Qigong und Tai-Chi, zwei fernöstliche Bewegungskünste, erfreuen sich auch in Deutschland wachsender Beliebtheit. Ihre fließenden, bewussten Bewegungsabläufe und regelmäßigen Wiederholungen tragen nachweislich zur Entspannung von Körper und Geist bei. Insbesondere Qigong erweist sich als vielversprechende Methode zur Linderung von Parkinson-Symptomen und zur Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen.
Was ist Qi Gong?
Qigong ist eine chinesische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform zur Kultivierung von Körper und Geist. Die Praxis umfasst Atem-, Körper-, Bewegungs-, Konzentrations- und Meditationsübungen, die der Harmonisierung und Regulierung des Qi-Flusses im Körper dienen. Obwohl die Ursprünge der Übungen weit zurückliegen, wird die Bezeichnung Qigong erst seit den 1950er Jahren verwendet.
Qigong und Tai-Chi sind eng miteinander verwandt, wobei Tai-Chi-Übungen oft einzelne Figuren aus dem Qigong aufgreifen. Beide Sportarten haben sich in der traditionellen chinesischen Medizin bewährt und sind inzwischen auch hierzulande gut erforscht. Grundsätzlich gelten Qigong und Tai-Chi als Kampfsportarten, wobei es insbesondere beim Tai-Chi verschiedene Stile gibt, die auch Waffen in die Bewegungsabläufe einbeziehen. Im Gegensatz dazu werden Qigong-Übungen meist ohne Waffen praktiziert.
Die Vorteile von Qi Gong bei Parkinson
Die sanften Bewegungen des Qigong machen es für Menschen mit chronischen oder schweren Erkrankungen wie Parkinson leicht zugänglich. Studien deuten darauf hin, dass Qigong folgende Vorteile für Parkinson-Patienten bieten kann:
- Verbesserung des Gleichgewichts und der motorischen Fähigkeiten: Qigong hilft, den Gleichgewichtssinn, die motorischen Fähigkeiten und die muskuläre Ausdauer zu verbessern.
- Linderung von Depressionen: Sanftes Qigong kann bei den parkinsontypischen Depressionen helfen.
- Stärkung des Immunsystems: Studien zum Guolin Qi Gong zeigen eine Steigerung der weißen und roten Blutkörperchen durch regelmäßiges Üben.
- Anregung der Kreislauffunktion: Durch die Bewegung und die Atmung wird der Qi-Fluss angeregt und eine spürbare Erweiterung der Blutgefäße setzt ein, wodurch die Zellen besser versorgt werden.
- Erhöhung der Körpertemperatur: Die Aktivierung des Qi-Flusses durch die Übungen kann die Körpertemperatur erhöhen, die Durchblutung der Organe und der Haut verbessern und den Stoffwechsel anregen.
- Verbesserung der Stimmungslage und des Allgemeinbefindens: Qigong kann dazu beitragen, den körperlichen und seelischen Zustand auszugleichen.
- Entgiftung des Körpers: Qigong kann den Körper dabei unterstützen, Giftstoffe und Ablagerungen auszuscheiden.
Qigong-Übungen für Parkinson-Patienten
Es gibt verschiedene Qigong-Übungen, die speziell auf die Bedürfnisse von Parkinson-Patienten zugeschnitten sind. Einige Beispiele sind:
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- Stehen wie ein Baum: Diese Übung, die von Mirko Lorenz in seinem Video "Stehen wie ein Baum Qigong" gezeigt wird, hilft Betroffenen, ihr Gleichgewicht und ihren Stand zu verbessern.
- Schultern trainieren: In seinem Video „Schultern trainieren“ demonstriert Mirko Lorenz ein zehnminütiges Workout, das die Schulterpartie beweglicher, schmerzfreier und entspannter macht.
- Endlich richtig gehen: Mirko Lorenz zeigt in seinen Videos "Endlich richtig gehen", wie Patienten mit Morbus Parkinson sicher gehen lernen, ihre Selbstständigkeit stärken und auf diese Weise ihre Gehirntätigkeit stimulieren können. Die Übungen sind auch eine wirksame Sturzprophylaxe.
- Guolin Qi Gong: Diese spezielle Form des Qigong wurde von der chinesischen Krankenschwester Guo Lin entwickelt, die selbst an Krebs erkrankt war. Es wird im Gehen ausgeübt und soll die Selbstheilungskräfte des Körpers bei Krebs und chronischen Erkrankungen aktivieren.
Qigong in der Parkinson-Therapie
Qigong kann eine wertvolle Ergänzung zur konventionellen Parkinson-Therapie sein. Es kann helfen, die Symptome zu lindern, dieFunktionseinschränkungen zu verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. Viele Kliniken, Rehazentren, Sportstudios, Physiotherapie- und Parkinson-Selbsthilfegruppen bieten Kurse und Workshops an, in denen Sie Qigong unter professioneller Anleitung kennenlernen können.
Einige Parkinson-Patienten berichten auch, dass ihnen Videoanleitungen für Qigong helfen, da sie die Bewegungsabläufe in Ruhe nachvollziehen können. Es gibt auch verschiedene Apps oder Audioaufnahmen, die geführte Meditationen und Anleitungen für Qigong anbieten.
Persönliche Erfahrungen mit Qi Gong und Parkinson
Oliver Klein, ein Taiji-Lehrer aus Alzenau, berichtet von seinen Erfahrungen mit Taiji und Parkinson in seinem Unterricht sowie beim eigenen Training. Bei ihm wurde Parkinson diagnostiziert, nachdem er ein Zittern in seiner rechten Hand bemerkt hatte. Er praktiziert Taiji seit 33 Jahren und ist seit 12 Jahren Kursleiter.
Klein hat festgestellt, dass Taiji ihm hilft, die Parkinson-Behinderungen lange hinauszuzögern bzw. die alte Beweglichkeit zumindest teilweise wiederherzustellen. Er hat auch gelernt, mit dem Tremor umzugehen, indem er beispielsweise beim Üben im Freien einen Tannenzapfen in die Hand nimmt, um das Zittern zu reduzieren.
Weitere Entspannungstechniken für Parkinson-Patienten
Neben Qi Gong gibt es auch andere Entspannungstechniken, die Parkinson-Patienten helfen können, Stress abzubauen und ihre Lebensqualität zu verbessern:
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- Progressive Muskelentspannung (PMR): Diese Technik hilft, Muskelverspannungen abzubauen und dadurch Beweglichkeit sowie körperliche Entspannung zu fördern.
- Autogenes Training: Diese Selbstentspannungstechnik hilft, den Körper bewusst zu entspannen und das vegetative Nervensystem positiv zu beeinflussen.
- Fantasiereisen: Diese Technik lenkt Körper und Geist von Alltagsbelastungen ab und fördert Entspannung.
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