Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das fast jeder Mensch schon einmal erlebt hat. Chronische Kopfschmerzen, insbesondere Migräne, können jedoch eine erhebliche Belastung darstellen und die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken. Die Ursachen der Migräne sind komplex und noch nicht vollständig erforscht. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Gehirn von Migränepatienten empfindlicher auf Veränderungen reagiert als das Gehirn gesunder Menschen.
Migräne: Eine häufige Ursache chronischer Kopfschmerzen
Migräne ist eine der häufigsten und schmerzhaftesten Ursachen für chronische Kopfschmerzen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Typischerweise äußert sich eine Migräne durch periodisch wiederkehrende, pulsierende und meist halbseitige Kopfschmerzen. Diese können von Symptomen wie Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Erbrechen, Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein. Bei körperlicher Anstrengung verstärkt sich der Schmerz. In der Regel dauert eine Migräneattacke zwischen 4 und 72 Stunden. Teilweise kann ein Migräneanfall auch mit einer Aura einhergehen. Diese äußert sich vor allem durch optische, sensible sowie sprachliche Störungen und dauert in der Regel bis zu 60 Minuten an.
Es wird vermutet, dass bestimmte Auslöser, wie Stress, Krankheit oder Hormonschwankungen, eine Migräneattacke auslösen können. Diese Auslöser sind jedoch bei jedem Betroffenen individuell.
Die Rolle von Vitalstoffen bei Migräne
Diverse Studien zeigen, dass Migränepatienten oft ein Defizit an wichtigen Botenstoffen haben, die für einen funktionierenden Energiestoffwechsel von Bedeutung sind. So haben Migränepatienten häufig erniedrigte Spiegel im Blut an Magnesium, Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin D und Coenzym Q10. Vitalstoffe, z.B. die B-Vitamine und Vitamin D, können bei ständigen Kopfschmerzen hochwirksam sein und sollten immer eine Therapieoption darstellen.
Energiemangel und Mitochondrienfunktion
Die Pathogenese der Migräne ist zwar noch nicht vollständig geklärt, oxidativer Stress und ein Energiemangel im Gehirn sind aber wesentliche Faktoren. Bei der Migräne besteht ein erhöhter Energiebedarf bei gleichzeitig verminderter Energieproduktion. Die Mitochondrien sind hauptsächlich verantwortlich für die Energiebildung im Gehirn. Eine Störung der Mitochondrienfunktion führt deshalb zu einem Energiedefizit, das wiederum als Migränetrigger anzusehen ist.
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Mikronährstoffe zur Verbesserung der Mitochondrienfunktion
Zur Verbesserung der Mitochondrienfunktion kommen verschiedene Mikronährstoffe infrage. Vitamin B2, B6, B12, Niacin, Coenzym Q10 und Magnesium haben eine wichtige Funktion bei der Energiebereitstellung und unterstützen so z. B. den Energiestoffwechsel im Gehirn. Da bei Migräne wahrscheinlich der Energiestoffwechsel der Mitochondrien verändert ist, führt eine ausreichende Versorgung der Mikronährstoffe zu einem verbesserten Wohlbefinden.
Niacin (Vitamin B3) und seine Bedeutung für die Energiebildung
Vitamin B3 (Niacin) ist von zentraler Bedeutung für die Energiebildung in den Mitochondrien. Es gibt Hinweise, dass Niacin möglicherweise in der Migräneprophylaxe eine Rolle spielt. Niacin umfasst die beiden Pyridinderivate Nicotinsäure und Nicotinamid. Beide besitzen die gleiche biologische Aktivität und sind im Stoffwechsel ineinander überführbar. In Geweben mit hoher Stoffwechselrate wie Immunzellen, Herz, Leber, Niere sowie Reproduktionsorganen findet sich der höchste Niacingehalt.
Nicotinamid spielt als Bestandteil der wasserstoffübertragenden Coenzyme NAD+/NADH und NADP+/NADPH eine zentrale Rolle im Intermediärstoffwechsel und wirkt so über zahlreiche Redoxreaktionen am Auf- und Abbau von Proteinen, Kohlenhydraten und Fettsäuren mit. Niacin ist zudem an der Detoxifikation von Xenobiotika, der Blutzuckerregulierung und der antioxidativen Abwehr beteiligt. Hierbei regeneriert nicotinamidhaltiges NADPH verbrauchtes Glutathion durch Reduktion. Darüber hinaus ist Niacin u.a. an der Calciumhömöostase, am Aufbau der Myelinscheiden sowie an der Reparatur und Replikation der DNA beteiligt.
Da neben Niacin auch Tryptophan für die NAD+- und NADP+-Synthese herangezogen werden kann, wird der Bedarf in Niacinäquivalenten (NÄ) angegeben. Die Eigensynthese, die ca.
Niacinmangel
Niacinmangelerscheinungen kommen erst zum Vorschein, wenn gleichzeitig der Tryptophanstoffwechsel gestört bzw. die Protein- und die Vitamin- B6-Zufuhr sehr gering ist. Im Frühstadium des Niacinmangels treten unspezifische Symptome wie Schwäche, Appetitverlust, Schlafprobleme und Gedächtnisschwierigkeiten auf. Ein ausgeprägter Niacinmangel führt zu Pellagra mit den drei typischen DDD-Symptomen: Dermatitis, Diarrhoe und Demenz. Besonders lichtexponierte Stellen entwickeln starke Pigmentierungen, Rötungen und zunehmende Verhornung. Im Gastrointestinaltrakt treten mukosale Entzündungen, Erbrechen und Diarrhoe auf.
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Niacin in Lebensmitteln
Die folgenden Lebensmittel eignen sich, um den täglichen Bedarf an Niacin zu decken:
Pflanzliche niacinreiche Lebensmittel:
- Pfirsich
- Dattel, getrocknet
- Holunderbeere
- Bananen
- Pfifferlinge
- Steinpilz
- Grünkohl
- Porree
- Feldsalat
- Erdnüsse
- Pinienkerne
- Mandel, süß
- Cashewkerne
- Erbsen
- Sojabohnen
- Linsen
- Weiße Bohnen
Tierische niacinreiche Lebensmittel:
- Hühnerleber
- Rindfleisch
- Lammfleisch
- Kalbsfleisch
- Schinken
- Thunfisch
- Makrele
- Heilbutt
- Seelachs
- Hering
- Camembert
- Speisequark
- Vollmilch
Niacin als Therapieoption bei Hypercholesterolämie
Hochdosiertes Niacin in Form von Nicotinsäure findet seit langem Anwendung zur Intervention bei Hypercholesterolämie und gehörte vor der Einführung der CSE-Hemmer sogar zu den Arzneimitteln erster Wahl bei Dyslipoproteinämien. Klinische Studien dokumentieren jedoch auch die Wirkung von Nicotinamid. Neben der Höhe des Gesamtcholesterols hat sich die Höhe des LDL-Spiegels als bedeutender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erwiesen.
Durch eine Substitution mit Niacin lässt sich die Plasmakonzentration an VLDL und LDL wirksam verringern, während der HDL-Gehalt ansteigt.
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Niacin
In sehr hohen Dosierungen kann Nicotinsäure (nicht von Niacin) die Freisetzung von Histaminen stimulieren. Dies kann zum Auftreten von „Flush“ - Reaktionen führen, die durch Hautrötung und Hitzegefühl gekennzeichnet sind. Der gleichzeitige Konsum von Alkohol oder Kaffee sollte vermieden werden, um einen Flush zu verhindern. Bei Flushneigung kann durch Prämedikation mit einem Antihistaminikum (20 Min.
Bestimmte Medikamente können die Aufnahme von Vitamin B3 hemmen bzw. den Bedarf an dem Vitamin erhöhen, z. B. Antibiotika (v.a.
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NSAIDs können die Nebenwirkungen von Niacineinnahme (v.a. Orale Antidiabetika (z.B.
Niacin und Makulaödem
Ein 41-jähriger Patient stellte sich mit einer beidseitigen schmerzlosen Visusminderung vor. Nach gezielterer Anamnese berichtete der Patient, seit 8 Wochen täglich 12 Tabletten 3 verschiedener Nahrungsergänzungspräparate, unter anderem mit dem Inhaltsstoff Niacin (6,6 mg/Tag), einzunehmen. Nach entsprechender Karenz entwickelte sich innerhalb der folgenden 13 Monate eine Regression des Makulaödems und ein Visusanstieg rechts auf 1,0 und links 0,5.
Gass beschrieb erstmals die seltene Nebenwirkung einer Niacin-assoziierten Makulopathie bei Patienten, die im Rahmen einer Hyperlipidämietherapie Niacin-Mengen > 1,5 g/Tag einnahmen. Die bildgebenden Charakteristika umfassen zahlreiche zentrale zystoide Einschlüsse in der äußeren und inneren Körnerschicht.
Als wahrscheinlichster Pathomechanismus wird eine direkte toxische Wirkung des Niacins auf die Müller-Zellen vermutet. Eine Veränderung im Zellstoffwechsel führt zu intra- und extrazellulärer Flüssigkeitsakkumulation in den Gliazwischenräumen.
In den meisten Fällen war die Makulopathie assoziiert mit einer Dosierung von 1,5-3 g Niacin-Äquivalenten/Tag, jedoch wurde auch ein Fall mit niedrigerer Dosis (18 mg) beschrieben.
Nach Absetzen der Niacin-Einnahme kann eine Befundbesserung innerhalb von Tagen bis mehreren Monaten eintreten.
Weitere wichtige Vitalstoffe bei Migräne
Magnesium
Magnesium ist essenziell für den Energiehaushalt des Gehirns. Ein Magnesiummangel ist ein nachgewiesener Risikofaktor für Migräne. Magnesium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei und fördert zudem die Serotoninausschüttung. Serotonin, das sogenannte Glückshormon, leitet u. a. Nervensignale weiter, steuert die Ausdehnung sowie Verengung der Blutgefäße und löst Schmerzsignale aus. Serotonin wird daher auch häufig mit Migräne in Zusammenhang gebracht.
Vitamin B2 (Riboflavin)
Der therapeutische Nutzen von Vitamin B2 wurde in mehreren klinischen Studien belegt. Vitamin B2 ist nicht nur wichtig für die Mitochondrienfunktion, sondern ist auch an der Bildung von Myelin beteiligt. Eine Studie zeigt zudem, dass sich eine Vitamin B2-Supplementation positiv auf Kopfschmerzen auswirken kann und es somit eine gute Migräneprophylaxe darstellen könnte.
Coenzym Q10
Auch Coenzym Q10 zeigte in einigen kontrollierten randomisierten Studien einen günstigen Effekt bei der Behandlung der Migräne. Durch eine Coenzym Q10-Supplementierung wurde die Dauer und die Häufigkeit der Migräneattacken reduziert, der Schweregrad der Migräneeinfälle wurde aber nicht beeinflusst.
Vitamin D
iranische Forscher untersuchten die Wirkung von Vitamin D auf Migräne. Es stellte sich heraus, dass die Probanden mit Migräne deutlich niedrigere Vitamin D-Spiegel im Blut hatten als die Kontrollgruppe ohne Migräneattacken. So hatte jeder zweite Proband mit Migräne zu geringe Vitamin D-Spiegel. In der Kontrollgruppe war es lediglich jede 4.
B-Vitamine (B6, B12 und Folsäure)
Ein günstiger Effekt wurde auch durch eine Supplementierung mit den Vitaminen B6, B12 und Folsäure festgestellt, in erster Linie bei Patienten mit Aura. Wissenschaftler*innen fanden heraus, dass hohe Homocystein-Werte im Körper eine Migräne begünstigen können. Um die Homocystein-Konzentrationen im Körper zu senken, wurden den Probanden Vitamin B6, Vitamin B12 und Folsäure über sechs Monate verabreicht.
Weitere Therapieansätze bei Migräne
Ernährungsumstellung
Zunächst macht es Sinn, die Ursache oder die sogenannten Triggerfaktoren zu erkennen. Helfen kann dabei das Führen eines Kopfschmerztagebuches. Hier sollte dokumentiert werden, wie häufig und wie stark die Attacken in einem bestimmten Zeitraum auftauchen. Ebenfalls vermerken sollten Sie die Ernährungsweise oder auch andere Faktoren des Alltages, die sich als Auslöser ausmachen lassen. So lassen sich ganz persönliche Nahrungsmittel feststellen, auf die verzichtet werden sollte. Jeder Betroffene entwickelt demnach seine spezielle „Migränediät“. Überprüfen Sie Ihre Ernährung und vermeiden Sie jedes Zuviel an Fett, Süßigkeiten, Zitrusfrüchten, Kaffee, Alkohol und Nikotin. Essen Sie regelmäßig und gesund.
Heilfasten-Kur
Therapeutisch haben wir im Lanserhof beste Erfahrungen mit der Fastenkur. Die positiven Effekte des Fastens in zahlreichen Stoffwechselvorgängen und der allgemeinen Körperentgiftung führen sehr häufig zu nachhaltiger Verbesserung einer Migräneerkrankung, oftmals auch zur kompletten Heilung.