Nikotin und Migräne: Ein Zusammenhang

Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, von dem ein Großteil der Bevölkerung betroffen ist. Etwa 50 Prozent der Männer und über 60 Prozent der Frauen in Deutschland geben an, in den letzten 12 Monaten Kopfschmerzen gehabt zu haben. Bei Kindern und Jugendlichen sind Kopfschmerzen ebenfalls ein häufiges Problem. Bis zum 12. Lebensjahr haben rund 90 Prozent der Jungen und Mädchen bereits Erfahrungen mit Kopfschmerzen, bis zu 12 Prozent mit Migräne.

Arten von Kopfschmerzen

Es gibt viele verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Bei einem Großteil (90 Prozent) der Kopfschmerzen handelt es sich um Migräne oder Spannungskopfschmerzen. Diese werden als primäre Kopfschmerzen bezeichnet, da sie nicht auf eine andere Grunderkrankung zurückzuführen sind.

Auslösende Faktoren für Kopfschmerzen

Viele Faktoren können Kopfschmerzen auslösen oder verstärken. Zu den häufigsten Auslösern gehören:

  • Ernährung: Ausgelassene Mahlzeiten, ungenügendes Trinken oder individuell unverträgliche Lebensmittel wie Schokolade, Alkohol, Aspartam oder Glutamat können Kopfschmerzen verursachen.
  • Hormonelle Faktoren: Hormonelle Veränderungen, beispielsweise durch die Einnahme der Anti-Baby-Pille oder eine Hormonersatztherapie, können ebenfalls Kopfschmerzen auslösen. Bei Frauen kann ein absinkender Östrogenspiegel Migräneattacken begünstigen. In einer Untersuchung von MacGregor et al. (2006) hatten die Proband:innen in der Zyklusphase mit einem niedrigeren Östrogenspiegel signifikant mehr Attacken. Um den Eisprung hingegen, wenn der Östrogenspiegel höher ist, gibt es oft weniger Attacken als an den restlichen Tagen des Zyklus
  • Stress: Länger anhaltender Stress ist ein häufiger Auslöser für Kopfschmerzen. Oft ist nicht der Stress an sich der entscheidende Einflussfaktor, sondern die Veränderung des Stressniveaus. Professor Richard Lipton vom Albert Einstein College of Medicine in New York und seine Kollegen fanden heraus, dass Migräne bei ihren Probanden eher in Entspannungsphasen auftrat, wenn der Stress nachließ. Deshalb wird diese Art von Migräne auch Feierabend- oder Wochenend-Migräne genannt. Umgekehrt kann ein unerwartetes stressiges Ereignis in einer Erholungsphase ebenfalls eine Migräne auslösen.
  • Erschöpfung: Schlafmangel oder Schlafapnoe können ebenfalls Kopfschmerzen verursachen. Migräne kann sowohl von zu wenig als auch von zu viel Schlaf ausgelöst werden.
  • Bewegung: Mangel oder zu viel Bewegung können Verspannungen und somit Kopfschmerzen verursachen.
  • Psychosozialer Stress: Bei Kindern kann psychosozialer Stress, wie familiäre Probleme, fehlende Entspannungsphasen, fehlende Freunde und Sozialkontakte, übermäßiger Fernsehkonsum und Computerspiele, ein Auslöser für Kopfschmerzen sein.
  • Schlechte Luft: Schadstoffe in der Innenraumluft, wie Tabakrauch, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Duftstoffe, Gerüche und flüchtige organische Verbindungen (VOC), können Kopfschmerzen auslösen.

Der Zusammenhang zwischen Nikotin und Kopfschmerzen

Mehrere Studien legen nahe, dass der Konsum von Zigaretten und Migräne oder Kopfschmerzen in einem signifikanten Zusammenhang stehen. Anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai wiesen Experten auf diesen Zusammenhang hin. In den vergangenen Jahren legten mehrere Studien nahe, dass der Konsum von Nikotin mit einem Auftreten von Migräne in einem unmittelbaren Verhältnis zueinandersteht.

Nikotin als Migräneauslöser

Nikotin kann auf verschiedene Weise Kopfschmerzen und Migräne auslösen:

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  • Vasokonstriktion: Nikotin kann eine Verengung der Blutgefäße (Vasokonstriktion) verursachen. Die Verengung erhöht den Widerstand, ergo Blutdruck, und verringert somit die Fließgeschwindigkeit des Blutes. Die Durchblutung des Gewebes hinter der Engstelle verringert sich.
  • Entzugserscheinungen: Koffeinentzug ist nämlich einer der häufigsten Migräne Auslöser. Da sich unser Körper schon nach ca. zwei Wochen an eine hohe Koffeinzufuhr gewöhnt (> 200 mg), kann Kopfschmerz, der an koffeinfreien Tagen auftritt, als Entzugserscheinung angesehen werden. Koffein sollte also regelmäßig und über den Tag verteilt konsumiert werden, um längere Zeit der Abstinenz zu vermeiden, und die Menge von 200 mg/Tag möglichst nicht überschreiten.
  • E-Zigaretten: Der falsche Nikotingehalt im Liquid - sowohl zu hoch als auch zu niedrig - kann zu Kopfschmerzen führen. Gerade beim Umstieg aufs Dampfen sollten Raucher mit hohen Nikotinstärken in Liquids beginnen und sich langsam nach unten tasten. E-Liquids bestehen zu einem Großteil aus hygroskopischen Substanzen (PG/VG), das sind Stoffe, die Feuchtigkeit chemisch binden können. Daher kann der Konsum von E-Zigaretten zu einer Dehydrierung führen.

Rauchen und Schlaganfallrisiko bei Migränepatienten

Bei Frauen mit Migräne ist in mehreren retrospektiven Studien und Metaanalysen eine höhere Rate an Schlaganfällen beobachtet worden als bei Frauen ohne Migräne. Aber auch durch das Rauchen kommt es zu einer deutlichen Erhöhung des relativen Risikos auf 7,39 versus 1,56 bei Nichtrauchern. Migränepatientinnen sollten keine östrogenhaltigen Kontrazeptiva einsetzen und nicht rauchen. Dies gilt besonders für Patientinnen, die unter Migräne mit Aura leiden.

Umweltfaktoren und Kopfschmerzen

Auch Umweltfaktoren können eine Rolle bei der Entstehung von Kopfschmerzen spielen. Zu den Schadstoffen, die die Innenraumluft beeinträchtigen und Kopfschmerzen auslösen können, gehören:

  • Tabakrauch: Epidemiologisch wurde ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Passivrauchen im Innenraum und Kopfschmerzen schon in den 1990er Jahren in großen Studien in Norwegen und den USA nachgewiesen.
  • Kohlenmonoxid: Kohlenmonoxid (CO) ist ein Gas mit bekannten neurotoxischen Eigenschaften und entsteht bei unvollständiger Verbrennung fossiler Brennstoffe. Gemäß diagnostischer Kriterien gilt, dass ab einer Konzentration von 10-20 Prozent COHb (Carboxyhämoglobin) im Blut milde Kopfschmerzen auftreten. Ein COHb von 10% entspricht im Gleichgewicht einem CO-Wert in der Raumluft in der Größenordnung von 70 ⁠ppm⁠. Einige Autoren meinen, dass auch unterhalb von solchen Konzentrationen Kopfschmerzen in Abhängigkeit von der Dauer der CO-Belastung auftreten können.
  • Kohlendioxid: Kohlendioxid (CO2) wird vom Menschen ausgeatmet und die Konzentration steigt in Räumen, in den sich Menschen aufhalten, relativ schnell an. In epidemiologischen Studien wurden signifikante Zusammenhänge zwischen den Symptomen Kopfschmerzen und Müdigkeit und der CO2-Konzentration in der Raumluft nachgewiesen.
  • Duftstoffe und Gerüche: Duftstoffe und Gerüche gehören zu den zehn in Umfragen meistgenannten Auslösern für Migräne. Am häufigsten wird Parfüm genannt, gefolgt von Gerüchen wie Zigarettenrauch, Reinigungsprodukten, Benzin oder Autoabgasen.
  • Flüchtige organische Verbindungen: Flüchtige organische Verbindungen (VOC) gehören zu den wichtigsten Schadstoffen, die im Innenraum vorkommen können. Bekannte Vertreter sind die BTXS (Benzol, Toluol, Xylol und Styrol) und Terpene. VOC werden vielfältig in Produkten wie Farben und Lacken, Wachsen, Lösungs- und Reinigungsmitteln verwendet und gelangen so in die Innenraumluft. Da die Verbindungen teilweise die Nervenzellen schädigen können (neurotoxische Wirkungen), kommen sie als Auslöser für Kopfschmerzen in Betracht.

Warum gibt es nicht mehr umweltepidemiologische Studien zu Kopfschmerzen?

Forschende sind sich darüber einig, dass es bezüglich der Ursachen von Kopfschmerzen große Forschungslücken gibt. Es gibt dafür jedoch auch gute Gründe, denn die meisten Studien beobachten Probanden nicht über einen längeren Zeitraum, so dass das Zusammenwirken zwischen den auslösenden Faktoren (Trigger) und anderen Krankheiten nicht ausreichend untersucht werden kann. Häufiger werden solche Menschen in die Forschung einbezogen, die weitere Krankheiten oder schwere chronische Kopfschmerzen haben und deshalb über Studien erreichbar sind. Aber nur ca. 50 Prozent der Menschen mit Migräne, und noch viel weniger mit chronischen Kopfschmerzen, bemühen sich um eine adäquate medizinische Betreuung. Diese Schwierigkeiten gelten auch und umso mehr bei Studien, in denen ein Zusammenhang zwischen Umweltschadstoffen in der Außen- und Innenraumluft und Kopfschmerzen untersucht werden sollen. Bei solchen Studien kommen vor allem die Schwierigkeiten bei der Expositionserfassung dazu. Trotzdem wäre es wichtig, die Rolle von Umweltfaktoren zu untersuchen, denn selbst wenn ein Faktor die Schwere, die Dauer oder die Häufigkeiten von Kopfschmerzattacken statistisch nur geringfügig beeinflusst, kann der individuelle Nutzen über die Lebenszeit substanziell sein.

Was kann man tun?

Unabhängig von Ergebnissen epidemiologischer Studien und zusammenfassend: Für Menschen mit Kopfschmerzen gibt es gute Gründe, für gute Luft zu sorgen. In der Innenraumluft vorkommende Schadstoffe können Kopfschmerzen auslösen, so dass es wichtig ist, ausreichend zu lüften. Ob auch Schadstoffe der Außenluft bei den in Deutschland vorkommenden Konzentrationen zu Kopfschmerzen beitragen können, ist bisher nicht nachgewiesen. Ein Aufenthalt an frischer und sauberer Luft ist aber nicht nur im Hinblick auf Kopfschmerzen für die Gesundheit förderlich.

Um Kopfschmerzen und Migräne vorzubeugen, können folgende Maßnahmen helfen:

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  • Regelmäßiger Lebensstil: Achten Sie auf regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und genügend Bewegung.
  • Stressmanagement: Erlernen Sie Entspannungstechniken, um Stress abzubauen. Vorbeugende Entspannungsmethoden wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson können dabei helfen, die Unterschiede im Stressniveau zu verringern und können ganz einfach erlernt werden. Krankenkassen bieten dafür z.B. Kurse an.
  • Vermeidung von Auslösern: Identifizieren Sie Ihre individuellen Auslöser und vermeiden Sie diese so gut wie möglich.
  • Gesunde Raumluft: Sorgen Sie für eine gute Luftqualität in Innenräumen, indem Sie regelmäßig lüften und Schadstoffquellen vermeiden.
  • Nikotinverzicht: Verzichten Sie auf Nikotin, um das Risiko von Kopfschmerzen und Migräne zu reduzieren.
  • Dokumentation im Kopfschmerztagebuch: Eine genaue und regelmäßige Dokumentation in Form eines Kopfschmerztagebuchs macht Betroffene zu Expert:innen für ihre eigene Gesundheit. In unserer App sinCephalea Migräneprophylaxe kannst du daher alle relevanten Daten bezüglich deiner Schmerzen, eingenommenen Medikamente und deiner Ernährung eintragen und so möglicherweise Zusammenhänge erkennen.

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