet. Bleibt jedoch alles ruhig, so könnte das auf einen vorliegenden Mangel hinweisen.
- Rote Beete-Test nach Dr. Switzer: Man besorgt sich frische Rote Beete und stellt daraus Saft her. Dann trinkt man etwa 100ml von diesem Saft. Wenn sich der Urin oder aber der Stuhl lila oder rot färben, ist dies ein Indiz dafür, das ein Magensäuremangel vorliegen könnte. Achtung: Rote Beete-Saft ist sehr sauer. Bei akutem Stillem Reflux nicht zu empfehlen!
Wie kurbelt man die Verdauung wieder an?
Nach einer gründlichen Ernährungsumstellung bei Stillem Reflux und dem Abklingen der Beschwerden kann man versuchen, durch die Aufnahme von Bitterstoffen vorsichtig die Verdauung anzuregen. Wenn nicht andere Dinge dagegen sprechen, kann es auch helfen, seine Kochsalzzufuhr leicht zu erhöhen. Hier aber bitte sehr vorsichtig sein und nicht übertreiben.
Kräuter und Tees, die die Verdauung anregen:
- Anis fördert die Bildung von Magensaft ebenso wie Koriander. Aber auch Nelken regen die Sekretion von Magensäure an. Oregano enthält reichlich Bitterstoffe, die verdauungsfördernd sind.
Was hilft, wenn der gestörte Vagusnerv die Verdauung einfach nicht mehr hochfährt?
Um die Magensäureproduktion anzuregen ist es wichtig zu wissen, wie sehr der Dauer-Stress im Einzelfall bei der Entstehung des Stillen Refluxes beteiligt ist. Das ist ausschlaggebend, weil bei Dauer-Stress zunächst der Vagusnerv im Mittelpunkt stehen sollte.
Der Vagus-Nerv ist nicht nur für die Steuerung der Magensäure-Produktion zuständig. Er steuert auch die Ausschüttung von Insulin und anderen Botenstoffen aus der Bauchspeicheldrüse und die Abgabe von Gallenflüssigkeit in den Dünndarm. Ist dieser Nerv in seiner Funktion beeinträchtigt, so gerät unsere gesamte Verdauung aus dem Ruder.
Was hilft nun, wenn uns der Stress im Griff hat? Atemtraining, Stressbewältigung, aktiver Ausgleich, Tai-Chi, Yoga, autogenes Training, Feldenkrais, gezieltes Zwerchfell-oder Tiefenatmungstraining, Ausdauersport, Waldbaden, hinaus in die Natur gehen und vieles mehr können helfen den Stress-Level zu senken.
Auch an seiner Art mit Stress umzugehen zu arbeiten, kann sehr helfen, die Stresshormonausschüttung zu reduzieren.
Wer gähnen kann, kann auch verdauen.<< Lautet ein altes asiatisches Sprichwort. Gähnen können wir nur, wenn unser Vagusnerv gerade das Regime in unserem Körper übernommen hat. Und wenn das so ist, dann kurbelt er auch die Verdauung an.
Weitere Methoden, den Vagusnerv zu aktivieren:
- Singen, möglichst laut und egal ob schön oder nicht
- kalt Duschen
- Lachen oder Lachyoga
- Spaß haben
- sich anderen Menschen widmen und Zeit mit ihnen verbringen
Neurotransmitter und ihre Rolle
Neurotransmitter sind chemische Substanzen, die die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen vermitteln. Eine Substanz wird als Neurotransmitter bezeichnet, wenn sie folgende Kriterien erfüllt:
- Sie muss in der Nervenzelle gebildet und von dieser freigesetzt werden.
- Sie muss biochemisch identifizierbar sein.
- Bei Reizung der Nervenzelle muss sie ausgeschüttet werden und die Zielzelle beeinflussen.
- Die Transmitterwirkung muss durch Gegenspieler dosisabhängig gehemmt werden können.
Neben den Neurotransmittern gibt es eine Vielzahl von Substanzen, die man als Neuromodulatoren bezeichnet. Diese Stoffe können die Erregungsübertragung verstärken oder vermindern, sind aber nicht unmittelbar an der Erregungsübertragung beteiligt.
Gerade für die Bildung der klassischen Neurotransmitter spielen die Aminosäuren eine zentrale Rolle. Glutaminsäure und Glycin wirken als Aminosäuren direkt auf spezifische Rezeptoren im Gehirn. Phenylalanin bzw. Tyrosin sind die Ausgangssubstanzen für die Bildung von Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin. Aus der Aminosäure Tryptophan wird der Neurotransmitter Serotonin gebildet, der eine Vielzahl von Funktionen hat, z. B. die Regulierung der Stimmung, des Schlafes, des Appetits, des Schmerzempfindens, des Hormonsystems. Die Aminosäure Serin ist die Vorstufe von Acetylcholin, einem sehr wichtigen Neurotransmitter für Lernen und Gedächtnisbildung.
Wichtige Neurotransmitter im Überblick
- Dopamin: Beeinflusst fast alle mentalen Funktionen wie Bewegungssteuerung, Motivation, Emotion, Lernen, Gedächtnis etc. Eine Dopaminverarmung führt zu einer Antriebs- und Aktivitätsverminderung sowie zu einer erhöhten Depressivität.
- Noradrenalin: Wirkt sowohl als Stresshormon wie auch als Neurotransmitter. Störungen des noradrenergen Systems spielen auch bei anderen psychiatrischen Erkrankungen eine gewisse Rolle, z. B. bei Depressionen und ADHS.
- Serotonin: Ein Neurotransmitter mit sehr vielfältigen Funktionen. Störungen der Serotonin- Nervenimpulsübertragung sind mit vielen psychischen Erkrankungen verbunden, zum Beispiel Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen und Essstörungen.
- Glutaminsäure (Glutamat): Der wichtigste erregende Neurotransmitter im ZNS. Der sogenannte NMDA-Rezeptor ist von zentraler Bedeutung für Lern- und Gedächtnisleistungen sowie für Entwicklungsprozesse.
- GABA: Der wichtigste inhibitorische Neurotransmitter im ZNS, d. h. durch GABA wird die Nervenimpuls-Übertragung zwischen den Nervenzellen reduziert.
- Acetylcholin: Ein wichtiger Neurotransmitter an der neuromuskulären Endplatte, an der Nervenimpulse auf die Muskulatur übertragen werden. Außerdem ist Acetylcholin ein Überträgerstoff im Parasympathikus. Diese cholinergen Neurone spielen eine wichtige Rolle bei der sensorischen Verarbeitung, bei Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis.
- Glycin: Wirkt im ZNS über Glycin-Rezeptoren als hemmender Überträgerstoff.
- Histamin: Spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem, zum Beispiel als Entzündungsmediator bei allergischen Reaktionen. Histamin steigerte die Magensaftproduktion und kann Brechreiz induzieren.
Neurotransmitter-Inaktivierung im Zentralnervensystem
Nach der Signalübertragung müssen Neurotransmitter inaktiviert werden, um die Synapse wieder funktionsfähig zu machen. Dies geschieht durch:
- Wiederaufnahme: Neurotransmitter werden wieder in die präsynaptische Zelle aufgenommen. Hierbei spielen Transportproteine eine wichtige Rolle.
- Enzymatische Inaktivierung: Neurotransmitter werden durch Enzyme abgebaut.
Transportproteine und ihre Bedeutung
Transportproteine spielen eine wichtige Rolle bei der Aufnahme von Neurotransmittern in die Zellen und bei der Inaktivierung von Neurotransmittern im synaptischen Spalt. Es gibt verschiedene Arten von Transportproteinen, die für den Transport unterschiedlicher Substanzen verantwortlich sind.
- Neurotransmitter-Transporter: Diese Transportproteine sind für die Wiederaufnahme von Neurotransmittern in die präsynaptische Zelle verantwortlich.
- ATP-bindende Cassetten-Transporter (ABC-Transporter): Diese Transportproteine sind für den Transport verschiedener Substanzen über die Zellmembran verantwortlich, darunter auch Arzneistoffe und Xenobiotika.
Einfluss des Darm-Mikrobioms auf Neurotransmitter
Es ist schon lange bekannt, dass eine anatomische und funktionelle Verbindung zwischen Darm und Hirn existiert. Vom Zentralnervensystem (ZNS) bestehend aus Gehirn und Rückenmark, das mit dem peripheren Nervensystem funktionell verflochten ist, gehen Nervenverbindungen zum enterischen Nervensystem (ENS), das als komplexes Nervengeflecht den gesamten Gastrointestinal (GI)-Trakt durchzieht. Verantwortlich für den Informationsaustausch sind unter anderem Neurotransmitter, die zu einem Anteil von Nervenzellen gebildet werden.
Die Mikrobiota sind direkt an der Verdauung beteiligt, unterstützen das Immunsystem und stehen im Zusammenhang mit der Produktion von Signalsubstanzen. GABA ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter im ZNS und ist maßgeblich an der Regulierung vieler physiologischer und psychologischer Prozesse beteiligt.
Die Vertreter der Darmflora, die das ZNS beeinflussen, werden in der Literatur als Psychobiotika bezeichnet. Sie können sowohl neurodegenerative Erkrankungen als auch neurologische Entwicklungsstörungen verbessern.
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