Nikotin, Dopamin und Serotonin sind Substanzen, die eng miteinander verbunden sind und eine wichtige Rolle im menschlichen Gehirn spielen. Nikotin ist ein Alkaloid, das in der Tabakpflanze vorkommt und eine stark suchterzeugende Wirkung hat. Dopamin und Serotonin sind Neurotransmitter, die für die Übertragung von Signalen zwischen Nervenzellen verantwortlich sind und eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Stimmung, Motivation und Verhalten spielen.
Einführung
Der Zusammenhang zwischen Nikotin, Dopamin und Serotonin ist komplex und vielschichtig. Nikotin beeinflusst die Freisetzung von Dopamin und Serotonin im Gehirn, was zu einer Reihe von Effekten führen kann, darunter ein Gefühl von Vergnügen, Entspannung und erhöhter Aufmerksamkeit. Diese Effekte tragen zur Sucht nach Nikotin bei, da das Gehirn lernt, Nikotin mit positiven Erfahrungen zu assoziieren.
Nikotin und seine Wirkung auf das Gehirn
Nikotin ist ein Nervengift, das natürlich in der Tabakpflanze vorkommt. Es wirkt auf das Gehirn, indem es an nikotinische Acetylcholin-Rezeptoren bindet. Diese Rezeptoren befinden sich unter anderem auf der motorischen Endplatte und im vegetativen Nervensystem. Durch die Bindung an diese Rezeptoren führt Nikotin zur Freisetzung unterschiedlicher Botenstoffe, darunter Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin und Serotonin, aber auch von Hormonen wie Cortisol.
Dopamin: Der Belohnungsstoff
Dopamin ist ein Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Bewegungsabläufen sowie Aufmerksamkeit, Lern- und Suchtverhalten spielt. Nikotin stimuliert die Ausschüttung von Dopamin im Belohnungszentrum des Gehirns, was zu einem Gefühl von Vergnügen und Befriedigung führt. Dieser Effekt ist einer der Hauptgründe, warum Nikotin so süchtig macht.
Serotonin: Der Stimmungsaufheller
Serotonin ist ein weiterer Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Stimmung spielt. Nikotin kann ebenfalls die Freisetzung von Serotonin im Gehirn beeinflussen. Ein Mangel an Serotonin kann zu depressiven Verstimmungen führen. Wenn man mit dem Rauchen aufhört, kommt es zu einem künstlich herbeigeführten relativen Mangel an Serotonin im Gehirn, oft auch verbunden mit den oben genannten Auswirkungen.
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Weitere Auswirkungen von Nikotin auf das Gehirn
Neben der Beeinflussung von Dopamin und Serotonin hat Nikotin noch weitere Auswirkungen auf das Gehirn. Es kann die Konzentration, das Gedächtnis und die Reaktionszeiten verbessern. Es kann auch die Aktivität des Ruhenetzwerks dämpfen und das Exekutivnetzwerk stimulieren, was zu einer verbesserten Aufmerksamkeit und Informationsverarbeitung führen kann.
Die dunkle Seite des Nikotins
Obwohl Nikotin einige positive Auswirkungen auf das Gehirn haben kann, hat es auch eine dunkle Seite. Nikotin ist ein Nervengift, das in hohen Dosen tödlich sein kann. Es kann auch eine Reihe von negativen Auswirkungen auf die Gesundheit haben, darunter:
- Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Erhöhtes Risiko für Krebs
- Atemwegserkrankungen
- Stoffwechselerkrankungen
- Wundheilungsstörungen
- Schneller alternde Haut
- Entzündung des Zahnbetts (Parodontitis) und drohenden Zahnausfall
Darüber hinaus kann Nikotin in der Schwangerschaft schädlich für das ungeborene Kind sein. Es kann zu einem niedrigeren Geburtsgewicht, einem erhöhten Risiko für eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und Lernstörungen führen.
Nikotin als Therapeutikum?
Trotz seiner negativen Auswirkungen auf die Gesundheit wird Nikotin auch als Therapeutikum für einige neuropsychiatrische Erkrankungen erprobt. Studien haben gezeigt, dass Nikotin die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern und die Symptome von Parkinson, Schizophrenie, Depression und ADHS lindern kann.
Nikotin und Parkinson
Einige Studien deuten darauf hin, dass Nikotin einen Schutzeffekt bei der Parkinson-Krankheit haben könnte. Parkinsonpatienten sterben dopaminerge Gehirnzellen ab, was zu den für die Erkrankung typischen motorischen Defiziten führt. Nikotin könnte in gewissem Ausmaß bestimmte Neurone, die den Neurotransmitter Dopamin herstellen, vor dem Niedergang bewahren. Zusätzlich stimulieren die Nikotinrezeptoren die Ausschüttung des Neurotransmitters Dopamin und könnten so dem krankheitsbedingten Botenstoffmangel entgegenwirken.
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Nikotin und Schizophrenie
Auch bei Patienten mit Schizophrenie kann Nikotin womöglich helfen. Viele der Betroffenen greifen regelmäßig zur Zigarette; bei Schizophrenie sind es immerhin fast 90 Prozent. Eine Studie kam zu dem Schluss, dass eine einzige Dosis Nikotin ausreicht, um verschiedene kognitive und sensorische Symptome bei Schizophrenie zumindest kurzfristig zu mildern. Hierzu gehören unter anderem Verbesserungen der Aufmerksamkeit, des Arbeitsgedächtnisses und der unbewussten Früherkennung von Reizen.
Nikotin und Depression
Aktuelle Studienergebnisse zeigen, dass häufig Raucher von Depressionen betroffen sind. Raucher haben im Vergleich zu Nichtrauchern eine um über 40% höhere Wahrscheinlichkeit, an Symptomen einer Depression zu leiden. Depressive Verstimmungen entstehen beispielsweise durch ein Ungleichgewicht oder einen Mangel an Dopamin und Serotonin. Nikotin wirkt genau in diesen Arealen im Gehirn, weshalb ein Zusammenhang nicht auszuschließen ist.
Nikotin und ADHS
Nikotin kann auch bei Patienten mit ADHS helfen. ADHS geht mit kognitiven Einschränkungen einher, weshalb Fachleute eine Selbstmedikation mit Nikotin vermuten. Das könnte erklären, weshalb die Chancen auf Entwöhnung bei diesen Patienten ziemlich schlecht stehen.
Die Rolle von Dopamin für die Vulnerabilität für Nikotinsucht
Eine neue Studie in “Biological Psychiatry” berichtet, dass mit dem Rauchen verbundene Defizite im Dopamin, einer mit Belohnungsempfinden und Sucht verbundenen Substanz im Gehirn, drei Monate nach dem Rauchstopp verschwinden. Die Normalisierung des Dopaminsystems legt nahe, dass die Defizite eine Folge chronischen Rauchens sind und nicht ein Risikofaktor.
Nikotin und Alkohol
Die Kombination von Rauchen und Alkoholkonsum wirkt sich ungünstig auf die Hirnchemie aus. Verantwortlich hierfür sei die Aktivierung bestimmter Gensequenzen. Alkoholismus und Nikotinkonsum haben mehr miteinander gemein, als wir erwartet hatten. Analog zu den drastischen Effekten, die Alkohol auf den Präfrontalen Kortex hat, deute die aktuelle Studie somit darauf hin, dass sich häufiges Rauchen - wenngleich weniger stark - ebenfalls negativ auf diese Hirnregion auswirke.
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