Niedriger Blutdruck und Migräne: Ursachen, Zusammenhänge und Behandlungsmöglichkeiten

Viele Menschen leiden unter niedrigem Blutdruck (Hypotonie) und/oder Migräne. Obwohl diese beiden Zustände oft als separate Gesundheitsprobleme betrachtet werden, gibt es Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen ihnen. Dieser Artikel untersucht die Ursachen von niedrigem Blutdruck und Migräne, beleuchtet die möglichen Zusammenhänge und bietet Informationen zu Behandlungsansätzen.

Was ist Hypotonie?

Mit Blutdruck meinen Mediziner den Druck in den großen Blutgefäßen unseres Körpers. Besteht ein Blutunterdruck, auch arterielle Hypotonie genannt, gelangt zu wenig sauerstoffreiches Blut in die Organe, Muskeln und andere Bereiche des Körpers. Eine Hypotonie liegt vor, wenn der systolische (obere) Blutdruckwert unter 110 mmHg liegt. Dieser Grenzwert ist unabhängig von der Höhe des diastolischen (unteren) Blutdruckwerts. Viele Betroffene fühlen sich von Beschwerden wie Müdigkeit oder Herzrasen beeinträchtigt.

Formen der Hypotonie und ihre Ursachen

Leiden Menschen an Blutunterdruck, kann das unterschiedliche Auslöser haben. Sie bestimmen wiederum die Form der Hypotonie.

  • Primäre, idiopathische Hypotonie: Hier ist die Ursache des zu niedrigen Blutdrucks unklar. Die Vermutung besteht, dass ein körpereigenes Regulationssystem erblich bedingt nicht einwandfrei funktioniert. Der Körper verfügt eigentlich über ein ausgeklügeltes System, das zur Regulierung des Blutdrucks beiträgt: In den Gefäßwänden vieler großer Schlagadern befinden sich sogenannte Barorezeptoren. Sie nehmen das Ausmaß der Gefäßdehnung wahr. Basierend darauf senden die Rezeptoren Informationen an das Stammhirn. Das löst eine entsprechende Reaktion des Herz-Kreislauf-Systems aus, um den Druck wieder zu regulieren. Zudem reagiert auch die Niere bei zu niedrigem Blutdruck. Sobald der Druck in dem zur Niere führenden Gefäß sinkt, schüttet sie das Hormon Renin aus. Folglich verengen sich die Gefäße und der Körper scheidet weniger Kochsalz und Harn aus, wodurch der Druck in den Gefäßen erneut ansteigt. Reagieren die Barorezeptoren nicht ausreichend oder schüttet die Niere zu wenig Renin aus, spiegelt sich das im Blutdruck wider.

  • Sekundärer, symptomatischer Blutunterdruck: Diese Form der Hypotonie ist durch eine Grunderkrankung oder Medikamente bedingt. Auch der Einsatz von Medikamenten zur Behandlung einer Grunderkrankung kann ursächlich für Hypotonie sein.

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  • Orthostatische Hypotonie: Fachleute sprechen hier von der Orthostase-Regulation. Beim Aufstehen müssen Blutdruck und Herzfrequenz leicht steigen, sodass das Blut auch entgegen der Schwerkraft durch den Organismus gelangt. Funktioniert dieser Prozess nicht einwandfrei, steigt zwar der Puls, der Blutdruck bleibt jedoch unverändert. Fachleute bezeichnen das als orthostatische Hypotonie, die sich zum Beispiel durch Schwindelgefühl oder Ohrenrauschen beim Aufstehen äußert.

Symptome von niedrigem Blutdruck

Obwohl das Blut im Körperinneren fließt, macht sich ein zu niedriger Blutdruck auch nach außen hin bemerkbar.

  • Schwindel und Benommenheitsgefühl: Bei Blutunterdruck gelangt oftmals nicht ausreichend Blut ins Gehirn.
  • Morgendliche Antriebsschwäche: Besonders morgens benötigt der Organismus eine gute Durchblutung, um in die Gänge zu kommen.
  • Kältegefühl in Händen und Füßen: Unser Organismus begrenzt sich bei beschränkten Ressourcen immer auf die Versorgung der lebenswichtigen Organe. Bei zu niedrigem Blutdruck konzentriert er sich zunächst darauf, diese mit Blut zu versorgen.
  • Weitere Symptome: Beschwerden wie Müdigkeit oder Herzrasen, Flimmern vor den Augen, Benommenheit, Konzentrations- und Leistungsschwäche, Gefühl des Luftmangels, Herzklopfen und innere Unruhe.

Risiken und Gefahren von Blutunterdruck

Leiden Sie häufiger an Symptomen von niedrigem Blutdruck, sollten Sie umgehend einen Arzt oder eine Ärztin zurate ziehen. Wichtig ist es, die Ursache von Hypotonie herauszufinden. Eine Herzinsuffizienz führt manchmal dazu, dass das geschwächte Herz nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Blut in den Kreislauf zu pumpen und so einen normalen Blutdruck aufzubauen. Blutunterdruck kann demnach auf eine Herzschwäche hindeuten und sollte unbedingt ernst genommen werden.

Behandlung von Hypotonie

Der Auslöser der Beschwerden ist entscheidend für die Behandlung des Blutunterdrucks. Bei einer Hypotonie durch eine Herzinsuffizienz steht zum Beispiel eine Reihe von Medikamenten zur Auswahl. Zudem gilt eine gesunde Mischung aus Bewegung und Ruhephasen als ideal, um Ihr Wohlbefinden zu fördern. Dem gegenüber wird die primäre Hypotonie in der Regel nicht mit Medikamenten behandelt. Hier bringen eine gesteigerte körperliche Aktivität und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr häufig Erfolge. Auch koffeinhaltige Getränke, Stützstrümpfe und regelmäßige Wechselduschen gelten bei anlagebedingtem Blutunterdruck als hilfreich.

Migräne: Ursachen und Symptome

Migräne ist eine idiopathische Kopfschmerzerkrankung, die sich durch starke einseitige, rezidivierende, pulsierende Schmerzen auszeichnet. Die Schmerzen halten in der Regel mehrere Stunden bis Tage an und werden oft von vegetativen Begleitsymptomen wie Übelkeit und Erbrechen begleitet. Hinzu kommt eine Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen oder Gerüchen. Migräne kann sowohl mit als auch ohne Aura auftreten. Als Aura bezeichnet man hierbei das Auftreten von neurologischen Symptomen kurz vor einem Migräneanfall.

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Ursachen von Migräne

Die genaue Ursache bei Migräne ist nicht vollständig geklärt. Man geht jedoch von einer genetischen Veranlagung aus. Triggerfaktoren spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Enteicklung von Migräne. Diese können dann zu einer Überaktivität eines als „Migränegenerator“ bezeichneten Areals des Hirnstamms (Formatio reticularis) führen. Es entseht eine neuronale Funktionsstörung, die sich dann über den Kortex ausbreitet („spreading depression“) und eine Gefäßerweiterung der Gehirngefäße. In einer Studie wurden 38 genetische Regionen, die mit Migräne in Verbindung stehen, identifiziert. In einer anderen Studie wurde untersucht, wieso Frauen häufiger mit Migräne diagnostiziert werden, als Männer. Hierbei wurden die weiblichen Geschlechtshormone und die genetischen Unterschiede genauer betrachtet.

Symptome von Migräne

Migräne tritt bei etwa 30% der Frauen, 8% der Männer und 5% der Kinder auf und steht damit an zweiter Stelle der Kopfschmerzarten. Typischerweise zeigt sie sich zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr und selten nach dem 40. Lebensjahr. Die Migräne ohne Aura betrifft etwa 75% der Migränepatienten. Bei einer untypischen Migräne weichen die Symptome von den herkömmlichen Merkmalen der Migräne ab. Die Diagnose basiert vor allem auf der Beschreibung der Symptome durch den Patienten.

Diagnose von Migräne

Wenn Patienten sich mit dem Leitsymptom „Kopfschmerz“ vorstellen, ist es für Ärzte wichtig, andere Ursachen für den Schmerz auszuschließen. Nur so ist eine korrekte Behandung der Kopfschmerzen möglich. So wird der neurologische Status erhoben, bei dem die Funktion des Nervensystems überprüft wird. Die „trigeminalen Nervenaustrittspunkte“ sind Stellen am Kopf, an denen der Trigeminusnerv, der oft bei Kopfschmerzen beteiligt ist, austritt. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Beweglichkeit der Halswirbelsäule (HWS). Einschränkungen hier können ebenfalls Kopfschmerzen verursachen. Ebenso wird die „perikranielle Muskulatur“, also die Muskulatur rund um den Schädel, auf Druckschmerzhaftigkeit überprüft. Die Gesundheit des Mundes ist ebenfalls wichtig. Daher wird eine Beurteilung der Schleimhäute und des Zahnstatus vorgenommen. Die Diagnose basiert auf den klinischen Symptomen.

Differentialdiagnose

Bei Migräne, besonders bei jenen mit sichtbaren Symptomen oder untypischen Verläufen, müssen andere Erkrankungen berücksichtigt werden.

  • Spannungskopfschmerz: Ein dumpfer, allumfassender Schmerz, ohne Übelkeit oder sichtbare Symptome.
  • Clusterkopfschmerz: Sehr starker Schmerz, aber kürzer und immer auf derselben Seite. Begleitet von Symptomen wie tränende Augen.
  • Meningitis: Begleitet von Fieber, schlechtem Allgemeinbefinden und Steifheit des Nackens.
  • Schlaganfall oder Gehirnblutung: Plötzlicher Beginn, oft mit Halbseitenschwäche, ohne Überempfindlichkeit gegenüber Licht oder Lärm.

Behandlung von Migräne

Die Behandlung hängt von der Schwere und Häufigkeit der Anfälle ab. Es gibt Ansätze zur akuten Behandlung (acute treatment migraine) während eines Anfalls und präventive Maßnahmen, um die Anzahl und Schwere der Anfälle zu reduzieren. Bei leichten bis mittelstarken Migräneattacken sind NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika) die bevorzugten Medikamente. Mittelschwere bis schwere Migräneattacken werden hauptsächlich anhand von Triptane behandelt.

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Zusammenhang zwischen niedrigem Blutdruck und Migräne

Der Zusammenhang zwischen niedrigem Blutdruck und Migräne ist komplex und nicht vollständig geklärt. Einige Studien deuten darauf hin, dass ein niedriger Blutdruck Migräneanfälle auslösen oder verstärken kann. Dies könnte daran liegen, dass ein niedriger Blutdruck zu einer unzureichenden Sauerstoffversorgung des Gehirns führt, was wiederum Migräne auslösen kann.

Niedriger Blutdruck als Triggerfaktor für Migräne

Typische Symptome für zu niedrigen Blutdruck sind unter anderem Schwindel und Kopfschmerzen. Schwindel entsteht, weil das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Das führt auch zu Sehstörungen, wie dem bekannten "Sternchen sehen" oder "schwarz vor Augen werden". Insbesondere, wenn man schnell aus einer sitzenden oder liegenden Position aufsteht, entstehen Schwindelgefühle. Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsprobleme haben auch mit der schlechteren Durchblutung des Gehirns und des gesamten Körpers zu tun. Zu Atemnot kann es kommen, weil der Körper die Blutgefäße eng stellt, um einen höheren Druck in den Gefäßen zu erzeugen. Das kann zu einem Engegefühl in der Brust und zu Atemnot führen. Kopfschmerzen sind ebenfalls ein typisches Symptom von niedrigem Blutdruck. Sie entstehen, wenn das Gehirn unzureichend mit Sauerstoff versorgt wird.

Migräne und Blutdruck: Eine komplexe Beziehung

Wahrscheinlich schon. Zumindest deuten darauf einige wissenschaftliche Erkenntnisse hin. Lange Zeit herrschte die Meinung, dass Blutdruck und Migräne nicht in Verbindung stehen. Allerdings deuten einige Studien mittlerweile auf das Gegenteil hin. Manche Forscher vermuten, dass ein bestimmter Regelkreis mit Hormonen und Enzymen, das sogenannte Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, eine Rolle spielen könnte. Er ist an vielen Vorgängen beteiligt, unter anderem reguliert er unseren Blutdruck. Für diese Theorie spricht, dass manche Medikamente, die gegen Bluthochdruck wirken, auch vorbeugend gegen Migräne eingesetzt werden. Außerdem deuten einige Untersuchungen darauf hin, dass Menschen mit Migräne wahrscheinlicher erhöhten Blutdruck haben als andere. Das gilt speziell für Frauen. Der untere, sogenannte diastolische, Blutdruckwert ist dann leicht höher als bei Menschen, die keine Migräne haben.

Erhöht Migräne das Risiko für Bluthochdruck?

Kurz gesagt: Ja, das ist so. Besonders Frauen nach den Wechseljahren sollten das im Hinterkopf haben: Während mit dem Alter die Migräne-Attacken nachlassen, steigt generell das Risiko, Bluthochdruck zu entwickeln - bei Menschen mit Migräne stärker als bei anderen.

Behandlungsansätze bei niedrigem Blutdruck und Migräne

Die Behandlung von niedrigem Blutdruck und Migräne sollte individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt sein. Es ist wichtig, die Ursachen beider Zustände zu identifizieren und entsprechend zu behandeln.

Behandlung von niedrigem Blutdruck

Ein einfaches, kostenloses und nebenwirkungsfreies Mittel gegen niedrigen Blutdruck ist Bewegung, vor allem Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren. Einige Heilpflanzen können ebenfalls den Kreislauf anregen. Dazu zählen vor allem Rosmarin, aber auch Lavendel, Ginseng und Weißdorn. Wechselduschen mit kaltem und warmem Wasser: Der Wechsel zwischen den Temperaturen bewirkt, dass sich die Blutgefäße abwechselnd weiten und wieder zusammenziehen. Das trainiert die Gefäßwände und regt den Kreislauf an. Menschen mit einem niedrigen Blutdruck sollten auch auf eine ausreichende Zufuhr von Kochsalz achten.

Behandlung von Migräne

Die Behandlung hängt von der Schwere und Häufigkeit der Anfälle ab. Es gibt Ansätze zur akuten Behandlung während eines Anfalls und präventive Maßnahmen, um die Anzahl und Schwere der Anfälle zu reduzieren.

Medikamentöse Prophylaxe bei Migräne

Zur Migräneprophylaxe sind beispielsweise Betablocker zugelassen. Doch die Therapie mit Propranolol & Co. ist nicht für alle Patienten gut geeignet. Heiko Schneider, niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin in Apolda in Thüringen berichtet, dass die Verordnung dieser Mittel in der Praxis eher problematisch ist: „Die typischen Migränepatientinnen jedoch sind häufig jünger, haben einen zierlichen Körperbau und einen niedrigen Blutdruck. Diese Patientinnen hätten mit Betablockern möglicherweise weniger Migräne, wären allerdings hypoton und bradykard. Ein weiteres großes Problem stellt die psychopharmakologische oder kardiologische Co-Medikation dar. So können mögliche Wechselwirkungen die Entscheidung für das Prophylaxe-Medikament wesentlich beeinflussen.“Somit stellen vor allem Antikörper eine gute Prophylaxetherapie dar.

Nicht-medikamentöse Therapien bei Migräne

Generell sei aber auch ein Wandel der Gewohnheiten wichtig, um eine Reduktion des Schmerzes und der Attackenhäufigkeit zu erfahren. Dr. Peter Storch ist Facharzt für Neurologie sowie zertifizierter DMKG Kopf- und Gesichtsschmerzexperte setzt dabei vor allem auf Ausdauersport. Zahlreiche Studien hätten gezeigt, dass Ausdauertraining dreimal die Woche für 30 Minuten zu einer deutlichen Abnahme der Schmerzsymptomatik führt.

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