Acetylcholin und Alkohol: Auswirkungen auf das Nervensystem

Die Frage, ob Alkohol die Gesundheit fördern oder gar lebensverlängernd wirken kann, ist komplex. Es ist bekannt, dass vermehrter chronischer Alkoholkonsum gesundheitsschädlich ist. Tatsächlich gehen durch Alkohol dreimal mehr gesunde Lebensjahre verloren als durch alle illegalen Drogen zusammen. In Deutschland leben schätzungsweise 2,5 Millionen suchtkranke Alkoholiker, wobei 4,5 Prozent der Männer und 1,7 Prozent der Frauen im Alter von 18 bis 64 Jahren alkoholabhängig sind. Der ökonomische Schaden durch Alkohol in Deutschland wird jährlich auf 60 Milliarden Euro geschätzt, der sich aus Gesundheitskosten und Arbeitsausfällen zusammensetzt.

Alkoholabbau im Körper

Der Abbau von Alkohol beginnt bereits in der Mundhöhle, wo das Enzym Alkoholdehydrogenase (ADH) Ethanol in Acetaldehyd umwandelt. Acetaldehyd ist ein giftiger, krebserregender Stoff, der für einige unangenehme Effekte wie Übelkeit und Kopfschmerzen verantwortlich ist. Die krebserregende Wirkung wird durch zusätzliches Rauchen verstärkt, eine Kombination, die häufig als Ursache von Krebs im Mund- und Rachenbereich beobachtet wird. Im Durchschnitt werden pro Stunde etwa 0,1-0,15 Promille Alkohol abgebaut, wobei die Abbaugeschwindigkeit von Geschlecht, Gewicht, Enzymaktivität, Genetik und Lebergesundheit abhängt.

Neurotransmitter und Gemütszustand

Neurotransmitter wie Dopamin, Serotonin, Noradrenalin, Glutamat und GABA steuern unseren Gemütszustand. Das Verhältnis, in dem unser Gehirn diese Neurotransmitter bildet, ist entscheidend dafür, ob wir ausgeglichen und glücklich oder niedergeschlagen und traurig sind. Das Belohnungssystem im Nucleus accumbens wird auf molekularer Ebene durch Dopamin und Melatonin hochreguliert und durch Kortisol und Noradrenalin herabreguliert. Es besteht aus zwei Untersystemen: dem eigentlichen Belohnungssystem, das mit der Erfahrung von Befriedigung und Lust verbunden ist und auf die Ausschüttung von endogenen Opioiden (Endorphine) zurückgeht, und dem Belohnungserwartungssystem, das über Dopamin vermittelt wird. Letzteres baut auf Belohnungserfahrungen auf und entwickelt daraus Erwartungen, dass Handlungen wiederholt werden sollten, die in der Vergangenheit zu Belohnungen geführt haben. Die Evolution hat es so eingerichtet, dass alle Aktivitäten, die das Überleben sichern, mit Glücksgefühlen belohnt werden. Verschiedene Suchtmittel und Drogen wie Alkohol, Nikotin oder Kokain führen zur Freisetzung von Dopamin. Lust beginnt immer mit Vorfreude durch einen Dopamin-Schub, und am Höhepunkt werden wir mit Endorphinen durchflutet. Lüste können ganz unterschiedlich entstehen, durch Sex, Essen, Sport, Spiele, Shopping und vieles mehr. Auch wenn wir im Flow sind, können wir Lust empfinden. Es ist das unterschiedliche Wechselspiel der Botenstoffe, das zur Wirkung kommt.

Auswirkungen von Alkohol auf Neurotransmittersysteme

Alkohol beeinflusst verschiedene Neurotransmittersysteme im Gehirn, was seine kurz- und langfristigen Wirkungen erklärt:

  1. Wirkung: Alkohol verstärkt die Wirkung von GABA, dem wichtigsten hemmenden Neurotransmitter im Gehirn.

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    Langfristige Folgen: Bei regelmäßigem Konsum gewöhnt sich das Gehirn daran und reduziert die eigene GABA-Produktion, was zu Entzugserscheinungen führen kann.

  2. Wirkung: Alkohol hemmt Glutamat, den wichtigsten erregenden Neurotransmitter.

    Langfristige Folgen: Das Gehirn kompensiert, indem es mehr Glutamat-Rezeptoren bildet.

  3. Wirkung: Alkohol stimuliert die Dopamin-Freisetzung im Belohnungssystem.

Gesundheitliche Auswirkungen von Alkoholkonsum

Die Studienlage zu Alkoholkonsum ist umfangreich und zeigt sowohl kurzfristige als auch langfristige gesundheitliche Auswirkungen. Es gibt mehr als 200 negative gesundheitliche Folgen wie Krankheiten und Unfälle, die mit Alkohol zusammenhängen. Alkohol ist ein nachgewiesenes Karzinogen und gehört zu den „Top Ten“ der Stoffe, die Krebs auslösen. Studien zeigen, dass bereits geringe Mengen das Risiko für verschiedene Krebsarten (z. B. Brust-, Leber-, Mundhöhle-, Rachen-, Kehlkopf-, Speiseröhren- und Darmkrebs) erhöhen können. Abstinenz senkt das Krebsrisiko.

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Früher wurde moderater Alkoholkonsum mit positiven Effekten auf das Herz-Kreislauf-System in Verbindung gebracht. Abstinenz führt jedoch zur funktionellen Erholung der Leber. Alkohol wirkt enthemmend mit erhöhter Impulsivität und Aggressivität, was zu Wut, Gewalt und Unfallgefahr führen kann. Studien zeigen, dass Alkoholkonsum das Gehirn schrumpfen lassen kann, insbesondere in Bereichen, die für Gedächtnis und Entscheidungsfindung wichtig sind (Hippocampus). Die Folgen können kognitive Beeinträchtigungen und Demenz sein. Bei Abstinenz kann es zu einer strukturellen Erholung des Gehirns kommen.

Sucht und biochemische Prozesse im Gehirn

Eine Sucht ist letztendlich ein biochemisches Ereignis im Gehirn. Neben dem Dopamin- und Serotoninsystem wird durch Alkohol das GABA-System angesprochen, was zu der beruhigenden Wirkung von Alkohol führt. Nikotin dockt an den Acetylcholin-Rezeptor an und steigert so die Konzentration, Wachheit und Muskelspannung. Nikotin setzt cAMP frei und treibt damit den Energiestoffwechsel an. Über Noradrenalin aus der Nebenniere wird zusätzlich die Dopamin-Freisetzung gefördert. Nikotin (Aufputscher) und Alkohol (Beruhiger) sind das „ideale Drogenpaar“. Gemeinsam ist allen suchterzeugenden Mitteln, dass es zu einer Gewöhnung und Förderung einer Dosissteigerung kommt.

Moderater Alkoholkonsum und gesundheitlicher Nutzen

In einigen Studien konnte nachgewiesen werden, dass ein regelmäßiger moderater Alkoholkonsum ab einem gewissen Alter einen positiven Effekt auf die Gesamtsterblichkeit hat und das Auftreten sowie die Sterblichkeit an koronaren Herzkrankheiten vermindert. Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass insgesamt ein gesünderer Lebensstil vorliegt. Als weitere Erklärung wird die entspannende und stressreduzierende Wirkung des Alkohols angeführt. Am Reveratrol wird es wohl nicht liegen, dafür kommt es in alkoholischen Getränken (insbesondere Wein) in zu geringer Menge vor. Maßvoller Alkoholkonsum soll vermutlich auch vor geistigem Verfall im Alter schützen. Diese „medizinischen“ Wirkungen entfaltet ein maßvoller Alkoholkonsum erst ab einem Alter von 50-60 Jahren. Eine kleine bis moderate Menge Wein (12-35 Gläser pro Monat / also maximal 1 Glas pro Tag) im Rahmen einer mediterranen Ernährung senkt bei älteren Personen mit hohem kardiovaskulären Risiko möglicherweise die Häufigkeit von schweren kardiovaskulären Erkrankungen. Wer unter 50 ist, dem bringt Alkohol gesundheitlich nichts. Auch Raucher profitieren nicht vom Alkoholkonsum. Bei erhöhtem Konsum steigt die Gefahr von Krebs, insbesondere im Mund-Rachen-Bereich und der Speiseröhre. Bei Frauen gehen schon geringe Mengen von Alkohol mit einem leicht erhöhten Brustkrebsrisiko einher. Regelmäßiger Alkoholkonsum kann zu Entzündungen der Magenschleimhaut, Leber und Bauchspeicheldrüse führen. Alkohol ist ein Zellgift und schädigt Zellen im Gehirn.

Wann hat ein moderater regelmäßiger Alkoholkonsum einen gesundheitlichen Nutzen? Diese Frage kann nicht klar beantwortet werden, da die individuell unterschiedliche Veranlagung und Verträglichkeit eine große Rolle spielen. Die größte und umfassendste Studie von 2018 kommt zu dem Schluss, dass es keinen risikofreien Alkoholkonsum gibt. Sicherlich ist regelmäßige körperliche Aktivität durch ein moderates Ausdauertraining der risikolosere Weg, um die Gesundheit zu fördern und gesund alt zu werden. Im Ausdauersport beeinträchtigen selbst geringe Mengen Alkohol die Leistung, und Alkoholkonsum innerhalb der ersten 60 Minuten nach einem Training oder Wettkampf behindert die Regeneration der Muskulatur. Wachstumshormon- und Testosteronspiegel sinken, und das Immunsystem wird gehemmt. Die Kohlenhydratspeicher werden verlangsamt aufgefüllt, da die Leber zu sehr mit dem Abbau des Alkohols beschäftigt ist und die Enzyme, welche die Erholungsprozesse ermöglichen, gehemmt werden. Außerdem wird die Fettverbrennung durch Alkohol reduziert und der Appetit angeregt. Alkoholkonsum führt zu einer vermehrten Ausscheidung von Mineralstoffen über die Niere, es kommt zu einem erhöhten Verbrauch von B-Vitaminen, und die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K werden in der Resorption behindert.

Empfehlungen für Alkoholkonsum

Wie viel Alkohol ist „sicher“? Einige Länder (z. B. Kanada) definieren „niedriges Risiko“ mit maximal 1-2 Standardgetränken pro Woche (z. B. 0,3 Liter Bier oder 0,15 Liter Wein, also ein kleines Bier oder ein kleines Glas Wein, jeweils 10-12 g Alkohol). Ein „moderates Risiko“ wird bei 3-6 Standardgetränken und ein zunehmend „hohes Risiko“ bei 7 Standardgetränken oder mehr pro Woche angegeben. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, ganz auf Alkohol zu verzichten. Wer dennoch alkoholische Getränke konsumiert, soll v. a. hohe Alkoholmengen vermeiden. Dies gilt insbesondere für junge Menschen. Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende sollen auf Alkohol generell verzichten. Zweifelsfrei mitbestimmend ist der gesamte Lebensstil mit Ernährung und körperlicher Aktivität. Beachten Sie, dass Alkohol mit 7 kcal / g nicht nur kalorienreich ist, sondern auch appetitanregend wirkt. Alkohol ist eine Droge, bei der man sich auf sozialen Veranstaltungen oft rechtfertigen muss, wenn man sie nicht konsumieren will. Süße Alkopops, die den Alkoholgeschmack überdecken, sind für junge Menschen nicht selten der Einstieg in den Alkoholkonsum. Die neuere Forschung zeigt zunehmend, dass Alkohol bereits in kleinen Mengen gesundheitsschädlich sein kann. Die früher verbreitete Annahme, dass moderater Konsum gesundheitliche Vorteile hat, wird mehr und mehr in Frage gestellt. Alkohol hat vielfältige negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Gehen Sie verantwortungsbewusst mit alkoholischen Getränken um und verzichten Sie auf einen regelmäßigen Konsum. Gegen einen gelegentlichen maßvollen Konsum bei besonderen Anlässen gibt es nichts einzuwenden.

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Acetylcholin und Nikotin

Nikotin dockt an den Acetylcholin-Rezeptor an und steigert so die Konzentration, Wachheit und Muskelspannung. Nikotin setzt cAMP frei und treibt damit den Energiestoffwechsel an. Über Noradrenalin aus der Nebenniere wird zusätzlich die Dopamin-Freisetzung gefördert. Nikotin (Aufputscher) und Alkohol (Beruhiger) sind das „ideale Drogenpaar“.

Anticholinergika

Anticholinergika sind eine Klasse von Medikamenten, die durch die Blockade der Wirkung des Neurotransmitters Acetylcholin an dessen Rezeptoren im zentralen und peripheren Nervensystem wirken. Acetylcholin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der an der Übertragung von Nervensignalen beteiligt ist und eine Vielzahl von Funktionen im Körper steuert, einschließlich der Muskelbewegungen und der Sekretion von Drüsen. Anticholinergika binden an die muskarinischen Acetylcholinrezeptoren und verhindern so, dass Acetylcholin seine Wirkung entfalten kann. Die pharmakologischen Eigenschaften von Anticholinergika variieren je nach spezifischem Medikament und dessen Zielrezeptoren. Einige sind kurz wirkend, während andere für eine langanhaltende Wirkung entwickelt wurden. Die Dosierung von Anticholinergika ist individuell anzupassen und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der spezifischen Indikation, dem Alter und Gewicht des Patienten oder der Patientin sowie der Verträglichkeit. Wie alle Medikamente können auch Anticholinergika Nebenwirkungen haben. Zu den häufigsten gehören Mundtrockenheit, Verstopfung, Sehstörungen, Verwirrtheit und Schwierigkeiten beim Urinieren. Besonders bei älteren Patientinnen und Patienten kann es zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber diesen Nebenwirkungen kommen. Kontraindikationen für die Verwendung von Anticholinergika sind unter anderem Engwinkelglaukom, Myasthenia gravis und bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Anticholinergika können mit einer Reihe anderer Medikamente interagieren und deren Wirkung verstärken oder abschwächen. Besondere Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Einnahme von anderen Medikamenten mit anticholinerger Wirkung, sedierenden Substanzen und bestimmten Antidepressiva. Beim Einsatz von Anticholinergika ist es wichtig, dass Patientinnen und Patienten gut über die korrekte Anwendung und mögliche Nebenwirkungen informiert sind. Sie sollten auf Anzeichen einer Überdosierung achten, wie zum Beispiel stark erweiterte Pupillen, Fieber, Atemnot oder Halluzinationen, und in solchen Fällen sofort ärztliche Hilfe suchen. Die Beratung und Betreuung durch qualifiziertes Fachpersonal ist ein entscheidender Bestandteil der Therapie mit Anticholinergika. Ärztinnen und Ärzte sowie Apothekerinnen und Apotheker spielen eine wichtige Rolle bei der Aufklärung über die korrekte Anwendung, mögliche Nebenwirkungen und Interaktionen mit anderen Medikamenten.

Alkohol als Nervengift

Alkohol ist ein Nervengift, das nicht nur die Gehirnfunktion beeinträchtigt, sondern auch die Gesundheit Ihres Körpers insgesamt. Regelmäßiger und übermäßiger Alkoholkonsum kann zu einer Vielzahl von körperlichen Erkrankungen führen, wie zum Beispiel Leberschäden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Auch das Immunsystem wird durch Alkohol geschwächt und somit anfälliger für Infektionen. Darüber hinaus hat Alkohol auch Auswirkungen auf die Psyche. Es kann zu Stimmungsschwankungen, Angstzuständen und Depressionen führen sowie das Risiko für Suizid erhöhen. Zudem beeinträchtigt es die Wahrnehmungsfähigkeit und Reaktionszeit - was besonders im Straßenverkehr gefährlich werden kann. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass jeder Körper anders reagiert - schon kleine Mengen können bei manchen Menschen schwerwiegende Folgen haben.

Wenn Alkohol auf das Nervensystem wirkt, beeinträchtigt er die Kommunikation zwischen den Nervenzellen. Das liegt daran, dass Alkohol die Rezeptoren für den Neurotransmitter GABA aktiviert und gleichzeitig die Rezeptoren für Glutamat blockiert. Auch das Belohnungssystem im Gehirn wird durch Alkohol beeinflusst, was dazu führt, dass sich der Körper an den Konsum von Alkohol gewöhnt und immer höhere Dosen benötigt, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Langfristig kann der regelmäßige Konsum von Alkohol zu schweren Schäden im Nervensystem führen, wie zum Beispiel Gedächtnisverlust oder Demenz.

Thiamin und alkoholbedingte Nervenschäden

Thiamin, auch bekannt als Vitamin B1, ist entscheidend für gesunde Nerven, denn es wird zur Bildung von Nukleinsäuren und Neurotransmittern benötigt. Der Körper ist nicht in der Lage, Thiamin selbst zu produzieren, es muss mit der Nahrung aufgenommen werden. Alkoholabhängige Menschen sind oft mangelernährt und nehmen per se zu wenig Thiamin auf. Alkohol unterbindet die Thiaminaufnahme und -verwertung im Körper. So gelingt die Aufnahme dieses B-Vitamins aus dem Darm nicht mehr, weil dafür sowohl Energie als auch ein normaler pH-Wert benötigt wird. Darüber hinaus behindert Alkohol die Fähigkeit der Zellen, Thiamin zu verwerten. Alkohol wird im Körper zu Acetaldehyd verstoffwechselt. Dieses Abbauprodukt von Ethanol führt dosisabhängig zum Absterben von Nervenzellen (neuronaler Zelltod). Alkohol führt zur Entzündung von Nervengewebe. Er erhöht die Zahl entzündungsfördernder Zytokine, die die Blut-Hirn-Schranke (BHS) überwinden und Entzündungen im Gehirn verursachen können. Auch begünstigt er die Inflammation durch Verschiebung der Neurotransmitterspiegel. So ist beispielsweise bekannt, dass Alkohol den Glutamatspiegel über die Hemmung des N-Methyl-D-Aspartat (NMDA)-Rezeptors erhöht. Hohe Konzentrationen von Glutamat im Gehirn können neurotoxisch wirken und neuronale Schäden verursachen. Wenn es durch Alkoholmissbrauch zu einer Leberschädigung kommt, führen die dann anfallenden neurotoxischen Substanzen wiederum zu einer Gehirnschädigung („hepatische Enzephalopathie“).

Häufig unterschätzt, weil im Krankheitsbild zunächst wenig „imposant“, ist die Polyneuropathie. Sie entsteht durch Schädigung der peripheren Nerven durch den Alkohol. Sie kann auch andere Gründe haben (z. B. Diabetes), bei etwa jedem fünften Betroffenen ist sie allerdings alkoholbedingt. Anfänglich äußert sie sich durch ein unangenehmes Kribbeln in den Beinen, im Vollbild bringt sie Dauerschmerzen mit sich und beeinträchtigt die Lebensqualität enorm. Viele Menschen mit Alkoholproblemen sind früher oder später betroffen (Schätzungen zufolge zwischen 22 und 66 %).Die neurologischen Folgekrankheiten und Syndrome eines erhöhten Alkoholkonsums, die durch Schädigungen der Nervenzellen des zentralen Nervensystems entstehen, ähneln den typischen Symptomen der Betrunkenheit, sind allerdings dann chronisch. Beim Korsakow-Syndrom oder dem extrem seltenen Marchiafava-Bignami-Syndrom beispielsweise nehmen die kognitiven Fähigkeiten ab, es kommt zu Sprachstörungen, unkontrollierten Bewegungen - und im Endstadium zu einer Demenz.

Acetylcholin als Neurotransmitter

Acetylcholin ist ein Neurotransmitter. Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die Informationen von einer Nervenzelle auf eine andere Nervenzelle übertragen. Acetylcholin kommt im Nervensystem im ganzen Körper vor und steuert verschiedene Körperfunktionen. Im Gehirn reguliert Acetylcholin überlebenswichtige Funktionen wie den Herzschlag und die Atmung. Daneben spielt der Botenstoff eine wichtige Rolle für das Lernen und Erinnern. Im restlichen Körper überträgt der Botenstoff Signale von Nervenzellen auf Muskelzellen. Der Neurotransmitter Acetylcholin vermittelt seine Funktion über Acetylcholin-Rezeptoren. Rezeptoren sind die Bindungsstellen für Botenstoffe. Ein Teil der Acetylcholin-Rezeptoren kann auch durch Nikotin aktiviert werden. Diese Rezeptoren werden deshalb nikotinische oder nikotinerge Acetylcholin-Rezeptoren genannt. Nikotin kann an dem Rezeptor binden und die gleiche Wirkung wie Acetylcholin vermitteln. Dadurch werden weitere Botenstoffe wie Dopamin oder Serotonin freigesetzt. Im Gegensatz zum Acetylcholin bindet Nikotin länger an den Rezeptoren. Dadurch wird die Erregung der einzelnen Nervenzellen länger aufrechterhalten. Danach braucht die Nervenzelle aber auch länger, um ein neues Signal auszulösen. Das Gehirn gewöhnt sich mit der Zeit daran, dass viele Zellen mit dem Nikotin „besetzt“ sind. Ist Nikotin über längere Zeit nicht verfügbar, weil zum Beispiel versucht wird, auf Zigaretten zu verzichten, sind plötzlich viele dieser Rezeptoren unbesetzt. Das betrifft auch die nachgeschalteten Nervenzellen, die dann nicht mehr in vollem Umfang aktiviert werden. Dadurch wird weniger Dopamin ausgeschüttet.

Molekulare Mechanismen der Alkoholwirkung im ZNS

Alkoholkonsum bewirkt vielfältige Effekte im zentralen Nervensystem (ZNS). Welche molekularen Mechanismen sind dafür verantwortlich? In den letzten zwanzig Jahren konnten Bindungsstellen für Ethanolmoleküle an einer Reihe von Membranrezeptoren und Ionenkanälen charakterisiert werden. Bei der akuten Alkoholwirkung sind insbesondere NMDA- und GABAA-Rezeptoren bei der Ausprägung von psychotropen Wirkungen von Bedeutung. In ihrer Gesamtheit bewirken die Interaktionen von Ethanolmolekülen mit ihren primären Angriffsstellen im ZNS subjektive Alkoholwirkungen und Intoxikation. Dem schließt sich eine zweite Welle indirekter Wirkungen auf eine Reihe von Neurotransmitter-/Neuropeptid-Systemen an. Man nimmt an, dass diese zweite Welle, an der in erster Linie Monoamine (Dopamin) und das endogene Opioidsystem beteiligt sind, entscheidend für die verstärkenden und belohnenden Eigenschaften von Alkohol ist. Molekulare Interaktionen von primären Angriffsstellen und den genannten neurochemischen Funktionssystemen können zu lang anhaltenden physiologischen Veränderungen innerhalb des mesokortikolimbischen Systems führen und als Folge süchtiges Verhalten bedingen. Aufgrund einer verminderten präfrontalen Kontrolle und einer Rekrutierung striataler dopaminerger Mechanismen, die automatisiertes Verhalten begünstigen, wird das Verhalten im Verlauf der Suchtentwicklung repetitiv, zwanghaft und zunehmend unkontrolliert. Ferner kommt es zu einem negativen emotionalen Status, der insbesondere während Entzugsphasen bzw. Abstinenz auftritt und von dem extrahypothalamischen Corticotropin-Releasing-Hormon-System und dem dynorphinergen/Kappa-Opioid-Rezeptorsystem vermittelt wird.

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